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Revolutionsgedenken im Leipziger Kunstmuseum – Warum Pappe aus Gold ist

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    Ab dem 6. September wird eine Ausstellung in Leipzig gezeigt, die nicht nur die Leipziger an etwas erinnert, was vor 30 Jahren in der Messestadt seinen Lauf nahm. Die friedliche Revolution ist in der Geschichte einmalig. Mittendrin steht auch Udo Lindenberg. Der „Panik-Rocker“ stellt seine zusammen mit dem Team des Museums der bildenden Künste in Leipzig gestaltete Ausstellung „Zwischentöne“ vor. Eine Ausstellung, die nicht von Pappe ist, sondern aus Gold.

    Große Erwartungen

    Im Souterrain des Museums der bildenden Künste herrscht am Nachmittag des 4. September Trubel. Während der Aufbauarbeiten für eine Ausstellung wartet die Pressemeute auf den Künstler, der sich den Wartenden präsentieren soll. Die Fotografen beginnen bereits, sich gegenseitig zu fotografieren. Scherze fliegen hin und her. Die Anspannung steigt. Dann öffnet sich die Tür des Lifts und heraus tänzelt der Nicht-Panische, der Scheißegalkönig, derjenige, der Moskau als Halligalli-Stadt kennt und von dem ex-Staatsratschef der SED Erich Honecker eine Schalmei geschenkt bekommen hatte: Udo Lindenberg.

    Das Blitzlichtgewitter bricht los. Der „Panik-Rocker“ schleicht zum güldenen Trabi, wirft sich in Pose, wirft seine Lippen zum typischen Schmollmund auf, der tief ins Gesicht gezogene Hut bewegt sich an seiner Stirn auf und nieder. Ein Konzert gibt er nicht, aber eine Sondervorstellung für die Fotografen; zwischen Sonderzug nach Pankow, blühenden Landschaften, Likörellen, Lederjacke, Stasi-Akte und Schalmei. Thema: Udo und die DDR, Udo und der friedliche Umbruch, der im Sommer 1989 in Leipzig seinen Ausgang nahm und in den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 mündete.

    Die Reise durch die Ausstellung führt durch fünf Abschnitte. Udo immer umringt von einer dichten Traube aus Presseleuten. Udo am Trabi, Udo am „Ejakulator“ benannten Schlagzeug, Udo vor Udo, Udo vor seiner Stasi-Akte, Udo mit Honi, Udo mit Schalmei. Die Fragen an ihn hören nicht auf, das Blitzlichtgewitter gewittert unaufhörlich. Ein Vorgeschmack dessen, was am Eröffnungsabend des 5. September an gleicher Stelle geschehen wird, wenn Udo Lindenberg mit dem MdbK-Chef Alfred Weidinger und Leipzigs OBM Burkhard Jung die Ausstellung „Zwischentöne“ eröffnen wird; tänzelnd, nuschelnd, cool und menschlich. Eine Ausstellung, die ganz „Udo“ ist, Udo Lindenberg der Musiker, Udo Lindenberg der politische Mensch.

    Gemalte Artikulierungen gegen das Vergessen

    Die stellvertretende Direktorin des MdbK, Dr. Jeanette Stoschek stellt „Zwischentöne“ als eine besondere Ausstellung von einem ganz besonderen Künstler vor, der es vermag, seine Lieder in Bilder umzusetzen. Die Ausstellung entstand aus Anlass des 30-jährigen Begehens der Friedlichen Revolution. Udo Lindenberg und Alfred Weidinger trafen mit ihren Ideen, die Ausstellung durchzuführen, aufeinander. Neben seinem goldenen Trabi, den er 1996 geschenkt bekam und mit dem er ab und zu herumdampft, der berühmten Lederjacke für ex-DDR-Staatschef Erich Honecker, auch der Schalmei und dem bunt beklebten Modell des Sonderzugs nach Pankow stehen 50 großformatige Gemälde und Aquarelle bzw. Likörelle, über 200 Fotografien aus Udos Archiv im Mittelpunkt der Ausstellung, die bis zum 1. Dezember gezeigt wird. Außerdem zu sehen; ein bislang noch nicht ausgestrahltes Interview des Malers Markus Lüpertz in dem er über Udo Lindenberg spricht.

    Unter der bunten Haut der von dem MfS als „Müll-Kultur“ bezeichneten Pop-Identität steckt auch viel Tiefgang. Udos Kunst und Musik steht für Frieden, gegen politisch motivierte und anders motivierte Gewalt, für Umweltschutz und eine Bunte Republik Deutschland. „Zwischentöne“ will auch das ganz besondere Verhältnis des Rockmusikers mit den Ostdeutschen dokumentieren. Dass er schon früh für ein geeintes Deutschland stand, zeigt bereits sein Lied „Wir wollen doch einfach nur zusammen sein“.

    Zehn Jahre später, 1983 steht er nach mehreren Anläufen auf der Bühne des Palastes der Republik, fordert in einer Pressekonferenz ein Ende der Aufrüstungspolitik in Ost und West und kann erst wieder im Januar 1990 seine 1984 untersagte Tournee durch die Noch-DDR durchführen. Udo Lindenberg wird in „Zwischentöne“ daher nicht nur als knallbunter Popmusiker beschrieben, sondern als engagierter Friedens- und Umweltaktivist. Sein 2001 initiiertes Projekt „Rock gegen rechte Gewalt“ führte ihn 2002 wieder nach Leipzig. Für dieses Projekt entstand der Song „Pimmelkopp“, der ebenfalls in eine Serie von Bildern mündete. Auch sie werden in der Ausstellung zu sehen sein.

    Zusammen mit der Ausstellung „Point of No Return. Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst“ bildet „Zwischentöne“ eine Einladung an alle Menschen, die einen künstlerischen Blick auf die damalige Freiheitsbewegung und den Umbruch in der DDR 1989/1990 werfen wollen.

    Eröffnung der Ausstellung: 05.09.2019, 18:00 Uhr
    Udo Lindenberg. Zwischentöne/Nuances
    Einlass ab 17:30 Uhr, begrenzte Kapazität. Nach der Eröffnung ist Ausstellung bis 22 Uhr zugänglich. Vorab schließt das MdbK bereits um 16 Uhr zur Vorbereitung der Eröffnung.

    Ausstellungsdauer: 06.09.2019 bis 01.12.2019

    www.udo-lindenberg.de
    www.mdbk.de

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