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Geflüchtete protestieren für schnelle Asylverfahren und bessere Lebensbedingungen

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    Mehrere hundert Geflüchtete aus der Erstaufnahmeeinrichtung in der Messehalle 4 protestieren seit Mittwochvormittag für bessere Lebensbedingungen und schnelle Asylverfahren. Zu diesem Zweck haben sie auf einem Platz gegenüber der Halle Zelte aufgeschlagen. Die Messe als Eigentümerin des Geländes hat erklärt, den Protest bis Ende des Monats zu dulden.

    Wer sich am gestrigen Mittwoch und heute in und nahe der Messehalle 4 aufgehalten hat, könnte den Eindruck gewonnen haben, an zwei verschiedenen Orten gewesen zu sein. So weit gehen die Schilderungen von protestierenden Geflüchteten und den für sie Verantwortlichen über die Lebensbedingungen vor Ort auseinander.

    So schilderten zahlreiche Flüchtlinge beispielsweise, dass sie keine ausreichende medizinische Versorgung bekämen. Ein Mann zeigte den Rücken seines Sohnes, auf dem laut eines zufällig anwesenden Arztes eine Gürtelrose zu erkennen war. Diese müsse normalerweise rasch behandelt werden. Als er am Eingang der Messehalle – womöglich etwas aufgebracht – seine Hilfe anbieten wollte, wurde er von der Security mit einem Hausverbot belegt. Den Zuständigen des DRK sei dieser Fall bekannt, genauere Angaben zu den Gründen der Maßnahme konnten sie jedoch nicht machen. Ebenso wenig sei bekannt, ob sich das Kind mittlerweile in Behandlung befindet.

    Andere Personen klagten über Husten, Fieber, Zahnschmerzen und einen Mangel an bestimmten Medikamenten. Sie seien jeweils zu den Ärzten in der Messehalle gegangen und ihren Angaben zufolge ohne richtige Hilfe wieder weggeschickt worden. Das DRK kann diese Erlebnisse nicht nachvollziehen – sofern nötig würden die Patienten an Fachärzte verwiesen; manchmal seien diese auch schon vor Ort.

    Auch die Beschwerden bezüglich mangelnder Kleidung und Lebensmittel sowie schlechter Bedingungen insbesondere für die etwa 400 anwesenden Minderjährigen seien nicht verständlich. Es gebe drei Mahlzeiten pro Tag, jeweils über einen Zeitraum von zwei bis drei Stunden. Getränke wie Wasser, Tee und Milch würden die ganze Zeit über bereitstehen. Für Kleinkinder gebe es Babybrei. Das Fleisch sei schon immer von der Pute und nicht wie behauptet vom Schwein gekommen. Die genauen Portionen kalkuliere ein beauftragter Caterer. Tatsächlich habe es Klagen über zu kalte Nächte in der großen Messehalle gegeben, daraufhin habe man die Temperaturen jedoch erhöht. Zudem könne man sich Decken abholen, falls man friere.

    Bei der Besichtigung am Donnerstagvormittag, die die Landesdirektion Pressevertretern gestattet hatte, zeigten sich die Räumlichkeiten in einem ordentlichen und sauberen Zustand. Mehrere Mitarbeiter von DRK und Bundeswehr waren in eigens eingerichteten Bereichen für Kleiderspenden tätig, von denen aus Geflüchtete entsprechend ihrer Bedürfnisse ausgestattet wurden.

    Fakt ist, dass es mindestens eklatante Probleme bei der Kommunikation zwischen Flüchtlingen und Betreibern der Halle gibt. Sollten diese tatsächlich ausreichend medizinisch versorgt werden oder rund um die Uhr Getränke zu sich nehmen können, so ist einigen dies offenbar nicht bekannt. Klar ist auch, dass es unbestreitbare Missstände gibt, die sich allein aus der Art der Unterbringung und der kurzfristigen Umsetzung ergeben.

    So mangelt es etwa an geeigneten Rückzugsorten. Schon jetzt ist die Lautstärke, vor allem wegen der vielen Kinder, enorm. Verschwindet demnächst wegen der sinkenden Temperaturen die Möglichkeit, sich längere Zeit draußen aufzuhalten, dürfte sich dieser Effekt noch verstärken. Zudem fehlt es den Geflüchteten aus Mangel an Bargeld an Möglichkeiten, in irgendeiner Form aktiv am Stadtleben teilzunehmen.

    Ihnen geht es neben ihren Sorgen im „Alltag“ vor allem um ihre generelle prekäre Situation. Auch um darauf aufmerksam zu machen, schlafen einige von ihnen nun in Zelten neben der Messehalle. Der Protest ist weitgehend selbstverwaltet, allerdings sind auch einige Unterstützer vor Ort, etwa Dolmetscher oder Rechtsberater.

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    2 KOMMENTARE

    1. Da es ja in deren Herkunftsländern „keine Bürokratie“ gibt und auch umfassende soziale Leistungen, dort geht scheinbar alles schneller als bei uns! (Ironie aus) Aber diese Leute sollten es mit ihren Forderungen nicht übertreiben, sie sind jetzt erstmal sicher, ohne Bomben und Krieg, haben zu essen, ein Dach über dem Kopf, auch wenn es nicht immer so optimal ist. Wir deutschen Bürger müssen uns auch in Geduld üben und uns kommen nicht die gebratenen Tauben in den Hals geflogen. Ich glaube, dass muss den Protestierenden mal klar gemacht werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort unmenschliche Zustände herrschen. Man kann nicht nur fordern!
      Ja, die Menschen sollen menschenwürdig unterkommen, aber bei den vielen ist es schwierig so schnell zu reagieren. Gottseidank gibt es die vielen Ehrenamtlichen.

    2. Ich sage mal ganz einfach: für die meisten Deutschen hat es Jahre gedauert zu begreifen, dass wir im Rechtsstaat leben, wo Vernunft und Gerechtigkeit nicht immer erreichbar sind. Diejenigen in Messehalle 4 oder in Böhlen müssen nun innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen begreifen, dass sie im Rechtsstaat um Asyl bitten wollen. Und sie müssen erkennen, was wohl deutsche Politiker mit „Wir schaffen das“ meinen: Dach über dem Kopf und was zu essen. Die Worte „schnell“ oder gar „zeitnah“sind in Deutschland leere Hülsen. Nach etwas Jubel beim Willkommen in München sind sie jetzt um so mehr schockiert und sehen sich in ihren Hoffnungen betrogen. Fordern dürfen sie natürlich in Deutschland, anders als in ihrer Heimat. Ich fordere z.B. weniger Unterrichtsausfall für mein Kind. Auch dafür wollen die gewählten Politiker seit Jahren nicht echt Geld ausgeben. Also, ich sage mal ganz einfach: macht den Asylsuchenden keine falschen Hoffnungen!

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