Nein, das will man nicht erleben. Und für eine kleine Familie ist es eine Katastrophe, wenn nicht nur der langersehnte Urlaub an der türkischen Mittelmeerküste ausfällt, sondern auch noch das ganze sauer gesparte Geld für den Urlaub weg ist. So geschehen einer jungen Mutter aus Leipzig, die noch in der letzten Woche so glücklich war, auf ebay jemanden gefunden zu haben, der seinen Ferienplatz in Antalya nicht nutzen konnte. So schien es jedenfalls.

Am Anfang stand einfach ein kleiner Hilferuf auf ebay, wie ihn viele schreiben, die einfach noch keinen bezahlbaren Ferienplatz für sich und die Kinder gefunden haben. Was ja wirklich nicht leicht ist, nachdem aufgrund von Corona zwei Jahre lang viele Reisen ins Ausland praktisch unmöglich geworden sind, Flüge gecancelt waren, Buchungen storniert.

Umso größer war die Hoffnung auf den Sommer 2022. Doch im Sommer 2022 haben Millionen Deutsche ihre Sehnsucht nach Urlaub, Sonne, Sand und Strand wieder verwirklicht. Im Grunde war schon lange alles ausgebucht, die Preise entsprechend hoch. Im In- wie im Ausland. Was tun?

Doch da wurde der Hilferuf auf ebay erhört. Scheinbar meldete sich da jemand, der überglücklich war, jemandem seinen Ferienplatz anbieten zu können, weil er selbst – leider, leider – die Ferienwohnung nicht nutzen konnte.

Wenn das Geld dann weg ist …

Aber dann begann etwas, was inzwischen gar nicht so wenige Menschen kennen, die den anonymen Anbietern vertrauen, auch dem Zeitdruck vertrauen, der da auf einmal auftaucht, weil der Ferienflieger von Leipzig nach Antalya ja schon gebucht ist. Das Geld müsse also schnell überwiesen werden. Die Kommunikation läuft über WhatsApp.

Am anderen Ende ist schon längst jemand anderes, der Onkel von jemanden scheinbar, der das jetzt alles managt und das Geld am Tresen von MoneyGram in Empfang nehmen soll. Wenn das Geld überwiesen ist, sollten die Unterlagen kommen, nebst Flugbuchung.

Wenn man sich so auf einen Urlaub mit den Kindern freut, ist der Druck sowieso schon groß. Dann hält man sich fest am Strohhalm und schiebt auch die Ängste weg, die sich so langsam breitmachen, wenn die andere Seite den Druck immer weiter erhöht. Ohne Geld kein Ferienplatz, kein Platz im Flieger.

Ach so, da muss sowieso umgebucht werden, es gibt nur noch Plätze in der Businessclass. Also noch einmal Geld überweisen für den Aufschlag?

Und dann …

Dann das Schweigen, das einen zermürbt, wenn man nichts mehr hört. Keine neue Nachricht auf WhatsApp, keine Unterlagen. Keine Bestätigung von der Fluggesellschaft. Also anrufen am Flughafen, ob man denn wenigstens auf der Passagierliste steht.

Aber spätestens da merkte die junge Mutter, dass irgendetwas gewaltig schiefgelaufen war. Auf ihren Namen waren keine Plätze gebucht.

Das Flugzeug würde ohne sie fliegen.

Polizei statt Strand

Und statt eines Starts in den verdienten und teuer bezahlten Urlaub gab es jetzt Tage mit Anrufen bei der Polizei (die erst einmal gar nichts machen kann), bei MonoyGram (wo man doch die Daten der Person haben müsste, die das Geld abgeholt hat), bei WhatsApp, um den Kontakt zu verifizieren. Screenshots sichern den Vorgang.

Aber dann war schon das Wochenende da, wo sie eigentlich alle schon am Strand liegen wollten. Die Kinder toben im Hintergrund, während wir telefonieren. Sie haben sich erst recht gefreut. Denn nach zwei Jahren so völlig ohne Ferien und Urlaub war das jetzt ein ganz großes Wunschkonzert für den Sommer.

„Und ich konnte doch nur in den Ferien was machen“, sagt die junge Mutter. Genau in der Zeit, in der halb Deutschland unterwegs ist. Da wäre ein Ferienplatz für 1.100 Euro wie ein Volltreffer im Lotto gewesen. 1.100 Euro, die sich die kleine Familie regelrecht abgespart hat. „Das ganze Geld für unseren Urlaub.“

Nach den vielen Anrufen bei Polizei, Flughafen, MonayGram und WhatsApp dann der Versuch, die Leipziger Medien irgendwie zu erreichen. Die aber so ziemlich alle im Wochenende sind und am Montag erst wieder da. Natürlich wundern wir uns auch ein bisschen. Sollen wir jetzt eine Spendenaktion starten?

Das würde ja Sinn ergeben. Denn ohne Geld kann man mit den Kindern ja nicht mal im Raum Leipzig irgendetwas Aufregendes unternehmen. Da ist das 9-Euro-Ticket geradezu ein Glücksfall. Damit kommt die kleine Familie wenigstens in den Tierpark nach Eilenburg.

Man hört es regelrecht, wie es die Kleinen ins Abenteuer zieht.

Warnt die Leute, damit ihnen das nicht auch passiert

Aber an einen Spendenaufruf dachte die Anruferin nicht. Sie dachte eher an die vielen anderen, die auf die gleiche Masche hereinfallen könnten. Und die so froh sind, wenn ihnen scheinbar jemand den großen Wunsch auf einen bezahlbaren Ferienplatz am Mittelmeer erfüllen kann. Man will ja nicht immer misstrauisch sein. Aber in diesem Fall hatte das Bauchgefühl wieder recht.

Ein Bauchgefühl, das die Profis unter den Betrügern nur zu gut auszutricksen wissen. Deshalb erhöhen sie mit jedem Anruf den Druck, setzen dem Angerufenen ein Ultimatum, sonst ist das gute Angebot nicht mehr zu haben, ist der Flug weg oder der, der den Ferienplatz gebucht hat. „Sie haben den Druck immer mehr erhöht“, sagt die junge Frau.

Und dann hat sie überwiesen, hoffend, dass die Buchungsunterlagen gleich geschickt werden.

Es lief ganz ähnlich, wie es bei der Betrugsmasche „Europol-Scam“ läuft. Die Täter haben sich im Lauf der Zeit immer mehr professionalisiert und wissen genau, wie sie psychischen Druck aufbauen, bis ihre Opfer überweisen. Sie wissen sich wie reale Menschen zu benehmen, nette Leute, die doch nur helfen wollen. Aber sie kennen in Wirklichkeit keine Skrupel.

Deswegen sollen wir warnen, damit das nicht anderen auch so passiert. Und es gibt in Leipzig und anderswo genug kleine Familien, wo man ein ganzes Jahr sparen muss, damit das Geld für einen Ferienplatz für die ganze Familie reicht.

Wo man sich auch noch bis zuletzt freuen kann, wenn doch – wie durch ein Wunder – jemand einen bezahlbaren Platz anbieten kann. Familien, für die 1.100 Euro das komplette Urlaubsbudget sind.

Also warnen wir an der Stelle. Lieber verzichten auf noch so verlockende Angebote, wenn man nicht wirklich weiß, wer da am anderen Ende ist. Und wenn jemand dort anfängt Druck zu machen am Telefon, dann gilt immer: auflegen. Sofort. Wer es ehrlich meint, macht keinen Druck.

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