Die Stadt Leipzig hat am 10. Januar gemeinsam mit den Leipziger Verkehrsbetrieben und der Polizeidirektion Leipzig die Verkehrssicherheitskampagne „Leipzig passt auf“ ins Leben gerufen. „Wir unterstützen diese Kampagne ausdrücklich. Auch wir sind davon überzeugt, dass gegenseitige Rücksichtnahme entscheidend für sichere Fortbewegung im Straßenverkehr ist. Nicht umsonst ist dies auch in Paragraf 1 der StVO verankert“, sagt Thomas Gentsch von Verkehrswende Leipzig.

Verkehrswende Leipzig ist ein Zusammenschluss Leipziger Bürger/-innen und Organisationen, die sich für eine stärkere Förderung umweltfreundlicher Mobilität (insbesondere zu Fuß und mit dem Rad, aber auch ÖPNV) einsetzen. Das Bündnis möchte die bereits existierenden Organisationen, wie z.B. Ökolöwe, BUND, ADFC, Bürgervereine und -initiativen, aber auch CriticalMass oder X For Future besser vernetzen.

„Jedoch macht es sich die Stadt Leipzig mit ihrer Kampagne zu einfach“, kritisiert Thomas Gentsch. Seine Begründung: „Die Kampagne appelliert allein an das Verhalten der Verkehrsteilnehmer und setzt falsche Prioritäten.“

Die Stadtverwaltung könne die ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, den Straßenverkehr gerechter und sicherer zu machen, viel besser nutzen. „In diesem Sinne haben wir die Kampagne durch in unseren Augen viel wirksamere Maßnahmen und zusätzliche Kampagnenmotive ergänzt.“

Gehwegparker? Weg damit! Grafik: Verkehrswende Leipzig
Gehwegparker? Weg damit! Grafik: Verkehrswende Leipzig

Beispielsweise gibt es nun Motive, die fordern, Autos von Geh- und Radwegen konsequent abzuschleppen und mehr und unangekündigte Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen.

„Die besten Regelungen bringen nichts, wenn sie nicht durchgesetzt werden“, mahnt Gentsch. Ebenso thematisiert wird die Dringlichkeit, für mehr Verkehrssicherheit in bauliche Infrastruktur zu investieren – so zum Beispiel in Zebrastreifen und geschützte Radwege.

Ein zweiter Kritikpunkt an der Kampagne der Stadt ist die falsche Gewichtung. Laut Leipzigs Polizeipräsident René Demmler ist der Autoverkehr für 94 % der Unfälle verantwortlich. Doch die Gefahren des Autoverkehrs zeigen sich nicht nur in der Anzahl der Unfälle, sondern auch in deren Schwere.

„Bei einem Unfall mit einem Auto werden Fußgänger oder Radfahrer sehr oft verletzt, gar getötet. Dagegen sind Unfälle, an denen ausschließlich Radfahrer oder Fußgänger beteiligt sind, selten tödlich“, stellt Thomas Gentsch fest. „Damit ist klar, dass Handlungsbedarf zum Schutz dieser schwächeren Verkehrsteilnehmer vor schwerwiegenden Folgen des Autoverkehrs besteht.“

Aller guten Dinge sind dreißig. Grafik: Verkehrswende Leipzig
Aller guten Dinge sind dreißig. Grafik: Verkehrswende Leipzig

Jährlich geschehen auf Leipzigs Straßen 12.000 bis 13.000 Verkehrsunfälle, davon ca. 1.900 mit Personenschaden. 2016 bis 2018 starben jährlich 14 Menschen an den Unfallfolgen, daher braucht auch Leipzig eine „Vision Zero“. Diese hat das Ziel, schwere und tödliche Verletzungen bei Unfällen auf null zu reduzieren. Straßen und Verkehrsmittel müssen so gestaltet werden, dass es nicht zu schweren oder tödlichen Unfällen kommt. Menschen machen Fehler, Infrastruktur muss diese verzeihen.

Notwendig sind aus Sicht von Verkehrswende Leipzig:

  • geschützte Kreuzungen oder getrennte Grünphasen für Radfahrer und rechtsabbiegenden Autoverkehr
  • mehr Flächen für Fuß- und Radverkehr, d. h.
  • mehr Fußgängerzonen, mehr Zebrastreifen und Vorrang für Fußgänger
  • mehr, breitere und baulich vom motorisierten Verkehr getrennte Radwege
  • innerorts Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit
Fotos, die Leben retten. Mehr davon! Grafik: Verkehrswende Leipzig
Fotos, die Leben retten. Mehr davon! Grafik: Verkehrswende Leipzig

An 10 Prozent der oben genannten Unfälle sind Radfahrer beteiligt, dabei werden jedes Jahr 900 verletzt, fünf bis sechs davon tödlich. Die meisten tödlichen Unfälle sind Abbiegeunfälle, bei denen rechtsabbiegende Autofahrer vorfahrtsberechtigte Radfahrer überfahren.

Es liegt aus Sicht von Verkehrswende Leipzig also auf der Hand, dass dort, wo Auto- auf Fuß- oder Radverkehr trifft, Handlungsbedarf besteht. Maßnahmen sollten sein:

  • vermehrte, unangekündigte Geschwindigkeitskontrollen
  • Verkehrskontrollen mit Fokus auf Unfallschwere – Hauptaugenmerk bei Verkehrskontrollen auf Gefahren, die potenziell zu Verletzungen führen
  • konsequentes Abschleppen: Entfernung von Falschparkern von Geh- und Radwegen sowie Kreuzungsbereichen und Gehwegnasen.

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