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Umstrittene Kämpfe: Tocotronic schmiedet Bündnis gegen Freefight-Gala im Haus Auensee

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    Am 10. Oktober möchten mehrere Neonazis bei der "Imperium Fight Night III" im Haus Auensee in den Freefight-Käfig steigen. Obwohl das Landesamt für Verfassungsschutz öffentlich auf die Verflechtungen von Kämpfern und Sponsoren in die rechte Szene hingewiesen hat, hält Betreiber Matthias Winkler an der Vermietung der Event-Location an die Organisatoren der umstrittenen Veranstaltung fest. Druck erhält der Konzertveranstalter mittlerweile auch von seinen Kunden. Die Rockband Tocotronic, die zwei Tage vorher im Haus Auensee auftreten wird, möchte ein Band-Bündnis gegen den rechtslastigen Kampfabend schmieden.

    Die Hamburger sind für ihr linkspolitisches Engagement bekannt. Ihre Herbsttournee, die am 8. Oktober in der Messestadt starten soll, wird unter anderem von der Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ unterstützt. Haus-Auensee-Betreiber Matthias Winkler ist indes nicht um die Aufpolierung seines politischen Images bemüht. Der Konzertveranstalter reagierte weder auf Medienanfragen noch auf die Berichterstattung über seine Geschäftsbeziehung zu den Kampfsport-Organisatoren, die Teil eines rechtsextremen Netzwerks aus dem Leipziger Umland sind. Trotz Flüchtlingskrise. Trotz Freital und Heidenau. Trotz brennender Asylheime und zunehmender rechter Gewalt. Dass das ehrwürdige Haus Auensee in einem Atemzug mit Neonazis genannt wird, sollte eigentlich Grund genug sein, um die Initiative zu ergreifen.

    Mit Tocotronic sehen die ersten Künstler Handlungsbedarf. „Wir sind gerade in Gesprächen mit unserem Veranstalter in Leipzig bezüglich dieser sehr hässlichen Veranstaltung“, sagte Band-Manager Stephan Rath gegenüber L-IZ.de. „Da uns auch Fans im Vorfeld auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht haben, sind wir sehr sensibilisiert. Auch andere befreundete Bands, die in diesem Monat dort auftreten, sind informiert oder haben sich auch schon gemeldet. Wir hoffen, hier eine Allianz bilden zu können.“ Mit der Hamburger Rap-Combo Fettes Brot und den Hip-Hoppern von K.I.Z machen im November weitere Künstler im Leipziger Norden Station, die für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus bekannt sind.

    Dass Winkler künftig auf die eine oder andere Veranstaltung wird verzichten müssen oder sich einzelne Künstler nach alternativen Locations umschauen, sollte am 10. Oktober die Rechtsextremisten in seiner Halle kämpfen, erscheint keineswegs abwegig. Zumal im Zusammenhang mit der „Imperium Fight Championship“ ein Präzedenzfall für eine erfolgreiche „Entmietung“ besteht. Die Universität Leipzig hatte den Rechten für eine im vergangenen April geplante Veranstaltung die Ernst-Grube-Halle vermietet. Nachdem der StudentInnenrat auf die Verquickung der Ausrichter ins rechtsextreme Lager aufmerksam gemacht hatte, kündigte die Hochschule den Vertrag. Die Veranstalter klagten – und unterlagen bei Gericht.

    Vom Verhalten Winklers wird maßgeblich abhängen, ob es dem rechtsextrem unterwanderten Teil der ostdeutschen MMA-Szene gelingen wird, in Leipzig einen größeren Kampfabend zu etablieren. Der Eventpalast auf dem Alten Messegelände, in dem beide Vorgängerveranstaltungen stattfanden, scheint den Organisatoren zu klein zu sein. Kommunale Hallen stehen für Mixed-Martial-Arts-Wettkämpfe nicht zur Verfügung. Eine Lokalität mit vergleichbarer Größe wie das Haus Auensee existiert praktisch nicht. Während Tocotronic, K.I.Z und Fettes Brot zur Freude ihrer Fans intime Club-Konzerte im alternativen Leipziger Süden geben, oder in eine verkleinerte Arena ausweichen könnten, stehen den Rechten diese Optionen nicht zur Verfügung.

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