Die Buchmesse naht und auch zu dieser gibt es eine kleine BuWision, also eine buchwissenschaftliche Schaufensterausstellung in der Leipziger Innenstadt. Nicht so groß wie in der Vergangenheit, kleiner und spezieller. Denn sie widmet sich einem besonderen Verlagsgeburtstag. Den feiert der S. Fischer Verlag nämlich im September. Dann jährt sich die Gründung dieses großen Verlages durch Samuel Fischer zum 140. Mal. Und entsprechend zeigen die Schaufenster auch Titel aus der frühen Zeit des Verlages.

Die kenntnisreich ausgestatteten Schaufenster findet man diesmal im Städtischen Kaufhaus am Neumarkt und in der Kupfergasse. Die Ausstellung umfasst Fenster zur Kaiserzeit inklusive des Ersten Weltkriegs, der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der Emigration und der frühen Bundesrepublik. Erster Weltkrieg? Das war die Zeit, als Alfred Döblin beim Fischer Verlag andockte und Walther Rathenau hier seine Schriften veröffentlichte.

Und die Zeit der Weimarer Republik war geradezu geprägt von großen Namen und Erfolgen: Hermann Hesses „Demian“, Thomas Manns „Zauberberg“, Döblins „Berlin. Alexanderplatz“.

Schaufensterausstellung im Städtischen Kaufhaus: Die spannende Geschichte des S. Fischer Verlages. Foto: Gabriel Corredor
Schaufensterausstellung im Städtischen Kaufhaus: Die spannende Geschichte des S. Fischer Verlages. Foto: Gabriel Corredor

1936 wurde der Verlag geteilt. Und damit beginnt eine richtige Doppelgeschichte. Denn während Gottfried Bermann Fischer mit den wichtigsten Autoren des Verlages nach Wien wechselt, bleibt Peter Suhrkamp in Berlin zurück und versucht, mit den von den Nazis nicht verbotenen Autoren weiter am Markt zu bleiben.

Und das ist das Thema, mit dem sich Siegfried Lokatis – vielen noch bekannt als Leipziger Buch-Professor – jetzt in einem aktuellen Buchprojekt beschäftigt. Es ist ein ganzes Zeitalter, das da zum Stoff wird, denn nach dem Krieg wurde die Frage geradezu spannend, wie denn nun das Verhältnis der beiden Verlage zueinander ist. Dieses Nebeneinander klärte sich im Grunde erst 1950, als Peter Suhrkamp seinen eigenen Verlag gründete.

Schaufensterausstellung im Städtischen Kaufhaus: Die spannende Geschichte des S. Fischer Verlages. Foto: Gabriel Corredor
Schaufensterausstellung im Städtischen Kaufhaus: Die spannende Geschichte des S. Fischer Verlages. Foto: Gabriel Corredor

Das ist der Stoff, bei dem Literaturwissenschaftler ganz aufgeregt werden. Beide Verlage prägten mit ihren Veröffentlichungen das geistige Leben in der Bundesrepublik. Und tun es bis heute. Es lohnt sich also, mal einen Abstecher zum Städtischen Kaufhaus zu machen. Die Ausstellung in den Schaufenstern des Städtischen Kaufhauses ist bis zum 25. April zu sehen.

Am morgigen Mittwoch, 18. April, soll dann auch die digitale BuWision fertig sein, mit der man sich auf der Stadtkarte informieren kann über Orte und Inhalte der aktuellen BuWision. Hier die Karte von 2025.

Und hier geht’s zur BuWision 2026.

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