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Donnerstag, 21. Januar 2021

#nurmitkultur und „Night of Light“ erinnern daran, wie hart die Coronakrise gerade die Kultur trifft + Bildergalerie von der Night of Light

Von Redaktion

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    So langsam spricht sich herum, dass kein Bereich so heftig von den Corona-Beschränkungen betroffen ist wie der Kulturbereich. Nicht nur die Auftritte für Musiker und Schauspieler fallen weg, Clubs bleiben geschlossen, Autoren finden kein Publikum mehr. Zwei große Aktionstage machen jetzt auf dieses Dilemma aufmerksam, das den Kern unseres gesellschaftlichen Lebens trifft. Der eine ist der #nurmitkultur-Aktionstag für den Erhalt der Leipziger Kultur am heutigen 20. Juni, der andere die „Night of Light“ in der Nacht vom 22. zum 23. Juni.

    Zur Aktion #nurmitkultur werden am heutigen Samstag, 20. Juni, ab 16 Uhr viele dezentrale Aktionen der Kulturbetriebe im gesamten Stadtbild stattfinden. Daran anschließend kommen alle Beteiligten auf dem Augustusplatz zusammen. Videos und künstlerische Interventionen ermöglichen es den einzelnen Kulturakteuren auf ihre jeweils individuelle Situation aufmerksam zu machen.

    Aktionstag #nurmitkultur am 20. Juni

    16:00–17:30 Uhr Aktionen in den Stadtteilen, den Kultureinrichtungen und Clubs
    17:30–18:00 Uhr Alles zieht zum Augustusplatz
    18:00 Abschlussaktion auf dem Augustusplatz

    Alle Informationen zu Beteiligungsmöglichkeiten und zur Koordinierung der Aktion findet man auf www.leipzigpluskultur.de.

    Aktion „Night of Light“

    Die „Night of Light“ in der Nacht vom 22. zu 23. Juni macht vor allem auf die dramatische Lage der Veranstaltungsbranche aufmerksam. Dazu werden in ganz Deutschland über 4.000 Gebäude in rotes Licht getaucht.

    Der Hintergrund: „Die Veranstaltungswirtschaft war der erste Wirtschaftszweig, der von der COVID-19-Krise getroffen wurde und er wird auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein.

    Faktisch alle Unternehmen aus den Bereichen Messebau, Veranstaltungstechnik, Eventagentur, Catering, Bühnenbau, Eventlocation, Messegesellschaft Kongresscenter, Tagungshotel, Konzertveranstalter, Künstler und Einzelunternehmer haben durch die erfolgten Veranstaltungsverbote seit dem 10. März innerhalb weniger Werktage ihre gesamten Auftragsbestände verloren. Sie gerieten als erste in die Krise (first in) und werden als letzte wieder aus der Krise herauskommen (last out).

    Seit Mitte März macht die Veranstaltungswirtschaft quasi keinen Umsatz mehr. Anders als im produzierenden Gewerbe können weggefallene Umsätze nicht mehr nachgeholt werden, es kann auch nichts „auf Lager“ produziert werden; die meisten Unternehmen in der Veranstaltungswirtschaft sind Dienstleister. Selbst wenn nach Beendigung der Krise eine hohe Nachfrage einsetzen würde, kann der erlittene Verlust nicht mehr kompensiert werden.

    Die Veranstaltungswirtschaft insgesamt ist einer der größten Sektoren der deutschen Wirtschaft und zählt rund 1 Million direkte Beschäftigte. Es wird ein jährlicher Umsatz von rund 130 Milliarden Euro erwirtschaftet. Rechnet man die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren veranstaltungsbezogenen Teil- und Zuliefermärkten hinzu, so beschäftigen mehr als dreihunderttausend Unternehmen in über 150 Disziplinen mehr als 3 Millionen Menschen und erzielen einen Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro.“

    Die „Night of Light“ ist ein flammender Appell an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft.

    Erleuchtete Gebäude zur "Night of Light" in Leipzig. Karte: night-of-light.de
    Erleuchtete Gebäude zur „Night of Light“ in Leipzig. Karte: night-of-light.de

    In der Nacht vom 22. zum 23. Juni werden auch in Leipzig Dutzende Gebäude in rotes Licht getaucht. Ganz zentral ab 22 Uhr die Fassade des Leipziger Hauptbahnhofs. Aber auch das Cityhochhaus, die alte Hauptpost (Das Lebendige Haus), die Oper Leipzig, das Haus Markt 9 (Blauer Salon), das Westin Hotel, das Adina Hotel am Brühl, in den Stadtteilen zum Beispiel auch das Volkshaus, die naTo, die Distillery und das Werk 2, die Heilandskirche in Plagwitz, der Felsenkeller, die Schaubühne und das Täubchenthal. Und so weiter. Der Kartenausschnitt zu Leipzig allein zeigt, wie viele Einrichtungen von den Einschränkungen des Publikumsverkehrs direkt betroffen sind.

