Lichtfest 2016 und eine Feststellung: Leipzig bleibt anders + Video/Audio

Für alle LeipzigerEs bleibt auch nach diesem Jahr erst vor der Nikolaikirche und dann auf dem Augustusplatz bei einer schlichten Wahrheit. Leipzig bleibt anders. Friedlich, streitbar und klar in den Ansagen. Das „als“ kann man sich angesichts der Dresdner Zustände fast schon sparen, jeder Sachse und längst darüber hinaus weiß eigentlich: da ist etwas, das die Messestadt von Elbflorenz unterscheidet. Erst fanden sich an der Nikolaikirche „Leipzig nimmt Platz“ und weitere Initiativen ein, um sich wegen eines Aufrufes von Legida und GIDA regional wie eine schützende Wand vor den Eingang zu stellen. Und später folgten geradezu kämpferische proeuropäische Ansagen auf der großen Bühne am Augustusplatz. Besonders von einem heimlichen Kanzlerkandidaten der SPD.

So richtig Werbung hatte man irgendwie seitens der Stadt in diesem 27. Jubiläumsjahr der Wende nicht gemacht. 15.000 kamen dennoch, um eine Kerze zu entzünden und sich das Programm auf dem Augustusplatz anzuschauen. Und der Tage im Oktober 1989 zu gedenken – jeder mit seinen oft ganz eigenen Erinnerungen, die sich schon immer in der Wendestadt nicht zu einer kollektiven „Volk“smeinung zusammenfinden können. Und auch nicht wollen – das ganz eigene Erinnern an eine Zeitenwende im Leben Aller blieb auch dieses Mal angenehm individuell.

Dabei waren die aktuellen Vorzeichen für das diesjährige Lichtfest eher durchwachsen. Einen Tag vorher flog in Chemnitz ein bis heute flüchtiger Bombenbastler auf und sorgte für Furore, da er bei seiner Flucht derzeit durchaus Sprengstoff bei sich haben könnte. Auch wenn sich der Fahndungsschwerpunkt der Behörden in den Stunden danach nach Berlin verlagert zu haben scheint, war so ein gewisses Restgefühl von Angst auch in Leipzig vor der großen Menschenansammlung auf dem Augustusplatz vorhanden. Nichts geschah. (Nachtrag d. Red. Mittlerweile, am heutigen Montag, ist der Flüchtige Syrer von einem Landsmann in Leipzig Paunsdorf festgesetzt und der Polizei übergeben worden.)

Was sich auch ganz gut auf die Ergebnisse der Mobilisierungsversuche Legidas und GIDA regional übertragen ließe.

Maximal 10 bis 12 Personen standen letztlich verloren und von der Nikolaikirche deutlich getrennt durch Leipziger Initiativen in der Nikolaistraße stumm umher. Soweit erkennbar, fehlte auch Alexander Kurth (Die Rechte) – soviel also auch zum Wahrheitsgehalt von Facebook-Zustimmungen. Einige der Gekommenen forderten Frieden, andere die Neugründung der Märkischen Volkszeitung (eine ehemalige SPD-Zeitung, welche nach 1989 kurz wiederbelebt und dann eingestellt wurde). Später stand dann eine Gruppe auf dem Augustusplatz herum, die laut darüber sinnierte, wer der „Bewegung“ Legida in Leipzig so alles schon durch Angriffe auf Gegendemonstranten und Journalisten geschadet habe.

Wem „gehört“ 1989?

Und so gab es vor der Nikolaikirche nur ein weiteres Zeichen, wie sehr sich die islamfeindliche Bewegung in Leipzig im Vergleich zu Dresden längst totgelaufen hat. Auch am geschichtsträchtigen 9. Oktober – da, wo das nahende Ende der DDR durch den Mut vieler offensichtlich wurde – fehlte es denen, die sonst durchaus zahlreich erschienen, wenn es gegen Flüchtlinge ging, die Zeit zur Erinnerung.

