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Wenn Leipziger/-innen träumen: Trotzige Träume

Von Maren Wilczek, studiert Journalismus und betreibt den „Sachsennaht“-Podcast

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    LEIPZIGER ZEITUNG/ Auszug Ausgabe 86, seit 18. Dezember 2020 im HandelWenn ich mir 2020 in einer besseren Welt vorstelle, schießt mir natürlich zuerst der Gedanke an eine Welt in den Kopf, in der es keine Pandemie gibt. Wie viel schöner wäre es ohne Coronavirus! Aber war vorher alles gut? Wird danach alles besser? Oder liegt es nur am Virus, dass 2020 für viele Menschen ein mindestens mieses Jahr ist? Nein. Nur zu träumen, es gäbe keine Pandemie, reicht nicht aus. Aber genau diese Feststellung, dass etwas nicht ausreicht, die ist wichtig in meiner Vorstellung von einer besseren Welt.

    Wie wäre es denn, wenn sich alle entschlossen weigern würden, hinzunehmen, dass es Menschen schlechtgeht? Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie grundverschieden Wünsche, Bedürfnisse, Ängste und Sorgen sind. Da ist das Weihnachtsfest, das berechtigterweise als Superspreader-Event und gleichermaßen als einsam und bedrückend gefürchtet wird.

    Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 86, Ausgabe Dezember 2020. Foto: Screen LZ

    Dann gab es die Sommermonate, als die einen sich nach Partys sehnten und damit recht hatten und die anderen forderten, Risikogruppen nicht zu vergessen und damit ebenso recht hatten. Keine allgemeingültige Verordnung hat es geschafft, allen gerecht zu werden. Stattdessen wurden Sehnsüchte mit „Du musst das aushalten“ abgetan und das Bitten um Rücksichtnahme mit dem ständigen Verweis auf „Eigenverantwortung“.

    Aber wie wäre es denn, hätten wir statt der einen großen Verordnung viele kleinere Vereinbarungen? In meinem Traum erlauben sie es, Freiheiten zu genießen, wo sie niemandem schaden, und Einschränkungen in Kauf zu nehmen, wo sie anderen Sicherheit garantieren. Dafür braucht es Verständnis und Empathie, die auch fremde Bedürfnisse als real und wichtig anerkennen und die nichtig scheinende Sehnsüchte ernst nehmen. Es braucht eine gemeinsame Suche nach Alternativen und nach Trost – nach etwas, um der Lage zu trotzen.

    Ich träume von einer kollektiven Trotzigkeit, die erst abklingt, wenn die Welt für wirklich alle mehr als nur erträglich ist. Sie wehrt sich nicht nur gegen die Menschenverachtung, Ignoranz und Häme derjenigen, die keine Rücksicht nehmen wollen. Der Trotz gilt auch dem Schulterzucken und der Gleichgültigkeit. Er verlässt den Horizont der eigenen vier Wände und der eigenen Privilegien.

    Solidarisch stellt er sich an die Seite der Menschen, die in unwürdigen oder unzureichenden Zuständen leben, und derjenigen, die Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt erfahren. Sich nicht zufrieden geben, wenn das eigene Leben gut ist, sondern auch dem zu trotzen, was die Lage anderer Menschen schlecht macht – das ist es, wovon ich träume.

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