Der Leipziger Maler Günter Thiele ist im Alter von 95 Jahren am Dienstag, dem 20. Januar 2026, im Kreise seiner Familie gestorben. Das teilt seine Galerie, die Galerie Schwind, mit. Günter Thiele, 1930 in Leipzig geboren, zählte zu jener Generation von Kunstschaffenden, die zwischen Nachkriegsrealität und künstlerischer Selbstbehauptung ihren eigenen Weg suchten.
Bis zuletzt arbeitete er unermüdlich in seinem Atelier in Eutritzsch und schuf so fast 300 Gemälde, die nicht nur sein künstlerisches Vermächtnis bilden, sondern auch ein Gegengewicht zu manch lauter und schriller zeitgenössischer Position der Leipziger Kunstszene.
Nach einer Ausbildung zum Rundfunkmechaniker, begann der junge Günter Thiele Ende der 1940er Jahre mit ersten eigenen zeichnerischen und malerischen Versuchen. Eine Zwangsverpflichtung zur Arbeit im Uranbergbau zwang ihn 1949 zur Flucht in die Bundesrepublik, aus der er jedoch im selben Jahr zurückkehrte.
Nach dem Abbruch eines Studiums an der Kunstgewerbeschule Leipzig, entschied sich Thiele 1954 erneut für ein Studium und wurde durch die Hilfe Karl Hofers an der Hochschule für Bildende Künste Berlin zugelassen. 1960 kehrte er nach Leipzig zurück, heiratete und arbeitete freischaffend, bevor er von 1975 bis 1993 einen Lehrauftrag an der HGB Leipzig erhielt.
In diesen annähernd 20 Jahren hat Günter Thiele alle Künstler der später so renommierten Neuen Leipziger Schule im Grundstudium unterrichtet und maßgeblich geprägt. Viele von ihnen haben von seiner Haltung zur Arbeit, seinem künstlerischen Anspruch und seinem Sinn für Genauigkeit gelernt. Er war kein lauter Vertreter seiner Zunft, sondern ein beharrlicher Beobachter, der das Wesentliche im Unspektakulären fand.
Günter Thiele war auch ein Zweifelnder, der wusste, dass man die Vollkommenheit anstreben, aber nie erreichen kann. Bekannt geworden ist er für seine Leipziger Stadtbilder.
Seinen Bildern sieht man diesen inneren Zweifel, dieses Ringen nach Perfektion oft nicht an: Mühelos und unaufgeregt offenbart sich in seinen perspektivisch genau geplanten Straßen- und Häuserschluchten, in denen auch vereinzelt Figuren auftauchen, die Nüchternheit und zugleich das Grandiose des Lebens.
Zur Seite des Künstlers auf der Homepage der Galerie Schwind.
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