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Leipziger Buchmesse 2019: Neonazi-Kundgebung statt Kubitschek-Show?

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    Sowohl in Frankfurt als auch in Leipzig dominierte der rechte Verleger Götz Kubitschek in den vergangenen Jahren die Buchmesse-Berichterstattung. Das wird diesmal wohl anders sein: Kubitscheks „Antaios“-Verlag ist nicht angemeldet. Stattdessen plant die Neonazipartei „Die Rechte“ eine Kundgebung, um sie nach ersten Informationen heute wieder abzusagen. Auch viele eher unbekannte rechte Verlage werden mit Ständen vertreten sein. Bereits am heutigen Mittwoch, den 20. März, findet ab 18 Uhr auf dem Augustusplatz eine antirassistische Kundgebung des Bündnisses „Leipzig liest weltoffen“ statt.

    In den vergangenen Jahren war die Leipziger Buchmesse immer wieder Schauplatz vielfältiger Proteste gegen rechte Verlage. Es gab Offene Briefe, Kundgebungen, eingeworfene Scheiben, Störaktionen bei Veranstaltungen und einen gescheiterten Antrag der Linksfraktion im Stadtrat, rechten Verlagen die Teilnahme zu untersagen.

    Zu den bekanntesten Buchmesse-Ausstellern aus dem Milieu der Neuen Rechten zählten in den vergangenen Jahren das Monatsmagazin „Compact“ von Jürgen Elsässer, der Antaios-Verlag von Götz Kubitschek und die Wochenzeitung „Junge Freiheit“.

    Letztere sagte 2018 ihre Teilnahme kurzfristig ab. Geschäftsführer Dieter Stein warf der Messeleitung vor, mit linksradikalen Verlagen zu kooperieren und den Stand der „Jungen Freiheit“ bewusst ungünstig platziert zu haben. Für die kommende Buchmesse hat die Zeitung keinen Stand angemeldet.

    Götz Kubitschek wird diesmal vermutlich ebenfalls fehlen. Zumindest findet sich der Antaios-Verlag nicht in der Aussteller-Übersicht. Allerdings hatte Kubitschek seinen Verlag schon für die Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr nicht angemeldet und war dann mit einem anderen Stand überraschend doch dabei.

    Götz Kubitschek (Antaios Verlag und „Institut für Staatspolitik“) und Jürgen Elsässer (Compact Magazin) auf der Leipziger Buchmesse. Foto: Luca Henze
    Diskussionen über den Regimesturz auf der Leipziger Buchmesse 2018. Foto: Luca Henze

    Auf der Leipziger Buchmesse 2018 diskutierte Kubitschek im vergangenen Jahr unter anderem mit Elsässer darüber, wie das „Regime“ gestürzt werden könne. Während Kubitschek eher für eine zurückhaltende Rhetorik plädierte, machte Elsässer aus seinen Absichten kein Geheimnis.

    Im Gegensatz zu den beiden anderen Medien ist Elsässer mit seinem „Compact“-Magazin auch dieses Mal wieder dabei. Diskussionsrunden mit prominenten Gästen, etwa von der „Identitären Bewegung“, sind aber nicht geplant. Stattdessen möchte „Compact“ zwei neue Veröffentlichungen präsentieren.

    Weil „Antaios“ und andere rechte Verlage die Buchmesse in diesem Jahr offenbar meiden – und sich stattdessen in der vergangenen Woche zu einer eigenen „Buchmesse“ im Haus der „Identitären“ in Halle trafen –, könnten diesmal antirassistische Verlage und Initiativen den Ton angeben.

    Bereits am Mittwoch, den 20. März, findet ab 18 Uhr auf dem Augustusplatz eine Kundgebung des Bündnisses „Leipzig liest weltoffen“ unter dem Motto „Keinen Regalmeter für Faschismus“ statt. Zu den Organisatoren zählen unter anderem „Leipzig nimmt Platz“, die Jugendorganisationen von SPD, Linken und Grünen sowie Gewerkschafter und die „Verlage gegen rechts“.

