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Livebericht – Ohne Masken in der „Diktatur“: 1.000 Globulifans auf dem Augustusplatz + Videos

Von Michel Freitag (Text), Sabine Eicker (Foto/Video)
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    Gerade einmal eine Stunde ist die heutige Versammlung der „Ärzte für Aufklärung“ – eine durchgehend aus westdeutschen, meist homöopathisch behandelnden Ärzten bestehende Vereinigung – und der „Bewegung Leipzig“ zur Stunde alt, da ist bereits klar: Dieses Mal hat die Polizei das Zepter in der Hand. Rund 1.000 Teilnehmende konnte die Szenerie aus Impfgegnern, Homöopathiegläubigen und Verschwörungserzählern am 14.08.2021 auf dem Augustusplatz zusammenbringen, trotz deutschlandweiter Mobilisierung. Die Polizei besteht aufgrund wieder gestiegener Inzidenzen in Leipzig auf das Tragen einer Mund-Nasen-Maske, bevor die Versammlung starten kann.

    Die Leipziger/-innen erinnern sich bis heute an den 7. November 2020. Nach tagelangen Rechtsdebatten standen am Ende 30.000, 40.000 Menschen auf dem Augustusplatz, am Beginn der zweiten Covid19-Welle und fühlten sich frei. Frei von Maskenpflicht, frei von Mindestabständen und frei im Glauben an die Nichtexistenz einer höheren Sterblichkeit bei einer Covid19-Erkrankung.Gegen diese maßgeblichen Schutzmaßnahmen und wissenschaftlichen Erkenntnisse arbeiteten auch damals schon die „Ärzte für Aufklärung“ an.

    Im Netz, auf YouTube und vor allem auf Versammlungen verbreiten sie bis heute, demonstrativ in weißen Kitteln auftretend, homöopathische Theorien nun auch über eine Pandemie, die einst in Leipzig mit erfunden wurden. Am Richard-Wagner-Platz steht das Denkmal (gern mal geschmückt mit einem Aluhut) von Samuel Hahnemann, dem Köthener Arzt, 1851 errichtet.

    Die DDR-Zeit überlebte das Denkmal wohl eher, weil sich niemand dafür interessierte, heute ist die Medizin deutlich weiter als vor 200 Jahren, hat das Impfen entdeckt und damit Polio, Pocken und viele andere schwere Erkrankungen weltweit nahezu ausgerottet. Für Mediziner ist Hahnemann eher eine geschichtliche Figur und weniger Vorbild.

    Was später als eine von weitaus wissenschaftlicheren Erkenntnissen (Wilhelm Wundt und andere) auch in die Psychologie einfloss, wird bis heute („wegen seiner Wirkung nicht über den Placeboeffekt hinaus“) von medizinischen Vereinigungen als nicht evidenzbasierte Behandlungsmethode eingestuft, die Homöopathie verspricht vor allem hohe Gewinne bei der Behandlung.

    Hart formuliert: Es kann nicht schaden, weil es bis auf den Placeboeffekt keine Wirkung hat und bietet den rund 4.500 Ärzten in Deutschland ein gutes (und besseres) Einkommen durch Barzahlungen und sogenannte IGEL-Leistungen.

    Seit Jahren bereits kämpft diese Szenerie auch gegen Masernimpfungen und hat im Umfeld der Corona-Demonstrationen von „Querdenken“ Auftrieb erhalten.

    Das Geschehen auf dem Augustusplatz

    Ab 15 Uhr bis etwa 16 Uhr sind die Versammlungsanmelder eigentlich nur mit einer Sache befasst gewesen: darauf zu reagieren, was der von ihnen so verhasste Staat („Diktatur“-Rufe auf und vor der Bühne) von ihnen will. Dass sie aufgrund einer wieder auf über 12 gekletterten Inzidenz eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen und möglichst nicht zu eng aufeinanderstehen.

    Als es auf der Bühne seitens des Hamburgers Walter Weber gegenüber der Polizei hämisch wird und er mitteilt, dass die Polizei nun die Masken kontrollieren wolle – er würde dann 23 Uhr weitersprechen – stellt die Polizei den Ton ab. Es folgen minutenlange Kontrollen, auch bei den Ärzten auf der Bühne (siehe Video).

