Auf einer Wolke liegen und in einen Blumenhimmel blicken: Das kann man im Japanischen Palais in Dresden. Regnen die Pflanzen vom Himmel oder recken sie sich einem entgegen? An den Wänden des Raumes kleben Blumen aus Papier. Kinder und Erwachsene fügen weitere hinzu, jede trägt einen Wunsch: Gesundheit, fliegen können, kein Corona mehr, Döner, eine bessere Zukunft.

Das Werk der Künstlerin Theresa Rothe mit dem Namen „Rainy Days with Occasional Sunshine“ lädt zum Verweilen und Träumen ein. Es handelt sich um Kunstblumen aus Seide, die an der Decke angebracht sind, mit wolkenförmigen Kissen darunter, auf denen man sich ausstrecken und gen Himmel blicken kann.

Kinder und Natur ins Museum!

Das Werk ist Teil der zweiten „Kinderbiennale“ im Japanischen Palais in Dresden, die unter dem Motto „Embracing Nature“ steht und Mensch, Natur und Nachhaltigkeit spielerisch thematisiert. Die Kinderbiennale verfolgt dieses Jahr drei inhaltliche Stränge: Natur im Museum, natürliche Ressourcen und Kreisläufe. Sie lädt dazu ein, unseren eigenen Platz in unserer Umwelt zu reflektieren und uns der Erde bewusst zu werden.

Doch nicht alles sind Wolken, Blumen und Träume: Die Klimakrise führt zu Artensterben, Klimawandel, Erderwärmung – Veränderungen, die unsere Kinder am stärksten betreffen werden. Doch wie bekommt man die Natur ins Museum?

Für die kleinen Besucher/-innen laden partizipative Kunstwerke zum Mitmachen ein und erwecken die ganze Ausstellung zum Leben: Überall wird gerannt, gelacht, gehüpft, ein Abenteuerbuch gibt Anstöße zum aktiven Erleben und Teilhaben. „Die Besucher hatten nach der ersten Kinderbiennale große Erwartungen. Dieses Jahr war es aufgrund der aktuellen pandemischen Situation natürlich schwieriger, interaktive Angebote zu schaffen“, erklärt Kuratorin Tony Hoyer.

Trotzdem ist es wieder gelungen: Im zweiten Raum befindet sich das digitale Werk „Field“ von Design I/O, das auf Bewegungen reagiert – und so auch mit Abstand funktioniert. Auf eine lange Wand ist ein Ökosystem, eine Blumenwiese projiziert. Drei verschiedene Jahreszeiten mit Pflanzen und Schmetterlingen wechseln sich ab und können beeinflusst werden, folgen tanzenden Armen und Beinen. Wo man steht, wächst es, auf dem Rest der Wand wogt es sanft hin und her.

Eröffnung der Kinderbiennale im September 2021 im Japanischen Palais. Foto: Oliver Killig

Auch bei der Konzeption spielten die Jüngsten die Hauptrolle: In Vorüberlegungen sowie bei der Auswahl der Kunstwerke und begleitenden Workshops waren Schulklassen als Kinderbeiräte miteinbezogen, das Thema selbst wurde schon bei der ersten Kinderbiennale nach den Interessen der Kleinen erdacht.

„Das ist ein Thema, das alle spannend fanden: Natur und Tiere im Museum. Wir haben mit diesem Input gearbeitet und eine Vorauswahl getroffen, nach der wir dann zusammen mit den Klassen entschieden haben“, erklärt Kuratorin Tony Hoyer. Selbst inhaltlich waren Kinder beteiligt: Das Kunstwerk „The Oort Cloud and the Blue Mountain“ hat das Künstlerpaar Andreas Schlegel und Hazel Lim-Schlegel zusammen mit der 4-jährigen Tochter Hanna geschaffen.

