Offener Brief

Doktoranden aus Dresden positionieren sich gegen Rassismus

Für alle LeserIn Dresden sorgen seit Jahren immer wieder Berichte über rassistisch motivierte Angriffe auf Migranten für Schlagzeilen. Nachdem im September dieses Jahres eine junge Wissenschaftlerin betroffen war, veröffentlichten nun Doktorandinnen und Doktoranden sechs Dresdner Forschungsinstitute einen Offenen Brief. Auch in anderen Städten reagieren Akademiker auf Rassismus – zum Beispiel in Köthen, wo die Hochschule einen Aktionstag veranstaltet.

Die Doktorandinnen und Doktoranden sechs Dresdner Forschungsinstitute haben sich in einem Offenen Brief gegen rassistische Gewalt positioniert. Bei den Einrichtungen handelt es sich um ein Helmholtz-Zentrum, ein Leibniz-Institut, drei Max-Planck-Institute und das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen.

Anlass ist ein rassistisch motivierter Angriff auf eine Doktorandin am 19. September. Dieser soll sich in einer Straßenbahn ereignet haben. „Im Angesicht der Tatsache, dass dies nicht der erste Fall fremdenfeindlicher Gewalt in Dresden war, ist es uns ein dringendes Bedürfnis, dazu Stellung zu beziehen“, heißt es in dem Brief. „Wir verurteilen diesen und alle anderen fremdenfeindlichen Übergriffe scharf. Fremdenfeindlichkeit schadet und beschämt unsere Gesellschaft.“

Sachsen profitiert von Internationalisierung

Man vertrete mehr als 550 Doktorandinnen und Doktoranden aus mehr als 60 Ländern. Insbesondere Sachsen profitiere von Wissenschaftlerin aus aller Welt. „In unseren Instituten arbeiten internationale Gruppen seit langem gemeinsam und erfolgreich an neuen Entwicklungen. Der gegenseitige Wissensaustausch und die daraus entstehenden Erkenntnisse sind essentiell für die Forschung, die erst dadurch ihre Innovationskraft erhält.“

Doktorandinnen und Doktoranden würden während ihrer Promotion mehrere Jahre in Deutschland leben und in dieser Zeit ein „Teil unserer vielfältigen Gesellschaft“ werden. Für gewalttätige Übergriffe auf sie gebe es keine Rechtfertigung.

In Dresden kommt es in Straßenbahnen oder an Haltestellen immer wieder zu Angriffen auf Migranten. Ebenfalls im September hat ein unbekannter Mann eine 17-Jährige aus Afghanistan getreten und beleidigt, nachdem diese in eine Straßenbahn eingestiegen war. Wenige Tage zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Dresden Anklage gegen eine Frau wegen fahrlässiger Körperverletzung erhoben. Im Januar dieses Jahres soll der Hund der 23-Jährigen an einer Haltestelle eine Frau aus Äthiopien angegriffen haben. Eine Begleitperson soll die Frau zudem rassistisch beleidigt haben. Laut Staatsanwaltschaft ließ sich letzteres jedoch nicht nachweisen.

Aktionstag in Köthen

Eine öffentlichkeitswirksame Aktion zum Thema Rassismus und Toleranz plant an diesem Samstag, den 13. Oktober, auch die Hochschule in Köthen in Sachsen-Anhalt. In der Nacht zum 10. September war auf einem Spielplatz nach einer Auseinandersetzung ein Mann gestorben. Anschließend demonstrierten hunderte Neonazis in der Stadt.

Die Hochschule lädt nun zu einem Aktionstag „Weltoffene Hochschulen“ ein. Jörg Bagdahn, der Präsident der Hochschule, erklärte: „Die Aktion setzt ein klares Zeichen gegen die extremistischen Demonstrationen in den vergangenen Tagen.“ Gemeinsam mit den anderen Hochschulen des Landes wolle man sich „für Toleranz, Aufgeschlossenheit und gelebte Internationalität einsetzen“. Geplant seien Tanzvorführungen, Konzerte und andere Kulturbeiträge.

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Leipziger Zeitung Nr. 70. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

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