Wie der MDR sich immer noch darüber wundert, dass sich Ostdeutsche als Ostdeutsche fühlen

Für alle Leser„Tag der deutschen Ignoranz“, so darf man das wohl nennen, was da am 3. Oktober teilweise wieder zelebriert wurde mit falschen Erklärungen zur Deutschen Einheit. Oder Wiedervereinigung. Egal, wie man das nennt. Das war schon 1990 eine Schimäre, ein bloßer bürokratischer Akt mit einer unheimlichen nationalistischen Note. Man klatscht nicht mit nationalen Mythen zusammen, was sich das Gemeinsame erst erarbeiten muss.

Aber genau so wurde es 1990 gemacht. Weil es schnell gehen sollte. Und ganz einfach. Und weil man regelrecht besoffen war von dem Spruch, den die ersten Demonstranten im November 1989 um den Ring schleppten: „Wir sind ein Volk“. Das weckte alte Mythen und vergessene Gefühle. Dass es eine völlige Verschiebung dessen war, was ursprünglich mit „Wir sind das Volk“ gemeint war, ist nicht mal den heutigen Demonstranten bewusst. Man denkt nicht mal drüber nach. Warum auch, wo es doch nicht mal die sonntagsredenden Politiker tun.

Denn dann würden sie darüber stolpern, dass wir zwar 1990 alle zu einem Staatsvolk geworden sind, aber ganz bestimmt nicht zu dem, was die Träumer aus den Zeitungskommentaren die ganze Zeit herbeigesehnt haben und was in Schillers „ein einig Volk von Brüdern“ anklang. („Rütlischwur“ im „Wilhelm Tell“). Brüderlich waren die Deutschen zueinander noch nie. Deswegen überrascht es auch nicht, wenn der MDR nun ausgerechnet zum „Tag der Deutschen Einheit“ feststellt, dass die Ostdeutschen augenscheinlich zwei Identitäten in der Brust haben. Oder im Kopf oder im Herzen.

Die Pointe, die der MDR findet, verwirrt geradezu: „Und sie zeigt vor allem eines: 27 Jahre nach der Wiedervereinigung fühlen sich über 90 Prozent der Befragten als Bundesbürger und als ehemalige Bürger der DDR. Entgegen früherer Annahmen der Wissenschaftler bleibt eine gewisse ostdeutsche Identität erhalten.“

Das grenzt schon an Leser- und Zuschauerverklapse. Eher wäre es ein zwingend medizinischer Befund, wenn sich die Ostdeutschen nicht mehr als Ostdeutsche und/oder ehemalige Bürger der DDR fühlen würden.

Die Studie, in der das erfasst wird, beschäftigt sich übrigens mit 100 Prozent ehemaliger DDR-Bürger. Es ist die sogenannte „Sächsische Längsschnittstudie“, die seit 1987 rund jeweils 400 junge Menschen des Jahrgangs 1972 begleitet – noch unter DDR-Bedingungen angefangen und dann mit viel persönlichem Einsatz bis heute fortgesetzt. Das Besondere an der Studie ist: Sie beschäftigt sich mit Menschen, die 1990 allesamt jung waren und eigentlich alle Voraussetzungen hatten, sich im neuen, gemeinsamen Deutschland zu etablieren und ihre Chancen nutzen zu können.

Wahrscheinlich war es das desaströse Wahlergebnis zur Bundestagswahl am 24. September, das den MDR nun zu der oben genannten Diagnose brachte. Ganz so, als hätte man erst jetzt so richtig mitgekriegt, dass viele Ostdeutsche das dumme Gefühl haben, dass die „Einheit“ nur eine Banane war, eine schöne Verheißung, die so von der Wirklichkeit nicht eingelöst wurde.

Was übrigens nicht erst 2017 festgestellt wurde.

