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Die Schönheit und Einsamkeit von Sibirien – Figurentheater Wilde & Vogel im Westflügel

Mit „Sibirien“ kehrt eines der außergewöhnlichsten Stücke des Leipziger Figurentheaterduos Wilde & Vogel auf die Bühne des Westflügels zurück. Die Figurentheaterkunst von Wilde & Vogel besteht u.a. darin, dass sie in ihren Aufführungen einen Blick hinter die sichtbare Welt ermöglichen, ja, mitunter das Sehen, Fühlen, Hören auf eine Weise erweitern, dass man glaubt, jetzt schaute man mitten hinein in das Wesen der Dinge und des Lebens.

Dabei wirkt die ungeheure physische Präsenz von Michael Vogel und die hochkomplexe und gleichzeitig immer wieder so skurrile und komische Welt seiner Figuren zunächst alles andere als surreal.

Zu dieser sensuellen Wahrnehmung tragen die live gespielten Kompositionen von Charlotte Wilde wesentlich bei. Ihre Klangräume wecken und verstärken Empfindungen und Emotionen, mitunter schaffen sie erst die Möglichkeit für den Spieler und seine Figuren – und für scheinbar unbelebte Objekte – in einen besonderen Zustand des Lebendig Seins zu geraten. Für diese Klänge ist der Raum und die Akustik des alten Westflügel-Ballsaals wie geschaffen.

Der Blick hinter die sichtbare Welt ist in Wilde & Vogels Stück „Sibirien“ besonders ausgeprägt. In der Weite und Leere des geografischen Raums, dem eisigen Gestöber ebenso wie im inneren Sibirien, in der nackten Einsamkeit, verlieren die Dinge erst ihre Bedeutung, bekommen ein Eigenleben und setzen sich mit allem anderen neu zusammen. Das Band, das alles wie in einem unterirdischen Pilzgeflecht miteinander zu verbinden scheint, ist plötzlich real wie die Klänge des Alls und der Seele und der Liebe, die in bisher ungehörten Notengespinsten den Raum durchwandern und wie die Schönheit dieses Traumes selbst.

In „Sibirien“ schaffen Wilde & Vogel eine merkwürdig offene und zugleich hermetische, reale fantastische Welt, bis das filigrane Geflecht aus Sicht- und Hörbarem beinahe zum visuellen Konzert wird.

Do 29. Nov 20:00 und Fr 30. Nov 20:00
Sa 01. Dez 20:00

Sibirien

Figurentheater Wilde & Vogel [Leipzig]
in Koproduktion mit dem FITZ! Stuttgart und dem Westflügel Leipzig

Regie: Christiane Zanger
Spiel, Bühne und Figuren: Michael Vogel
Live-Musik: Charlotte Wilde
Dramaturgie: Maria Koch

Die landschaftliche Grenzenlosigkeit Sibiriens, seine Leere, seine Kälte und vermeintliche Lebensfeindlichkeit wird zur Bühne menschlicher Begrenzung. In der Einsamkeit, im inneren Sibirien, beginnt das Unberechenbare, wo es jeder mit sich selbst zu tun bekommt. Wenn nichts ablenkt bekommen Lebensfragen besondere Dringlichkeit. Womit verbringen wir unsere Zeit? Was erhalten wir aufrecht, wenn niemand uns beobachtet? Wonach sehnen wir uns? Was überfällt uns in der Leere?

Inspiriert von eigenen Reiseerlebnissen und Dichtern mit »Sibirien-Erfahrung« entstand im Sommer 2015 ein musikalisches Universum, in dem mit Fäden, Fragmenten und Figuren die menschliche Existenz befragt wird. Eine Theater-Expedition, die an brisante Orte führt, Emotionen weckt und klar macht, dass es ein fast unwirklich großes Glück ist, ausgerechnet dort, im gefühlten Sibirien, jemanden zu treffen, mit dem zu teilen ist, was man erkennt, was man fürchtet und was man liebt.

Das Spiel geht mit ungebrochener Reiselust und frei nach Ossip Mandelstam über das Ende hinaus: »Nur noch Sterben – und dann noch: der Sprung auf das Pferd.«

Bernd Noack in den Erlanger Nachrichten, über die Aufführung von „Sibirien“ im Rahmen des Internationalen Figurentheater Festivals 2017 Erlangen Fürth Nürnberg Schwabach:

„… Was für ein Kontrast dazu die entfesselten, anarchischen Künstler, die überall wildern (Schauspiel, Tanz, Installation, Musik, Design), sich um keine Deutungshoheit scheren, den Irrsinn illustrieren, in ihren überbordenden Laboratorien des Empfindens, Scheiterns und Triumphierens über die lauen Tatsachen: (…) am Rand des Fassbaren balancierend wie ‚Wilde & Vogel‘, die zu kakophonischem Stimmen- und Töne-Sound mit Figuren-Fragmenten, dürr wie Giacometti-Skulpturen, von der Einsamkeit Sibiriens erzählen.“

Vorgeschichte:

»›Sibirien‹ entstand 2015 nach acht Jahren ohne Duo und damit vielen künstlerischen Begegnungen. Eine davon: die Reise zum Puppentheater ›Gulliwer‹ in Kurgan, Westsibirien, wo wir mit dem dortigen Ensemble nach einem Workshop eine Inszenierung erarbeiteten. Der kurze sibirische Frühling, in dem die winzigsten grünen Spitzen unbändige Vorfreude auslösen, eine vor allem durch fehlende Schönheit inspirierende Stadt, die unvorstellbare Größe des Landes, all das verband sich zu einer Idee für eine Inszenierung, in der es um Einsamkeit und die vorsichtige Hoffnung auf Liebe geht.

