2016 werden im Zoo Leipzig ein kleiner Elefant, zwei Nashörner und ein paar niedliche Koalas erwartet

Immer dieses Wetter. Mal ist es zu kalt, zu windig, zu nass, zu trübe. Ostern 2015 zum Beispiel war es zu kalt für einen Zoobesuch in Leipzig. Dann wurde es im Juni zu wechselhaft. Und ab Juli kochte Europa, kochte Leipzig - und bei fast 40 Grad im Schatten zog es weniger Besucher in den Zoo. Ein Wermutstropfen, sagt Zoodirektor Dr. Jörg Junhold. 2015 werden die Besucherzahlen wohl um 11 Prozent niedriger sein als 2014.
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Eigentlich hätten sie wieder zulegen sollen, nachdem auch 2014 mit 1,87 Millionen schon kein so berühmter Wert eingefahren wurde. Immerhin sind reihenweise attraktive Bauprojekte im Zoo fertig geworden – man denke nur an die faszinierende Flamingo-Lagune, an den neuen Zoo-Eingang mit der Kletteraffenanlage, den neuen Drachen-Spielplatz in der alten Bärenburg und die neue Kiwara-Lodge, wo sich derzeit Spitzmaulnashörner und Geparden begegnen können. Oder Husarenaffen und Spitzmaulnashörner. Das mit der Freundschaft zwischen Geparden und Husarenaffen klappt noch nicht so. „Da lassen wir uns lieber Zeit, alle drei zu vergesellschaften“, sagt Junhold. „Denn das ist immerhin Neuland. Nicht nur für uns.“

Heißt: In Zoologischen Gärten hat es noch niemand ausprobiert, ob Spitzmaulnashörner, Geparde und Husarenaffen auf einer Anlage miteinander auskommen. Die Nashörner haben kein Problem. Die zeigen auch den frechen Geparden mal kurz, wer der Stärkere ist, dann ist Respekt im Gelände. Und Ndugu, der Nashornbulle, der gern  so tut, als sei er schüchtern und wolle aus seiner Felsennische nicht herauskommen, hat auch schon ordentlich gearbeitet und die beiden Nashornweibchen Sarafine und Nandi gedeckt, so dass sich der Zoo auch auf Nachwuchs bei den Spitzmaulnashörnern freuen kann.

Ist er schüchtern? - Ndugu in seiner Lieblingsecke. Foto: Ralf Julke

Ist er schüchtern? – Ndugu in seiner Lieblingsecke. Foto: Ralf Julke

Das Ausprobieren von neuen Dingen im Zoo kommt bei den Besuchern ganz gut an, findet Junhold. Wenn sie denn kommen und nicht lieber ächzend am See liegen um sich abzukühlen. „Aber ich habe bei den Kollegen rumgefragt. Dort ist es genauso“, sagt Junhold. Etliche große deutsche Tierparks scheinen 2015 über Besucherschwund zu klagen. Und so werden wohl am Jahresende nur 1,65 Millionen Besucher in der Bilanz stehen für den Leipziger Zoo.

Und vielleicht ein frischer Elefant. Alles ist möglich.

Den Pressetermin zum Jahresausklang hat der Zoodirektor deshalb gleich mal ins Elefantenhaus verlegt, wo eine Extra-Übung angesetzt war für Thura und Saida. Schwanger ist eigentlich nur die 41-jährige Thura. Aber Geburten sind auch bei Elefanten kollektive Erlebnisse. Deswegen wird die mit fünf eigenen Geburten erfahrene Saida dabei sein, wenn es bei Thura soweit ist. Aber wie das so ist bei Elefantengeburten: Nicht mal der Zoodirektor weiß, wann es soweit ist. Es kann Weihnachten schon soweit seit – aber auch erst im Februar.

Thura bei der Pediküre. Und weil's etwas unangenehm ist, gibt es was zu Naschen dazu. Foto: Ralf Julke

Thura bei der Pediküre. Und weil’s etwas unangenehm ist, gibt es was zu Naschen dazu. Foto: Ralf Julke

4,6 Tonnen brachte Thura beim letzten Wiegen auf die Waage. Und am Freitag, 11. Dezember, hat sie fleißig mitgeübt. Schwangerschaftstraining war angesagt. Nicht wie bei Menschen mit Yoga und Stretchübungen, dafür mit ordentlichem Lauf- und Kommandotraining. Denn wenn es soweit ist, darf auch Thura nicht die Nerven verlieren. Ein Drama wie zum Jahresbeginn, als ein Elefantenbaby bei all der Aufregung zerquetscht wurde, will Jörg Junhold nicht noch einmal erleben.

