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Steine, Farbbeutel, Brandsatz: Angriff auf Polizeiposten in Connewitz

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    Der Polizeiposten in der Wiedebach-Passage in Connewitz wurde am Mittwochabend, 7. Januar durch eine größere unbekannte Gruppe in Mitleidenschaft gezogen. Die nach ersten Aussagen der Polizei bis zu 50 Personen starke Gruppe sei dabei mit Steinen und einem Brandsatz gegen den Polizeiposten vorgegangen. In einem Bekennerschreiben auf dem Portal "Indymedia" wurde noch am gleichen Abend von einem unbekannten Autor die Tat mit dem Gedenken an den Tod von Oury Jalloh vor zehn Jahren begründet.

    Zahlreiche verklebte Glasscheiben, mehrere schwarze Farbklekse und eine Mülltone im Polizeirevier in der Wiederbach-Passage deuten auf den gestrigen Abend hin: Nach Darstellung der Polizei verrichteten zwei Beamte in den Räumlichkeiten der Dienststelle am Mittwochabend ihren Dienst, als sie eine größere Gruppe in der Nähe bemerkten. Sie vermuteten eine, nicht unübliche, stattfindende Spontandemonstration in Connewitz.

    „Allerdings war die Gruppe nicht darauf aus, tatsächlich eine Meinung zu formulieren. Als sie in Höhe der Außenstelle angekommen waren, bewarfen die ausschließlich Vermummten sämtliche Scheiben mit Pflastersteinen, Farbbeuteln und Feuerwerkskörpern“, so der Ablauf laut der Presseerklärung der Leipziger Polizeidirektion. Weitere Täter hätten zudem einen Zaun überwunden, um nach der Zerstörung der Heckscheibe eines geparkten Polizeiautos einen Brandsatz hineinzuwerfen. Die Feuerwehr konnte das Feuer schnell löschen. Die Gruppe verstreute darüber hinaus „Krähenfüße“, um Maßnahmen weiterer Einsatzkräfte zu sabotieren.
    Einen direkten Zusammenhang sieht der Polizeidirektion Leipzig laut Pressesprecher Uwe Voigt auf L-IZ-Nachfrage mit der vor Silvester aufgetauchten Objektliste. Darin wurde das „Feindbild Polizei“ aufgeworfen.

    Auf dem Portal „Indymedia“ war kurz vor elf Uhr ein Bekennerschreiben erschienen, in dem der Landfriedensbruch mit dem Gedenken an Oury Jalloh gerechtfertigt wurde. Der Dessauer war vor genau 10 Jahren in seiner Zelle verbrannt. Im Laufe der gerichtlichen Aufbereitung gab es zahlreiche Ungereimtheiten seitens der Polizei, weswegen einige Initiativen bis heute einen Mord seitens der damaligen Polizeibeamten unterstellen. Der Angriff hat inzwischen eine Welle der Solidarität und Empörung ausgelöst. „Wir stehen Seite an Seite mit der Polizei und ich wünsche den Polizisten, die hier angegriffen wurden, viel Kraft, dass sie mit dieser Belastung fertig werden. Wir werden den Polizeiposten so schnell wie möglich wieder herrichten“, gab Oberbürgermeister Burkhard Jung in der Pressemeldung bekannt und gab zu verstehen, dass die Connewitzer über die Polizeipräsenz froh seien.

    „Der Rechtsstaat wird alles unternehmen, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen“, so der Innerminister Markus Ulbig und verwies auf die wichtige Aufgabe der Polizei.

    Auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat, Axel Dyck, verurteilt den gestrigen Anschlag auf den Connewitzer Polizeiposten: „Den brutalen und feigen Anschlag auf den Connewitzer Polizeiposten verurteilen wir auf das schärfste. Wir hoffen, dass die Dienst habenden Polizisten diese psychischen Belastungen zügig verarbeiten können. Wir begrüßen die Ankündigung des Oberbürgermeisters, dass der Polizeiposten so schnell wie möglich wieder hergerichtet wird, damit die Polizei für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort präsent bleibt“.

    Volker Külow (Vorsitzender Die Linke) „verurteilt diesen massiven Anschlag und distanziert sich entschieden von der Zerstörungswut, die von den bislang unbekannten Tätern ausgeübt wurde“. Für Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Die Linke), deren Büro in unmittelbarer Nähe ist, gab es auch keine vorherigen Anzeichen für den Anschlag.

    Allerdings sieht sie die Lage gegenüber dem Oberbürgermeister etwas differenzierter und meint „es gibt in Connewitz viele Menschen, die den Polizeiposten kritisch sehen, genauso wie es solche gibt, die ihn begrüßen und wieder andere, die indifferent sind.“ Sie verweist dabei auch auf die Gefährdung der demokratischen Kritik an polizeilichen Maßnahmen, die beispielsweise die Initiative „Für das Politische“ im vergangenen Jahr geübt hatte. Für sie hätte man mit mehr und früherer Kommunikation dem nun stattgefundenen Angriff wirksamer entgegentreten können.

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