    Gegen fast alle, die hier und heute auf der Bühne stehen, sind bereits Ermittlungen wegen falscher Attestierungen von Maskenbefreiungen gelaufen. Dabei wurden – wie auch von Arzt Bodo Schiffmann – Maskenbefreiungen ausgestellt, ohne die Patienten je untersucht zu haben.

    Kurzzeitig versuchten anschließend einige Teilnehmer gleich ganz revolutionär zu werden und schienen auf den Leipziger Ring zu wollen, was die Polizei unterband. Jetzt, zirka 16:15 Uhr findet die Versammlung mit Bühnenton wieder statt, es spricht die Homöopathin Carola Javid-Kistel über Masken, geschädigte Kinder und „die neue Weltordnung“.

    Deren Errichtung sehen Verschwörungsgläubige als Endziel der angeblich nur dafür stattfindenden Corona„Plandemie“.

    Kistel-Javid glaubt an „ganz viele Engel an meiner Seite und ganz viele, die für mich beten“. Auch das soll ja bekanntlich gegen schwere Erkrankungen helfen. Daneben ist Kistel-Javid überzeugt, dass man „die Menschheit auf 500 Millionen runterreduzieren will“, so die Erkenntnisse heute in Leipzig auf der Bühne.

    Parallel kontrolliert die Polizei vor Ort Atteste und das Tragen von Masken. Von der Bühne wird dazu aufgefordert, die Atteste nicht registrieren zu lassen. Offenbar hat man wohl weiterhin Angst, dass weitere falsche Beurkundungen auffliegen.

    Impressionen zwischen 15 und 16:15 Uhr auf dem Augustusplatz

    Video: LZ

    17 Uhr: Musik und Bettelei

    In einem sind sich alle „Querdenker“-Demonstrationen gleich. Es gibt beschwingte Musik zur Emotionalisierung und Bettelei. Heute von Rolf Kron, der angeblich 40.000 Euro in den Widerstandskampf investiert hat und er käme nicht an seine finanziellen Mittel heran. Nun geht jemand mit dem Hut herum und sammelt Geld, „um noch weitere Versammlungen machen zu können“, so Kron.

    Zuvor hat die Band Missilia ihren Auftritt absolviert. Die Leipziger Leadsängerin ist seit der ersten Stunde in der „Querdenker“-Bewegung tief verwurzelt und verkauft hier ihre Songs.

    Gleich zu Beginn hatte es heute von der Bühne geheißen, es sei erwiesen, dass man sich im Freien überhaupt nicht mit COVID-19 anstecken könne. Eine Lüge, die für einige Teilnehmende nun bedeutet, dass sie natürlich auch weiterhin keine Masken tragen.

    Polizeibeamte sprechen heute jedoch Versammlungsteilnehmer/-innen an und mindestens eine Frau wurde bereits zu einer Identitätsfeststellung (und natürlich ohne Maske aber mit einem Handy in der Hand) abgeführt.

    17:25 Uhr: Zahlen, Fakten, Tote

    Auf der Bühne folgt durch Heinrich Fiechtner gerade das Eingeständnis, dass er nicht wüsste, wie viele schwere Erkrankungen die Impfungen nach sich ziehen würden. Deshalb seien die Hände von Impfungen zu lassen. Wenn das ein ärztlicher Rat ist, ist es jedenfalls keiner, der durch die bislang bekannten Zahlen gedeckt ist.

    Interessant sind hier also ein paar öffentlich bekannte Fakten. Derzeit werden in Deutschland jedoch genau diese Erkrankungen möglichst eng vom Paul Ehrlich Institut (PEI) begleitet. „Querdenker“ sprechen aktuell von 1.028 Impftoten und 10.000 bösartigen Folgeschäden.

    Die Formulierungen sind natürlich beim PEI in einer aktuellen Auswertung etwas anders. Und die Sachlage damit ebenfalls. Zitat: „In 10.578 Verdachtsfällen wurden schwerwiegende unerwünschte Reaktionen gemeldet. Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, bei denen dann Personen im Krankenhaus behandelt werden oder Reaktionen, die als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden.

