Eines der Museen im Grassi erfindet sich neu: Unter dem Motto „Reinventing Grassi.SKD“ wurden am 4. März die ersten umgestalteten Teile der ehemaligen Dauerausstellung eröffnet. Im Fokus steht eine kritische Reflexion der Institution sowie der Geschichte der Sammlungen. Die Einrichtung fragt nach ihrer Rolle als ethnologisches Museum des 21. Jahrhunderts. Außerdem öffnet sich das Haus für neue Perspektiven und will sich zu einem Netzwerkmuseum wandeln.

Im sogenannten „Backstage“-Bereich der neuen Ausstellung können Besucher/-innen einige Mitarbeiter/-innen bei der Arbeit beobachten, wenn Depotstücke verpackt oder konserviert werden. In einem anderen Teil der Ausstellung wird aktiv über Subjekt-Objekt-Beziehungen der Sammlungsgegenstände nachgedacht. Auch Fragen der Provenienz wird nachgegangen, beispielsweise anhand der berühmten Benin-Bronzen, die aktuell aus diesem Grund nicht mehr ausgestellt werden.

Der Gedanke dahinter: Die Arbeit im Hintergrund sichtbar zu machen und Bewegung ins Museum bringen. Dafür sollen nicht nur neue Kollektive, sondern auch Mitbürger/-innen zum Mitmachen angeregt werden.

„Wir wollen weg vom Modell der langjährigen Dauerausstellung und gestalten die Räume Stück für Stück um. Aktuell gibt es so schnell neue Entwicklungen, dass die ersten Räume bestimmt schon wieder umgedacht werden, wenn die letzten fertig sind“, beschreibt Sabine Wohlfarth, zuständig Bildung & Vermittlung am SKD (Staatliche Kunstsammlung Dresden), das Vorhaben.

Berge versetzen

Einer der neuen Räume wird vom Künstler/-innenkollektiv PARA bespielt. Mittels einer partizipativen Aktion soll die Restitution der Spitze des Kilimandscharo finanziert werden. Der Gipfelstein des Berges im heutigen Tansania wurde im Jahr 1889 vom Kolonialgeograph Hans Meyer entfernt, zersägt und mitgenommen. Ein Teil ist mittlerweile verschollen, der andere steht in einem Antiquariat zum Verkauf.

Zurück blieb eine Leerstelle. Nun soll die Aktion den Rückkauf ermöglichen. Zur Finanzierung können kleine Replikate der Spitze in der Ausstellung produziert und erworben werden. Jedem wohnt außerdem ein kleines bisschen Bausubstanz des Grassi-Museums inne, das eigens dafür abgetragen wurde.

Somit wird das Museum selbst zum Material und Rohstoff einer Restitution. Um den Einsatz zu erhöhen, hat das Kollektiv zudem den Gipfel der Zugspitze entfernt. Dieser befindet sich als Geisel im Grassi-Museum und wird nach erfolgreichem Abschluss ebenfalls wieder zurückgegeben.

Foto: Alina Blumberg / pexels

Mitmachen im Museum

Bis jetzt werden in den umgestalteten Bereichen hauptsächlich männliche Geschichten erzählt. Dies soll sich nun ändern: Der Workshop „Exit the Frame“ vom 19.04. bis 22.04. steht unter dem Motto „Female Empowerment“. Um eine neue Station mitzugestalten, werden junge Menschen zwischen 11 und 22 Jahren gesucht.

Nach einer gemeinsamen Recherche werden Plakate und vieles mehr über Frauen* der Geschichte gestaltet. Mit von der Partie sind der RISO Club Leipzig und das Büro für Sinn und Unsinn.

Dadurch soll dem Museum ein weiterer Teil hinzugefügt werden – Interessierte sind herzlich willkommen, um sich selbst im Museum einzubringen und aktiv und kreativ mit dabei zu sein. Der Ferienworkshop ist der Auftakt für das junge Kuratorium, für welches ebenfalls noch interessierte Menschen im Alter zwischen 11 und 22 Jahren gesucht werden.

Anmeldung vorab unter [email protected] Der Workshop findet an den vier Tagen täglich von 10–15 Uhr statt. Für Verpflegung in der Mittagspause ist ebenfalls gesorgt. Eine verkürzte Workshop-Teilnahme ist möglich.

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