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Ein symbolträchtiger Tag für ein Haus voller Geschichte dicht am Palmengarten

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    Der Tag ist symbolisch. Und die LS Denkmal GmbH & Co. KG aus Mühldorf am Inn hat den "Tag der Befreiung" natürlich bewusst gewählt, um das Richtfest für das Haus Jahnallee 61 zu feiern. Obwohl Leipzigs "Tag der Befreiung" ja bekanntlich schon früher war - am 18. April 1945. Es war auch der Tag, an dem Raymond J. Bowman starb, der Soldat, der durch das Foto von Robert Capa "Der letzte Tote des Krieges" weltberühmt wurde.

    Auch wenn die Welt seinen Namen fast 70 Jahre lang nicht kannte. Das Foto aber stand für die Sinnlosigkeit eines Krieges und die Tragik des Soldaten, der noch „am letzten Tag“ von der Kugel eines Scharfschützen getötet auf einem Balkon des Hauses Frankfurter Straße 39 (der heutigen Jahnallee 61) in Leipzig liegt. Der Fotograf Robert Capa hatte seine Einheit beim Einrücken in Leipzig begleitet. Ein Journalist und Fotograf aus voller Seele. Bei Ullstein ausgebildet, war Endre Ernő Friedmann alias Robert Capa schon im Spanischen Bürgerkrieg dabei und hat Bilder gemacht, die heute zu Ikonen der Kriegsfotografie geworden sind. Und ein dritter großer Krieg des 20. Jahrhunderts sollte auch das Ende seines Lebens bedeuten  – 1954 starb er im Vietnam-Krieg.

    Als die Bürgerinitiative Capa-Haus 2011 begann, für die Rettung des Hauses zu kämpfen, kannte zumindest in Leipzig niemand den Namen von  Raymond J. Bowman, der am 18. April 1945 gerade 21-jährig auf dem Balkon des Hauses starb, wo Robert Capa sein berühmtes Foto machte. Die Bürgerinitiative hatte sich gegründet, nachdem Gerüchte publik geworden waren, die Stadt habe die Abrissgenehmigung für das auffällige Haus in der Nähe des Straßenbahnhofs Angerbrücke gegeben. Als dann sogar noch ein Dachstuhlbrand die Ängste nährte, das Haus könnte auch mit Absicht abgefackelt werden, wenn nicht bald etwas passierte, nutzte man bewusst den Namen Robert Capas und die Verortung seines Fotos in diesem Haus, um nicht nur die Abrissgenehmigung rückgängig zu machen, sondern auch einen interessierten Investor zu finden, der wieder Leben in das jahrelang leer stehende Hausensemble bringen würde.

    Nach mehreren Besitzerwechseln war es dann die LS Denkmal GmbH & Co. KG, die tatsächlich Nägel mit Köpfen machte. Das Haus wird seit Herbst 2013 denkmalgerecht saniert. Es entstehen 41 Wohnungen und 3 Gewerbeeinheiten. Erbaut wurde das Gebäudeensemble 1910. Eigentlich besteht es aus drei herrschaftlichen Wohn- und Geschäftshäusern (Jahnallee 61, Luppenstraße 28 und 26) und zählte zu den letzten unsanierten Objekten direkt am zumindest landschaftlich auch heute noch prachtvollen Palmengarten.

    Da Capa-Haus alias Palgarten-Palais von der Jahnallee aus gesehen. Foto: Ralf Julke
    Das Capa-Haus alias Palmgarten-Palais von der Jahnallee aus gesehen. Foto: Ralf Julke

    Alle Wohnungen sollen so gestaltet werden, dass stuckverzierte Fassaden und Decken, imposante Raumhöhen, originalgetreue Türen und Böden der Gründerzeit wiederhergestellt bzw. erhalten bleiben, betont das Unternehmen. Hochwertige Materialien und luxuriöse Ausstattung sollen für höchste Lebensqualität und Komfort sorgen.

    Und das Überraschende: Der Projektentwickler weiß auch nicht so recht, wie er das Haus nun am besten vermarktet. Eigentlich bringt er es als „Palmgarten-Palais“ auf den Markt, lud aber trotzdem zum Richtfest des Capa-Hauses ein. Aber wenn alles fertig ist, bekommt das Gebäude natürlich wieder die einst beabsichtigte prachtvolle Wirkung. Immerhin steht es dominant am Eingang nach Lindenau. Im Erdgeschoss sind wieder attraktive Ladengeschäfte angedacht.

    Die ursprünglich geplante Fertigstellung im Dezember 2014 hat man nicht geschafft. Dazu war der Zustand der lange vernachlässigten Bausubstanz dann doch zu kompliziert. Nun wird es ein Jahr später. Aber es wird. Und am Ende kann sich der Passant nicht einmal mehr vorstellen, dass an dieser Stelle vor 70 Jahren noch Schüsse fielen und ein 21-jähriger Junge aus dem Staat New York hier sterben musste, weil ein paar Leute einfach nicht aufhören konnten, Krieg zu spielen.

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