    5.781 dieser Verdachtsfälle traten nach Impfung mit Comirnaty, 629 schwerwiegende Verdachtsfälle nach Impfung mit Spikevax (ehemals COVID-19-Impfstoff Moderna), 3.899 schwerwiegende Verdachtsfälle traten nach Impfung mit Vaxzevria und 125 schwerwiegende Verdachtsfälle nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff Janssen auf. In 144 Verdachtsfällen wurde der Name des Impfstoffs nicht angegeben“, so das PEI auf seiner Webseite.

    Und: „In 1.028 dieser Verdachtsfälle sind die Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung gestorben.“

    Das PEI gibt hier also 1.000 Verstorbene auf rund 35 Millionen zweifach geimpfte Personen (oder 70 Millionen Impfdosen) an, ohne zu sagen „verstarben aufgrund der Impfung“. Es ist also keine kausale Zusammenhangbeschreibung. Dennoch macht es 2,86 Sterbefälle pro 100.000 Geimpfte nachdem sie Impfreaktionen hatten.

    Um jedoch eine Relation zu erhalten (hiermit müsste man zumindest teilweise „verrechnen“) im Vergleich: 2019 lag die normale Sterberate in Deutschland bei gesamt 1.130 Menschen pro 100.000. Ganz ohne Impfung.

    Die Hauptbezugsgröße sind natürlich rund 90.000 Tote wegen COVID-19 selbst in Deutschland. Wird ja von den Schwurblern gern vergessen, seit diese Zahl nicht mehr mit normalen Grippetotenzahlen vergleichbar ist, weil deutlich höher.

    Man könnte also laut Paul Ehrlich Institut auch sagen (jetzt, nach einer Impfrate von ca. 50 Prozent): Ohne Impfung sterben bei rund 80 Millionen Deutschen und 90.000 Todesfällen rund 112 Menschen pro 100.000 an COVID-19.

    Gegenüber den 2,86 Todesfällen nach einer Impfung ohne Kausalzusammenhang durch 100.000 geteilt, ergäbe sich also ein rund 40-fach höheres Risiko an einem schweren COVID-19-Verlauf zu versterben gegenüber der Impfung. Und dabei sind Fälle von Long-Covid noch nicht mitgerechnet.

    Quelle: https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/sicherheitsberichte/sicherheitsbericht-27-12-bis-30-06-21.pdf?__blob=publicationFile&v=5

    17:45 Uhr: Wo ist heute der Widerstand?

    Nein, nicht der Scheinwiderstand aus Wunderheilern und Globuli-Fans auf dem Augustusplatz, sondern der in Leipzig übliche Gegenprotest. Nun, maßgeblich wohl im sächsischen Freiberg (Berichterstattung/Video folgen), wo mal wieder die ganz Braunen auflaufen und „Leipzig nimmt Platz“ ist wie kürzlich in Weimar vor Ort.

    In Leipzig gibt es heute eher ein paar kleine Schilder am Rande des Homöopathen-Festivals linksseitig an der Oper Leipzig. Hier werden spaßenshalber „Atteste“ gegen das Maskentragen für 5 Euro angeboten. Man darf jedoch davon ausgehen, dass damit heute nicht wirklich Umsatz gemacht werden kann: viele Menschen auf dem Platz haben offenbar eines.

    Wie echt? Nun, das versucht die Polizei noch immer herauszubekommen – nicht grundlos haben sich auch heute wieder viele der redenden „Ärzte für Aufklärung“ über Durchsuchungen in ihren Praxen geklagt.

    Kurze Netznews: YouTube hat exakt 18 Uhr den Livestream von „Klardenken TV“ von der Leipziger Versammlung gestoppt. Es waren dann wohl mit der großen, angeblichen Bevölkerungsreduzierung und den Falschinfos übers Impfen zu viele Fake-News, sodass das Video-Netzwerk diese Übertragung lieber abbrach.