    Und das sind nicht alle. Denn viele Ensembles und Clubs sind ja zur Miete in anderen Häusern.

    Der Aufruf zum 20. Juni

    #nurmitkultur – der Aufruf der Initiativen Leipzig + Kultur, LiveKommbinat Leipzig, Kreatives Leipzig und der Eigenbetriebe Kultur der Stadt Leipzig zu #nurmitkultur – Aktionstag für den Erhalt der Leipziger Kultur am 20. Juni 2020

    Die Covid19-Pandemie stellt uns vor die Frage, was wichtig ist für unser Zusammenleben. Was ist verzichtbar, was ist lebensnotwendig für den Erhalt einer aufgeklärten Gesellschaft? Wie wollen wir leben im Angesicht einer Bedrohung, wie der durch das Coronavirus? Wir sagen: nur mit Kultur!

    Kultur als Lebensnotwendigkeit

    Kultur ist die Grundlage einer aufgeklärten Gesellschaft. Sie verbindet, erinnert, gibt Denkanstöße und uns die Möglichkeit, uns ästhetisch und menschlich weiter zu entwickeln. Kultur ist Begleiterin, Initiatorin und Katalysator gesellschaftlicher Prozesse. Doch in der aktuellen Situation zeigt sich auch, dass der Stellenwert der Kultur im Vergleich zu ökonomischen Zusammenhängen nachgelagert ist. Dabei braucht es gerade jetzt eine Kultur, die Raum schafft, sich zu verständigen und auszutauschen, die das Gemeinsame in der Veränderung betont, die zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt.

    Kultur in Gefahr

    Die Kultureinrichtungen und die Menschen, die für sie und in ihnen arbeiten, sind in dieser Krise besonders hart betroffen. Das betrifft kulturelle städtische Eigenbetriebe ebenso wie Clubs, freie Spielstätten mit und ohne öffentliche Förderung, freie Kulturinitiativen und ehrenamtlich strukturierte Vereine, Soloselbständige in Kultur- und Kreativwirtschaft. Wir alle haben zum Wohl der Gemeinschaft verzichtet, unsere Arbeit ruhen lassen, unsere Häuser geschlossen gehalten, sind unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht geworden. Jetzt schwinden unsere Kräfte, unsere Rücklagen, unsere finanzielle Liquidität.

    Angekündigte Hilfsmaßnahmen

    Knapp 1 Milliarde Euro wurden vom Bund für das Programm „NEUSTART KULTUR“ angekündigt. Mittel, die überwiegend der Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur dienen sowie für die Schaffung weiterer digitaler Angebote und pandemiebedingte Investitionen eingesetzt werden sollen. Darüber hinaus sollen Überbrückungshilfen in Höhe von 25 Mrd. Euro an kleine und mittelständische Unternehmen ausgezahlt werden, um Umsatzausfälle kompensieren zu können und Existenzen zu sichern. Inwiefern davon auch gemeinnützige Kultureinrichtungen profitieren können, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

    Des Weiteren kündigte der Freistaat Sachsen Anfang Juni ein Kulturhilfspaket in Höhe von 67,8 Millionen Euro an, wovon rund 21 Millionen an die sächsischen Kulturstaatsbetriebe gehen. 7 Millionen Euro gehen davon in die Kulturstiftung des Freistaates für Stipendienprogramme sächsischer Solo-Künstler/-innen und neue Formate und Konzepte der Veranstaltungsbranche. Der größte Teil – 30 Mio. werden an die freien Kultureinrichtungen und -vereine des Freistaates verteilt, was immerhin eine Hilfe für die bisher entstandenen Liquiditätsprobleme in Aussicht stellt – so lange die Mittel reichen (maximal 10.000 €/Einrichtung, in Ausnahmefällen max. 50.000/ Einrichtung).

    Bekenntnis zur Kultur

    Wir danken Bund und Freistaat für das Erkennen unserer Problemlage. Eine nachhaltige Perspektive für unsere Zukunft ist in den Ankündigungen aber leider nur schemenhaft erkennbar. Ist Kultur in Krisenzeiten nicht wichtig genug? Ist sie „nur das Sahnehäubchen“, nur ein „nice to have“ für unser gesellschaftliches Zusammenleben? Dieser Eindruck drängt sich auf und kann doch falscher nicht sein.

