Weil er Zivilcourage zeigte: Unbekannte griffen Jürgen Kasek an + Update

Für alle LeserZwei Männer haben am Samstag-Abend Jürgen Kasek am Bayerischen Bahnhof angegriffen. Der Vorstandsprecher der sächsischen Grünen war auf dem Heimweg von der Global Space Odyssey, als er Augenzeuge einer verbalen Auseinandersetzung wurde. Als der 36-Jährige couragiert einschritt, schlug ihm einer der Unbekannten die Faust ins Gesicht. Die Täter entkamen unerkannt.
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Der Vorfall ereignete sich gegen 21:05 Uhr. Zwei Männer waren gemeinsam mit ihren Partnerinnen am Bayerischen Bahnhof in einen Streit geraten und sollen laut Augenzeugen sexistische Parolen geäußert haben. Eine Fahrradfahrerin kam den Damen zur Hilfe. Weil das beherzte Einschreiten den Herren nicht passte, gingen diese laut Kasek sodann auf die Radfahrerin los. „An diesem Punkt habe ich eingegriffen“, schilderte der Politiker gegenüber L-IZ.de den Vorfall.

Bei einem der Männer fielen nun offenbar sämtliche Sicherungen aus. „Er verpasste mir unvermittelt einen Schlag ins Gesicht“, so Kasek. Anschließend suchten die Angreifer das Weite. Jürgen Kasek geht es den Umständen entsprechend gut. „Ich erlitt einen Cut über dem linken Auge“, klagt der Leipziger. Sofort alarmierte Polizeikräfte suchten erfolglos den Bereich um den Bayerischen Bahnhof nach den Angreifern ab.

Jürgen Kasek veröffentlichte am Abend dieses Foto auf "Facebook". Deutlich ist der Cut über dem linken Auge zu erkennen. Foto: Privat

Jürgen Kasek veröffentlichte am Abend dieses Foto auf „Facebook“. Deutlich ist der Cut über dem linken Auge zu erkennen. Foto: Privat

Kasek selbst hält einen politischen Hintergrund des Vorfalls für unwahrscheinlich. Beide Männer waren ihm nicht persönlich bekannt. In der Vergangenheit war der Grünen-Politiker wegen seines Engagements gegen Rassismus und Neonazis vielfachen Anfeindungen aus der rechten Szene ausgesetzt

Augenzeugen beschreiben die Täter als Mitte 20. Beide trugen kurze schwarze Hosen und T-Shirts. Sie sind etwa 1,85 bis 1,90 Meter groß. Der Angreifer ist athletisch gebaut und trat sehr aggressiv auf. Möglicherweise waren beide Männer alkoholisiert. Dass der Schläger unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stand, kann nicht ausgeschlossen werden.

Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden (0341/96634299).

Update 2. Juli 2017, 16 Uhr

Im Laufe des heutigen Tages veröffentlichte Jürgen Kasek auf seinem persönlichen Blog eine Stellungnahme. In dieser beschreibt er einerseits die vielfältigen Reaktionen, die der Fall und die Berichterstattung der L-IZ.de vom gestrigen Abend natürlich auch aufgrund seiner regionalen Prominenz ausgelöst hat. Besonders wird dabei übrigens die Frage diskutiert, warum sich die beiden weiblichen Begleiterinnen der zwei deutschen Angreifer so verhielten, wie sie es taten. Passiv und offenbar erduldend im Nachgang gesehen.

Den Zeitpunkt seines genauen Einschreitens unter Zeugen beschreibt Kasek als den, als die beiden jungen Männer auch die intervenierende dritte Frau verbal mit „Fotze“ attackierten.

Andererseits verweist der Politiker auf den eigentlichen Kern des Problems schon in der Überschrift „Über Zivilcourage“ und versucht Tipps zum persönlichen Eingreifen in ähnlichen Situationen zu geben. Da es weitere Zeugen für den Übergriff gibt, besteht durchaus eine reale Möglichkeit, die Täter noch zu ergreifen.

Das Statement von Jürgen Kasek, welches wir gern wiedergeben

Jürgen Kasek: „Vorgeworfen wird mit unter anderen, dass ich es öffentlich gemacht habe und mich dafür feiern lassen würde. Eine Reihe von Kommentaren drückt Freude aus, dass es mich getroffen hat, ohne sich mit der Situation auseinanderzusetzen, andere zeigen Respekt und bekunden, dass es nicht gut gewesen wäre einzuschreiten.

Zunächst mal mir geht es gut. Ich habe gestern versucht einen sexistischen Übergriff zu unterbinden und habe dafür einen Schlag ins Gesicht bekommen. Das Ergebnis ist eine kleine Platzwunde im Gesicht. Ansonsten alles gut.

Nein, deswegen bin ich sicher kein Held. Ich habe etwas gemacht, dass ich immer wieder tun würde und wozu ich auch selber immer wieder aufrufe: den Mund aufzumachen gegen Diskriminierung und Gewalt. Ich finde es auch wichtig darüber zu schreiben und darauf aufmerksam zu machen und ich möchte euch Mut machen ebenfalls zu handeln, wenn andere Menschen diskriminiert werden und zwar egal aus welchem Grund.

Wenn mehr Menschen bereit sind zu handeln, wissen auch die möglichen Täter, dass sie jederzeit Widerspruch erfahren können. Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die aus Angst, lieber wegschaut. Und wenn ihr irgendwann Opfer werden solltet würdet ihr euch auch wünschen, dass es Menschen gibt die handeln. Deswegen tut es auch. Wir alle tragen Verantwortung für diese Gesellschaft, für ein Miteinander. Ich verstehe die, die in einer solchen Situation Angst haben und möchte euch trotzdem Mut machen. Schaut nicht weg.“

Der gesamte Text ist hier zu finden

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