    Am Ende eine "Querdenker"-Demo zum Bahnhof und zurück zuk Augustusplatz (gegen 18:15 Uhr). Foto: LZ
    Am Ende eine „Querdenker“-Demo zum Bahnhof und zurück zum Augustusplatz (gegen 18:15 Uhr). Foto: LZ

    18:20 Uhr: Man macht sich auf den Weg

    Die Versammlung möchte noch ein wenig durch die Stadt demonstrieren. So das Bild vor Ort, nachdem sich – sicher auch wetterbedingt – die Teilnehmer/-innenzahlen bereits reduziert haben. Wie viele genau nun noch „durch die Stadt“ laufen wollen, ist aktuell unklar. Doch dass es passieren soll, steht fest.

    Angekündigt war ein kurzer Gang zum Hauptbahnhof und wieder zurück auf den Augustusplatz, wo die Versammlung dann 19 Uhr enden sollte. Allerdings hängt man im Zeitplan hinterher. Derzeit macht man sich zum Hauptbahnhof auf den Weg.

    18:30 Uhr: Demozug gestoppt, warum wohl?

    Video: LZ

    Erst stoppte die Polizei den Demonstrationszug, welcher zuerst wohl eines demonstrierte: keine Masken trotz Auflagen, da die Inzidenz in Leipzig die 12 bereits wieder überwunden hat und weiter steigt. Auf der Höhe Brühl war nach zweihundert Metern also kurzzeitig Schluss und die Polizei führte auf der Goethestraße in Sichtweite des Hauptbahnhofes Ansprachen durch, die Masken aufzusetzen.

    Anschließend wurde – noch unklar von wem – die Versammlung für beendet erklärt, die Teilnehmer/-innen sollen den Ort in Kleinstgruppen verlassen. (Nachtrag d. Red.: Der Versammlungsanmelder löste selbst auf)

    Stattdessen versuchen nun offenbar größere Gruppen der Demonstrantinnen über den Park auf den Ring zu gelangen.

    Nachtrag: Unterdessen interviewen sich in den verbliebenen Livestreams vor einigen hundert Zuschauer/-innen die Impfgegner und Medienaktivisten mal wieder alle gegenseitig.

    Es geht wie immer darum, dass man sich einig ist, ganz viel Arbeit habe, die Diktatur zu verhindern, man sich schon wieder mit noch anderen zusammengeschlossen habe, also ganz viel wachse.

    Video: LZ

    Weitere Szenen der Auflösung

    Video: LZ

    19:20 Uhr: Schlussbild & Fazit

    Die Versammlung ist vorbei, niemand ist verletzt oder tot, der Pandemiezirkus fiel deutlich kleiner aus, als noch vor einigen Monaten und so allmählich verschwinden auch die Letzten wieder aus der Stadt. In Zügen und Autos, um irgendwann und irgendwo in die nächste Stadt einzufallen, ganz viel von zu schützenden Kindern und Diktatur zu erzählen, Schilder in die Höhe zu halten und sich gegenseitig um Geld zu bitten.

    Die heute mitveranstaltende „Bewegung Leipzig“ (von der „Bürgerbewegung Leipzig“ schon für gestorben erklärt) wird wohl wieder dahin verschwinden, wo die letzten 20 Menschen herkamen – in die Tiefen eines Telegram-Kanals. Die Stadtreinigung wird den Augustusplatz wieder blitzeblank putzen, dann erinnert nicht mehr viel an den 14. August 2021.

    Leipzig hat’s erst einmal hinter und schon am Montag erneut die lokale Wiederholung mit 50 bis 70 Dauerdemonstranten vor sich. Einige von diesen waren auch heute vor Ort und haben sicher die eine oder andere anregende Verschwörungserzählung dankbar aufgegriffen.

    Geschäfte machen spaßenshalber: Am Rande demonstrierten einige mit Hinweis auf die geldmachereien der "Querdenker"-Szenerie. Foto: LZ
    Geschäfte machen spaßeshalber: Am Rande demonstrierten einige mit Hinweis auf die Geldmachereien der „Querdenker“-Szenerie. Foto: LZ

