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Der Förderverein des Naturkundemuseums Leipzig macht einen genialen Vorschlag

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    Nicht nur die Fraktionen im Stadtrat hielten sich erst einmal zurück, als das Kulturdezernat den neuen Vorschlag für die Unterbringung des Naturkundemuseums in der Halle 7 der Alten Baumwollspinnerei vorlegte, auch der Verein der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums übte Zurückhaltung, beschaute sich den Vorschlag von allen Seiten und macht jetzt einen geradezu frappierend einfachen Vorschlag zur Lösung des Problems.

    Eigentlich ist es ja ein Packen von Problemen: Das alte Haus ist zu klein, es werden dringend große, moderne Ausstellungsflächen gebraucht. Eine Erweiterung des alten Kastens erscheint zu teuer. Zwar scheint eine Unterbringung in Lindenau wesentlich billiger zu kommen. Aber tatsächlich gilt dort, was im „Masterplan“ zum Naturkundemuseum bislang auch wesentliche Ausschlusskriterien waren: Die ÖPNV-Anbindung existiert praktisch nicht, Parkplätze fehlen und für ein publikumsstarkes Museum ist die alte Spinnerei viel zu weit ab vom Schuss.

    Bei der Wählervereinigung Leipzig löste der Vorschlag, das Museum nach Lindenau zu verfrachten, geradezu Entsetzen aus.

    „Der Großteil der Befürworter des Naturkundemuseums in der Baumwollspinnerei verfolgt nicht das Ziel des Erhaltes einer traditionellen Bildungseinrichtung für unsere Kinder und Jugend“, kritisierte die Wählervereinigung, die im Stadtrat noch mit Dieter Deißler vertreten ist, der innerhalb der Grünen-Fraktion versucht, WVL-Politik mit einzubringen. „Es geht ihnen um Fördermittel für ein Projekt mit Lofft, dem Tanztheater und dem Theater der Jungen Welt, für das es ohne Naturkundemuseum kein oder nur sehr schwierig Geld aus der Vielzahl der Fördertöpfe gibt. Darüber hinaus lassen sich die freiwerdenden Domizile der FREIEN kulturellen Leuchttürme unserer Stadt hervorragend auf dem Markt der Immobilien zu Geld machen. Die Ankündigung, das jetzige Museumsgebäude des Naturkundemuseums in exponierter Lage schnellstmöglich verkaufen zu wollen, unterstreicht diese Absicht der Verwaltungsoberen.“

    Zumindest all jenen, die sich ernsthaft mit der Rolle eines Naturkundemuseums für die naturkundliche Bildung einer ganzen Region beschäftigt haben, ist ein zentrumsferner Standort für so ein Museum natürlich nicht logisch. So ein Haus entfaltet seine Stärke, wenn es zentrumsnah hochkarätige Ausstellungen anbietet. Das war auch das Anliegen des damaligen Museumsdirektors Dr. Rudolph Schlatter. Die Pläne für ein wirklich modernes Museum hatte er alle ausgearbeitet – fand nur niemanden in der Verwaltung, der wirklich ernsthaft zuhörte.

    Die Wählervereinigung dazu: „Dass Jung und Bonew, lieber diesen Weg gehen wollen, hat sich schon in der Ära Herrn Doktor Schlatters, eines beseelten NaturkundeFREAKS (erhielt 1991 für die Realisierung des Naturkundemuseums Schaffhausen den Europapreis für das Museum des Jahres) gezeigt. – Seine Ideen alle ’nicht finanzierbar‘, seine begnadeten Fachleute nach und nach abgebaut, die Substanz des NATURKUNDEMUSEUMs dem Verfall preisgegeben. Die Schutzwürdigkeit von Eigentum der Stadt scheint hier gröblichst verletzt, die herausragende Personalie Schlatter nur als Schleier und Schein installiert gewesen zu sein. Dass dessen begeisterndes Engagement gebrochen und seine Persönlichkeit beschädigt wurde, ist ein menschliches Drama.“

    Was denn auch Karsten Kietz, Vorsitzender der WVL, so richtig in Rage bringt: „Der Standortnachteil im Westen der Stadt soll nicht etwa mit neuen Ideen und einem entsprechenden finanziellen Mehraufwand ausgeglichen werden. Nein, das Gegenteil ist vorgesehen. Eine Billigvariante, die mittel- und langfristig nicht existieren kann, wird realisiert. Für jemanden, ‚dessen Tochter lieber ins Belantis geht‘, ist dieser Tod auf Raten keine Träne wert. Für andere, deren Töchter lieber ein Museum be- und die Welt zu erkennen suchen, aber schon.“

    Und wesentlich nachteilig wird aus Sicht der Wählervereinigung die Lage: „Der zentrumsferne Standort, mit ÖPNV plus 1 Kilometer Fußmarsch zu erreichen, wird KITA-Gruppen und Grundschulklassen, Touristen und ältere Menschen vom Besuch abhalten. Die Autofahrergilde wird mangels Pkw-Stellplätzen nicht anreisen. Außerdem fehlt für das Hauptklientel des Naturkundemuseums in der Baumwollspinnerei jegliche Verbindungsmöglichkeit eines Besuches mit anderen Angeboten. Das macht es noch unattraktiver. – Dass erst jetzt ein Direktor gesucht werden soll, ist nicht nachvollziehbar. Oder kalkuliert? Bei entsprechendem Verantwortungsbewusstsein des Oberbürgermeisters hätte die Suche nach einem Nachfolger lange vor dessen Ruhestand beginnen müssen, wie es in jedem Unternehmen, jedem Verein und auch jedem öffentlichen Amt zwingend notwendig und üblich ist. – Wo bleibt der Aufschrei der Stadträte, die sich in der Vergangenheit gegen den Verkauf städtischer Immobilien ausgesprochen haben oder wenigstens regelmäßig eine kulturelle Nutzung gefordert haben? Die Wählervereinigung Leipzig gibt dazu Ihrem Stadtrat Dieter Deißler Auftrag. ‚SCHREI ENDLICH DIETER!’“

    Vielleicht schreit er ja noch. Vielleicht überzeugt aber auch, was der Förderverein des Museums jetzt vorschlägt. Denn wenn die Stadt die Kriterien des eigenen Masterplanes ernst nimmt, ist ein Standort in Lindenau ein „No go“.

    „Ja, sie ist möglich, aber zu welchem Preis?“, stellt Dr. Michael Hardt, Vorsitzender des Vereins, fest. „Das Raumangebot und die Gestaltungsmöglichkeiten in der Halle 7 der Spinnereistraße sind gegeben, um hier ein beeindruckendes und zukunftsweisendes Naturkundemuseum entwickeln zu können. Jedoch wer den Masterplan genau liest, auf den sich die Verwaltung stetig beruft, der kann dort in der Expertise der Fachleute zum damals untersuchten und sehr viel näher am Zentrum gelegenen Stadtbad sehr genau lesen: ‚Das Museum kann an diesem Standort nur ein eventartiges Naturcenter sein. Die Betriebskosten stiegen damit erheblich aufgrund der hohen Marketinganteile, die Erstinvestitionen ebenfalls aufgrund einer zum Start notwendigen Großkampagne.’“

    Damit flog das Stadtbad, das ja nun wirklich sogar noch recht zentrumsnah gelegen ist, hochkant aus der Auswahlrunde. Nur zwei Objekte erfüllten die strengen Standortkriterien: das alte Museum an der Lortzingstraße und der ehemalige Bowlingtreff. Und Hardt zitiert noch einen weiteren Satz aus der Expertise: „Grundsätzlich muss ein Standort außerhalb der Leipziger Innenstadt und außerhalb des Ringes hochwertige Aspekte bieten, kulturell, gastronomisch und/oder körperlich entspannend. Wir sehen alle Standorte innerhalb einer Gewerbe-, Dienstleistungs- oder Wohnbebauung, die auch nur wenige Hundert Meter außerhalb des Ringes liegen, für ein Museum in Leipzig als problematisch an.“

