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Zum Tag des offenen Denkmals wurde auch in Zwenkau Geschichte lebendig

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    Viele Sachsen haben am Sonntag den „Tag des Offenen Denkmals“ für Besuche in historischen Gebäuden genutzt. Mit diesem Tag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Sein und Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ stand, will die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auf Kulturschätze hinweisen, die in der unmittelbaren Nähe liegen oder in Vergessenheit zu geraten drohen.

    Großes gesellschaftliches Engagement

    Die offizielle sächsische Eröffnungsfeier fand im Kulturkino Zwenkau statt. Landrat Henry Graichen betonte, dass im Landkreis ein großes Bewusstsein für den Erhalt historischer Bausubstanz vorhanden ist. Engagement kommt von Privatleuten, Vereinen und Unternehmen.

    So wurde beispielsweise auch das Kulturkino, dass 1927 im Art-Deco-Stil als Walhalla-Lichtspieltheater errichtet wurde, von der „kulturinitiative zwenkau e.V.“ vor dem Abriss bewahrt. Denn im Juli 1990 kam die Schließung des Hauses. Der Eigentümer, die Stadt Zwenkau, suchte zwar in diesen Jahren nach einem Träger, der den Betrieb des Kulturhauses sichern sollte, war jedoch leider nicht erfolgreich. Es wurde schließlich ein Abrissantrag gestellt und auch genehmigt.

    Kurz vor dem geplanten Abriss 2003 schlossen sich engagierte Zwenkauer und Leipziger Bürger als Verein zusammen und entwarfen ein neues Nutzungskonzept. Es gelang von 2004-2014 der Spagat zwischen Notspielbetrieb, bauerhaltenden Maßnahmen und ersten Sanierungsschritten. In den folgenden zwei Jahren konnten endlich grundlegende Maßnahmen zur energetischen Ertüchtigung und Modernisierung erfolgen. Im März 2017 öffnete nach tausenden Stunden ehrenamtlicher Arbeit das KulturKino Zwenkau in neuem Glanz seine Türen.

    Kinder- und Jugenddenkmalpreis 2021

    Davon konnten sich auch die Gäste überzeugen, die gestern an der Eröffnungsfeier und somit auch an der Verleihung des Kinder- und Jugenddenkmalpreis 2021 teilnahmen. Sachsens Minister für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt, zeichnete Schülerinnen und Schüler der Helmholtzschule-Oberschule der Stadt Leipzig aus. In ihrem prämierten Projekt „Kulturerben Schuldenkmal“ haben die Jugendlichen der Klassen 7 bis 10 gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer das Schuldenkmal für die etwa 150 im Ersten Weltkrieg gefallenen Schüler und Lehrer auf dem Lindenauer Friedhof in Leipzig adoptiert.

    Haus Rabe

    Im Anschluss an die Eröffnungsfeier ging es dann weiter zu einem anderen bedeutsamen Baudenkmal in Zwenkau – dem Haus Rabe. Das Haus ist ein Gesamtkunstwerk im Bauhaus-Stil, untrennbar vereint es die Kunst Oskar Schlemmers mit der Architektur Adolf Radings. Der Architekt plante und baute es für das Zwenkauer Ärzte-Ehepaar Erna und Erich Rabe in den Jahren 1929 und 1930. Um diesen einzigartigen und andere Orte mit kulturhistorischer Bedeutung zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde 2020 die Kulturstiftung Landkreis Leipzig gegründet, die das Haus mit Bundesmitteln erwarb. So liefert das Haus Rabe als neuer Ausstellungsort kulturelle und gesellschaftliche Impulse.

    Wirkliche Freiheit seit Wiedervereinigung

    Einen ganz besonderen Impuls setzte am Sonntag Hans-Georg Einicke. Im Garten des erinnerte er sich für seine Zuschauer an die Kinder- und Schulfreundschaft mit Ulrich Rabe, dessen Mutter jüdische Vorfahren hatte. „Als Kind konnte ich damals in den 1933-Jahren noch gar nicht wirklich fassen, was vor sich geht. Doch auch mir fiel auf, dass immer weniger Patienten in die Praxis von Dr. Erich Rabe und andere Kinder nicht mehr zum Spielen kamen.

    Nach wie vor traf ich mich mit Uli, doch eines Tages schickte mich Ulis Mutter Erna Rabe mit den Worten weg: ,Du kannst nicht mit Uli spielen. Du kannst nie mehr mit Uli spielen. Geh jetzt und komm nie wieder‘.“ Der 96-Jährige ist sich sicher: „Das war freiwillige Selbstisolation“. Ulrich hat er aus den Augen verloren. Bis vor etwa acht Jahren. Damals konnte er seinen Freund aus Kindertagen wieder ausfindig machen, an der Ostsee.

    Den Besuchern des Haus Rabe überbrachte er neben seinen Schilderungen ein Grußschreiben von Dr. Klaus Ulrich Rabe. Er wäre gern selbst gekommen, sei aber gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage. Ihm liege viel daran, dass sein Elternhaus erhalten bleibt und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

    Aufgrund seiner Erlebnisse ist es Hans-Georg Einicke wichtig, auf die wichtigste Errungenschaft unserer Zeit hinzuweisen – die Freiheit. Wenn Leute heute auf die Straße gehen und Freiheit rufen, könne er das nicht verstehen. „Sie wissen nicht, was es bedeutet unfrei zu sein. Wirkliche Freiheit habe ich in meinem Leben erst seit der Wiedervereinigung erfahren.“

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