Stellt der Umgang mit der Sars-CoV-2-Ausbreitung nicht viel eher unser Verhältnis zu Alter und Tod infrage?

Für alle LeserWie berechtigt war der starke Shutdown in Deutschland? Das wird ja in diversen Foren eifrig diskutiert, gern mit Verweis auf die nur zum Teil genutzten Betten auf Intensivstationen, die geringe Sterberate von Sars-CoV-2-Infizierten und die Tatsache, dass sich die Zahl der der Lungenkrankheit Covid-19 zugeschriebenen Verstorbenen im Bereich einer gewöhnlichen Grippe bewegt. Waren die Maßnahmen also überzogen? Der Leipziger Wissenschaftsverlag setzt seine Kritik etwas anders an.

Denn dass die Auslastung des Gesundheitssystems der maßgebliche Faktor ist, ist zumindest unter den Fachleuten unbestritten. Die berühmte Kurve der (schwer) Erkrankten sollte ja deshalb „abgeflacht“ werden, damit dieses Nadelöhr nicht überlastet wird. Was in einigen Hotspots der Pandemie ja passiert ist – zum Beispiel in Norditalien, England oder im Bundesstaat New York.

Oft machte genau das deutlich, wie sehr in diesen Regionen in den vergangenen Jahrzehnten das Gesundheitssystem kaputtgespart wurde. Oft ist auch das medizinische Personal dort völlig an der Belastungsgrenze. Und dazu kommt – ebenso als Erkenntnis – dass vor allem die sowieso schon geschwächten Bevölkerungsteile vom Coronavirus besonders schnell in einen schweren Krankheitsverlauf gestürzt werden – die älteren Senioren, aber auch benachteilige Gruppe wie die Schwarzen in den USA oder arme Menschen ohne Krankenversicherung und oft schon schweren Vorerkrankungen.

Das heißt: Sars-CoV-2 legt unbarmherzig die Schwächen der Gesundheitspolitik in den jeweils betroffenen Ländern offen.

Was eben auch bedeutet: Der Shutdown hatte auch in Deutschland zuallererst die Funktion, die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Der Leipziger Wissenschaftsverlag, den wir an dieser Stelle schon zitiert haben, schreibt in seiner dritten Stellungnahme dazu: „Auf den ersten Blick scheint es, als habe der ,Shutdown‘ alternativlos zum Vermeiden eines Kollaps des deutschen Gesundheitssystems beigetragen – diese Argumentation wird von den politischen Entscheidern zumindest unermüdlich vorgetragen. Wir wissen aber, dass eine Behauptung, die nicht falsifiziert werden kann, nicht automatisch auch wahr ist. Tatsächlich lässt sie sich nicht begründen, da die rigiden Schutzmaßnahmen zu spät, überstürzt und überhäuft verhängt worden sind.

Damit ist keine differenzierte Evaluation ihrer jeweiligen Wirksamkeit möglich. Hätten bereits das Verbot von Großveranstaltungen und eine konsequente Hygiene-Etikette ausgereicht? Wäre es sinnvoller gewesen, Besucher und Mitarbeiter von Kliniken, Alten- und Pflegeheimen systematisch zu testen statt Personen mit Erkältungssymptomen? Diese Fragen wurden kaum diskutiert und können nun im Nachhinein nicht mehr beantwortet werden.“

Und: „Zur fraglichen Überlastung des deutschen Gesundheitssystems wird die Beanspruchung der deutschen ITS (Intensivstationen, d. Red.) als Zeitreihe für die letzten Tage dargestellt. Während sie im März noch zunahm, ging die ITS-Auslastung im April deutlich zurück. Der Hinweis, es fehle in den Kliniken an Schutzmasken und Schutzausrüstung, hält der Abwägung mit den sonstigen ökonomischen und gesellschaftlichen Kosten des auf einen Shutdown-fixierten Krisenmanagements nicht stand. Der Preis für das als alternativlos angenommene ,Worstcase-Szenario‘, das sich bisher nicht bewahrheitet hat, aber von März an die Politik bestimmt, ist immens.“

Auslastung der Intensivstationen im Zeitverlauf. Grafik: Leipziger Wissenschaftsverlag

Auslastung der Intensivstationen im Zeitverlauf. Grafik: Leipziger Wissenschaftsverlag

Der Wissenschaftsverlag verweist auch darauf, dass die Bundesregierung durchaus auch zwei nicht so strenge Szenarien auf dem Tisch hatte.

Ob das funktioniert hätte, ist zumindest zu diskutieren. Auch Schweden mit einem etwas zurückhaltenderen Szenario hat so seine Probleme.

