Beim ersten Gerichtstermin im September 2025 redete er wirr, beschimpfte Prozessbeteiligte als „Dreckschweine“ und wurde schlussendlich von der Verhandlung ausgeschlossen: Nun hat das Leipziger Landgericht einen 44 Jahre alten Mann in die Psychiatrie geschickt. Der an paranoider Schizophrenie erkrankte Alexander K. soll im Zustand der Schuldunfähigkeit seinen früheren Boxtrainer beinahe getötet haben.

Über den Ausgang des Prozesses Ende 2025 hatte zunächst die LVZ berichtet. Der brutale Vorfall, den die 16. Strafkammer des Landgerichts zu verhandeln hatte, ereignete sich am 24. März 2025: Damals soll Alexander K. im Foyer eines Boxvereins am Leipziger Sportforum seinem 53 Jahre alten Opfer aufgelauert haben. Als sein Zielobjekt etwa 16:30 Uhr eintraf, habe Alexander K. den Mann erst beleidigt und dann mit einer metallenen Lenkerstange mindestens zehnmal auf ihn eingeprügelt.

Opfer konnte Metallstangen-Schläge abwehren

Der 53-jährige Boxtrainer erlitt neben Schmerzen, Abschürfungen und Blutungen an Armen und Kopf auch ein Hämatom, eine Hautdurchtrennung sowie eine Prellung am linken Auge, hat weiterhin mit Einschränkungen seines Sehvermögens zu kämpfen. Er überlebte den Angriff, weil er die Schläge des Aggressors mit seinem linken Arm abwehren konnte und ein weiterer Zeuge in das Geschehen eingriff.

Die Staatsanwaltschaft ging von vornherein davon aus, dass Alexander K. seine schockierende Tat im Zustand einer „Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis mit akuter psychotischer Symptomatik“ beging. Und daher aufgrund von Schuldunfähigkeit nicht bestraft werden kann, sondern in einer Klinik unterzubringen ist, sofern von ihm weiterhin eine Gefahr ausgeht.

Konfuse Anschuldigungen gegen das Opfer

Doch was war das Motiv seines Handelns? Offenbar war Alexander K. früher Mitglied des betreffenden Boxvereins und kannte das Opfer. Aufgrund verschiedener Vorkommnisse soll der Verdächtige aber aus dem Verein ausgeschlossen worden sein.

Alexander K. selbst hatte den äußeren Tatablauf als solchen während des Prozesses nicht bestritten. Er habe aber nie eine Tötungsabsicht gehegt und den Boxtrainer lediglich erschrecken wollen, behauptete er.

Dieser habe ihn gemobbt, ihm eine Laufbahn als Profiboxer verbaut, auch sei er Schuld am Tod eines Freundes sowie Mitwisser staatlich befohlener Morde gewesen: Dies und dergleichen mehr erzählte Alexander K. am ersten Verhandlungstag vor Gericht.

Verdächtiger sieht sich nicht als gefährlich und fechtet Unterbringung an

Der endete letztlich im Eklat, weil der kräftige Mittvierziger von seinem Platz aus zunehmend durch Zwischenrufe und Beleidigungen auffiel. Im Brustton der Überzeugung stritt er auch jede Gefährlichkeit seiner Person ab. Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Antje Schiller schloss Alexander K. wegen der wiederholten Störungen letztlich vorübergehend aus dem Gerichtssaal aus.

Gemäß dem Antrag der Staatsanwaltschaft wurde nun entschieden, Alexander K. dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Sein Verteidiger Jürgen Kohlen hatte dies dagegen abgelehnt und hat gegen die Entscheidung Revision eingelegt.

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