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      7 KOMMENTARE

      1. Lieber Herr Freitag. In der Tat beeindruckend, was Sie so alles wissen und richtig analysieren (zu glauben). Mit meinem Kommentar versuchte ich „abzulenken“ und brachte „Scheinargumente“. Clemens Arvay benutzte ich als „Gegenzeugen“. Sie wissen, was „vernünftige“ und „vernunftbegabte“ Menschen so tuen (sollen). Sie wissen auch, was richtige Mediziner sind und was nicht. Die schwerwiegenden Probleme der Kinder – Stichwort Zahlen der Kinderpsychiatrien (recherchieren Sie mal ein wenig selbst) – sind offenbar negierungswürdig, da ja nirgendwo „maskengemeuchelte“ Kinder herumliegen (netter Zynismus…). Mich haben Sie ja auch treffend analysiert, offenbar ist gefährliches Halbwissen zur Ideologie geronnen. Gut, dass Sie meine Beschäftigung mit der Materie besser kennen als ich selbst. … Das war übrigens mein letzter Kommentar unter diesem Artikel.

      2. Das ist hier doch alles bigott. Bei CSDs und beim Distanz-Festivals wurde es auch nicht so eng genommen mit der Maskenpflicht. Und – ist was passiert bei denen? Nö. Aber wehe die Kritiker der Corona-Maßnahmen demonstrieren ohne Maske. Dann wird sofort der Notstand ausgerufen.

        Das wird weiter zur Spaltung der Bevölkerung beitragen, und mindestens in Sachsen kann das böse enden bei der Bundestagswahl (hab ich das richtig gesehen bei den Umfragen, dass die AfD stärkste Kraft werden könnte !?).

        Ansonsten: Wenn jemand meint, dass ihm Homöopathie hilft, soll er das doch meinen. Ich verstehe diese Häme nicht? Ich hatte vor Jahrzehnten mal zwei Ärzte, die meinten, mir immer homöopathische Mittel zu verordnen – mir haben sie nicht geholfen. Aber ich kenne Menschen, bei denen tatsächlich Krankheiten mit Homöopathie geheilt worden sind. Wieso, weshalb, warum und wie das funktionieren soll, weiß ich auch nicht, aber ich habe es eben gesehen, dass denen die Zuckerkügelchen geholfen haben. Daher denke ich, sollte man sich nicht darüber lustig machen. Man könnte vielleicht sagen, vielleicht hat es was mit glauben zu tun, denn der Glaube versetzt ja auch Berge, so sagt man.

        Bei der Impfung setzt man letztlich auch auf Glauben, und erhofft sich davon, andere schützen zu können. Ich selbst gehe davon aus, dass man sich selbst mit einer Impfung durchaus vor einem schweren Verlauf schützen könnte – dafür gibt es Zahlen, die dies belegen dürften (auch wenn es mit der Erhebung korrekter Zahlen betreffs Corona ganz übel aussieht, der Medizinstatistiker Gerd Antes hat einiges dazu gesagt und Zahlen auch stets Interpretationsspielraum bieten!). Menschen unter 50 haben aber sowieso selten einen schweren Verlauf, und diese sind es ja, die sich nun v.a. impfen lassen sollen, um andere, die sich nicht impfen lassen können oder bei denen die Impfung schlecht wirkt, nicht anzustecken.

        Ja – und das mit dem Schutz funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad (siehe Israel, siehe Island) – kann es sein, dass selbst wenn wir zu 100% alle geimpft wären, wir den Virus trotzdem hier und da weitergeben an die vulnerablen Gruppen? Bei denen auch der Impfschutz weitaus schneller durchbrochen werden kann? Viren mutieren immer, müssen sie auch, um zu überleben. Egal ob hier, oder in Indien oder irgendeinem anderen Land, egal ob da nun viele oder wenige geimpft sind, Mutationen wird es immer geben. Das kann aber auch bedeuten, dass SarsCov2 harmloser wird, dennoch kann das immer für die vulberablen Gruppen gefährlich werden. Fazit: es gibt keine 100%ige Sicherheit, es gibt aber auch keinen Anlass, für Corona-Maßnahmen die Demokratie zu opfern oder weiter die Gesellschaft zu spalten. Wir leben nach über einem Jahr mit Corona immer noch mit zahlreichen Ungewissheiten, werden auch immer mit Ungewißheiten leben müssen. Die Frage ist, wie gehen wir damit um, und wie wir damit umgehen, ist ein Armutszeugnis, wenn wir dafür ganze Gesellschaften auseinander reißen und Werte über Bord werfen. Es gibt zahlreiche Krankheiten, wo seit Jahren, Jahrzehnten hunderttausende und mehr Menschen sterben, Krankheiten, die man einfach vorbeugen könnte, wenn man wollte, all diese Toten werden seit Jahren und Jahrzehnten in Kauf genommen und niemanden interessiert es! Intensivstationen waren früher auch schon überlastet. All diese Probleme werden nicht durch irgendeine Impfung gelöst.