Und ein erster deutlicher Unterschied zu den Vorkommnissen in Dresden, bei denen am 3. Oktober das Mutterbündnis Pegida an der Frauenkirche mehrere hundert pfeifende und pöbelnde Menschen auf die Beine bekommen hatte, wurde überdeutlich. Auch dadurch, dass es in Leipzig längst aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft heraus zu schnellen Reaktionen kommt, wenn Legida glaubt, sich neben nationalistischen Parolen und Panikmache noch das Erbe von 1989 unter den medialen Nagel reißen zu können.

Vielleicht ja einfach, weil die Wendegeschichte mit Leipzig, Plauen und Berlin und eben nicht mit der heutigen sächsischen Landeshauptstadt fest verbunden und erinnerlich ist? Geschichte lässt sich offenbar in Leipzig nicht so einfach klittern wie anderswo.

Verpufft an diesem 9. Oktober: Die Angst vor einem Anschlag ebenso, wie die Befürchtungen, es könnte zu einer Konfrontation vor der Nikolaikirche zwischen Legida, den Gästen und Besuchern des Gottesdienstes oder „Leipzig nimmt Platz“ und linken Aktivisten kommen. In der deutlichen Überzahl befindlich, gabs durch die Initiativen so etwas wie einen symbolischen Sicherheitsbereich für diejenigen Leipziger, die in langer Schlange in die Nikolaikirche drängten. Um die Predigt von Pastor Yassir Eric (Europäisches Institut für Migration, Integration und Islamthemen) und die Rede von Martin Schulz (SPD, Präsident des Europäischen Parlaments) zu hören.

Oder einfach nur eine Kerze anzuzünden – so wie 1989 – und sich der Angst, der Hoffnung und vielleicht auch mancher Enttäuschung danach zu erinnern. Und den Lehren zu gedenken, die man für sich selbst gezogen hat.

Euch gehört die Wende. Die Dankbarkeit eines „Westdeutschen“

Noch 2015 sah man nicht soviel buntes Gewimmel wie in diesem Jahr. Die 15.000 Besucher waren nochmals multikultureller, interessiert und weitab von neuem Nationalismus. Einen Eindruck von etwas mehr Dampf seitens Politikern gab es dann auch angesichts der zurückliegenden Ereignisse von Brexit über neue Rechte in Deutschland auf der Bühne.

Was Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung zu sagen hatte, darf man als Kontinuität hören: Keine Oberhand für neue Nazis in Leipzig, das Eintreten gegen diese erfordert immer wieder Mut, auch wenn es sich im privaten Bereich zeigt.

Die Ansprache von Burkhard Jung

 

Wirklich hängen bleiben dürften jedoch zwei andere Auftritte. Der scheidende Präsident des EU-Parlamentes Martin Schulz (SPD) nutzte die Gelegenheit, sich gegen den neuen Nationalismus in der EU zu wenden und vor allem, sich zu bedanken. Für das, was die Leipziger vor nun 27 Jahren getan haben und was es bis heute bedeuten könnte. Auch und gerade für die nächsten Wege Europas. Angesichts der Zustimmung im Publikum (bis auf einen lauten Einzelprotest) durchaus ein Fingerzeig auf die Ambitionen des Politikers, innerhalb der Sozialdemokraten in das Rennen um den Kanzlerkandidaten 2017 einzugreifen.

Die Ansprache von Martin Schulz

 

Ein Ausschnitt der Rede im Video

 

Apropos „laut“. Wenn nicht alles auf der Tonaufnahme täuscht, hatte sich seitens der Lautsprecher von Legida zumindestens einer eingefunden, um in seinem Namen (leider Unhörbares) von der Seite hineinzusprechen. Gegen halb Neun sah man dann den ehemaligen Pegida-Redner und Legida-Teilnehmer Stephane Simon mal wieder im Dauerdialog mit der Polizei. Es könnte sein, dass er es war, der sich mal wieder sehr viel Mühe gab.

Die Hinweise kultureller Natur gab es in diesem Jahr durch Sylvester Groth und den Text, den er, umringt vom Leipziger Ballet, dabei hatte: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Was die Besucher, so sie wollten, auf sich selbst und das Motto des Lichtfestes 2016 zurückwarf.