Denselben Befund konnte die „Sächsische Längsschnittstudie“ schon 2007 erstellen: „Die Vereinigungsfolgen für Ostdeutschland werden noch immer überwiegend ambivalent bewertet. Der vermutete Zeitpunkt für die Herstellung der wirtschaftlichen und der inneren Einheit wurde von Jahr zu Jahr weiter in die Zukunft hinausgeschoben, sie wird für sie mehr und mehr zu einer Utopie – Widerspiegelung erheblicher Enttäuschungen von den Realitäten des Vereinigungsprozesses“, hieß es damals. Was auch mit den persönlichen Berufserfahrungen der Befragten zu tun hat.

Was damals formuliert wurde, dürfte so manchem aus gegenwärtigen Tagen sehr vertraut vorkommen: „Stark beeinflusst wird dieser Prozess durch die äußerst kritische Sicht der 34-Jährigen auf die politische Klasse und die Wirtschaftsführer. Die meisten meinen, dass die heute herrschenden Politiker in erster Linie die Politik der Reichen und Mächtigen vertreten, im Hinblick auf Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern werden sie auf eine Stufe mit den Politikern in der DDR gestellt. Vertrauen zur Regierung haben 2007 lediglich 15 %, 85 % äußern das Gegenteil. Politik und Vertrauen schließen sich für sie offenbar immer mehr aus.“

Damals also war schon die heute offenkundige Entfremdung nachweisbar. Nur wurde das in Sachsen immer wieder mit schönen Reden über Heimat und „Sachsenstolz“ zugetüncht.

Wenn Ministerpräsident Stanislaw Tillich behauptet, er wisse, was „die Leute“ denken, dann schwindelt er. Oder er redet immer nur mit braven Parteisoldaten.

Die Aussagen von 2007 waren schon eindeutig: „Angst vor der Zukunft in dieser Gesellschaft wurde zu einem Grundgefühl auch dieser jungen Leute. Vor allem die psychisch stark belastenden existenziellen Ängste vor einer weiteren Verteuerung des Lebens, vor eigener Arbeitslosigkeit und Eintreten einer persönlichen Notlage (fast von der Wende an erfasst), vor den Auswirkungen von ‚Hartz IV‘ sowie vor weiteren Reformen der Regierung haben erheblichen Anteil an der bestehenden Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen System, an einer verbreiteten Angst vor dem heutigen Kapitalismus. Bei sehr vielen ist über Jahre hinweg ein ‚Stau‘ negativer Gefühle entstanden. Ein besonderes Alarmsignal ist, dass rund zwei Drittel der jungen Erwachsenen sich bereits im Alter von 34 Jahren von Armut im Alter bedroht fühlen!“

Was Gründe hat. Denn auf politischer Ebene wurde in all den Jahren kaum wahrgenommen, wie stark eigentlich die Ostdeutschen in der Transformationszeit (die praktisch erst 2011 so langsam zu Ende ging) von heftigen Umbrüchen im Berufsleben betroffen waren: „Entscheidender Einflussfaktor ist die Grunderfahrung Arbeitslosigkeit, die immer mehr dieser jungen Ostdeutschen machen müssen, bis 2007 bereits 71 % von ihnen gemacht haben! Der Anteil derer, die bereits mehrfach Arbeitslosigkeit erlebt haben und bei denen ihre ernsten negativen Auswirkungen besonders deutlich sichtbar werden, hat sich zwischen 1996 und 2007 von 17 % auf 40 % mehr als verdoppelt. Die Arbeitslosigkeit, von führenden, volksverbundenen Politikern und Politikerinnen in der Bundesrepublik schon längst als ‚größte Wunde der Gesellschaft‘ erkannt (Bundespräsident Johannes Rau, 2004), oder als Situation, die ähnlich wirkt wie eine Haft (Regine Hildebrandt, 1992), geht wie ein Riss durch die gesamte Population. Sie nährt Ängste gegenüber dem gegenwärtigen kapitalistisch verfassten System, bestärkt Zweifel an seiner Zukunftsfähigkeit und erhöht die Protestbereitschaft, hat aber auch erhebliche negative Folgen für die physische und psychische Gesundheit der TeilnehmerInnen.“

Und da nehmen wir jetzt einfach mal die Abkürzung zu einem anderen Thema, das in den Köpfen der meisten Politiker einfach keinen Platz findet: Wie eigentlich Bevölkerungsrückgänge entstehen und Menschen aufhören, für die Zukunft zu planen. Oh ja, hier geht es jetzt um das heilige Stichwort Familie und Kinder, beides bei vielen jungen Ostdeutschen völlig unter die Räder gekommen.