Christiane Zanger, unsere Regisseurin, brachte Texte von Inger Christensen und Ossip Mandelstam ein, die diese sehr persönliche Arbeit auf poetische Füße stellen.«
Charlotte Wilde

Figurentheater Wilde & Vogel

Das Figurentheater Wilde & Vogel wurde 1997 von dem Figurenspieler Michael Vogel und der Musikerin Charlotte Wilde als professionelles freies Tourneetheater mit Sitz in Stuttgart, seit 2009 in Leipzig, gegründet. 2003 waren Wilde & Vogel Mitbegründer des Lindenfels Westflügel Leipzig, wo sie seither Organisation von Veranstaltungen und die künstlerische Leitung übernehmen.

Charlotte Wilde studierte in Karlsruhe Musik, Englisch und Geschichte.
Sie bearbeitet, komponiert und spielt die Musik (Geige, Gitarre, Tasteninstrumente) für das Figurentheater Wilde & Vogel und andere Theater und ist verantwortlich für die Organisation.

Michael Vogel lernte in Prag bei Milos Kirschner und dem “Spejbl & Hurvinek Theater” und studierte in Stuttgart an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Figurentheater. Von 1998 bis 2006 hatte er einen Lehrauftrag im Studiengang Figurentheater Stuttgart.
1999 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Karten: 10,- | 15,- | 20,- Euro
Reservierung: service@westfluegel.de | Tel. 0341/260 90 06 (Mailbox)
Onlinekartenkauf über www.westfluegel.de
Westflügel Leipzig | Hähnelstr. 26 | 04177 Leipzig | www.westfluegel.de

Eine Muntermacher-LZ Nr. 61 für aufmerksame Zeitgenossen

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Leipziger Vocalensemble. Quelle: Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas

Leipziger Vocalensemble. Quelle: Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas

Am Samstag, 29. Februar um 15.00 Uhr ist in der Motette in der Thomaskirche das Leipziger Vocalensemble mit Musikern auf historischen Instrumenten und den Solisten Friederike Urban, David Erler, Wolfram Lattke und Tobias Ay zu hören. Zur Aufführung kommt neben Chorwerken von Heinrich Schütz, Gottfried August Homilius, Johannes Brahms und Johannes Weyrauch die Kantate „Nach dir, Herr, verlanget mich“ BWV 150 von Johann Sebastian Bach.
Zwieback in seiner bislang reinsten Form: das Solo „6G Ray pur“ feiert am 5. März Premiere
6G Ray pur. Foto: Schaubühne Lindenfels

Foto: Schaubühne Lindenfels

Für alle LeserWolfgang Krause Zwieback macht Inventur in seinem Laden. Angekündigt ist ein performativer Konkurs, zu dessen Premiere der Sprachakrobat in den Ballsaal der Schaubühne Lindenfels am Donnerstag, 5. März, um 20 Uhr einlädt. Vorher gibt's im Salon sogar noch ein Podiumsgespräch mit „Pionieren der Freien Szene“.
Stiftung Ecken wecken bringt neues Mitmach-Projekt „Wir im Quartier“ im Leipziger Westen an den Start
kunZstoffe in der Georg-Schwarz-Straße 7. Foto: kunZstoffe e.V.

Foto: kunZstoffe e.V.

Für alle LeserWie kommt man eigentlich heraus aus dieser Jammerspirale, in der heute so viele Mitbürger glauben, ihren Frust und Unmut immer nur an anderen auslassen zu können? Kann es sein, dass es gerade ihre Rolle als unmündiger und immer nur konsumierender Bürger ist? Ihre Haltung, dass andere bitteschön immer alles regeln sollen? Raus aus der Schmollecke, so könnte man den neuen Aufruf der Stiftung Ecken wecken überschreiben. Wer seine Nachbarschaft besser machen will, packt selbst mit an.
Morteratsch: Zwei Tote, ein Gletscher und die Pfeife von Maigret
Urs W. Käser: Morteratsch. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist nicht sein erster Krimi, den Urs W. Käser jetzt im Leipziger Einbuch Verlag vorgelegt hat. Mit „Hoffmanns Tode“, „Mosers Ende“ und „Gornerschlucht“ hat der 1955 geborene Schweizer Autor schon drei Kriminalromane aus der Schweizer Bergwelt veröffentlicht. In seinem vierten Krimi geht es nach Pontresina, einem Dorf unterhalb des Piz Morteratsch. Und dessen Gletscher spielt in diesem Krimi eine nicht unwesentliche Rolle.
Denkmalchor mit Friedensbotschaft zum Saisonauftakt
Denkmalchor Leipzig. Foto: Anne Hornemann

Foto: Anne Hornemann

Mit seinem neuen Programm „Friedens-Hall“ eröffnet der Denkmalchor am Sonntag, 1. März, um 17.00 Uhr, die 107. Konzertsaison im Völkerschlachtdenkmal und zugleich die 81. des Denkmalchores. Unter Leitung von Philipp Goldmann präsentiert der Denkmalchor vokale Klangporträts aus fünf Jahrhunderten von Schütz, Bruckner, Schnittke, Rutter, Nystedt bis Gjeilo.