Zum ersten Mal lädt der Verein Industriekultur Leipzig e.V. anlässlich der Tage der Industriekultur zur langen Lesenacht ein. Freuen darf man sich auf einen abwechslungsreichen Abend voller spannender Geschichten, überraschender Einblicke und facettenreicher Texte zur Industriegeschichte der Region. Veranstaltungsort ist das Vereinshaus des Wasser-Stadt-Leipzig e. V. im Stadtteilpark Plagwitz (Industriestraße 72, Leipzig).

Einlass ist ab 16:30 Uhr. Los geht es um 17:00 Uhr mit Jörg Jacob, der aus „Baumgarten fährt durch die Luft“ lesen wird.

Worum geht es? Leipzig im Jahr 1880. Gründerzeit. Die Stadt wächst rasant. Immer mehr Menschen kommen in die aufstrebende Industriestadt, um in den neu entstehenden Fabrikanlagen zu arbeiten. Wohnhäuser, Straßen und Gleisanlagen werden gebaut, neue Stadtviertel entstehen, umliegende Dörfer rücken näher an die Stadt heran und werden eingemeindet.

In der von Ideen brodelnden Aufbruchstimmung der Gründerzeit planen zwei Männer zu Ostern 1880 etwas Ungewöhnliches, nie Dagewesenes – der vermögende Leipziger Verlagsbuchhändler Hermann Wölfert und Georg Baumgarten, ein sächsischer Oberforstmeister und Erfinder. Baumgarten hatte ein vollkommen neuartiges Luftfahrzeug entwickelt und erste Modelle bereits getestet.

Ein durchschlagender Erfolg war bisher jedoch ausgeblieben. Zu Ostern 1880 sollte nun aber der neue Prototyp dieses Luftschiffes in den Himmel über Leipzig aufsteigen, mit Wölfert und Baumgarten an Bord. Eine waghalsige Episode mit unvorhergesehenem Ausgang folgt.

Der Roman von Jörg Jacob, der tatsächliche Ereignisse von 1880 in den Mittelpunkt stellt, soll über Baumgartens Schicksal hinaus einen Blick in die Zeit des großen industriellen Aufbruchs in Sachsen gewähren.

Von 18 bis 20 Uhr gibt es dann eine Lesung mit Klangperformance zu Texten von Wolfgang Hilbig und Walter Bauer.

Zu den festen Traditionen des Leipziger Industrie|Kultur|Festivals gehört alljährlich eine literarische Veranstaltung, die sich mit dem unverwechselbaren literarischen Schaffen dieses wichtigsten der mit der Industriekultur Mitteldeutschlands verbundenen Schriftsteller widmet – Wolfgang Hilbig.

Das Mitglied der Hilbig-Gesellschaft Thomas Böhme ist zur Lesung von Hilbig-Texten eingeladen, da er in diesem Jahr mit dem Walter-Bauer-Literaturpreis der Stadt Leuna ausgezeichnet wurde. Böhme, geboren 1955 in Leipzig, wo er bis heute lebt, ist seit seinem Debüt mit dem Gedichtband „Mit der Sanduhr am Gürtel“ (Berlin: Aufbau Verlag 1983) als freier Autor tätig. Neben seinen in großer Regelmäßigkeit erscheinenden Lyriksammlungen hat er Romane, Novellen, experimentelle Prosaformen und Fotobände veröffentlicht.

In Bänden wie „Im Ort“, der dem Mansfeld gewidmet ist, wendet er sich wie Bauer einer Welt zu, die von der Arbeit und der Veränderung geprägt ist, und lotet ähnlich wie der Namensgeber des Preises aus, was diese Arbeit, diese Veränderung mit den sie Erfahrenden macht.

Die Erinnerung an Walter Bauer bewahrt insbesondere der Merseburger Stadtchronist Jürgen Jankofsky. Nach dem Schulbesuch, Abitur und dem abgebrochenen Chemiestudium erhielt Jankofsky eine Ausbildung zum Berufsmusiker. Es folgte ein Fernstudium am Literaturinstitut Leipzig und die Mitarbeit im Literaturzentrum Halle/Saale.

Seitdem arbeitete er als freischaffender Künstler. Für die Veranstaltung wird Jankofsky Leseproben um Stimmcollagen erweitern, die er auf Basis von Originalaufnahmen von Walter Bauer arrangiert.

Corinna Schulze, Clemens Meyer, Enrico H. Ruge: Renntag in Leipzig. Foto: Ralf Julke
Corinna Schulze, Clemens Meyer, Enrico H. Ruge: Renntag in Leipzig. Foto: Ralf Julke

Und um 20:30 Uhr schließt der Abend dann mit der Buchvorstellung „Renntag in Leipzig. Geschichten aus dem Scheibenholz“ aus dem Passage Verlag. Anlässlich des Erscheinens von „Renntag in Leipzig“ werden die Autoren Corinna Schulze, Clemens Meyer und Enrico H. Ruge Einblicke in das Buch und seine Entstehung geben.

Lange Lesenacht, Donnerstag, 10. September, 17:00 Uhr bis 21:30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für das leibliche Wohl wird gesorgt (Selbstzahler). Einlass ab 16.30 Uhr.

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