Denn: „Entscheidend ist, dass diese negativen Auswirkungen mit wachsender Gesamtdauer der Arbeitslosigkeit des einzelnen Betroffenen in vieler Hinsicht nachweislich kumulativ zunehmen, eine Tatsache, die nur aus langfristig erhobenen individuellen Daten, nicht jedoch aus den amtlichen Statistiken ablesbar ist. Besonders hier liegt auch der Neuigkeitswert unserer Ergebnisse. So geht mit zunehmender Dauer eigener Arbeitslosigkeit kontinuierlich die Zukunftszuversicht der jungen Erwachsenen zurück und steigt ihre Angst vor einer persönlichen Notlage stark an. Auch die Bejahung der Wende und selbst die Zahl der gewünschten Kinder nimmt signifikant ab! Diese latenten psychosozialen Folgen werden von der Politik völlig unterschätzt, kleingeredet oder kaschiert.“

So viel zum Wunsch nach Sicherheit, den ich hinter Pegida und AfD-Wahl durchaus sehe. Aber nicht wie Stanislaw Tillich, der immer noch glaubt, die empörten Sachsen würden sich einen „stärkeren Staat“ wünschen. Die meisten wünschen sich nur mal ein bisschen Sicherheit im eigenen Leben, so ein bisschen festen Grund, auf dem man bauen und planen kann.

Eigentlich gibt die Studie selbst zu, dass die Fragestellung falsch ist, wenn man die ganze Zeit fragt, wie sehr sich die Ostdeutschen nun eigentlich als Bundesbürger fühlen und mit den Werten der Bundesrepublik identifizieren. Die nun einmal erst sekundäre Werte sind, wenn es erst einmal um die ganz persönliche Sicherheit und den Erfolg im eigenen Leben geht. Wenn der auch nach 27 Jahren nur aus lauter Unsicherheit besteht, ist die Diagnose eigentlich nicht so überraschend.

Wie gesagt: 2007 war das schon das Ergebnis der „Sächsischen Längsschnittstudie“.

In den Folgejahren besserten sich die Einschätzungen wieder. Ab 2009 spürten auch diese Jahrgänge, dass Sachsen wirtschaftlich wieder Tritt fasste – was dann auch die Zufriedenheit mit der Politik spürbar erhöhte.

Ein ganz wichtiger Faktor dabei – so der vom MDR befragte Dresdner Psychologie-Professor Hendrick Berth – sind die Zuversichtswerte. Und die hängen nun einmal direkt am (verlässlichen) Erwerbseinkommen, an der somit erreichten wirtschaftlichen Souveränität im eigenen Leben. Damit stieg dann auch der Anteil derer, die sich als „Wendegewinner“ verstehen, auf über 60 Prozent an. Aber es gibt nach wie vor jene, die sich – trotz aller Bemühungen – als Verlierer verstehen.

Als Ostdeutsche und ehemalige DDR-Bürger verstehen sich fast alle. Denn das ist nun einmal kein abwertendes Kriterium (wie es oft in den 1990er Jahren verwendet wurde). Es ist schlicht eine geschichtliche Erfahrung und damit ein Erfahrungsbereich, den nun einmal die West- und Süddeutschen nicht haben. Und gerade weil das den Vergleich ermöglicht, ist das ein positiver Erfahrungsschatz.

„Entgegen früherer Annahmen der Wissenschaftler bleibt eine gewisse ostdeutsche Identität erhalten“, meint der MDR.

Na so was? Da sind wir aber überrascht. Erstaunlich, dass die Ostdeutschen eine eigene Geschichte haben. Das verblüfft uns doch jeden Tag wieder aufs Neue.

