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Neuer Bauherr zeigt im Stadtbüro die Fassadenentwürfe für das neue Haus am Leipziger Burgplatz

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    „Das ‚Burgplatzloch’ verschwindet“, freute sich Leipzigs Planungsdezernat und lud am Mittwoch, 10. Februar, zur Ausstellungseröffnung im Stadtbüro. Dort sind jetzt bis zum 4. März die Fassadenentwürfe für das neue Haus zu sehen, das hier bis 2018 entstehen soll. Und damit ist tatsächlich das Ende des berühmtesten Leipziger Baustellenloches absehbar.

    Wir schreiben mal lieber absehbar – man weiß ja nie, wie das Wetter spielt. Aber nachdem der Bauherr des Petersbogens hier vor 21 Jahren einfach mit Bauen aufgehört hat und den Leipzigern an einem zentralen Platz eine ewige Baugrube hinterließ, gelang es Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau im vergangenen Jahr – nach vielen, vielen gescheiterten Versuchen – einen neuen Investor für das Grundstück zu gewinnen.

    Und so meldete Leipzig zu Wochenbeginn: „Das Verfahren zur weiteren Bebauung des Burgplatzes ist abgeschlossen. In dem geplanten Gebäudekomplex sollen Einzelhandelseinrichtungen und ein gehobenes Hotel untergebracht werden. Mit der Generalplanung des Projektes wurde das Leipziger Büro des Düsseldorfer Architekturbüros HPP Hentrich–Petschnigg & Partner GmbH + Co. KG beauftragt. Für die Fassadengestaltung fand in Abstimmung mit der Stadt Leipzig ein Gutachterverfahren mit vier geladenen Architekturbüros statt. Zur Ausführung wurde der Entwurf des Berliner Büros Christoph Kohl │KK Architekten GmbH bestimmt. Der Architekturentwurf von Christoph Kohl │KK Architekten sowie die anderen Wettbewerbsbeiträge werden vom 10. Februar bis zum 4. März im Stadtbüro ausgestellt.“

    Eigentlich war die Bauplanung schon 1997 fertig. Da hatten HPP Architekten alles gleich durchgeplant. Die Passage im Petersbogen sollte durch die Rotunde, wo heute die Rolltreppen sind, schnurgerade zum Burgplatz durchgezogen werden, die Bebauung am Burgplatz und an der Markgrafenstraße ergänzt werden. Aber damals waren – wie jeder weiß – wilde Zeiten in Leipzig. Da machte mancher Bauherr Stopp, weil er nicht wusste, ob er das Haus am Ende vermietet bekommt.

    Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Leipzig wächst wieder. Und vor allem ist der Bedarf an Hotelplätzen enorm gestiegen. Und so hat sich jetzt eine Schweizer Investorengruppe, die hinter der Petersbogen Burgplatz GmbH steht, entschlossen, das Projekt komplett in die Hand zu nehmen und endlich zu Ende zu bauen.

    Platzansicht mit der Siegerfassade. Entwurf: Christoph Kohl │KK Architekten GmbH
    Platzansicht mit der Siegerfassade. Entwurf: Christoph Kohl │KK Architekten GmbH

    Aber da auch die Architekturpläne 21 Jahre alt waren, ließ sich der Investor von der Stadt breitschlagen, doch noch mal einen kleinen Fassadenwettbewerb mit vier eingeladenen Architekturbüros zu veranstalten. Diese Ergebnisse sind jetzt im Stadtbüro in der Katharinenstraße zu sehen. Auf den ersten Blick ähnelt sich Vieles, denn die Architekten mussten ja auf die schon durchgeplante Raumstruktur des Hauses Rücksicht nehmen, in der künftig 3.500 Quadratmeter vor allem für Gastronomie und evtl. kleineren Einzelhandel zur Verfügung stehen – sie nehmen das Erd- und das erste Geschoss ein, darüber sind dann vier Geschosse Hotel plus zwei weitere Hoteletagen im Dachgeschoss geplant. Mit möglichen Betreibern sei man im Gespräch, erklärt Volker Böhm als Vertreter des Bauherren. Es soll schon ein Hotel der gehobenen Kategorie (Vier Sterne) werden – an einem attraktiven Platz, wie Böhm betont. „Welches Hotel hat schon so einen Platz direkt vor der Tür?“

