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Die neue Normalität

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    Was heißt hier eigentlich „das neue Normal“? Ich fand schon das alte Normal nicht normal! Aber ich hatte mich darin eingerichtet, schlecht – aber auch das Wissen um das eigene besser sein als andere wärmt ja das alte Herz. Nun fehlen mir die ganzen Alltagsschmunzelerlebnisse – ein grenzdebil grinsender Resthirnträger, vorm Primark an zehn Papptüten geklammert zum Beispiel. Fehlt mir und natürlich meine Freude daran, ihn aus tiefster Ilse-Weltsicht heraus zu verabscheuen.

    Diese Konsumopfer kommen bei mir gleich nach jenen auf der anderen Seite der „Fressen und Gefressenwerden“-Skala in ihren Stadtpanzern. Und diesem „Ich habe das neueste I-Phone“-Ausdruck in den vom leichten Wohlstands-Übergewicht etwas zugefetteten Augen.

    Auch die Erkenntnis, dass Banker stark systemirrelevant sind, wenn sie anderer Menschen Geld Gassi führen und es Rechner viel besser als sie können; jetzt ist es eine gesellschaftlich reifende Erkenntnis. Nun endlich begreifen die meisten, dass meine Seniorentrainerin deutlich mehr für mich und andere tut, als dieses Schnöselvolk ohne Kreditvergabeberechtigung.

    Jetzt kam ja sogar heraus, dass Lehrerinnen und Lehrer tatsächlich unsere Kinder unterrichten und Kevin-Justin eben doch nicht hochbegabt, sondern einfach nur ein denkfaules Schwein mit Internetanschluss und Achtstunden-„World of Warkraft“-Tag ist. Sagt zumindest seine Mutter Klara von schräg unten, die ihm erfolglos versucht hat, die „Was kosten drei Äpfel, wenn einer nen Euro kostet?“-Frage zu stellen.

    Wo bleibt da bitteschön mein wohliges Gefühl, das alles immer geahnt, gewusst und gesagt zu haben?

    Doch vor allem anderen geht mir barbarisch auf die Fontanelle, wie sorgsam gerade alle miteinander tun. Ich trage die Maske für Sie, damit sie nicht ans Beatmungsgerät müssen. Tütütü. Aber schön Toilettenpapier hamstern, weil sie sich eigentlich alle nur vor lauter Angst eingeschissen haben.

    Drauf gehustet, wenn’s ans Eingemachte geht, stapeln sich im deutschen Keller zuerst die Konservendosen, im Baumarkt ist Volksfest und auf Tinder trifft man sich unter freiwilliger Datenabgabe zum virtuellen Restebums.

    Wie gut, dass es noch die Flüchtlinge für Menschen wie mich gibt. Daran kann man auch in den Coronazeiten sehr gut sehen, wie arschegal den meisten andere Menschen sind. Und das lässt mich doch hoffen. Auf die Zeit, wenn das „alte Normal“ wieder normal ist, wir den Grenzzaun am Mittelmeer weiter ausbauen, damit uns niemand bei der Zerstörung des Klimas in die Quere kommt.

    Die neue Leipziger Zeitung Nr. 78: Wie Corona auch das Leben der Leipziger verändert hat

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