    Wir fordern ein klares Bekenntnis aller politisch Handelnden für den Erhalt unserer kulturellen Infrastruktur! Dazu gehören staatliche und kommunale Eigenbetriebe ebenso wie die freien Kulturinitiativen, Vereine, Spielstätten und Clubs. Wir fordern eine nachhaltige Unterstützung von Künstler/-innen, Kultur- und Kreativschaffenden, solange ihre Arbeitsmöglichkeiten durch die Pandemiefolgen eingeschränkt bleiben müssen.

    Perspektiven und Lösungsansätze mit Beteiligung der Kulturpraktiker

    Wir brauchen klare und verlässliche Perspektiven, wie es weitergehen kann. Können öffentliche Orte und Brachflächen als temporäre Kulturorte mit einer höheren Zuschauerkapazität eine Alternative sein? Wie sollen in Zukunft Veranstaltungen mit Musiker/-innen, Schauspieler/-innen und Tänzer/-innen durchgeführt werden, die 1,5 Abstand halten müssen? Wie können Menschen zusammenkommen, um in Zeiten der Pandemie gesellschaftliches Miteinander zu gestalten? Wo soll gesellschaftlicher und kultureller Austausch stattfinden, wenn die Orte dafür zu verschwinden drohen?

    Wir können unsere Häuser wieder öffnen, aber nur für einen Bruchteil unseres Publikums. Wir stehen vor dem Problem, dass wir mit jeder Veranstaltung vor halbleeren Zuschauerrängen ein Defizit erwirtschaften werden, das unsere Rücklagen zusätzlich belasten wird. Unter den aktuellen Umständen ist für den Fortbestand unserer Einrichtungen sicherer, wenn wir geschlossen bleiben, als wenn wir teilweise wieder öffnen.

    Für dieses strukturell-betriebswirtschaftliche Problem muss eine konkrete, passgenaue, wirksame, nachhaltige Lösung gefunden werden und dies mit Beteiligung der Betroffenen, denen aus der Praxis und aus den Kultureinrichtungen, nicht der Lobbyisten. Die angekündigten Hilfsmaßnahmen müssen so ausgestaltet werden, dass sie insbesondere dieser Herausforderung gerecht werden.

    Drohender Verlust an Kultur = immense Folgen für lokale Wirtschaft und Steuereinnahmen

    Machen wir uns klar, dass mit dem Verlust von Spielstätten, Konzerthäusern und Clubs nicht nur die Kultur stirbt, sondern auch die Grundlage unseres Zusammenlebens erodiert. Der drohende Verlust an kultureller Infrastruktur wird auch schwerwiegende wirtschaftliche Folgen haben. Für Tourismus, Marketing, Gastronomie- und Hotelgewerbe und den Einzelhandel setzen Kulturveranstaltungen lebenswichtige ökonomische Impulse.

    Umso mehr machen wir deutlich, dass es #nurmitkultur geht, dass es Kultur braucht. Gerade jetzt, gerade hier!

    Kulturstadt Leipzig ohne Kultur?

    Leipzig ist zur Boomtown geworden. Auch wenn man Wortgestalten wie „Cool Kids Town“, „Hypezig“ und „Place to be“ mit Argwohn gegenübersteht, so steht fest, dass Leipzig eine enorme Anziehungskraft weit über die Stadtgrenzen hinaus bis in alle Welt entwickelt hat.

    Ohne Kultur, ohne die Verbindung zwischen städtischen Kulturbetrieben, freier Szene, Kultur- und Kreativwirtschaft und Clubs, die sich einander bedingen, gäbe es keine „Cool Kid Town“, kein „Place to be“, wäre Leipzig nicht der Standort, der es heute ist mit seinen positiven und lebenswerten Auswirkungen auf alle Teile der Gesellschaft.

    Deswegen sagen wir laut und deutlich #nurmitkultur und rufen zum Aktionstag am 20. Juni auf, um deutlich zu machen, was Kultur bedeutet und was auf dem Spiel steht, wenn Kultur stirbt.

    Leipzig + Kultur | LiveKommbinat Leipzig | Kreatives Leipzig | Eigenbetriebe Kultur der Stadt Leipzig

    Unterstützt durch die Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig.

    Impressionen der „Night of Light“ am 22. Juni 2020 in Leipzig

    Corona bringt auch die Kriminalautor/-innen Deutschlands in eine prekäre Lage

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall zu entdecken.

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