Aber wo der MDR noch herumwundert, hat zumindest der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mitgekriegt, dass da was war und was ist, das eben mit der schönen Deutschen Einheit nie abgegolten war: „Wenn ein Ostdeutscher erzählt, wie seine Heimat in der DDR sich nach der Wende radikal verändert hat – dass die neue Freiheit nicht nur Ziel von Sehnsucht, sondern auch eine Zumutung war, dass im Wandel vieles verloren ging, was man halten wollte – dann gehört auch das zu unseren deutschen Geschichten. Die Herstellung der Einheit war ein gewaltiges Werk. Natürlich wurden auch Fehler gemacht in den Jahren nach 1990 – und es gibt keinen Grund, darüber zu schweigen. Ostdeutsche haben nach der Wiedervereinigung Brüche erlebt, wie sie unsere Generation im Westen nie kannte. Und dennoch sind diese ostdeutschen Geschichten kein solch fester Bestandteil unseres ‚Wir‘ geworden wie die des Westens. Ich finde: es ist an der Zeit, dass sie es werden.“

So zu lesen in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit.

Demokratie braucht mehr …: Die deutsche Einheit ist Waage

Deutsche Einheit
Print Friendly, PDF & Email
 
Ein Kommentar


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Münchhausen: Der echte Lügenbaron und die Männer, die seine Geschichten berühmt gemacht haben
Erik Gloßmann: Münchhausen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNach Sachsen hat es ihn wohl nie verschlagen, dafür nach Russland, Lettland und Finnland, diesen Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, den berühmtesten aller Münchhausen, auch wenn er für seinen Nachruhm eigentlich nichts kann. Für den haben andere gesorgt. Aber am 11. Mai wäre der erzählfreudige Baron aus Bodenwerder 300 Jahre alt geworden. Wer hat seine Geschichten nicht im Bücherschrank stehen?
Gastkommentar von Christian Wolff: Der Exit aus dem Shutdown – nicht das „Wann“, das „Wie“ ist entscheidend
Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserMenschen im Ausnahmezustand werden schnell ungeduldig. Kaum sinkt das Fieber, möchte der Kranke wieder aufstehen. Kinder wollen nach einer Grippe so schnell wie möglich wieder zum Spielen nach draußen. Die Arbeit ruft, auch wenn das Herz noch schmerzt. So werden auch noch in der Krankheit die STOP-Signale überfahren. Genau dieses jedem Menschen sehr vertraute Verhalten spiegelt sich in der seit Tagen entbrannten Diskussion darüber wieder, wann der sogenannte „Shutdown“, also das systematische Herunterfahren des öffentlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Lebens, beendet werden kann.
Samstag, 28. März 2020: Der Tag in Bildern
Alle wollen raus bei dem Wetter. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Samstag, 28. März 2020, war wohl nur deshalb an sich interessant, weil er der erste nach den sächsischen „Ausgangsbeschränkungen“ war. Diese hatten zu vielzähligen Debatten geführt, das Sitzen auf Parkbänken wurde infrage gestellt, eine Definition von „Wohnumgebung“ zu „bitte nicht allzu weit aus der Stadt hinaus“ und als letzte Maßnahme schloss die Stadt Leipzig diverse Parkplätze an Ausflugsorten. Das Ergebnis heute: Radler/-innen, Sonne, leere Fernverkehrsstraßen und volle Parks und Seeufer.
Ein Spiel auf Zeit: Die neue Leipziger Zeitung zwischen Ausgangsbeschränkung, E-Learning und dem richtigen Umgang mit der auferlegten Stille