      3. Kommen wir also zum verlinkten Video und dem damit verbundenen Ablenkungsversuch von Robin W., da die nachfolgenden Fragen gar kein Thema im Bericht über die Party der Globulifans waren (dann gern jetzt): Der Ökologe aus Österreich befasst sich in dem angegebenen Video mit der Frage, ob Geimpfte Viren genau so weitergeben können wie Ungeimpfte. Dass sie das noch immer können, wird – entgegen seinen leider falschen Aussagen – überall medial berichtet.

        Weshalb vernünftige Menschen ja auch sagen: natürlich schütze ich zuerst mich mit einer Impfung (Hauptnutzen) und hoffe auf einen möglichst hohen Effekt für andere (genau darüber wurde ja viel debattiert in letzter Zeit). Dass die Virenlast im Rachenraum dabei zu wenig abnimmt, um nicht doch noch andere anzustecken, ist bekannt (also bei denen die ihre Infos nicht nur von Facebook oder Telegram haben).

        Weshalb ja auch vernunftbegabte Menschen nach wie vor in Geschäften Masken tragen und auch sonst ihr Verhalten nicht darin ändern, auf dem Augustusplatz Leuten zuzujubeln, die Unsinn erzählen.

        Nur eben können sich zwei Geimpfte untereinander zwar noch anstecken, aber ihr Risiko an Covid19 schwer zu erkranken, ist deutlichst reduziert (Impfnutzen). Eine feine Sache und das von der „bösen, bösen Pharmalobby“ 😉

        Das alles hat nur leider so gar nichts mit den haarsträubenden Aussagen der Homöopathen am gestrigen Tag in Leipzig zu tun – ist also ein Scheinargument von Robin W., wenn es um den Bericht über die seltsame Demo oder das Impfen selbst geht.

        Worauf Robin W. wohl auch deshalb lieber nicht eingeht, sind die deshalb mal im Bericht zusammengefassten Zahlen des Robert Ehrlich Institutes – klar, die kann er nicht in seinem Interesse uminterpretieren, denn die ergeben nun mal den etwaigen Schutzfaktor einer Impfung. Diesen kann und will auch der Biologe in seinem Video „nicht abstreiten“ (Zitat), womit er und ich also bei Blick auf die gleiche Datenlage einig sind.

        Der angebliche „Gegenzeuge“ wird also zu meinem Zeugen, auch wenn er ständig gegen „die Pharmalobby“ schimpft und selbst herumpolemisiert (natürlich in einer Tonart, die Robin W. besser gefällt 😉 Danke also für das Video, leider war nur im Kern nichts Neues dabei.

        Wie schon bei dem Thema „Allesdichtmachen“: Offenbar gefällt manchen Mitmenschen alles, was Panik auslöst (Was! „Diktatur“, „die sperren uns ein“ usw.). Und, sind nun alle Gastronomen pleite? Sind wir nienienie wieder auf Reisen? Wurde alles nie wieder aufgemacht? Gab es nun wieder erste Konzerte und Theatervorstellungen oder nicht? Wo sind eigentlich die geschlossenen Lager mit den „Regimegegnern“ in dieser „Diktatur“? Wo sind eigentlich all die Maskentoten und vor allem die maskengemeuchelten Kinder!1!1!1!

        Oder vielleicht mal die Fragen in die andere Richtung: Wo ist eigentlich die „Klage in den USA“ von Herrn Füllmich abgeblieben? Was hat Herr Schiffmann nun genau geleistet, außer alle verrückt zu machen und offenbar falsche Atteste auszustellen? Und warum hat Michael Ballweg eigentlich noch immer keine „Querdenken“-Stiftung gegründet? Wo ist das ganze auf einem Privatkonto gesammelte Geld abgeblieben?