    In einem gemeinsamen Aufruf heißt es: „In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung spielen rechte Verlage eine besondere Rolle dabei, rechtes Gedankengut theoretisch zu untermauern und es in alle Teile der Gesellschaft zu verbreiten. Sie liefern das geistige Futter für rassistische Angriffe, die immer noch täglich verübt werden, und für Anfeindungen Andersdenkender in jeglicher Form.“ Die Buchmesse spiele dabei für Vernetzung und Verbreitung der Ideologien eine wichtige Rolle.

    Ein Büchermeer gegen Rassismus und recjhte Verlage vor der Tür. Foto: L-IZ.de
    Büchermeer gegen Rassismus im Jahr 2018. Foto: L-IZ.de

    Wie schon im vergangenen Jahr soll es während der Kundgebung ein „Büchermeer“ geben. Um 18:30 Uhr sollen alle Interessierten für eine Fotoaktion ein Buch in die Höhe halten, das „Geschichten von Solidarität und Menschlichkeit“ erzählt. Das Bündnis „Leipzig liest weltoffen“, welchem sich auch L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG angeschlossen haben, ist zudem in der Halle 2 mit dem eigenen Stand A304 auf der Buchmesse vertreten und wird mehrere Lesungen (für groß und klein), Podiumsdebatten und Aktionen durchführen.

    Im Laufe der Tage werden so unter anderem der Leipziger Karikaturist Schwarwel, der Buchautor André Herrmann und unzählige weitere Künstler am Stand zu Gast sein. Täglich findet hier auch immer um 13 Uhr ein „Offenes Forum“ statt, während am Sonntag, 14 Uhr, die LZ-Debatte „Lehrer unter Druck – Schule in Zeiten des AfD-Lehrerprangers“ in der Halle 5 auf der großen Bühne zu Gaste sein wird.

    Alle Veranstaltungen finden sich im Buchmesseprogramm über die Suchefunktion unter dem Stichwort „Leipzig liest weltoffen“.

    Ausgefallen?

    Zumindest eine rechte Veranstaltung, bei der mit Gegenprotest zu rechnen war, sollte es aber auch in diesem Jahr geben. Die Neonazipartei „Die Rechte“ und der „Sturmzeichen“-Verlag wollten am Samstag, den 23. März, ab 14 Uhr in der Nähe der Buchmesse demonstrieren. Anlass für die Kundgebung sei eine von der Buchmesse abgelehnte Standanmeldung für den Verlag (Ruhrnachrichten zu den Gründen). Dessen Inhaber Sascha Krolzig (hier ein Beitrag des WDR) ist zugleich Vorsitzender der Partei „Die Rechte“.

    Am heutigen Mittwoch jedoch hat nach ersten Informationen die Gruppierung ihre Anmeldung per Mail an die Stadt Leipzig zurückgezogen, die Gründe für die höchstwahrscheinliche Absage sind noch unklar.

    Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ hatte bereits im Vorfeld dazu aufgerufen, am jetzigen Samstag ab 13:30 Uhr zum Protest gegen die Kundgebung der Rechtsradikalen zu kommen. „Es ist zu erwarten, dass zu dieser Kundgebung hauptsächlich Hardcore-Nazis kommen werden“, hieß es in einer Pressemitteilung.

    Dass „Antaios“, „Junge Freiheit“ und andere bekannte Größen diesmal fehlen werden, bedeutet übrigens nicht, dass generell nur wenige rechte Verlage angemeldet sind. Wie aus einer umfangreichen Dokumentation eines antifaschistischen Blogs hervorgeht, ist dennoch mit zahlreichen antisemitischen, nationalistischen und anderweitig problematischen Veranstaltern zu rechnen.

    Rechte besprechen auf der Leipziger Buchmesse den Regimesturz + Video

    Kulturkampf von Rechts – Eine Streitschrift (2018)

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