Wende-Gespräche (2): Jazz in der Dada-R

Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 70, seit 23. August im HandelHansi, geboren 1953, ist Barkeeper in Leipzig und Musiker in verschiedenen Bands aus der DDR und BRD. Er studierte Technologie des Nachrichtenwesens in Dresden und parallel dazu Violine am Konservatorium in Cottbus. Von 1976 bis zum Ende der DDR war er Berufsmusiker und gehörte unter anderem zum Ensemble des Nationalen Jazzorchesters. Er erzählt mir, dass er erst gestern Abend in einer Bar darauf angesprochen wurde, was er denn vor 30 Jahren gemacht habe.
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Also, Hansi, was hast du heute vor 30 Jahren gemacht?

Auf den Tag heute vor 30 Jahren? Lass mich nachdenken! Im August 1989 war ich in der Sowjetunion. Aber ich war in Ländern, die das gar nicht wollten: Litauen, Lettland, Estland. Die Reiseanlage, also das Ding, das wir bekamen, damit wir überhaupt hinfahren durften, habe ich noch zu Hause. Jedenfalls war ich in diesen Ländern, die nicht mehr in der Sowjetunion sein wollten, die auch Hungerstreiks und so weiter gemacht hatten.

Sehr viele nationalistische Tendenzen habe ich da zum ersten Mal in meinem Leben erlebt. Die Leute waren zwar schon sehr gastfreundlich zu mir. Aber ich habe mich da – es war auf einer Geburtstagsparty – unheimlich fremd gefühlt. Speziell in Litauen hatte ich den Eindruck, die können nur sich leiden. Man konnte sich bemühen, wurde aber nicht sonderlich gemocht.

Warst du auf Tour?

Auf Urlaubstour. Das konnte man machen. Man musste irgendetwas im Süden beantragen – Rumänien, Bulgarien oder Ungarn mit Transit-UdSSR. Das Transitvisum war natürlich nicht dafür gedacht, dass man dort drei oder vier Wochen Urlaub macht. Es war nur auf 72 Stunden begrenzt und man sollte auf dem kürzesten Weg reisen. Aber wenn man erstmal über die sowjetische Grenze war, war man relativ frei – in doppelter Hinsicht vogelfrei. Es hat sich dann eigentlich niemand mehr für einen interessiert, es sei denn, man ist in eine dumme Situation geraten. Es war zwar illegal, aber eigentlich nicht besonders schlimm.

Einmal bin ich bestraft worden. Da war ich in Leningrad, 1979. Man hat mich zum DDR-Konsul gebracht und da hat man mir gesagt: „Sie wissen, dass Sie nun ein sogenannter Transitverbrecher sind, weil Sie von den Transitwegen abgewichen sind. Und Transitverbrecher werden bei uns in der Dada-R hart bestraft. Das werden Sie dann daran merken, dass Sie nächstes Jahr die Transiterlaubnis nicht erhalten werden!“

Entweder hatte er es dann aber nicht gemeldet oder es ist in der Bürokratie irgendwo verschludert worden; denn ich hatte dann doch wieder ein Transitvisum erhalten. Aber die Dada-R war eben Dada-mäßig, surreal; da ging sowieso einiges verquer. Selbst zwischen den Machtorganen.

Nun haben wir die „Happy Birthday“- Platte deiner Band DEKAdance vor uns liegen. Aufgenommen im April und Mai `89, quasi zur 40-Jahre-Feier der DDR. Und kurz darauf warst du im Urlaub. Wie waren denn die Reaktionen auf die Platte? Als ich den Plattentext gelesen hatte – „… ein monströses Werk unabdinglichen Frohsinns. Müßiggang, Völlerei usw.“ – habe ich gestaunt.

Na ja, da hat ja von den Ordnungsorganen niemand irgendetwas rauslesen können. Da stand nicht drin: „Die Mauer muss weg!“ oder Derartiges.

Aber: „Unterschwelligst sei bemerkt: Das tötende Gleichmaß rhythmisch-stilistischer Grobschlächtigkeit findet in diesem großen Werk keinerlei Beachtung“ – das ist schon stark!

Ob das nun agitierend, anti-sozialistisch gemeint sei; das ist ganz schwer herauszuhören. Das hat der Klaus Weichelt, unser Texter und Posaunist, nicht so gemeint. Klaus Weichelt ist der hier (zeigt auf das Cover). Das da sind übrigens unsere Mütter. Unsere Fotos sind jeweils über unseren Müttern.

Haben sich eure Mütter für das Foto extra positioniert oder schon vorher gekannt?

Die haben sich natürlich nicht gekannt. Aber sie waren stolz, dass ihre Kinder eine Platte machen. Weißt du, was das für eine Adelung oder für ein Ritterschlag war, in der DDR eine Platte machen zu dürfen? Das war der Hammer! Das war etwas ganz Besonderes. Nicht einmal unbedingt aus politischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Das Vinyl war knapp. Die Produktion wurde möglicherweise sogar noch mit Westgeld bezahlt. Man hätte bestimmt noch mehr Platten hergestellt, wenn es mit dem Material nicht so einen Engpass gegeben hätte. So wie mit den Kacheln oder den Auspüffen.

Und dann hat es kurz vor Ende noch geklappt!

Die Platte kam auf jeden Fall noch vor dem Mauerfall heraus. Wir hatten damit auf einer Ausstellungseröffnung von Dresdner Künstlern in Westberlin gespielt. Die Ausstellung fand in der „Elefanten Press Galerie“ statt und wurde von einem chilenischen, in Dresden lebenden Maler organisiert. Und das war an dem Samstag etwa zwei Wochen vor dem Mauerfall. In der „taz“ gab es übrigens einen kleinen Artikel: „Sie hatten russische Hüte auf und sangen auf Englisch.“

Hat euch die Platte also den Weg nach Westberlin geebnet?

Nein, das hatte damit nichts zu tun. Denn das Konzert wurde ja weit im Vorfeld entschieden, nämlich im Januar. Dementsprechend wurden wir alle durchgecheckt. Erstaunlicherweise durfte sogar unser Keyboarder mitfahren, der zuvor einen Antrag auf Verheiratung mit einer Japanerin gestellt hatte. Der war also gefährdet, im Sinne von „Republikflucht“. Einige Jahre vorher wäre das wohl nicht möglich gewesen. Und apropos Dada-R: Die Ausstellungseröffnung fand an einem Samstag Ende Oktober statt. In unseren Reisepässen wurde ein Visum zur mehrmaligen Ein- und Ausreise nach und von Westberlin ausgestellt und zwar von Montag bis Samstag.

Wir hätten quasi sechs Tage lang, von Montag bis Samstag, pendeln können. Die Künstleragentur, über die die Reise ging und die auch einen Teil des Westgeldes einkassiert hatte, hat unserem damaligen Manager angeordnet: „Sag mal deinen Jungs, dass die nicht von Montag bis Freitag über die Grenze gehen sollen, sondern wirklich erst am Samstag!“ Wahrscheinlich gab es einfach keine Eintages-Visen.

Allerdings – und das ist das Absurde – ging das Visum eben nicht etwa von Dienstag bis Sonntag, sondern von Montag bis Samstag. Nun fing unsere Mucke am Samstag erst um 22:30 Uhr an. Damit war klar, dass wir niemals am Samstag bis 24 Uhr wieder hätten zurückkehren können. Die Agentur wurde darüber in Kenntnis gesetzt, doch die meinte: „Das ist egal. Hauptsache, sie kommen überhaupt wieder zurück.“ Als wir dann am Sonntagnachmittag zurückfuhren, waren wir eigentlich schon seit 15 Stunden republikflüchtig.

War es vom Gefühl für dich etwas in der Art: Das Schiff geht sowieso unter, alle wissen es und damit ist alles gleich?

Gar nicht. Ich dachte eher, das sozialistische Schiff kommt in Fahrt; das heißt, es würde jetzt auf eine gute Art sozialistisch werden. Wenn du dir die ganzen Pamphlete vom Neuen Forum anschaust oder von der SDP, also der Sozialdemokratischen Partei der DDR, die zur Wende gegründet wurde … In all diesen Bürgerrechtsprogrammen stand nichts von Kapitalismus oder Wiedervereinigung. Eigentlich ging es um die Erneuerung der Gesellschaft – Sozialismus mit menschlichem Antlitz, also Demokratischer Sozialismus. Dann fiel die Mauer. Das war großartig! Und in dem ganzen Massenhysteriewahnsinn war auch ich gefangen.

1989 gab es die Platte „Happy Birthday“ und 1991, kurz nach der Wende, erschien das Album mit dem Titel „Dem Deutschen Volke“. Weshalb dieser Titel?

Auf dem Cover ist die Band mit deutschen Tätigkeiten abgebildet: Auto schrubben, Bahnkreuz schrubben, Garten saugen. Lauter solche Law-and-Order-Tätigkeiten. Auf der Innenseite des Covers sieht man uns in einer Proll-Kneipe. Da sitzen wir in dieser verräucherten Kneipe mit einem Kind auf dem Schoß. Und an der Tischplatte draufgeklebt liest man dann die Inschrift vom Reichstagsgebäude: Dem Deutschen Volke.

Wie war das jetzt für dich, die zweite Platte nach der Wende zu veröffentlichen?

Erstens hat sich diese Platte nicht so gut verkauft. Und überhaupt die Bezahlerei! Wir wurden ja früher nach einem völlig anderen System entlohnt. Im Prinzip hatten wir in der DDR für die Aufnahme eine Gage bekommen. Man hat mir zweimal 1.000 Mark gegeben. Das war ganz gutes Geld. Davon konnte ich 100 Mieten bezahlen.

Die Zeit zwischen den beiden Platten – Ende 1989 bis 1991 – war das, wie man es ja immer wieder hört, eine Zeit der Anarchie, der Freiheit?

Das war es! In jeglicher Hinsicht. Im Guten wie im Schlechten. Die doof waren, die Nazis, durften dann plötzlich auch alles. Und die offizielle Gegenmacht, die Polizei, war verunsichert. Denn die wussten nicht, wie sie mit denen umgehen sollen, wenn die einen Hitlergruß zeigten. Unterstützt haben sie die nicht, das glaube ich nicht. Aber sie waren schlicht überfordert, hatten keine Kapazitäten. Wenn ein Überfall war, kamen sie eine Stunde zu spät. Das gehörte zur Anarchie dazu.

Auf der anderen Seite, das Schöne … Was da in dieser Zeit für Kneipen und Clubs entstanden sind! Was da plötzlich möglich war! Das war natürlich sehr beglückend.

Wende-Gespräche (1): „Wenn du früher kein Geld hattest, dann hast du auch jetzt keins.“

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