Der Feminismus steht vor schweren Zeiten, wenn Demonstrationen allein damit gefüllt werden könnten, alle sexistischen Twitter-Einträge und sonstigen diesbezüglichen Äußerungen des amtierenden US-Präsidenten vorzulesen. Das Bündnis „Feministische Kämpfe in die Offensive“ hat am Samstagnachmittag einen anderen Weg gewählt und in eher theoretisch angelegten Redebeiträgen unter anderem die Neue Rechte, den Kommunismus und die Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen thematisiert. Etwa 1.000 Menschen sind dem Aufruf zur Demonstration gefolgt.

Etwa 1.000 Menschen haben sich am Samstagnachmittag an einer Demonstration unter dem Motto „No Rollback! Hollaback! Fight Back!“ in Leipzig beteiligt. Das nach eigenen Angaben aus Jugendorganisationen, Sportvereinen sowie linken und linksradikalen Gruppen bestehende Bündnis „Feministische Kämpfe in die Offensive“ hatte dazu aufgerufen. Die Veranstalterinnen sprachen am Abend von mehr als 1.600 Personen, die sich beteiligt hätten.

Die vor allem jungen Teilnehmerinnen liefen vom Clara-Zetkin-Denkmal im Johannapark bis nach Connewitz. Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz und vor dem Amtsgericht in der Bernhard-Göring-Straße fanden Zwischenkundgebungen statt.

In den Redebeiträgen thematisierten verschiedene Gruppen unter anderem den Antifeminismus der Neuen Rechten, Zusammenhänge zum Kapitalismus, die Geschichte der Frauenbewegung, Sexismus beim Fasching und die überwiegend von weiblichen Personen ausgeübten Pflegetätigkeiten.

„Dem Angriff der Neuen Rechten auf feministische Positionen wurde selbst von Linken anfangs keine Beachtung geschenkt“, kritisierte etwa die „Antifa Klein-Paris“ gleich zu Beginn des Aufzugs. Dieser Angriff zeige sich besonders in drei Punkten: der Kriminalisierung beziehungsweise gewünschten Einschränkung von Abtreibungen, dem Klagen über „Genderismus“ und der beabsichtigten Privatisierung von Pflegearbeit, welche „en masse“ von Frauen bewältigt werde.

Demo gegen den sexistischen Rollback. Foto: René Loch
Demo gegen den sexistischen Rollback. Foto: René Loch

Die kommunistische Gruppe „The Future Is Unwritten“ stellte fest: „Es gibt noch keinen Ort auf dieser Welt, an dem das Patriarchat abgeschafft wurde“. Dieses gehe eine „glückliche Ehe“ mit dem Kapital ein – letzteres würde von der Unterdrückung der Frauen profitieren. Weitere Redebeiträge stammten unter anderem von den Leipziger Gruppen „Prisma“ und „Korrektiv Negativ“ sowie der „Undogmatischen Radikalen Antifa Dresden“.

Vor und während des Aufzugs ertönten aus dem Lautsprecherwagen verschiedene Lieder. Eines von Tic Tac Toe ermunterte beim Refrain sogar einige Polizeibeamte zum dezenten Mitsingen. Allerdings wurden auch Klagen über sexistische Bemerkungen männlicher Polizisten geäußert.

Pressesprecherin Louise Ninive erklärte hinterher: „Nach der Demonstration ist ein großer Teil der Teilnehmenden mit ins Conne Island gekommen. Das zeigt, dass die Solidarität nicht auf der Strecke – beziehungsweise der Straße – bleibt, und lässt uns positiv in eine feministische Zukunft dieser Stadt blicken.“

Vorfälle wie vor zwei Jahren, als männliche Demoteilnehmer als „Begleitschutz“ aufgetreten waren, hätten sich – wohl auch dank einer entsprechenden Ansage zu Beginn – nicht wiederholt. „Das stellt zumindest im lokalen Diskurs einen Etappensieg für feministische Kämpfe und Empowerment von Frauen dar“, so die Pressesprecherin.

Mit rund 1.000 Personen war es eine der größten feministischen Demonstrationen der vergangenen Jahre in Leipzig. Etwa ebenso viele Menschen hatten im März 2016 bei „Leipzig nimmt Platz“ für einen „grenzenlosen queeren Feminismus“ demonstriert. Im selben Monat beteiligten sich circa 800 Menschen an der linksradikalen „Frauenkampftag“-Demo.

Das in diesem Jahr aktive Bündnis hatte bereits im Vorfeld angekündigt, über den 11. März hinaus bestehen zu wollen, um „den Feminismus dauerhaft und nachhaltig aufs Programm zu setzen“.

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