Also soll auch Saida dabei sein und beruhigend auf Thura einwirken. Und so übten beide mit ihren Pflegern am Freitag das Laufen im Kreis, das Hinlegen und das Pfötchenhalten: Thura ließ sich vor laufenden Kameras die Füße pflegen. Frisches Obst aus dem Eimer gab’s gleich mal als Belohnung.

Jetzt heißt es warten. Oder einfach neugierig sein. Oder die stillen Wochen um den Jahreswechsel nutzen, den Zoo ohne Gedränge zu erleben. Immerhin sind Bauprojekte im Umfang von 30 Millionen Euro fertig geworden. Dazu gehört auch die Kongresshalle, neben der noch eine Baustelle abgesperrt ist. Dort wird am ersten Bauprojekt fürs nächste Jahr gearbeitet: Aus dem ehemaligen Tieraffenhaus wird ein Koalahaus. Schöne Grüße aus Australien, könnte man sagen. 1,5 Millionen Euro investiert der Zoo in diese neue Attraktion, die ab 2016 barrierefrei besucht werden kann. Die Besucher kommen quasi direkt in einen Eukalyptuswald und können die Koalas quasi direkt in ihrer Wohnung besuchen.

Und für ein weiteres Projekt, das 2017 fertig werden soll, stieg Jörg Junhold extra in den Bagger, um den symbolischen „Baggerbiss“ zu inszenieren. Dabei wurde ein Teil der 1928 gebauten Anlage direkt neben dem Eingang zum Gondwanaland schon vor fünf Jahren abgebrochen. Der Rest der eigentlich denkmalgeschützten Raubtierfelsen ist eigentlich auch längst baufällig. Zuletzt saniert wurde hier 1978. Jetzt sind die Felsen nur noch Kulisse, im Hintergrund notdürftig mit Holzstreben abgestützt. Deshalb werden sie jetzt komplett abgerissen. Die Anlage wird – im denkmalgeschützten Design – dann ab dem Frühjahr 2016 wieder aufgebaut für rund 3,9 Millionen Euro. Die historischen Felsen werden als „asiatisches Gebirge“ künftig Teil des Zoo-Kontinents Asien. Arbeitstitel: „Himalaya“.

Baggerbiss für die neue Schneeleopardenanlage. Foto: Ralf Julke

Baggerbiss für die neue Schneeleopardenanlage. Foto: Ralf Julke

Abgerissen werden muss das Bauwerk von 1928 auch aufgrund seiner Nähe zur Parthe. Der Untergrund ist entsprechend weich und schwierig. Wenn hier jetzt gebaut werden soll, muss die Gründung auch entsprechend tief und stabil sein.

Und wer dann vom Eingang des Gondwana-Lands kommt, wird zuerst den Roten Pandas begegnen. Und daneben, auf den neuen Himalaya-Felsen wird man zwei Anlagen für Schneeleoparden erleben, mittig geteilt durch eine Besucherhöhle, mit der man quasi fast hineintreten kann in die Bergwelt der Schneeleoparden.

Auf der Nordseite wird ein Steinhaus den Himalaya von der ebenso historischen Freiflugvolière trennen. Auch die wird denkmalgerecht saniert, bekommt aber auf der Rückseite ebenso Rückzugsräume, wie sie mittlerweile in allen modernen Gehegen üblich sind. „Bisher mussten wir die Vögel im Winter immer herausholen“, sagt Junhold. „Das war wirklich nicht die beste Lösung.“

Die alte Felsenlandschaft von 1928 wird abgerissen und neu aufgebaut. Foto: Ralf Julke

Die alte Felsenlandschaft von 1928 wird abgerissen und neu aufgebaut. Foto: Ralf Julke

Und welcher Vogel wird künftig Nachbar der Schneeleoparden sein?

„Wir werden wieder Bartgeier unterbringen“, verspricht Junhold. Und dazu noch ein paar andere asiatische Vogelarten. Und über das Steinhaus soll es auch die Möglichkeit geben, in die Voliere hineinzugehen. Asien hört ja nicht an der Volière auf. Gleich dahinter geht es ja zu den asiatischen Elefanten. Und linkerhand liegt der Inselteich, der in den nächsten Jahren ins Zentrum der Umbautätigkeit rückt: Hier soll eine richtige große Wasserlandschaft mit asiatischen Wasservögeln entstehen.

Aber das ist dann eher Musik für 2017 und die Folgejahre. 2016 wird – was Bautätigkeiten betrifft – eher ein ruhiges Jahr im Zoo. Die Besucher müssen nicht mehr durch einen Irrgarten von Baupfaden laufen, können also in aller Ruhe beschauen, was 2015 alles fertig geworden ist. Oder die Kinder einfach zur Bärenburg schleppen, um dort im Café zu Verschnaufen, während der Nachwuchs in der Drachenlandschaft verschwindet. 2015, so Junhold, sei gerade dieses Ensemble sehr gut angekommen.

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