    Was natürlich heißt: Wenn die neue Direktion am Standort Spinnereistraße ein volles Haus haben will, muss sie deutlich mehr Geld für „Events“ und für Marketing ausgeben, es braucht zusätzliches Personal und es braucht nicht nur eine eigene Haltestelle „Naturkundemuseum“ an der Spinnereistraße, sondern auch eine komplette neue Buslinie, die es da draußen noch nicht gibt.

    Wenn die Stadt den Standort so wolle, müsse sie zwangsläufig den jährlichen Finanzzuschuss deutlich erhöhen, so Hardt.

    Aber daran ist die Stadt ja schon bisher am alten Standort gescheitert.

    Deswegen zweifelt Michael Hardt daran, dass sich daran am Standort Alte Spinnerei etwas ändern würde. Womit Karsten Kietz Recht behielte: Es wäre der Anfang vom Ende des Museums.

    Aber man kann das Dilemma lösen, stellt Hardt fest. Nämlich indem man den alten Standort erhält und das alte Haus so umbaut, dass eine komplette Etage für Ausstellungen zur Verfügung steht. Und den Platz gewinnt man, indem man ganze Werkstätten und einen Teil des Fundus verlagert – nämlich in die Halle 7 in der Spinnerei.

    Michael Hardt: „Eine solche Lösung des Verbleibs eines modernisierten Ausstellungs- und Besucherhauses in der Lortzingstraße 3 ohne Erweiterungsneubau wäre ein Konsens, der den bisherigen Forderungen aller Parteien Rechnung trägt und unsere volle Unterstützung hat. Aber das wichtigste ist, dass jetzt die Diskussion um eine sichere und tragbare Zukunft des Naturkundemuseums endlich zu Ende geführt wird, nicht wieder monate- und jahrelang verschoben und vertagt wird und baldmöglichst in einem Grundsatzbeschluss endet!“

    Die Stellungnahme des Vereins der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums zum Nachlesen.

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      2 KOMMENTARE

      1. Verstehe nicht so richtig, was da genial sein soll.

        Wenn das Problem des Naturkundemuseums an der Lortzingstraße „nur“ in einem Platzproblem bestand, dann hätte man locker irgendwo in der Pampa ein Depot mit moderner Klimatisierung bauen können (wäre nach all den Jahren des Zanks schon längst fertig gewesen). Solche Außendepots hat jedes größere Museum.

        Mich wundert es, wieso ausgerechnet eine Halle in der Spinnerei plötzlich als geeignet angesehen wird. Die gesamte Spinnerei ist durchfeuchtet, und man wird erheblich Geld allein für die Trockenlegung und die Klimahaltung ausgeben müssen. Eigentlich Mumpitz, für die empfindlichen Präparate überhaupt eine Halle der Spinnerei in Betracht zu ziehen.

        Ich würde sagen: Die Idee mit der Halle 7 ist eher wunderlich.

        Was den ÖPNV angeht: Der Kilometer Fußweg würde sich auf wenige Schritte reduzieren, hätte man am S-Bf Plagwitz (wieder?) einen Westausgang von den Bahnsteigen angelegt (etwa einen Fußgängertunnel). Aber das haben die üblichen bräsigen Entscheider und die üblichen finsteren Mächte (Immobilienwirtschaft?) wieder verhindert.

      2. Im ersten Moment des Lesens dachte ich, nun bringen die das Museum im Stadtbad unter.
        Aber nein – die beschriebene Lösung scheint wirklich zielführend.
        Das hat man hier so selten, deshalb nun doppelte Freude und große Hoffnung.

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