Das Motto des Lichtfestes 2016: Mut – Werte – Veränderung

Über die Werte wird in Leipzig weiter gestritten werden, eine Frage der Einzeldefinition wird es wohl bleiben. Die Veränderung kommt immer im Leben – ganz gleich ob man will oder nicht. Den Mut dazu haben die Leipziger immer wieder bewiesen und haben sich sehr oft nicht „bange machen lassen“. Mal sehen, wie sich das alles zum Lichtfest 2017 anfühlen wird.

Journalismus ohne Bezahlschranken? Gern – zur Aktion Freikäufer

https://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/01/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

Legida/Pegida* Audio ** Video *NikolaikircheLeipzig nimmt PlatzLichtfestBurkhard JungMartin Schulz
Print Friendly, PDF & Email
 
3 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Mit einer verlässlichen Altersvorsorge hat die deutsche Normalrente schon lange nichts mehr zu tun
Hat den Bericht der Rentenkommission am 27. März vorgestellt: Hubertus Heil. Foto: BMAS

Foto: BMAS

Für alle Leser„Das Eintrittsalter bleibt gleich, aber das Rentenniveau sinkt stark, während der Beitragssatz steigt – das sind die neuen Vorschläge der Rentenkommission der Bundesregierung. Ein grundlegender Umbau ist das nicht“, schrieb der „Spiegel“ am 27. März zusammenfassend zu den Vorschlägen der Rentenkommission, die Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) jetzt vorgestellt hat. Eigentlich sind es auch keine Vorschläge, sondern das Eingeständnis von Überforderung und Unfähigkeit.
Wie Corona die finsteren Seiten von Globalisierung und „Wettbewerbsfähigkeit“ sichtbar macht
Wer in systemrelevanten Berufen arbeitet, kann gar nicht zu Hause bleiben. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn allerlei Medien geht dieser Tage ja das große Orakeln los, wie wir nach Ende der ganzen Kontaktsperren wegen Covid-19 leben werden. Die einen prophezeien eine völlig andere Welt, die nächsten meinen, es gehe dann einfach so weiter wie zuvor. Man würde einfach alle Systeme wieder hochfahren. Manche hoffen ja auch, dass die deutsche Politik endlich begreift, worum es beim Grundeinkommen geht. Aber ändert sich die Welt wirklich, wenn jetzt Menschen, die zu Hause bleiben müssen, erstaunlich solidarisch handeln?
Das Mööp – Ein fantastischer Seuchenbericht in Fortsetzungen, Teil 2
Das Mööp © Holger Much

© Holger Much

Für alle Leser„Ich dachte, gut, nistest du dich eben bei einem Künstler ein, das sind sensible Seelen, der wird deinen Besuch zu schätzen wissen. Aber das ist TYPISCH – ich musste ja ausgerechnet an SIE geraten! Selbst Ihr Musikgeschmack ist BILLIG! Sarah Lesch?! Wirklich? Und zuvor Slime? Und davor Sandow? Beim Hummeldrummel, womit habe ich das nur verdient?“ Schön, dachte ich, dein Kurzzeitgedächtnis funktioniert noch irgendwie.
Das Schweigen der Mitte: Der Versuch herauszufinden, warum es keine großen gesellschaftlichen Debatten mehr gibt
Ulrike Ackermann: Das Schweigen der Mitte. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserHaben wir keine Intellektuellen mehr? Gibt es keine intellektuellen Debatten mehr in Deutschland? Das Gefühl sagt: ja. Da ist etwas verloren gegangen. Nicht, dass sich lauter Berühmtheiten nicht regelmäßig lautstark zu Wort melden. Aber die Wortmeldungen plumpsen ins große Schaummeer der medialen Aufregungen. Manchmal gibt es dann noch großes Geheule, weil jemand sich beleidigt fühlt. Und dann ist wieder Ruhe im Karton. Versandet das Spektakel. Da fehlt etwas.
Das Mööp – Ein fantastischer Seuchenbericht in Fortsetzungen, Teil 1
Das Mööp © Holger Much

