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Die Stadt kauft den Sellerhäuser Bahnbogen

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    Eines der wohl wirkmächtigsten Modernisierungsprojekte der Stadt Leipzig geht in diesem Jahr endgültig an den Start. Verhandelt, geplant und diskutiert wurde um den "Parkbogen Ost" ja schon länger. Seit 2012, seit die Bahn hier ihren Zugbetrieb eingestellt hat, hat die Stadt Leipzig hier die große Chance etwas zu bauen, worum viele Städte künftig neidisch sein werden: eine Radpiste auf dem Bahnviadukt.

    Mit der Inbetriebnahme des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes im Dezember 2013 wurden ja auch die Streckenverläufe der neuen S-Bahn-Linien neu definiert. Das alte, von Manchem so geliebte Leipziger S-Bahn-Herz war da schon außer Betrieb. Damit wurde auch die östliche Route über Sellerhausen hinfällig. Als die Bahn dann 2014 sogar daran ging, die Gleise, Signalanlagen, Zugänge und einige Brücken zu demontieren, ging sogar kurzzeitig eine gewisse Panik durchs Land. Was passiert hier? Wird hier endgültig der Schienenverkehr abgewrackt?

    Auf dieser Strecke natürlich. Sogar erwartbar. Die Brücken auf dem gesamten Streckenabschnitt waren nach über 100 Jahren Betrieb so desolat, dass sie nur noch komplett demontiert werden konnten. Auch für den Viaduktbogen über die Wurzner Straße ist – bahntechnisch betrachtet – schon längst der Zenit überschritten. Aber er wird nicht verschwinden. Eine der ersten Baumaßnahmen im Projekt Sellerhäuser Bogen wird die Sanierung dieser Brücke sein.

    Vorher freilich noch muss der ganze Bahnbogen gekauft werden. 2014 meldete die Stadt schon einmal entsprechende Verhandlungen mit der Bahn. Die sollen wohl recht erfolgreich gelaufen sein, so dass für Anfang 2016 der Kauf des von der Bahn nicht mehr gebrauchten Bahnbogens über die Bühne gehen soll.

    Die ehemalige S-Bahn-Station Sellerhausen. Foto: Ralf Julke
    Die ehemalige S-Bahn-Station Sellerhausen. Foto: Ralf Julke

    Voraussetzung dafür war die Bereitstellung der notwendigen Gelder. Dazu gab es in der November-Ratsversammlung noch eine Eilvorlage, damit die Stadt das ambitionierte Infrastrukturprojekt noch in die Förderung durch das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ bekommt. Das läuft von 2015 bis 2019. Und ein gewisser Zeitverzug entstand natürlich, weil nicht alle Kosten schon endgültig beziffert werden konnten. 2014 ging man noch von 4,95 Millionen Euro aus. Aber die Summe wird wohl nicht zu halten sein, so dass OBM Burkhard Jung in der Dienstberatung auch eine Begrenzung der maximalen Kostenüberschreitung um 2,5 Millionen Euro beschließen ließ.

    Und zu den Scherzen der Leipziger Politik gehört natürlich auch eine andere Verzögerung, die noch als Nachwehe aus dem OBM-Wahlkampf von 2012/2013 nachwabert: Damals hatte man dann noch auf die Schnelle mal prüfen müssen, ob das ganze Projekt „Parkbogen Ost“ nicht als Teil einer Leipziger BUGA-Bewerbung infrage käme – was dann vielleicht wieder andere Fördertöpfe eröffnet hätte.

    Der Finanzierungsbeschluss des Stadtrates, der am 19. November in aller Eile durch den Stadtrat gejagt wurde, bildet nun die Grundlage dafür, dass überhaupt 3,3 Millionen Euro an Fördermitteln für den „Parkbogen“ beantragt werden können. Zugesagt waren sie vom Bund schon. Nur die Antragsunterlagen mussten noch irgendwie vor Jahresende auf den Postweg. So können dann die (vorerst) kalkulierten 4,95 Millionen Euro für den Sellerhäuser Bogen aufgebracht werden.

    Natürlich kommen noch ein paar Sümmchen zusammen, damit am Ende ein richtiger Parkbogen draus wird, der an der Anger-Crottendorfer Bahnschneise ansetzt und praktisch über den Straßen und Gärten von Anger-Crottendorf und Sellerhausen-Stünz bis kurz vor Schönefeld führt. Der ganze Nordbereich, der diese Radtrasse dann sogar bis zur Berliner Straße und von dort bis zur Hauptbahnhof-Westseite führen würde, ist vorerst noch Zukunftsmusik.

    Blick vom Sellerhäuser Viadukt auf die Wurzner Straße. Foto: Ralf Julke
    Blick vom Sellerhäuser Viadukt auf die Wurzner Straße. Foto: Ralf Julke

    Zu den kalkulierten 4,95 Millionen Euro für den Sellerhäuser Bogen kommen noch 1,06 Millionen Euro – darin ist der Grunderwerb von der Bahn genauso enthalten wie die notwendigen Planungskosten.

    Alle Teile außerhalb des Sellerhäuser Bogens werden mit Fördermitteln aus dem EFRE-Programm realisiert. Hier rechnen die Stadtplaner mit insgesamt 5,1 Millionen Euro.

    Aber das Jahr 2016 wird auch deshalb schon interessant, weil mit dem Grunderwerb und der gesicherten Förderung auch endlich die Beteiligungsprozesse mit den Bürgern beginnen können. Denn im Detail ist das Ganze ja noch nicht zu Ende gedacht, auch wenn es schon ein paar Ideen gibt, wie man den Parkbogen-Ost zu einer Art Rad-Erlebnis-Meile machen kann. Obwohl natürlich die Fahrt auf dem Viadukt, dem künftigen „Stadtbalkon“, allein schon eine Attraktion ist.

    Wenn dann alle Teile mit Bürgerideen einvernehmlich ausgeformt sind, können auch endlich die notwendigen Stadtratsbeschlüsse zu den einzelnen Baumaßnahmen gefasst werden. Und dann kann losgebaut werden. Zeithorizont für den Sellerhäuser Bogen ist das Jahr 2019, wobei man mit Einhaltung des Zeitplans sogar schon 2018 fertig werden könnte. Das Gesamtprojekt Parkbogen Ost könnte bis 2020 vollendet sein.

    Der Masterplan zum Parkbogen-Ost.

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