Das Hauptproblem aus wissenschaftlicher Sicht ist: Die ganzen gemeldeten Corona-Fallzahlen sind weder vergleichbar noch in irgendeiner Weise aussagekräftig. Die Länder testen unterschiedlich stark – was gerade jetzt in Japan mit seiner extrem niedrigen Testrate das Problem ergibt, dass die Regierung dort nicht einmal annähernd weiß, wie viele Menschen wirklich infiziert sind. In anderen Ländern wurden nur die ins Krankenhaus eingelieferten Patienten getestet.

Dabei kommen gar nicht alle Infizierten auch ins Krankenhaus, sondern gehen in der Regel in Quarantäne, wo die Mehrzahl binnen zwei Wochen auch wieder gesundet. Was freilich vor allem auf die jüngeren Bevölkerungsgruppen zutrifft. In gewisser Weise wirkt auch Sars-CoV-2 wie ein üblicher Grippe-Virus: Es fordert das Immunsystem des Betroffenen.

Infizierte und wieder Genesene in Deutschland im Zeitverlauf. Grafik: Leipziger Wissenschaftsverlag

Infizierte und wieder Genesene in Deutschland im Zeitverlauf. Grafik: Leipziger Wissenschaftsverlag

Und so stellt auch der Wissenschaftsverlag die „eigentliche Frage“: „Ein Blick auf die Altersstruktur der mit Covid-19 Verstorbenen zeigt: ,Der Altersmedian liegt bei 82 Jahren, die Spanne zwischen 28 und 105 Jahren. Von den Todesfällen waren 631 (86 %) Personen 70 Jahre und älter.‘ (RKI Lagebericht vom 01.04.2020). Den höchsten Anteil an den Verstorbenen haben die über 80-Jährigen – und dieser Umstand ist in allen Ländern, von Beginn des Ausbruchs von Covid-19 bis heute, durchgängig zu beobachten, bereits in den kleinsten Fallzahlen aus Deutschland von Anfang März – das heißt, es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ihr Tod zu keinem Exzess in der alljährlichen Mortalitätsziffer führt.

In den Ländern, die aufgrund ihrer unzureichenden medizinischen Versorgungsstruktur angesichts der Herausforderung durch den neuen Coronavirus in kurzer Zeit eine hohe Sterblichkeitsziffer aufweisen – also Italien (Lombardei), Spanien und die USA (New York) – waren durchweg die ältesten Teile der Bevölkerung am stärksten betroffen.“

Covid-19 trifft also in ungefähr dieselbe (meist gesundheitlich schon vorbelastete) Bevölkerungsgruppe, die auch von einer normalen Grippeepidemie besonders betroffen wäre (die im milden Winter 2019/2020 ausblieb).

Der Leipziger Wissenschaftsverlag: „Der paradoxe Befund, dass die 35- bis 60-Jährigen am häufigsten mit dem neuen Coronavirus infiziert sind, aber die über 80-Jährigen am häufigsten an Covid-19 sterben, lässt als weiteres Ergebnis festhalten, dass nicht das neue Virus namens SARS-Cov-2 an sich tödlich wirkt, sondern nur in Wechselwirkung mit weiteren Faktoren, die die öffentliche Gesundheit betreffen, gefährlich sein kann.“

Und: „Die übergroße Mehrheit der mit dem neuen Coronavirus Infizierten erlebt keine oder nur milde Krankheitssymptome. Die Lungenkrankheit Covid-19, die mit dem neuen Virus in Zusammenhang gebracht wird, wirkt sich mehrheitlich bei den über 80-Jährigen auf die Mortalität aus, wobei wir wegen des milden Winters (Klimawandel?) 2019/20 momentan nicht wissen, ob Covid-19 zu einem leicht verfrühten oder leicht verspäteten Ableben der älteren und ältesten Erkrankten beigetragen hat.“

Die unterschiedliche Testdichte in betroffenen Ländern. Grafik: Leipziger Wissenschaftsverlag

Die unterschiedliche Testdichte in betroffenen Ländern. Grafik: Leipziger Wissenschaftsverlag

Und dann kommt Dr. Torsten Klemm zu dem Fazit: „Das neue Coronavirus SARS-Cov-2 wirft letztlich eine alte, tiefergehende, gesellschaftliche und kulturelle Frage auf: Wie gehen wir mit dem Altern, mit teilweise unausweichlichen und unheilbaren Alterskrankheiten und schließlich mit dem unvermeidlichen Tod um? Wie wollen wir damit umgehen?

Alte Menschen in Heimen und Krankenhäusern einzusperren und zu isolieren, ihnen nur noch wie Astronauten in Schutzkleidung zu begegnen und zugleich den Beistand ihrer liebsten Angehörigen zu verwehren, um sie somatisch länger am Leben zu erhalten, das erscheint – gerade aus ethischer Sicht – als eine äußerst fragwürdige Lösung.