© Holger Much

Für alle LeserZeit: 22.03.2020: Nachmittags um halb drei. Ort: Homeoffice des Autors in Metropolennähe. „Ich hab kein Bier mehr!“, tippte ich in mein Handy. „Oh Mann, dieses Maß an Unprofessionalität bei der Apokalypsevorbereitung ist bedenklich!“, chattete Kollege M mich an. „Du hast gut reden! Du wohnst ungefähr vierhundert Meter vom Supermarkt entfernt und der führt sogar fränkisches Craftbier. Ich muss drei Kilometer Rad fahren um zum nächsten Supermarkt zu kommen!“, antwortete ich.
Die Lizenz zum Aufsteigen: Lok Leipzig zahlt 10.000 Euro, nur um die Unterlagen einzureichen
Wird in der kommenden Saison im Bruno-Plache-Stadion in der 3. Liga gespielt? Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 77, seit 27. März im HandelVor der Corona-Krise sah man beim 1. FC Lok Leipzig hoffnungsfroh in die Zukunft. Die 1. Männermannschaft stand auf Platz 1 der bereinigten Regionalliga-Tabelle und hatte gute Karten, die Aufstiegsspiele um die 3. Liga zu erreichen. Selbst die Lizenz war dafür beantragt. Ein hartes Stück Arbeit für den überwiegend ehrenamtlich geführten Verein. Über 10.000 Euro sollen die Leipziger investiert haben, um dann per Mausklick im Online-Tool DFBnet die umfangreichen Unterlagen einzureichen.
Friedrich der Weise und Johann der Beständige: Wie Luthers Fürsten zu seiner Zeit Kirchenpolitik machten
Startseite der Datenbank zur Kirchenpolitik Friedrich des Weisen und Johann des Beständigen. Screenshot: L-IZ

Screenshot: L-IZ

Für alle LeserWer die Zeit der Reformation erforschen möchte, kommt an den beiden Kurfürsten, die Martin Luther beschützten, nicht vorbei. Und auch nicht an ihren Staatsarchiven. Auch wenn es dann doch wieder so ein großes Jubiläum braucht wie das 500-jährige von Luthers Thesenanschlag 2017, dass die Forscher der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sich die kurfürstlichen Archive vornahmen unter der Fragestellung: Wie änderte sich damals die Kirchenpolitik?
Auf Dasistleipzig.de sammelt Leipzigs Kultur- und Kreativszene jetzt alle Unterstützerangebote in der Corona-Krise
Dasistleipzig.de. Grafik: Kreatives Leipzig e.V.

Grafik: Kreatives Leipzig e.V.

Für alle LeserDie Not der Leipziger Kultur- und Kreativszene ist aktuell groß. Egal ob Künstler/-innen, Kultur- und Kreativschaffende, Club- und Kulturhausverantwortliche oder Inhaber/-innen von Unternehmen der Kreativwirtschaft – sie allen kämpfen mit Corona-bedingten Veranstaltungsabsagen, Honorarausfällen und Auftragsverlusten mit enormer wirtschaftlicher Auswirkung. Jetzt soll eine Seite alle Aktivitäten zur Unterstützung der Leipziger Kulturszene bündeln.
Wie Leipzigs Verwaltung Anfang März in den Corona-Krisen-Modus überging
Leipzig im Standby-Modus. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserVor wenigen Tagen war die Welt in Leipzig scheinbar noch in Ordnung. Bekanntlich entschied sich ja die Leipziger Messe erst auf den allerletzten Drücker, die Buchmesse abzusagen. Dass in den nächsten Tagen noch ganz andere Dinge abgesagt und geschlossen werden würden, war noch nicht in diesem Ausmaß abzusehen, als sich die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat mit einen Fragenpaket an die Rathausspitze wandte. Die Antworten wollte man gern am 25. März hören zur Ratsversammlung. Aber auch die wurde abgesagt.
Die Umweltbibliothek des Ökolöwen steht vor den gleichen Finanzproblemen wie schon 2014
VorLeseLust in der Umweltbibliothek. Foto: Ökolöwe -Umweltbund Leipzig e.V.

Foto: Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.

