This article is also available in English: Read this article in English.
Am Donnerstag, dem 10. September, eröffnet die Universitätsbibliothek (UB) Leipzig in der Bibliotheca Albertina ihre neue Sonderausstellung: „EinBlick #10: Schön, kostbar, gigantisch. Der Leipziger Machsor“. Die berühmte hebräische Handschrift aus dem frühen 14. Jahrhundert ist jüdisches Kulturerbe der Superlative: Das gewaltige, zweibändige Manuskript enthält die Gebete und Gesänge für die jüdischen Festtage und ist reich mit kostbarer Buchmalerei geschmückt.
Im Rahmen des Themenjahres „Tacheles“ ist der Leipziger Machsor bis zum 25. Oktober erstmals seit 17 Jahren wieder öffentlich zu sehen – jede Woche mit einer neuen Seite.
Der Leipziger Machsor zählt zu den international berühmtesten hebräischen Handschriften des europäischen Mittelalters. Er wurde im frühen 14. Jahrhundert für die bedeutende jüdische Gemeinde in der rheinischen Bischofsstadt Worms angefertigt.
„Das gewaltige Format der zweibändigen, auf Pergament geschriebenen Handschrift, die erlesene Kalligraphie und die reiche Ausmalung mit kostbaren Deckfarben und Gold zeugen vom Reichtum des Auftraggebers und dem repräsentativen Anspruch dieses Buches“, erläutert Ausstellungskurator Dr. Christoph Mackert.
Eine Begutachtung im Jahr 2005 zeigte, dass sich die Farbschichten der Buchmalerei abzulösen drohten. Sie wurde daraufhin von einer führenden konservatorischen Spezialistin aufwendig gesichert. Da jedes Wenden der großformatigen und schweren Pergamentblätter die Malschichten erneut lockern kann, wird die Handschrift nur noch in Ausnahmefällen gezeigt.
„Es ist uns als Universitätsbibliothek ein besonderes Anliegen, dieses außergewöhnliche Zeugnis jüdischen Kulturerbes im Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierfür wurden die Malschichten im Machsor eigens von unserer Restaurierungswerkstatt noch einmal stabilisiert“, so Dr. Anne Lipp, Direktorin der UB Leipzig.
Im Rahmen der Ausstellung werden sechs Doppelseiten gezeigt, beginnend mit der Liturgie für das Neujahrsfest Rosch ha-Schana, das in diesem Jahr vom 11. bis 13. September gefeiert wird. Die neuen Seiten werden jeweils ab donnerstags zu sehen sein, es lohnt sich also ein mehrfacher Besuch.
Der Leipziger Machsor
Noch 1553 war der Machsor in Worms in Gebrauch. Wohl infolge der Versuche, die jüdische Gemeinde zu vertreiben, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einsetzten, gelangte die Handschrift nach Galizien in das heutige Ostpolen: Nachträge nennen Rabbiner aus Szczebrzeszyn/Shebreshin und Lesko/Lisk. 1746 wurde der Machsor schließlich in Leipzig zum Verkauf angeboten. Die UB Leipzig erwarb ihn unter ihrem damaligen Leiter Christian Friedrich Börner.
Ein Machsor, auch Mahzor, ist bis heute zentrales Buch im religiösen Leben des Judentums. Er enthält die Gebete und Lesungen, die an den besonderen Festtagen im Jahreskreislauf vorzutragen sind. Der Name bedeutet ursprünglich „Wiederholung“ und wurde auf den jährlichen Zyklus der Festtagsliturgie in der Synagoge übertragen. Aus dem europäischen Mittelalter haben sich einige wenige Machsorim erhalten.
Die Website zur Ausstellung „EinBlick #10: Schön, kostbar, gigantisch. Der Leipziger Machsor“ findet man hier.
Ausstellungszeit: 10. September bis 25. Oktober, täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr im Ausstellungsraum der Bibliotheca Albertina (Beethovenstr. 6, 04107 Leipzig), Eintritt frei.
Ein Audioguide in der Ausstellung vermittelt Besucher/-innen zusätzliche Hintergründe zur Handschrift und ihrer Geschichte.
Rahmenprogramm
Vernissage am Donnerstag, 10. September, um 19:00 Uhr mit einer Veranstaltung im Café Alibi in der Bibliotheca Albertina.
Unter dem Titel „Der Leipziger Machsor: Jüdisches Kulturerbe als Verpflichtung“ sprechen Dr. Christoph Mackert, Leiter des Handschriftenzentrums der Universitätsbibliothek Leipzig, und Prof. Dr. Jörg Deventer vom Leibniz Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow – über jüdisches Kulturerbe der Superlative. Im Fokus stehen unter anderem Fragen von Besitzgeschichte und der für uns bestehenden Verantwortung für jüdisches Kulturgut.
Finissage am 25. Oktober um 16:00 Uhr im Fürstenzimmer in der Bibliotheca Albertina. Alles über den Leipziger Machsor: Eine Expertin erzählt.
Der Leipziger Machsor ist eine der berühmtesten Handschriften, die sich aus dem mittelalterlichen Judentum Europas erhalten haben: ein gewaltiges Schriftkunstwerk mit exquisiter Buchmalerei. Katrin Kogman-Appel, Humboldt-Professorin für Jüdische Studien der Universität Münster und eine der international renommiertesten Expertinnen für hebräische Handschriften, erzählt im Gespräch mit Dr. Christoph Mackert von ihren Forschungen zum Leipziger Machsor und erläutert, was die singuläre Besonderheit dieses Manuskripts ausmacht.
Öffentliche Führungen mit Ausstellungskurator Dr. Christoph Mackert am 24. September um 18:00 Uhr und am 5. Oktober um 15:00 Uhr, Treffpunkt jeweils im Foyer der Bibliotheca Albertina.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:










Keine Kommentare bisher