Die Empfehlungen des RKI für Alten- und Pflegeeinrichtungen vom 14.04.2020 zielen ausschließlich auf die Sicherung der somatischen Gesundheit der Bewohner dieser Heime ab, nehmen ihre gefängnismäßige Isolation billigend in Kauf – wir erinnern uns: vor kurzem noch galten Pflegeheime nicht als Gefängnisse – und ignorieren vollständig die Trinität des biopsychosozialen Wesens namens Mensch.“

Und dann zitiert er Rolf Henrichs Buch „Der vormundschaftliche Staat“, der erst 1990 auch in der DDR erscheinen durfte und erstaunlich gegenwärtig klingt, wenn Klemm zitiert: „Es ist also zu fragen, was aus einer Gesellschaft wird, die das Sterben behindert und den Tod zunehmend aus ihrem Bewusstsein drängt … Dieser ganz dem empirischen Bewusstsein verpflichteten Ethik zufolge ist der Mensch nichts weiter als eine Erscheinung in der Zeit, weshalb ihm der Tod als Vernichtung erscheint. Dagegen muss man sich mit allen verfügbaren Mitteln zur Wehr setzen.

Den Tod hinauszuschieben ist deshalb der Endzweck des Gesundheitswesens, denn das gegenwärtige Leben im Fleische soll verlängert werden um jeden Preis. Um das aber zu erreichen, muss sich die Gesellschaft ‚auf eine völlig neue Weise auf den sterbenden Menschen einstellen. Es ist nicht selten ein Kranker, der weder essen noch trinken kann, der künstlich beatmet wird, der also von einer Fülle technischer Einrichtungen umgeben ist.‘ Erstmalig in dieser Lage – im Zeitalter des totalen Einsatzes der Medizintechnik – bewahrheitet sich das Wort vom Körper als dem ‚Kerker der Seele‘.

So sterben denn die Alten zu spät, und ihr sinnlos verlängertes Leben wird zur Last. Herausgerissen aus ihren Familien, lieblos durchgefüttert aus Pflichtgefühl, wird den Alten jede Entscheidungsfreiheit über ihr Leben und ihren Tod genommen … Bis zu seinem Tode soll der Mensch daran gehindert werden, für sich und sein weiteres Leben selbstbestimmt zu entscheiden. Noch in seinem Sterben soll der Mensch den Geist der bürokratischen Vormundschaft zu spüren bekommen, ganz so, als sei der Mensch in Ewigkeit und nicht nur hier auf Erden von der Macht abhängig.“

Und das galt noch der alten DDR mit ihrem vormundschaftlichen Denken. Kann es sein, fragt Klemm, dass wir so ein Phänomen heute wieder vor uns haben? Und auch deshalb zum Worstcase-Szenario gegriffen wurde, weil es die größtmögliche Kontrolle über die Bürger ermöglichte (obwohl China und Südkorea gezeigt haben, dass es noch mit viel mehr Kontrolle geht)?

Und dann stellt Torsten Klemm lauter Fragen, die sich mit unserem Verhältnis zur Medizin, zur Selbstbestimmung und zum Tod beschäftigen.

Hier sind sie:

„Wie nah ist das ,moderne‘ Verhältnis zum Altern und Sterben dem staatssozialistischen, vormundschaftlichen Menschenbild? Galten nicht vor wenigen Wochen noch ,Freiheit‘ und ,Selbstverwirklichung‘ als gesellschaftliche Doktrin? Lässt sich die ,Corona-Krise‘ als Zeichen des Umschwungs von einem individualistischen zu einem kollektivistischen Sozialwesen deuten, das von konservativen wie von autoritär-linken Kräften gleichermaßen begrüßt wird? Oder – wie Präsident Xi süffisant anmerkte – konnte Europa wegen seines Narzissmus Opfer des neuartigen Coronavirus werden?

Holt uns nun die ,asiatische Despotie‘ ein, verschärft um den spezifisch europäischen (,abendländischen‘) Kategorismus, der seine Erfüllung in starren Regelungen und Normen findet, radikale anstelle von adaptiven Lösungen bevorzugt, da es ihm schwerfällt, Zwischentöne wahrzunehmen und sich geschmeidig auf Veränderungen einzustimmen? Wie ist es gelungen, den Aspekt der seelischen Gesundheit scheinbar komplett aus dem medizinischen Menschenbild zu eliminieren?

Woher nehmen Politiker auf höchster Ebene die Gewissheit, wenn sie versuchen, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, es sei verantwortungslos und ,böse‘, seinen Nächsten in der Phase des Sterbens nahe, vielleicht sogar ein Grund zur Freude und zum Glück zu sein? Ist es nicht denkbar, dass hier der Intensivmediziner die Instrumente in Gang setzt, um einen Schnupfen oder Husten bei einem Patienten zu heilen, der seit Jahren schon an Krebs oder Diabetes leidet?“

Der Knackpunkt sind auch in Deutschland Krankenhäuser, Personal und ITS-Betten

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