Für alle LeserMan fühlt sich an die Jahre 2014 und 2015 erinnert, als die Umweltbibliothek des Ökolöwen schon einmal um eine bessere Förderung durch die Stadt kämpfte. Seit Jahren war die Fördersumme für die Bibliothek im Haus der Demokratie konstant geblieben, obwohl die ganz normalen Fixkosten gestiegen waren. Die 35.000 Euro Förderung reichte nicht mehr zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Und jetzt meldet der Ökolöwe mitten in der Corona-Krise: Die Bibliothek steht vor dem Aus.
Münchhausen: Der echte Lügenbaron und die Männer, die seine Geschichten berühmt gemacht haben
Erik Gloßmann: Münchhausen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNach Sachsen hat es ihn wohl nie verschlagen, dafür nach Russland, Lettland und Finnland, diesen Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, den berühmtesten aller Münchhausen, auch wenn er für seinen Nachruhm eigentlich nichts kann. Für den haben andere gesorgt. Aber am 11. Mai wäre der erzählfreudige Baron aus Bodenwerder 300 Jahre alt geworden. Wer hat seine Geschichten nicht im Bücherschrank stehen?
Gastkommentar von Christian Wolff: Der Exit aus dem Shutdown – nicht das „Wann“, das „Wie“ ist entscheidend
Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserMenschen im Ausnahmezustand werden schnell ungeduldig. Kaum sinkt das Fieber, möchte der Kranke wieder aufstehen. Kinder wollen nach einer Grippe so schnell wie möglich wieder zum Spielen nach draußen. Die Arbeit ruft, auch wenn das Herz noch schmerzt. So werden auch noch in der Krankheit die STOP-Signale überfahren. Genau dieses jedem Menschen sehr vertraute Verhalten spiegelt sich in der seit Tagen entbrannten Diskussion darüber wider, wann der sogenannte „Shutdown“, also das systematische Herunterfahren des öffentlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Lebens, beendet werden kann.
Samstag, 28. März 2020: Der Tag in Bildern
Alle wollen raus bei dem Wetter. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Samstag, 28. März 2020, war wohl nur deshalb an sich interessant, weil er der erste nach den sächsischen „Ausgangsbeschränkungen“ war. Diese hatten zu vielzähligen Debatten geführt, das Sitzen auf Parkbänken wurde infrage gestellt, eine Definition von „Wohnumgebung“ zu „bitte nicht allzu weit aus der Stadt hinaus“ und als letzte Maßnahme schloss die Stadt Leipzig diverse Parkplätze an Ausflugsorten. Das Ergebnis heute: Radler/-innen, Sonne, leere Fernverkehrsstraßen und volle Parks und Seeufer.
Ein Spiel auf Zeit: Die neue Leipziger Zeitung zwischen Ausgangsbeschränkung, E-Learning und dem richtigen Umgang mit der auferlegten Stille
Leipziger Zeitung Nr. 77: Spiel auf Zeit. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserDa haben wir schon heftig hin- und her überlegt: Bringen wir die neue Ausgabe der „Leipziger Zeitung“ jetzt raus oder unterlassen wir das lieber aufgrund der Covid-19-Pandemie? Immerhin muss sie ja gedruckt werden, ausgefahren, in Haushalte und noch offene Verkaufsstellen verteilt werden? Aber was wäre die Alternative? Brauchen die Leipziger/-innen, die wegen der Corona-Epidemie zu Hause bleiben müssen, nicht gerade jetzt eine Zeitung, die sie auch ernst nimmt, aber keine Panik verbreitet?
Gesundheitsamt sieht Gabenzäune skeptisch: „Im Sinne der Hygienevorgaben problematisch“
Am 22. März erstmals am Connewitzer Kreuz entdeckt: Ein Gabenzaun am Streetball-Platz. Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Für alle LeserZur Debatte um die Aufstellung von „Gabenzäunen“, also Orte, an denen zum Zwecke der scheinbaren Versorgung Obdachloser und Bedürftiger mildtätige „Gaben“ aufgehängt werden, gibt es nun ein Statement der Stadt Leipzig. Auf Anfrage von L-IZ.de haben sich Gesundheits- und Sozialamt zur Einrichtung der Gabenzäune eher negativ geäußert, mit der Kontrolle der wild entstehenden Stellen in der Stadt kommt man offenbar nicht hinterher. Die sprunghafte Verbreitung der Idee der Gabenzäune hatte vor wenigen Tagen vor allem in Großstädten wie Dresden, Leipzig und Berlin begonnen.