Im Schloss Güldengossa räumte eine Diebesbande im Oktober 2023 Bankschließfächer aus, erbeutete Edelmetalle, Schmuck und Fremdwährung im Wert von fast 450.000 Euro. Für einen der mutmaßlichen Täter klickten 2025 am Prager Airport die Handschellen: Seit Mittwoch, dem 7. Januar 2026 steht der 38-jährige Reuvan E. nun unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls vor dem Landgericht.

Eine mehrköpfige Gruppierung schließt sich zusammen, um durch professionelle Schließbankaufbrüche viel Geld einzustreichen und den Lebensunterhalt zu finanzieren: Genau diesen Entschluss soll auch Reuvan E. irgendwann vor Oktober 2023 gefasst haben, sagte Staatsanwältin Stefanie Ricken am Mittwoch, dem 7. Januar 2026 im Leipziger Landgericht. Sie wirft dem 38-Jährigen schweren Bandendiebstahl, banden- und gewerbsmäßige Urkundenfälschung sowie Sachbeschädigung vor.

Raffiniertes Vorgehen der Täter

Und das soll passiert sein: Laut Anklage habe Reuvan E. gemeinsam mit mindestens fünf weiteren Personen arbeitsteilig agiert. Einzelne Mitglieder der Gruppe hätten sich demnach mit falschen Personalien Schließfächer bei einer Firma im Barockschloss Güldengossa angemietet – vorgeblich als normale Kundschaft, die dort diskret und sicher Wertgegenstände lagern wollte. In Wahrheit sei es darum gegangen, sich so einen Zutritt zu erschleichen und Sicherheitsstandards auszukundschaften.

Am 30. Oktober 2023 schlugen die Täter dann zu. Reuvan E. habe sich am Hauptbahnhof mit Komplizen getroffen und zu ihnen die Telefonverbindung gehalten, so Ermittlungen. Zwei Männer hätten die Räumlichkeit um 12:47 Uhr betreten und sich unter Vorlage gefälschter Dokumente Zutritt zu den Schließfächern erbeten, der ihnen offenbar auch problemlos gewährt wurde.

Als die vermeintliche Kundschaft zur Wahrung der Diskretion eingeschlossen und unbeobachtet war, soll sie dann elf Schließfächer mit Schraubendrehern geöffnet haben. Die Ausbeute: Gold und Silber in Form von Münzen und Barren, Schmuckgegenstände sowie Bargeld unter anderem in Euro, Norwegischen Kronen, Schweizer Franken und US-Dollar. Der Wert: 449.806,65 Euro, dazu ein entstandener Sachschaden von 6.150,47 Euro.

Verhandlungstermine bis Februar geplant

Nach dem Coup seien die Männer zum Leipziger Hauptbahnhof zurückgekehrt. Reuvan E., der einen israelischen und portugiesischen Pass besitzt, war 2025 am Prager Flughafen gefasst und ausgeliefert worden.

Nach eigener Aussage ist er gelernter Koch, zweifacher Vater und verheiratet, die Frau lebe aktuell in einer Stadt, die zum israelischen Bezirk Tel Aviv gehört. Seit 14. Mai sitzt er aufgrund eines Haftbefehls in einer JVA ein.

Verteidigen werde er sich nach Angaben seines Anwaltsteams vorerst schweigend, also nichts zum Tatvorwurf aussagen. Die 17. Strafkammer am Landgericht will sich zur weiteren Beweisaufnahme jetzt mindestens bis Anfang Februar Zeit nehmen. Fünf Termine stehen aktuell im Kalender.

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