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Trotz Landarztstipendium droht in weiten Teilen Sachsens eine Unterversorgung mit Ärzten

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    Die Abwanderungen aus sächsischen Provinzen haben allesamt auch wieder Folgen. Denn mit den schwindenden Patienten werden auch die ländlichen Hausarztpraxen unattraktiv. Viele ältere Landärzte finden keinen Praxisnachfolger mehr. Und was sich Sachsens Regierung an Rettungsmaßnahmen ausgedacht hat, hilft nicht wirklich, stellt jetzt Susanne Schaper fest.

    Sie hat sich mit dem Thema Landärztemangel schon mehrfach beschäftigt. Nach Angaben des Sozialministeriums fehlen in Sachsen mehr als 200 Hausärzte. In 22 von 47 Planungsbereichen drohe Unterversorgung, vor allem im Vogtland, im Erzgebirge, in der Oberlausitz und in weiteren ländlichen Gebieten.

    Und lösen wollte die Staatsregierung das Problem – wie gewohnt – mit Geld. Ein Landarztstipendium sollte die angehenden Ärzte dazu verlocken, eine Praxis im ländlichen Raum zu übernehmen.

    Aber das will trotzdem kaum einer auf sich nehmen, stellt die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag nun fest.

    „Dieser Zustand gefährdet die gesundheitliche Versorgung ganzer Landstriche, und er bedeutet auch einen Bruch des Koalitionsvertrages“, sagt Susanne Schaper. „Darin haben sich CDU und SPD ‚für eine wohnortnahe, qualitativ hochwertige und bezahlbare gesundheitliche Versorgung für alle Bevölkerungsgruppen‘ verbürgt. Seitdem sind mehr als drei Jahre vergangen, und noch immer fehlen Allgemeinmediziner.“

    Der Verweis auf das Stipendienprogramm für Landärzte vermag sie nicht zu beruhigen. Es finden sich zwar in jedem der Jahrgänge wieder angehende Ärztinnen und Ärzte, die das vom Freistaat aufgelegte Stipendienprogramm in Anspruch nehmen. Aber aus Schapers Sicht sind es dennoch zu wenige.

    „Erst wenn die angehenden Allgemeinmediziner ihre Facharztausbildung abgeschlossen haben, wird sich zeigen, in welchem Umfang es die Lage entspannen kann. Angesichts der großen Versorgungslücke und des hohen Durchschnittsalters der praktizierenden Allgemeinärztinnen und -ärzte sind die Absolventenzahlen jedenfalls gering“, liest sie aus den Antworten auf ihre beiden Anfragen heraus, die sie zum Thema gestellt hat.

    Die CDU sollte endlich den Mut haben, mit den demokratischen Fraktionen über Lösungen zu beraten, findet die Abgeordnete.

    „Die Vorschläge der Linksfraktion liegen auf dem Tisch“, sagt Schaper. „Dazu zählen etwa eine stärkere Zusammenarbeit aller gesundheitspolitischen Akteure, bessere Rahmenbedingungen für innovative Praxismodelle und mobile Angebote, eine Senkung des finanziellen Niederlassungsrisikos im ländlichen Raum, der Aufbau neuer Weiterbildungsstrukturen, mehr Studienkapazitäten im Bereich Humanmedizin oder Vereinbarungen mit den Universitäten, das Fach Allgemeinmedizin noch stärker in der Ausbildung zu berücksichtigen. Nicht zuletzt eine sektorenübergreifende Planung und Versorgung, die etwa durch noch mehr Medizinische Gesundheitszentren (‚Polikliniken‘) ambulante und stationäre Strukturen verzahnt, kann helfen.“

    Das wesentlichste Problem ist das von ihr erwähnte „finanzielle Niederlassungsrisiko“.

    Mit der umfassenden Privatisierung im Gesundheitswesen haben gerade Arztpraxen in dünner besiedelten Gebieten ihre Geschäftsgrundlage eingebüßt. Die Umsätze und Einkommen der niedergelassenen Ärzte berechnen sich nach den von ihnen betreuten Patienten. Wenn der Patientenkreis schmilzt, wird die Praxis unrentabel und unattraktiv. Und das sorgt auch für grundsätzliche Entscheidungen: Die jungen Ärzte gehen dann da hin, wo es Praxen mit lukrativen Patientenzahlen gibt. Möglichst noch Privatpatienten dazu, die auch zusätzliche ärztliche Leistungen ermöglichen.

    Das straff auf Wettbewerb ausgerichtete System siebt also ganz automatisch „schwächere“ Praxen aus. Mit den sichtbaren Folgen: In ländlichen Räumen will kaum ein angehender Mediziner noch arbeiten. Und das Stipendiensystem hilft nur bedingt. Wenn die Staatsregierung die ärztliche Versorgung auch in ländlichen Regionen tatsächlich sichern will, muss sie andere Wege finden, den angehenden Medizinern dort auch existenzsichernde Niederlassungsbedingungen zu schaffen.

    Nach Auskunft des Sozialdezernats droht in Leipzig kein Ärztemangel

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