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Corona bringt auch die Kriminalautor/-innen Deutschlands in eine prekäre Lage

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    Fast schon vergessen ist, dass es eigentlich die Autor-/innen und Verlage waren, die im März mit als erste erlebten, was es heißt, wenn ihre Lesungen abgesagt werden. Eine komplette Frühjahrsproduktion verschwand mit der Buchmesse im Ungewissen. Und die Lage verschärft sich noch weiter und betrifft auch Autor/-innen, von denen man denkt: Die müssten doch jeden Monat richtig viele Bücher verkaufen. Denn Krimis müssen doch auch im Corona-Shutdown gekauft worden sein wie heiße Semmeln. Oder?

    Auch die Krimi-Autor/-innen sind Solo-Selbstständige. Sie haben eigentlich gelernt, mit unsicheren Situationen umzugehen. Aber Corona bringt sie in heftige Existenznöte, und zwar in ganz Europa.

    Spannungsliteratur ist das größte Segment der jährlichen belletristischen Neuerscheinungen. Darum schlägt die coronabedingte Krise der Buchbranche bei den Kriminalschrifsteller/-innen besonders durch. Auch der Krimi braucht ein Publikum. Deren Verband, das SYNDIKAT, hat am 9. Juni zusammen mit dem Netzwerk Autorenrechte (NAR) eine Umfrage des European Writers’ Council (EWC) vorgelegt, die das Ausmaß der Einkommensverluste mit Fakten belegt.

    100.000 bis 150.000 weniger Neuerscheinungen wird es insgesamt bis ins Jahr 2021 in Europa geben. Die Vielfalt der europäischen Literatur ist dadurch gefährdet. Davor warnt der Dachverband der europäischen Autor/-innen- und Übersetzerverbände. Auch die Nothilfeprogramme der einzelnen Länder sind demnach kaum auf Schriftsteller und freiberufliche Kulturschaffende ausgerichtet, die oft genug durchs Raster fallen.

    Autor/-innen, die im Frühjahr eine Neuerscheinung publizierten, fielen meist gänzlich unter den Bücher-Tisch. Für freiberuflich Schreibende bedeutet dies den Verlust von einem bis drei Jahren Arbeit. Debüt-Stimmen wurden gänzlich ihrer Chance beraubt, und so manche potentiell große Schriftsteller/-innen dürften in der Corona-Krise für immer untergegangen sein.

    Das Gros der Autor/-innen bestreitet ihr Einkommen aus dem Honorar für Lesungen, Workshops und Seminare. Seit Ende März wurden diese jedoch abgesagt. Neue Lesungen werden weiterhin kaum vereinbart, auch, da die meist eher kleinen Lesungsstätten wie inhabergeführte Buchhandlungen die Hygienevorschriften nicht so umsetzen können, dass ein lohnenswertes Publikum Platz findet.

    „Viele unserer Kolleg/-innen rutschen unverschuldet in eine prekäre Lage“, erklärt Jens J. Kramer, Vorsitzender des SYNDIKATS, des Vereins für deutschsprachige Kriminalliteratur. „Die Hilfsangebote des Bundes oder der Länder setzen Betriebsausgaben voraus, die Autor/-innen nicht haben. Der Betrieb der Autoren ist ihr Kopf.“

    Ersatz für entfallene Vergütungen oder Honorare erhalten die Autor/-innen nicht – so etwas ist in den Verträgen nicht vorgesehen. „Auch die auf Lesungen folgenden Rezensionen fallen damit weg, die Bücher werden schlicht ,unsichtbar‘“, betont Kramer. „Der Hinweis, dass die Autor/-innen ja Hartz IV beantragen könnten, empfinden viele als zynisch.“

    Basierend auf der Umfrage des European Writers’ Council (EWC) hat das Netzwerk Autorenrechte (NAR) nun ein Strategiepapier veröffentlicht „Krisenhilfe und Zukunftsinvestitionen für Autoren, Autorinnen, Übersetzerinnen und Übersetzer in Deutschland“, in dem zwölf konkrete Vorschläge gemacht werden, wie das literarische Leben reaktiviert werden kann. Sei es ein LESEN!-Fonds nach Schweizer Vorbild, die Aktion LESEN MACHT SCHULE oder die Unterstützung lokaler Kooperationen.

    Die Vorschläge findet man hier.

    „Es geht nicht um eine Extrawurst für Schriftstellerinnen und Schriftsteller“, sagt Kramer, „sondern um Chancengleichheit. Unsicherheit gehört zu unserem Beruf, damit kommen wir zurecht. Aber wenn eine gut laufende Maschine gestoppt werden musste, muss man sie auch wieder in Gang setzen. Nichts anderes fordert ja auch die Bundesratsinitiative für Kulturschaffende.“

    Das SYNDIKAT ist der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur. Mit rund 750 AutorInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das SYNDIKAT die größte Vereinigung für Spannungsliteratur im deutschsprachigen Raum und deckt das gesamte Genre vom regionalen Krimi bis zum internationalen Thriller ab. Im SYNDIKAT treffen sich BestsellerautorInnen, genreübergreifende Allrounder und Newcomer/-innen auf Augenhöhe zum Austausch und zur Organisation gemeinsamer Interessen.

    Das European Writers’ Council ist der Dachverband der Autoren- und Übersetzerverbände im Europäischen Buchsektor. Es repräsentiert über 150.000 Schriftstellerinnen und Übersetzer aus 41 Verbänden und 27 Ländern. Derzeitige Präsidentin ist die deutsche Schriftstellerin Nina George.

    Tod unterm Schwanz: Die Krimi-Anthologie, die zur ausgefallenen CRIMINALE in Hannover erschien

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