17.8 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Gastkommentar von Christian Wolff: „Sagen Sie doch endlich was zu Köln“

Anzeige
Werbung

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Werbung

    Ein Kulturschaffender schickt mir einen Link mit einem Pressebericht zu den Kölner Übergriffen in der Silvesternacht mit der Aufforderung, ich solle mich doch daran einmal "abarbeiten". Eine Frau ruft mich heute an, um mir aufgeregt-aggressiv die Frage zu stellen, was ich denn zu den Kölner Ereignissen sagen würde. Kaum habe ich zu einer Antwort angesetzt, schreit sie in den Telefonhörer: "Die Kirche ist das Letzte." Ein Mann macht es noch etwas kürzer. Er grölt meiner Frau in den Telefonhörer: "Du Sau!" So verläuft leider auch Kommunikation.

    Im Netz sieht es nicht viel anders aus – Folge einer enthemmenden Anonymisierung der politischen Auseinandersetzung. Für die, die so re-agieren, ist seit ein paar Tagen das Weltbild wieder in Ordnung. Haben wir doch immer schon gesagt: Ausländer sind kriminell oder zumindest fundamentalistische Islamisten. Siehe Köln und Hamburg. Endlich kann man wieder einen Beleg finden für die „Lügenpresse“, weil diese angeblich die Ereignisse vertuscht haben soll. Fragt sich nur, wie dann der Link (siehe oben) zustande kommen kann. Endlich kann man einen wie mich mit den kriminellen Machenschaften von frauenfeindlichen und islamistischen Ausländerbanden konfrontieren, um damit gleichzeitig zu unterstellen: Und du bist doch einer von denen, die das alles verharmlosen oder gar wollen.

    Nun gehöre ich wie Gott sei Dank viele, sehr viele andere auch zu denen, die sich strikt gegen Gewalt und für eine konsequente Anwendung des Strafrechtes einsetzen und keinerlei Sonderbehandlung für bestimmte Menschengruppen dulden. Eine Straftat wird nicht dadurch besser oder schlechter, ob sie von einem deutschen Staatsangehörigen oder einem Ausländer oder einem Flüchtling begangen wird. Es gibt auch keine „rechte“ oder „linke“, keine „christliche“ oder „muslimische“ Straftat. Allerhöchstens können Straftäter durch bestimmtes Denken zu ihrer Tat angetrieben worden sein.

    Im heute veröffentlichten und am 30.12.2016 geführten Interview mit der LVZ (http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Leipziger-Pfarrer-Wolff-zu-Legida-Angstbessene-Gartenzwerg-Mentalitaet) habe ich gesagt: „Wenn aber ein Asylbewerber straffällig wird, besteht überhaupt kein Grund, das zu verschweigen oder zu beschönigen. Er muss genauso behandelt werden, wie jeder andere auch. Das Zusammenleben braucht Regeln, die angewandt werden. Aber das ändert nichts daran, dass sie Menschen sind – mit Recht und Würde gesegnet.“ Darum sollten wir alle den sehr einprägsamen Gedanken beherzigen:

    Wir haben das Recht auf Verschiedenheit, aber wir haben kein unterschiedliches Recht.

    Nein, wer Frauen sexuell belästigt, wer Steine auf Polizisten wirft, wer das Leben von Asylbewerbern durch scharfe Schüsse auf deren Unterkunft gefährdet, handelt kriminell und sollte so schnell wie möglich eine Bestrafung erfahren. Gleichzeitig gilt es, die Bedingungen zu überprüfen, unter denen Straftaten ausgeübt werden (können). Das macht eine Straftat in ihrem Ausmaß nicht geringer, ist aber notwendig.

    So ist zu fragen, wie es sein kann, dass plötzlich rund 1.000 arabisch oder nordafrikanisch aussehende Männer vor dem Kölner Dom auftauchen (ich gehe einmal davon aus, dass diese Angaben stimmen) und ungehindert Frauen tätlich angreifen. Woher kamen sie? Wer hat sie mit welchem Ziel mobilisiert? War das für die Polizei nicht vorhersehbar (von den sog. Diensten will ich gar nicht reden, denn diese zeichnen sich seit ihrem Bestehen durch Unfähigkeit aus)?

    Entscheidend werden zwei Dinge sein:

    1. Eine schnelle, rechtsstaatliche Verfolgung der entsetzlichen Straftaten, eine Verurteilung der Täter und Solidarität mit den Opfern.