Ausstellungsräume zum Erleben

Der dänisch-isländische Künstler Ólafur Elíasson hat mit der App „Earth Speakr“ einen weiteren partizipativen Beitrag geschaffen. Hier können Kinder und Jugendliche ihre Gesichter mit Objekten aus der Natur verschmelzen und sprechen – Videos aus der ganzen Welt werden hier ausgestrahlt.

In einem anderen Raum findet man „Well“ von Mark Justiniani, einen glasbedeckten „Brunnen“, der beklettert werden kann und somit tiefe Einblicke in Unendlichkeit und Illusion bietet. Er steht für den Kreislauf des Lebens, mit einem Rückgrat aus Büchern in der Mitte – das gesammelte Wissen. „Mama, wie viele Bücher sind das?“, fragt ein kleines Mädchen. Dem Anschein nach unendlich viele, der Bücherstapel verliert sich in der Tiefe.

„Die reine Notwendigkeit“ von David Clearbout offenbart sich als „Kinoraum“: auf den ersten Blick das Dschungelbuch, doch ohne Menschen und ohne vermenschlichte Tiere.

„Die Tiere verhalten sich so wie in der Natur: Sie essen, sie schlafen, sie liegen herum. Es ist wie ein soziales Experiment. Meistens halten es die Kinder länger aus als die Erwachsenen. Es passiert ja scheinbar nichts“, beschreibt Tony Hoyer. Ein kleiner Junge berührt die Schnauze des Bären auf der Leinwand. Es ist schön, auf eine leise Art.

Eröffnung der Kinderbiennale im September 2021 im Japanischen Palais. Foto: Oliver Killig

Die Klimakrise im Hintergrund

Andere Werke sind abstrakter oder düsterer: Gleich im ersten Raum thematisiert die Installation „The Dream of the Hammer“ Aufbau und Zerstörung und arbeitet mit Schattenprojektionen. „Der Künstler István Csákány bespielt auch gerade unser mobiles Museum. Hier kann man sich bei uns melden, wir fahren Schulklassen in ganz Sachsen an“, führt Tony Hoyer aus.

Bei „Wither“ von Thijs Biersteker stehen große, milchweiße Installationen aus recyceltem Plastik, die Pflanzen darstellen. Jedes Mal, wenn es klickt, wurde wieder eine bestimmte Anzahl Regenwald abgeholzt. Jede Minute werden in Brasilien 11.000 m2 Regenwald abgeholzt – fast drei Fußballfelder. Es flackert und klickt unaufhörlich, man kann dem Wald beim Verschwinden zusehen. Marijke van Warmerdam präsentiert eine Eiskugel, die langsam im Museum schmilzt – umso schneller, wenn sie von Kindern mit großen, staunenden Augen angefasst und gestreichelt wird.

Der letzte Raum ist ein weiteres buntes Farbenspiel: Was als ein weißer Raum mit Papier und Wachsmalstiften begann, hat sich bis zu meinem Besuch in ein Chaos aus Farben und Formen verwandelt. Auch im Abenteuerbuch gibt es keine Anleitung, lediglich eine weiße Seite. „Es ist, was es ist“ von Artourette lässt kreativen Freiraum – mit Konsequenzen. Bereits jetzt ist kaum mehr Platz auf Wänden und Boden für neue Zeichnungen.

„Bitte nicht übermalen“, steht in wackeligen Buchstaben neben einem Einhorn. Damit stellt das Werk ganz praktisch die Frage, was passiert, wenn die Rohstoffe aufgebraucht sind. Eine Erinnerung am Ende der Ausstellung, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz wichtig sind, um unsere Erde auch in Zukunft, und auch für unsere Kinder zu bewahren.

Japanisches Palais, Dresden
Laufzeit: bis 24.04.2022
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13–18 Uhr, Samstag bis Sonntag 10–18 Uhr
Eintritt frei

„Kinderbiennale noch bis Ende April: Zwischen Blumen und Klimakrise“ erschien erstmals am 1. April 2022 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 100 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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