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Demonstration für das „Black Triangle“ nach Flaschenwürfen und Polizeimaßnahmen vorzeitig beendet + Video

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    VideoBis kurz vor 19 Uhr war nicht klar, ob die Lage an diesem Abend eskaliert. Mehrere hundert Menschen hatten sich am Mittwoch, den 16. Januar, am Wiedebachplatz versammelt. Anlass war die Durchsuchung des bis dahin besetzten „Black Triangle“ am Tag zuvor. Da sich kurzfristig doch noch ein Anmelder für eine Demonstration fand, konnten die Anwesenden bis zum Wilhelm-Leuschner-Platz laufen. Nach mehreren Flaschenwürfen auf Polizisten sowie einer Maßnahme gegen etwa 100 Teilnehmende endete der Aufzug jedoch vorzeitig. Die mancherorts erwarteten massiven Ausschreitungen blieben aus.

    Als die 150 Polizisten am Dienstagmorgen das „Black Triangle“ durchsuchten und damit de facto die jahrelange Besetzung des Bahn-Grundstücks beendeten, dürften sie bereits geahnt haben, dass der Abend des folgenden Tages für sie und ihre Kollegen unangenehm werden könnte. Schon vor zwei Jahren wurde dazu aufgerufen, sich am Tag nach einer möglichen Räumung um 18 Uhr am Wiedebachplatz in Connewitz zu versammeln. So kam es an diesem 16. Januar schließlich auch.

    Eine hohe dreistellige Anzahl an Personen war vor Ort. Was genau passieren würde, wussten selbst Personen nicht, die für gewöhnlich in der linken Szene gut vernetzt sind. Zwar gab es Überlegungen, bei der Stadt im Vorfeld eine Demonstration anzumelden – doch letztlich ging niemand diesen Schritt.

    Nach etwa 15 Minuten startete die Polizei mit den Durchsagen: Jemand möge zu ihr kommen, um eine Versammlung anzumelden. Niemand reagierte. Mittlerweile hatte die Polizei nahezu alle Kreuzungen rund um den Wiedebachplatz abgesperrt.

    Am Wilhelm-Leuschner-Platz trennte die Polizei die Teilnehmenden voneinander. Foto: Marco Arenas
    Am Wilhelm-Leuschner-Platz trennte die Polizei die Teilnehmenden voneinander. Foto: Marco Arenas

    Gegen 18.45 Uhr wurde es erstmals brenzlig. Während Thomas Kumbernuß, der Vorsitzende der Partei Die PARTEI in Leipzig, das Gespräch mit der Polizei suchte, setzte sich eine Menge aus mehreren hundert Personen auf der Bernhard-Göring-Straße in Bewegung. Nach wenigen Metern hielten die Losgelaufenen jedoch vor einer Polizeikette – womöglich auch deshalb, weil gleichzeitig per Mikrofon die Durchsage erfolgte, dass in Kürze eine Demonstration starten werde.

    So geschah es kurz vor 19 Uhr. Mit dem Wilhelm-Leuschner-Platz als Ziel startete der Aufzug. Es waren nur wenige Transparente zu sehen; auf einem stand „Ganz Connewitz hasst die Polizei“. Eine ähnliche These und andere Beleidigungen der Polizei verbreiteten die Teilnehmenden auch verbal. Zudem forderten sie unter anderem: „die Häuser denen, die drin wohnen“ oder „Bullen in die Produktion“.

    Vom Wiedebachplatz kommend zog die Demo auf der Karli Richtung Innenstadt. Thomas Kumbernuß (Die PARTEI) versuchte, die Friedlichkeit zu wahren. Foto: Marco Arenas
    Vom Wiedebachplatz kommend zog die Demo auf der Karli Richtung Innenstadt. Thomas Kumbernuß (Die PARTEI) versuchte, die Friedlichkeit zu wahren. Foto: Marco Arenas

    Die Stimmung war von Beginn an aggressiv. Zwar hatte es zumindest im Internet massive Kritik an den Bewohnern des „Black Triangle“ gegeben, da diese sich häufig unangemessen verhalten hätten. Dennoch verstanden viele die Polizeidurchsuchung vom 15. Januar 2019 als Angriff auf einen linken „Freiraum“. Zudem hatte die Bahn das Grundstück über Jahre verfallen lassen. Möglicherweise droht den 10.000 Quadratmetern in der Arno-Nitzsche-Straße nun erneut ein jahrelanger Leerstand.

    Im Laufe der Demonstration äußerte sich die Wut nicht nur verbal, sondern auch in Form von fliegenden Steinen und Flaschen. Teilweise wurden Gegenstände auf die Karl-Liebknecht-Straße gelegt. Versammlungsleiter Kumbernuß räumte diese zurück und forderte die Teilnehmenden zur Mäßigung auf. Ein Polizist setzte einmal kurz Pfefferspray gegen die vordere Demoreihe ein. Davon abgesehen schienen die Beamten jedoch auf Deeskalation bedacht.

    Wasserwerfer, volle Montur bei der Polizei am 1. Januar 2019 in Leipzig. Foto: Marco Arenas
    Wasserwerfer und volle Montur bei der Polizei am 16. Januar 2019 in Leipzig. Foto: Marco Arenas

    Das änderte sich kurz vor dem Wilhelm-Leuschner-Platz, als die Polizei etwa 100 Personen vom Rest der Demonstration abtrennte und ausschloss. Bei diesen Menschen vermuteten die Beamten nach eigenen Angaben jene Straftäter, die Gegenstände geworfen und sich vermummt hatten. Die Stadträtin Juliane Nagel beklagte, dass die Betroffenen „massiv zusammengequetscht“ worden seien.

    Kurz nach 20 Uhr beendete Kumbernuß die Demonstration, obwohl laut Polizei eine Fortsetzung mit den übrigen Personen möglich gewesen wäre. Viele hatten sich jedoch bereits von dem Geschehen entfernt. Laut Nagel dauerten die Maßnahmen gegen die eingekesselten Menschen nach 23 Uhr noch an. Die Polizei stellte deren Identität fest und ließ sie anschließend gehen.

    Die vorab von einigen Medien vermuteten Ausschreitungen blieben also weitgehend aus. Dass es zu weiteren Racheaktionen kommt, scheint aber nicht ausgeschlossen. In der vergangenen Nacht brannte in Schleußig bereits ein Dienstwagen der Deutschen Bahn. Diese kündigte unterdessen an, für Gespräche über die zukünftige Nutzung des ehemaligen „Black Triangle“ offen zu sein.

    Video Impressionen von der Demo am 16.01.2019 und der Kesselung am Ende

    Video: L-IZ.de

    Besetzung beendet, Demonstration angekündigt – Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch: Polizei durchsucht leeres „Black Triangle“

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    2 KOMMENTARE

    1. @Sabine
      Die 150 Polizisten waren dazu da den rechtsfreien Raum zu beenden. Alle anderen Gespräche würden auf einer Nötigung basieren.

    2. „Diese kündigte unterdessen an, für Gespräche über die zukünftige Nutzung des ehemaligen „Black Triangle“ offen zu sein.“

      Und dafür hats 150 Polizisten gebraucht? Wo war die Gesprächsbereitschaft denn vor dieser Aktion? Ganz schön scheinheilig.

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