    2. Niemand sollte den Kriminellen aller Art den Gefallen tun, sich auf ihre Ebene der Gewalt, der Einschüchterung, der Menschenverfeindung, der religiösen oder politischen Verblendung ziehen zu lassen. Dass Straftaten ausgeübt werden, ist kein Grund gegen, sondern ein gewichtiger Grund für die Verteidigung der Menschenrechte, wozu auch das Recht auf Asyl gehört.

    Die Häme, mit der nun einige im Netz triumphierend mit dem Finger auf Köln und Hamburg zeigen, ist verräterisch. Sie belegt nur, was Sinn und Zweck derselben ist: Vorurteile pflegen und den Hass gegen Ausländer, Flüchtlinge und Asylbewerber schüren. Dem müssen wir deutlich entgegentreten. Genauso deutlich aber gilt es, alles zu tun, die Integrationsarbeit zu verstärken und keinen Zweifel daran lassen, dass wir die Grundwerte und Grundsätze eines menschlichen Miteinanders in unserem Land verteidigen, weiterentwickeln und fördern. Auch darum wird es am Montag 11.01.2016 bei der Lichterkette „Leipzig bleibt helle“ gehen. Denn hell wird es nur bleiben, wenn wir den Grundsatz der Friedlichen Revolution „Keine Gewalt“ ohne Einschränkung beherzigen.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      5 KOMMENTARE

      1. „Im Netz sieht es nicht viel anders aus – Folge einer enthemmenden Anonymisierung der politischen Auseinandersetzung.“
        Auf diesem Satz scheinen seine Ausführungen zu fußen und einen Irrweg zu gehen.

        Ich weiß nicht, welches Netz Herr Wolff nutzt und meint, aber auch er sollte grundsätzlich wissen, dass schon die Frage deren Antwort formt.
        Will sagen, die befragte Quelle bestimmt die Antwort einer Frage.

        Ich empfehle z.B. http://www.blaetter.de/.
        Auch das ist Netz.

      2. Wascht mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.
        Gebt mir Sicherheit, aber speichert nicht meine Daten, hört meine Gespräche nicht ab, setzt mir keine Polizeidienststelle ins Kiez, hört nicht auf mit dem Polizeiabbau, erweitert nicht die Videoüberwachung samt zugehörigem Überwachungspersonal…
        Das ist der Kern der Sache, nicht etwa die Tätergruppe.

      3. Wir können nur mutmaßen, um wen es sich da in Köln und anderswo gehandelt hat. Wir haben hier in Leipzig ebenfalls ein Problem mit „Antänzern“, die Polizei warnt regelmäßig davor. Allerdings was in Köln abging, das waren meiner Meinung nach keine Flüchtlinge, das war organisiert, da lief eine große Abzocke. Silvester, Bahnhof, alle lustig bis unvorsichtig, keiner denkt vom anderen böses, Feierlaune … Da einfach ein paar allein aussehende Frauen zu umzingeln, ihnen Angst zu machen, unsittlich zu berühren usw und bei der Gelegenheit Geld und Handys zu klauen, ist ne einfache Sache. Und wenn da ca 1000 Leute drumherumstehen, sieht auch keiner irgendwas genaues, bei dem Geböller hört auch kaum einer einen Hilferuf. Und wenn die 1000 Leute alle dazugehören, dann schonmal gar nicht.
        Da scheinen sich einige Mitglieder von sogenannten „Großfamilien“ ein Taschengeld verdient zu haben. http://www.focus.de/politik/deutschland/verschwiegen-brutal-ruecksichtslos-kriminelle-grossfamilien-sind-die-mafia-der-bundesrepublik_id_4741692.html
        Jedoch gilt es auch hier zu bedenken, dass das eben keine Flüchtlinge sind. Und: es steht niemandem auf der Stirn. Weder einem Nordafrikaner/arabisch aussehendem Menschen noch einem Mitteleuropäer.
        Die Vorfälle in Köln, Hamburg usw dürfen nicht verharmlost werden, jedoch dürfen sie auch keinesfalls in die Flüchtlingsdebatte einfließen.
        Wir sollten lieber fragen: wem nutzt das? Haben vielleicht die „Clans“ Angst um ihre „Reviere“ und feuern mit so einer Aktion die Debatten noch zusätzlich an um wieder allein regieren zu können?
        Alles nur Mutmaßungen, ich weis.
        Und wir sollten auch fragen, warum die Bundespolizei, die ja für dieses Gebiet in Köln zuständig ist, nichts gesehen haben will.