Leipziger Zeitung Nr. 77: Spiel auf Zeit. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserDa haben wir schon heftig hin und her überlegt: Bringen wir die neue Ausgabe der „Leipzige Zeitung“ jetzt raus oder unterlassen wir das lieber aufgrund der Covid-19-Pandemie? Immerhin muss sie ja gedruckt werden, ausgefahren, in Haushalte und noch offene Verkaufsstellen verteilt werden? Aber was wäre die Alternative? Brauchen die Leipziger/-innen, die wegen der Corona-Epidemie zu Hause bleiben müssen, nicht gerade jetzt eine Zeitung, die sie auch ernst nimmt, aber keine Panik verbreitet?
Gesundheitsamt sieht Gabenzäune skeptisch: „Im Sinne der Hygienevorgaben problematisch“
Am 22. März erstmals am Connewitzer Kreuz entdeckt: Ein Gabenzaun am Streetball-Platz. Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Für alle LeserZur Debatte um die Aufstellung von „Gabenzäunen“, also Orte, an denen zum Zwecke der scheinbaren Versorgung Obdachloser und Bedürftiger mildtätige „Gaben“ aufgehängt werden, gibt es nun ein Statement der Stadt Leipzig. Auf Anfrage von L-IZ.de haben sich Gesundheits- und Sozialamt zur Einrichtung der Gabenzäune eher negativ geäußert, mit der Kontrolle der wild entstehenden Stellen in der Stadt kommt man offenbar nicht hinterher. Die sprunghafte Verbreitung der Idee der Gabenzäune hatte vor wenigen Tagen vor allem in Großstädten wie Dresden, Leipzig und Berlin begonnen.
Ökolöwe schreibt an Baubürgermeisterin: Schaffen Sie Platz für Radfahrer/-innen!
Radfahrer-/Fußgängerampel am Martin-Luther-Ring. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) sieht die Folgen der Ausgangsbeschränkungen in der Covid-19-Pandemie als Chance, im Leipziger Straßenverkehr endlich ein paar Verbesserungen durchzuführen, die im vorherigen Gedränge einfach nicht durchzusetzen waren. Der ADFC bekommt jetzt Schützenhilfe vom Leipziger Ökolöwen: Schaffen Sie mehr Platz zur Kontaktvermeidung auf Rad- und Fußwegen, Frau Bürgermeisterin!
Wie kam es überhaupt zu den verschärften Ausgangsbeschränkungen in Sachsen?
Verlassene Innenstadt. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserSeit dem 23. März gelten in Sachsen verschärfte Ausgangsbeschränkungen, teilweise schärfere als in anderen Bundesländern. Manchmal so unscharf formuliert, dass selbst die Polizei nicht weiß, wo sie nun eine vernünftige Grenze ziehen soll. Die Allgemeinverfügung liest sich für die linke Landtagsabgeordnete Juliane Nagel wie mit heißer Nadel gestrickt. Und so richtig rechtskonform scheint ihr die Sache auch nicht zu sein.
Leipziger Resolution zur Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus griechischen Flüchtlingslagern und linke Unterstützung für Mission Lifeline
Neues Rathaus in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit 2015 hat es die EU nicht hinbekommen, eine gemeinsame Flüchtlingspolitik auf die Beine zu stellen. Immer „kam irgendwas dazwischen“ – der Brexit z. B., dessen Zirkuspirouetten noch immer nicht zu Ende sind, nun die Corona-Epidemie. Da ging auch völlig unter, dass in Leipzigs Stadtrat seit Dezember darüber debattiert wurde, Minderjährige aus griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Fünf Stadtratsfraktionen haben jetzt die Nase voll und veröffentlichen eine Resolution.
„Ich bin irgendwie so unruhig, Mama“: Gedanken einer Leipziger Mutter
Die geschlossene „Märchenwiese“ im Lene-Voigt-Park im Corona-März 2020 - Zeit für Alpträume? Foto: Luise Schöpflin

Foto: Luise Schöpflin

Für alle Leser„Ich bin so unruhig, Mama...“, sagte mein Sohn beim Zubettgehen, etwas, was er noch nie sagte. Es ist der Freitag der ersten Woche der Corona-Ausgangsbeschränkung. Wir durchleben die „virologische Bedrohung“ meistens im Garten im engsten Kreis der Familie. Was sage ich meinem Sohn, meinen Kindern, zur Beruhigung?
Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich: Was zu Wagner damals in Leipziger Zeitungen stand
Peter Uhrbach: Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser1883 starb Richard Wagner in Venedig. Mit dem Jahr 1883 endete auch die 2018 erschienene Dokumentation von Peter Uhrbach „Richard Wagners Werk in Leipzig“, in der es natürlich nicht um Wagners Werk ging, sondern um dessen Rezeption in Leipziger Zeitungen und Zeitschriften. Denn wie ein Komponist mit seinen Werken bei den Leuten ankommt, das beeinflussen bis heute die Medien. Auch wenn sich die Redakteure oft uneins sind, ob sie nun Hosianna oder „Alles ganz schrecklich“ schreiben sollen.
Freitag, der 27. März 2020: Polizei wegen angeblicher Corona-Verstöße im Dauereinsatz und Wochenendvorbereitungen
„Coronatime“ - Die Zeit spiegelt sich längst auch in den Graffitis in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn Deutschland wird gerade ganz genau beobachtet, wie sich der Nachbar verhält. Galt die Aufmerksamkeit früher dem neuen Auto oder der schicken Frisur, ruhen die Blicke nun auf großen Gruppen und anderen „verdächtigen“ Aktivitäten. Die Polizei hatte 58 Einsätze innerhalb von 24 Stunden – nicht immer lagen tatsächlich Verstöße gegen die Allgemeinverfügung vor. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 27. März 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
In der (Corona-)Krise: Toilettenpapier für mehr persönliche Kontrolle
Prof. Dr. Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig. Foto: Universität Leipzig, SUK

Foto: Universität Leipzig, SUK

Für alle LeserWarum bunkern Menschen in der Corona-Krise Toilettenpapier und Nudeln? Wie kann es gelingen, die sozialen Herausforderungen durch die Ausgangsbeschränkungen zu meistern? Und wie lange kann das alles noch gutgehen? Die L-IZ befragte dazu Prof. Dr. Immo Fritsche. Er ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig.
In der (Corona-)Krise: Kultusminister meldet sich mit Brief: Sächsisches Abitur soll durchgezogen werden
Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle LeserDer sächsische Kultusminister Christian Piwarz will das Abitur 2020 mit allen Mitteln durchziehen. Das teilte er den Abiturienten am Freitag per Brief mit. So sei ein Notabitur eine Lösung, die man den Schülern ersparen will. Stattdessen werden verschiedene Szenarien diskutiert: Auch ein Abitur zum Nachtermin ist möglich.
In Zeiten von Corona: „Die Menschen auf der Straße nicht alleinlassen“
Holger Herzog, Leiter des SZL Suchtzentrum gGmbH und Suchtzentrum Leipzig e. V. Foto: privat

Foto: privat

Für alle LeserDie Corona-Krise setzt momentan vielen zu, zahlreiche Menschen stehen am Rande der Existenz. Was aber passiert in Zeiten von „social distancing“ (soziale Distanz) und Kontaktverboten mit denjenigen, die nicht mal ein Dach über dem Kopf haben? Einige Tagestreffs für obdachlose Menschen in Leipzig, wie die INSEL und die Oase, mussten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ihre Arbeit bereits vorerst einstellen. Der Leipziger Hilfebus ist weiterhin jeden Abend zwischen 18 und 23 Uhr auf den Straßen unterwegs. Holger Herzog, Leiter des SZL Suchtzentrum gGmbH und Suchtzentrum Leipzig e. V., über die Situation.
Corona-Krise: Nachtragshaushalt für Sachsen ist fällig, Schuldenbremse steht zur Disposition
Ohne Nachtragshaushalt geht's in der Corona-Krise nicht. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserLockert Sachsen jetzt in der Corona-Krise die Schuldenbremse? Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Sächsischen Landtag, Franziska Schubert, war am 20. März die Erste, die die Lockerung der Schuldenbremse thematisierte. Denn jetzt, wo ganze Wirtschaftsbereiche stillstehen, ist schnelle und unbürokratische Hilfe gefragt, um massenhaft Insolvenzen zu verhindern. SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Panter nahm am Donnerstagmorgen, 26. März, den Ball auf.