        Dass manche nicht einmal mehr wissen, was sie vor nicht einmal einem halben oder ganzem Jahr für Quatsch geglaubt haben, hat damit zu tun, dass sie sich danach sehr schnell neuen Quatsch suchen, an den sie dann wieder glauben können. Denn es geht um ein Grundmisstrauen, welches immer wieder Futter braucht, da es sonst nachlassen könnte.

        Und die Vortänzer der Bewegung liefern immer weiter, so lange es sich lohnt (Egobefriedigung und Geldbeutel).

        Da wäre es also auch hier wieder, dieses Geraune, an denen man jene erkennt, die wie die Homöopathen-Combo am 14. August in Leipzig, eine Art „Geheimwisssen“ vorgeben, was gar keines ist (eine Spielart, um die eigene soziale Blase zu belustigen, die ja „Lügenpresse“ schreit und teils stolz darauf ist, diese gar nicht zu lesen).

        Oder einfach blödsinnige Behauptungen in die Welt setzen, die dann andere widerlegen sollen (auch beliebt, denn die Lüge ist somit schneller, als die Aufklärung).

        Letztlich ist das alles einerseits belustigend und andererseits gefährlich. Nämlich dann, wenn es – wie offenbar bei Robin W. – zu gefährlichem Halbwissen und einer Ideologie gerinnt.

        Beeindruckend ist lediglich, zu sehen, dass das mit dem Glauben noch wie vor 1.000 Jahren funktioniert. Aber jeder muss selbst wissen, ob er bei einer Krebserkrankung lieber Zuckerperlen isst oder sich mit richtigen Medizinern unterhalten möchte. Eine Möglichkeit, die es vor 1.000 Jahren noch nicht gab.

        Da blieb nur der Priester oder der Blick zum Himmel.

      4. Man muss kein Verfechter der „Maschinenmedizin“ zu sein, um an der Kompetenz der Damen und Herren auf der Bühne gestern zu zweifeln. Wenn sich studierte Mediziner hinstellen und von einer weltumspannenden Vereinbarung zur Reduzierung der Menschheit faseln oder von Kindern, die sich haufenweise bei ihren geimpften Großeltern mit dem „Gift im Impfstoff“ angesteckt haben und krank wurden, nur weil sie auf deren Schoß saßen, dann kann das doch keiner ernst nehmen, der halbwegs bei klarem Verstand ist. Da reicht doch schon einfache Logik, um den Quatsch auch als Quatsch zu erkennen.

      5. Es ist halt immer ein gewisses Problem, wenn Demagogen und/oder Ideologen zu einem bestimmten Thema Artikel verfassen, dann bleibt das journalistische Handwerkszeug vollkommen auf der Strecke. Aber das Thema hatten wir ja hier auch bereits an anderer Stelle, z.B. bei der Aktion allesdichtmachen, wozu ich mich damals geäußert hatte. Dass der Artikelschreiber offensichtlich ein Verfechter der Maschinenmedizin und der Herrschaft der Pharmaindustrie ist und individuellen Freiheitsrechten nicht so sehr vertraut, kann man einfach mal so hinnehmen, aber wer mal was anderes über die Impfungen hören möchte, dem empfehle ich dies hier, Clemes Arvay ist ein Biologe und Autor, der tatsächlich immer sehr sorgfältig recherchiert und evidenzbasiert argumentiert: https://vimeo.com/587242984?fbclid=IwAR2eer4j7WOZ1bC42bepLChpshdd-81noiyp7C1HM7zkGMFF6D6NDIojNAo

      6. Leider kann ich den Wahrheitsgehalt des LIZ-Kommentars diesmal nicht durch aktive Teilnahme am Geschehen überprüfen. Aber der Duktus ist wie immer. Habe gerade hier im Café in Tel Aviv-Jaffa die Geschichte mit dem Bratwurstimpfen rübergebracht. Keiner meiner Freunde würde da mitmachen. Manche israelische Krankenkassen verteilen Handys wie auch in Tschechien. Nur weiter so und nicht vom Kurs abbringen lassen.

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