Seit mehreren Jahren war von einer radikalen feministischen Gesellschaftskritik in der Leipziger Öffentlichkeit relativ wenig zu hören. Für den Sonntag Nachmittag rief eine Leipziger Gruppe zum „Frauen*kampftag“ auf, dem sich zirka 900 Personen anschlossen. Unter strahlendem Sonnenschein demonstrierten sie am 8. März durch die Leipziger Innenstadt.

Gleichberechtigung und Selbstbestimmung werden als Themen gerne hochgehalten. Doch allzu oft werden sie hinten angestellt. In Sachen feministischer Gesellschaftskritik tat sich in Leipzig zumindest für die breite Öffentlichkeit recht wenig. Es gab zwar das eine oder andere Zeitungsprojekt, aber mehr dann auch nicht.

Für Sonntag, den 8. März und internationalen Frauentag, rief deshalb eine Leipziger Gruppe zum „Frauen*kampftag“ auf. 900 Leipziger folgten dem Aufruf. Die lautstarke Demonstration schlängelte sich vom Johannapark zum Martin-Luther-Ring auf den Augustusplatz zu einer Zwischenkundgebung. Von dort aus ging es dann weiter zum Endpunkt am Südplatz.

Clara Zetkin Denkmal
Die Demonstration startete am Denkmal für die Marxistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin im Johannapark. Foto: Alexander Böhm

Vom Lautsprecherwagen wurde darauf hingewiesen, dass der Begriff “Kampf” in Frauenkampftag durchaus wörtlich zu verstehen ist. Im Anschluss einer Demonstration in Nürnberg am Samstag, 7. März kam es zu einem Übergriff auf Teilnehmer durch mehrere Neonazis aus dem Umfeld der Partei “Die Rechte”.

Für Michele Pahn von der Frauenkampftagsdemonstration ist die Teilnehmerzahl keine großartige Überraschung: Sie wies auf verschiedene Entwicklungen hin, die sich in den letzten Jahren insbesondere gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen richteten. „In mehreren Ländern gibt es einen Angriff auf das Abtreibungsrecht.“ Als Teil einer „reinen weißen deutschen Frauenbewegung“ möchte sie sich allerdings nicht verstanden wissen. „Wir möchten auch andere Perspektiven integrieren“, verwies sie auf die breite thematische Aufstellung von der klassischen feministischen Kritik bis hin zur Thematisierung von Ausgrenzungsmechanismen aufgrund von Trans- oder Intersexualität. Mit der Demonstration wird eine Plattform für diese Gesellschaftskritik angeboten und „das nehmen die Leute schon wahr.“

„Die Praxis sollte nicht auf die Demonstration beschränkt werden“, bemerkte Pahn zu den längerfristigen Ambitionen. „Es sollen weitere Bildungsveranstaltungen folgen, um in die Gesellschaft hinein zu wirken.“

Dass nach wie vor zum Thema Gleichberechtigung noch nicht alles getan ist, zeigte nicht zuletzt die Debatte über die Frauenquote in deutschen Firmenvorständen, die durch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) vorangetrieben und am Freitag durch den Bundestag beschlossen wurde. Und ganz so emanzipiert, wie manche immer glauben mögen, ist man in Deutschland auch nicht: Trotz zahlreicher Ausnahmen ist Abtreibung strafbar.

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