      4. Guter Artikel, ich kann dem nur zustimmen. Es ist erschreckend, wie viele Menschen versuchen, dieses Verbrechen gegen Flüchtlinge zu verwenden und Tatsachen einfach ignorieren und verdrehen. Und noch erschreckender ist, dass diese kriminelle Szene sich anscheinend jahrelang relativ unbehelligt vor den Augen der Polizei bilden konnte. Wenn die Polizei sagt, es handelt sich um bekannte Intensivstraftäter, man kennt die Szene – dann frag ich mich erst recht, warum nicht eher eingegriffen wurde.

      5. „Sie belegt nur, was Sinn und Zweck derselben ist: Vorurteile pflegen und den Hass gegen Ausländer, Flüchtlinge und Asylbewerber schüren.“

        Es mag sein, dass es viele gibt, die dieser Ansicht sind.

        Es hat aber weder etwas mit Hass und mit Vorurteilen zu tun, wenn die Bürgerinnen und Bürger der BRD verlangen, dass die Behörden wissen müssen, wer sich in unserem Land aufhält. Das ist einer der springenden Punkte (von der Finanzierung ganz zu schweigen), der in keinster Weise gelöst ist. Die anderen Länder Europas haben das längst begriffen, nur unsere Frau Bundeskanzlerin nicht. Sie wird bald unliebsam aus dem Tiefschlaf geweckt werden (u.a. nach den Ergebnissen der 3 Landtagswahlen 2016).

        Wie wollen Sie, Herr Wolff, jemanden rechtsstaatlich schnell verfolgen und verurteilen, der nirgends registriert ist? Wie wollen Sie jemanden Asyl gewähren, der längst in die Dschungel – vorwiegend – der westdeutschen Großstädte wie Köln und Hamburg sowie Berlin abgetaucht ist, und gar kein Interesse hat registriert zu werden? Er ist dort auch so willkommen und hat sein Auskommen!!!

        Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das beispielsweise auf die rund 1.000 arabisch oder nordafrikanisch aussehenden Männer zutreffen, die vor dem Kölner Dom auftauchten und ungehindert Frauen tätlich angegriffen haben. Da Sie diese Angaben bezweifeln ( ich gehe einmal davon aus, dass diese Angaben stimmen!!!), wirft das kein gutes Licht auf Ihre Argumentation.

        Ihre Behauptung / Schlussfolgerung „Die Häme, mit der nun einige im Netz triumphierend mit dem Finger auf Köln und Hamburg zeigen, ist verräterisch“ ist für mich mit ein wesentlicher Beweis dafür, dass Sie nur das sehen wollen, was in Ihr Weltbild / Konzept passt.

        Grundwerte und Grundsätze eines menschlichen Miteinanders, eines Rechtsstaates, wie es die BRD ist, und wie es von Herrn Wolff in fast jeden Beitrag hervorgehoben wird bzw. wurde, sind nur dann umsetzbar, wenn die Grundlagen dafür vorhanden sind. Bezüglich der Asylpolitik (u.a. der Registrierung der Asylbewerber) sind wir diesbezüglich noch meilenweit entfernt. Wenn Sie nun, Herr Wolff, alle als Rassisten, Rechtsradikale, Ausländerfeinde u.s.w entlarven bzw. bezeichnen, die letztlich solche Situationen zum Anlass nehmen, um auf unterschiedlichste heftige Art und Weise diese Zustände zu kritisieren, dann sind Sie nicht viel besser. Sie verallgemeinern genauso, wie es die anderen machen. Ich behaupte sogar, dass Ansichten, wie hier von Herrn Wolff verbreitet, ein vortrefflicher Nährboden dafür ist, dass sich sehr viele Bürgerinnen und Bürger von den angeblich so demokratischen Parteien abwenden, weil sie sich nicht mehr vertreten fühlen.
        Einer der „besten“ Unterstützer der AfD in Sachsen ist demnach der Herr Wolff, auch wenn er das nicht so sieht.

        Wahrscheinlich ist sich Herr Wolff gar nicht so recht bewusst, was er hier wieder angerichtet hat. Aber auch hier gilt: Wer sich zu weit aus dem Fenster lehnt, muss damit rechnen herunter zu stürzen. Dieses Risiko scheint für Herrn Wolff nicht zu existieren. Der Herr wird es schon richten!

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige