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„Niemand muss auf der Straße leben?!“: Tag der Wohnungslosen auf dem Richard-Wagner-Platz

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    Auf dem Richard-Wagner-Platz in der Leipziger Innenstadt stellten sich am heutigen Freitag, zum bundesweiten „Tag der Wohnungslosen“ zahlreiche Vereine und Initiativen vor, die Menschen helfen und begleiten, die auf der Straße leben oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Zum zweiten Mal organisierte die Arbeitsgemeinschaft „Recht auf Wohnen“ in Kooperation mit Trägern der Wohnungsnothilfe, Streetworker/-innen und weiteren Projekten den Aktions- und Vernetzungstag in Leipzig.

    Wie viele Menschen derzeit in Leipzig auf der Straße leben bzw. wohnungslos sind, ist wohl schwer zu sagen. Der Grundtenor nahezu aller Vereine, Initiativen und Projekte, die sich heute auf dem Platz am Brühl vorstellten aber ist gleich: In den letzten Jahren stieg die Zahl an.

    In den letzten Monaten verschärfte sich das Problem zusätzlich, wie Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) in seiner Begrüßungsrede sagte: „Die Corona-Pandemie hat mit großer Wucht gezeigt, wie schnell es passieren kann, dass Menschen in finanzielle Nöte geraten, dass Menschen ihre Wohnung verlieren und dass Menschen, die wohnungslos sind, ganz besonders unserer Hilfe und Unterstützung bedürfen.“

    In Zeiten, in denen den Bürger/-innen „social distancing“ und Selbstisolation zu Hause auferlegt werden, entstehen für Menschen, die kein Zuhause und keinen Rückzugsort haben, zusätzliche Schwierigkeiten. Während des strengen Shutdowns wurden die Notunterkunft „Alternative I“, das Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen sowie das Übernachtungshaus für wohnungslose Männer ganztägig geöffnet. Außerdem wurde ein weiteres Übernachtungshaus eingerichtet. Dennoch übersteige der Bedarf an Plätzen stets die Kapazität der Häuser, wie eine Mitarbeiterin des Übernachtungshauses für wohnungslose Frauen erzählt.

    Auch in der Bahnhofsmission erhalte man immer mehr Zulauf. „In den letzten Jahren haben sich die Zahlen immer weiter gesteigert“, erzählt eine Mitarbeiterin. Daraufhin wurde eine zweite Vollzeitstelle geschaffen, der Bedarf nach mehr Unterstützung sei aber auf jeden Fall da. „Gerade in Corona-Zeiten sind natürlich noch mehr Menschen zu uns gekommen. Gerade auch, weil viele Möglichkeiten zur hygienischen und ärztlichen Versorgung ausgefallen sind.“

    Die Gründe dafür, dass die Zahl der Wohnungslosen in den letzten Jahren anstieg, sind vielfältig. Für Becky Wehle, die für den MachtLos e. V. tätig ist, liegt einer davon auch im schnellen Wachstum der Stadt. Dadurch würde der Immobilienmarkt immer mehr umkämpft, neugeschaffener Wohnraum ist aber oft teuer.

    „Diese Verdichtung und Aufwertung geht oft einher mit Verdrängung. Durch Stadtentwicklungsmaßnahmen muss Leipzig jedoch gewährleisten, dass die Stadtteile sozial durchmischt bleiben.“ Außerdem läge es in der Verantwortung der Stadt, überall ein ausreichendes Netzwerk an Unterstützung vorzuhalten. Defizite sieht Wehle in spezieller Hilfe für Jugendliche und junge Erwachsende, wie eine Notschlafstelle. „In einer wachsenden Stadt müssen Hilfestrukturen nicht nur erhalten, sondern bedarfsgerecht ausgebaut werden.“

    Erst in den letzten Tagen kochte das Thema „Wohnen“ in Leipzig wieder hoch. Durch steigende Mietpreise werden Anwohner/-innen mitunter aus ihren alteingesessenen Stadtteilen verdrängt, weil sie sich die monatlichen Mieten nicht mehr leisten können. Dadurch besteht die Gefahr, dass die soziale Vielfalt in einzelnen Vierteln schwindet. Andere Menschen verlieren ihre Wohnung gänzlich.

    Doch allein steigende Mieten sind nicht das Problem. Soziale Schwierigkeiten, Probleme in der Familie, Suchterkrankungen – der Weg in die Obdachlosigkeit startet aus den unterschiedlichsten Richtungen.

    „Menschen brauchen eine Chance auf eine Wohnung, auch wenn sie damit schon einmal gescheitert sind“, fordert Cordula Rosch, die Mitglied der AG Recht auf Wohnen ist. Dafür wolle man mit der Stadt Leipzig ein „Housing First“-Konzept erarbeiten. Das beinhaltet, dass wohnungslose Menschen direkt in eine „eigene“ Wohnung ziehen und dort Unterstützung erhalten. Im Gegensatz dazu sieht das bestehende Modell vor, dass zunächst verschiedene Unterbringungsstufen (Übernachtungshaus, betreutes Wohnen etc.) durchlaufen werden müssen, um sich für eine unabhängige und dauerhafte Wohnung zu „qualifizieren“.

    Hilfe und Unterstützung können Menschen, die in Not und die Wohnungslosigkeit geraten, an vielen Stellen in Leipzig erhalten. Die Bahnhofsmission, die Freizeittreffs „Oase“ und „INSEL“, der „TiMMi ToHelp e. V.“, die „Alternative I“, Teil des Zentrums für Drogenhilfe, der „akoreso Arbeitskreis Resozialisierung e. V.“, die Leipziger KIPPE, das Projektteam „Vamos“, der Sozialdienst Wohnungsnotfallhilfe, das Sozialamt, der Leipziger Hilfebus, der Caritasverband, das Ökumenische Wohnprojekt „Quelle“, der „MachtLos e. V.“ und die Diakonie stellten heute ihre Arbeit auf dem Richard-Wagner-Platz vor.

    Informationen zu städtischen Hilfen findet man auch hier: https://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/soziale-hilfen/hilfe-bei-obdachlosigkeit-in-leipzig/#c145636 .

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