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Leipzigs Kulturdezernat rechnet jetzt mit 10 Millionen Euro für die Unterbringung des Naturkundemuseums

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    Am Ende kam es auch Sebastian Beyer, unserem Reporter in der Stadtratssitzung am Mittwoch, 20. Januar, nur noch spanisch vor, was da zum künftigen Standort des Naturkundemuseums in der Alten Baumwollspinnerei geredet wurde. Nirgendwo waren die Kosten benannt, aber selbst kritische Stadträtinnen und Stadträte waren auf einmal für den Umzug. Wie das?

    „Die Kosten und Fördermittel für das Museum und das Theaterhaus sollen im Doppelhaushalt 2017 und 2018 eingearbeitet werden, zur Höhe fiel in der Debatte keine konkrete Summe. Diese lässt sich auch im Masterplan nicht finden, der diese erst kürzlich aufgekommene Variante noch nicht enthält und so in Teilen bereits veraltet ist.“

    Da hilft alle Suche im Ratsinformationssystem nichts: Es stimmt. Und trotzdem wurde am Mittwoch nicht mehr wirklich über das Ob diskutiert, sondern nur noch über mögliche Aspekte des Wie. Zum Beispiel die nötige Anbindung für den ÖPNV, die noch nicht geklärt ist. Und Annette Körner von den Grünen betonte noch einmal, wie wichtig es jetzt sei, dass auch wirklich eine kompetente Führung gefunden werde und das Museum konzeptionell gut starten könne.

    Immerhin ist jetzt das Jahr 2020 verbindlich. Dann soll das Naturkundemuseum in der Halle 7 eröffnen. Zeitlicher Druck war vor allem gegeben, weil die Planungen und Investitionen zur Unterbringung von LOFFT und LTT in derselben Halle jetzt beginnen müssen, damit beide 2017 in der Spinnerei loslegen können.

    Fürs Naturkundemuseum sind jetzt fünf Jahre Zeit, die Sache richtig zu machen. Annette Körner: „Meint die Verwaltung das Projekt ernst, bleibt sie auch bei kommenden Schwierigkeiten dabei und verdient sie wieder Vertrauen, dass wir einem zukunftsträchtigen Naturkundemuseum entgegen sehen können? Dies wird sich erst zeigen. Es ist unabdingbar in den langen noch vor uns stehenden 5 Jahren, in denen Detailplanung, Finanzsicherung und bauliche Umsetzung erfolgen muss, dass das Leipziger Naturkundemuseum weiter arbeitsfähig bleibt, d.h., vorhandene Exponate sichern kann, öffentlich wahrnehmbar bleibt sowie gemeinsam mit einer neuen Leitung an der neuen Konzeption arbeiten kann.“

    Verkäufe und Kosten

    Besonders warnten die Grünen davor, das alte Haus an der Lortzingstraße zu früh zu verscherbeln. Körner: „Vorschnelle Verkaufsbeschlüsse zum bisherigen Gebäude bringen das Museum aufgrund der noch fehlenden Planungssicherheiten an die Absturzkante, denn es gäbe keine Zukunft mehr in der Lortzingstraße nach 2020. Dies ist nicht nur unverantwortlich hinsichtlich des Museumserbes, seiner Geschichte und Exponate gegenüber, es ist auch liegenschaftspolitisch und stadtgestalterisch in dieser Zentrumslage zum heutigen Zeitpunkt nicht angeraten.“

    Die Grünen hatten schon vorher angedeutet, dass irgendwo im immer unübersichtlicheren Kosmos der Vorlagen zum Naturkundemuseum auch schon eine Zahl gehandelt wurde, in welcher Dimension man sich die Einrichtung des Museums in der Fabrikhalle in der Spinnerei vorstellt: 8 Millionen Euro. Die Grünen merkten zu der Zahl schon mal an: Das müsste der Mindestbetrag sein, der da fürs Museum eingesetzt wird.

    Wer nachrechnen wollte: Der jetzt beschlossene Umbau der Etagen für das Lofft und das Leipziger Tanztheater (LTT) schlägt mit 11 Millionen Euro zu Buche. Dazu kommen dann jährliche Betriebskosten von 129.000 Euro. Fürs Naturkundemuseum waren jetzt also schon mal 8 Millionen Euro in den Raum geworfen. Und ab 2020, wenn es eröffnet, steigen die Betriebskosten fürs ganze Haus auf 204.000 Euro.

    Aber das war ja noch immer keine belastbare Kalkulation. Irgendwo musste ja noch mehr stehen, wenn auch SPD-Stadträtin Katharina Schenk am Mikrophon so euphorisch wurde: „Für die Mehrheit meiner Fraktion kann ich nach der Lektüre der abermaligen Neufassung sowie mit dem steten Blick auf einige angedachte Änderungen ‚Ja‘ sagen. Ja zum zugänglich machen der vorhandenen Sammlungen, ja zum Bewahren der Geschichte und Zukunft des Museums und ja zur Chance, endlich wieder Ausstellungen für ein breites Publikum zeigen zu können. Die Neufassung zeigt uns das feste Bemühen der Verwaltung, ein gut erreichbares, modernes und trotzdem finanzierbares Museum zu schaffen. Dieser Dreiklang ist erstmals so greifbar.“

    Unwägbarkeiten der nächsten Jahre

    Dass auch die 8 Millionen Euro erst mal nur so über den Daumen gepeilt waren, das bestätigte uns nun die Linke-Stadträtin Skadi Jennicke. Es gab am Mittwoch tatsächlich noch eine neue Vorlage. Und da tauchte nicht mehr nur verschämt in einer Spalte des Deckblatts die durch nichts konkretisierte Zahl 8 Millionen auf. Sondern jetzt bezifferte das Dezernat Kultur die wahrscheinlichen Aufwendungen für das Naturkundemuseum erstmals detaillierter: „Bis zum 30. September 2017 wird der Planungs- und Finanzierungsbeschluss zur Umsetzung der Museumskonzeption dem Stadtrat vorgelegt. Hierfür werden im Haushalt 2017 TEU 400, in 2018 TEU 700, in 2019 4 Mio. EU und in 2020 5 Mio. EU. inkl. museale Ausstattung und Ausstellungseinrichtung sowie der Mittel für die Beseitigung der Schadstoffbelastung bereitgestellt.“

    Das Wörtchen Schadstoffbelastung taucht hier zum ersten Mal auf. Die Halle wurde ja jahrzehntelang mit schweren Maschinen belebt. Da wird eine Menge Öl in Fugen und Decken gelaufen sein. Und aus den 8 Millionen Euro (die freilich immer noch verschämt bei den finanziellen Auswirkungen stehen), werden schon mal 10,1 Millionen Euro. Und aus einem Antrag der SPD-Fraktion wurde der Passus übernommen: „Im neu zu erstellenden Nahverkehrsplan ist zu prüfen, ob die Baumwollspinnerei mit einer Direktverbindung an den Innenstadtring angebunden werden kann. Entsprechende Vorschläge sind zur Entscheidung dem Stadtrat vorzulegen.“

    Eine solche Direktanbindung kann es nur mit Straßenbahn geben. Und wenn die Verwaltung klug ist, nutzt sie diese Steilvorlage und legt auch noch einen zukunftsfähigen Bebauungsplan für das ganze Gebiet bis zur Saarländer Straße vor. Denn wenn hier mehr Menschen wohnen in einem dicht bebauten Gebiet, dann rechnet sich auch eine Straßenbahn zur Baumwollspinnerei. Und dann hat Bertram Schultze, Geschäftsführer der Baumwollspinnerei, einen Geniestreich getan, als er dem Kulturdezernat die Halle 7 als Domizil für das neue Theaterhaus anbot. Dann kommt hier Leben in die Bude.

    Aber das wurde am Mittwoch so noch nicht beschlossen.

    Die Rede von Katharina Schenk (SPD).

    Die Stellungnahme von Annette Körner (Grüne).

    Beschluss zum Naturkundemuseum.

    Die veraltete Neufassung des Beschlusses zum Naturkundemuseum.

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      1 KOMMENTAR

      1. Seit wann erkennt unsere Verwaltung die Chance zu einer wirklichen Innovation und ergreift diese auch noch?
        Hier wäre eine Überraschung wirklich sensationell!

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