    Und andersherum freut sich die Stadt. Denn wenn das Burgplatzloch endlich überbaut wird, bekommt auch der Burgplatz wieder ein richtiges Platz-Flair. Da die Gastronomie direkt zum Platz hinausgeht, kann man sich schon das Freisitz-Gefühl für den Sommer 2019 vorstellen.

    Der Bauantrag wurde schon Ende 2015 gestellt. Mit der Baugenehmigung rechnet Sebastian Helm von HPP Architekten Leipzig, die auch wieder die Architekturleitung übernehmen, im zweiten Quartal, so dass die Baugrube im Sommer vorbereitet werden kann und im dritten Quartal die Bodenplatte gegossen werden kann. Für Mitte 2017 rechnet Helm mit einem fertigen Rohbau und einem zünftigen Richtfest. Die Eröffnung möchte Volker Böhm Ende 2018 feiern.

    Detail mit Sandsteinfiguren über dem Hoteleingang. Entwurf: Christoph Kohl │KK Architekten GmbH
    Detail mit Sandsteinfiguren über dem Hoteleingang. Entwurf: Christoph Kohl │KK Architekten GmbH

    Auch wenn der Berliner Sieger im Fassadenwettbewerb, Christoph Kohl, sich auch das Jahr 2019 vorstellen kann. Denn in ein paar Fassadendetails nimmt er Bezug auf die Leipziger Disputation von 1519 mit Luther und Eck im damaligen kurfürstlichen Schloss, das ungefähr da stand, wo heute das Neue Rathaus aufragt. Ein Platz mit Geschichte. Und das sprach auch die Schweizer Investoren an, bestätigt Böhm, denen der historische Bezug und die leicht historisierende Fassade besonders wichtig waren, weshalb das dann auch den Ausschlag gab für die Siegerkür.

    Manches erinnert zum Beispiel an die ebenfalls sehr klassischen Fassadenstrukturen des Opernhauses. Und die Idee, sechs Figuren an der Fassade unterzubringen, hat Kohl sich am Petershof in der Petersstraße geholt. Am Burgplatz sollen das dann freilich die wichtigsten Akteure der Leipziger Disputation werden – Luther, Melanchthon, Dr. Eck, der sächsische Landesherr … Und als Baustoff für die Fassade hat er sächsischen Sandstein vorgesehen – in diesem Fall nicht Pirnaer Sandstein wie an der Oper, sondern Cottaer Sandstein – aber auch Cotta liegt ja im Elbtal.

    Sein wichtigstes Motiv: „Am Ende sollen sich ja die Leipziger damit identifizieren.“

    HPP will bei der Gelegenheit auch die Raumstrukturen in der Passage gegenüber dem alten Entwurf verändern. Künftig soll die Passage in einer richtigen S-Kurve zum Burgplatz schwingen und dann genau mittig auf den Platz hinausführen. An diesen Zugang sollen die Fassadenfiguren ihren Platz finden. Und die Petersbogen Burgplatz GmbH will auch die Passage selbst und ihre Angebotsstruktur verändern. Ziel, so Böhme, sei ein durchaus vielfältigeres und hochwertiges Angebot, das dann auch zum Auftritt am Burgplatz passt. „Auf keinen Fall 1-Euro-Shops.“

    30 bis 40 Millionen, so schätzt Böhm, werden jetzt investiert werden müssen. 196 Zimmer werden in dem neuen Hotel entstehen. Mit möglichen Hotelbetreibern sei man im Gespräch. Und auch 45 neue Stellplätze entstehen in der Tiefgarage – ebenso anfahrbar wie die Parkplätze des Petersbogens.

    Böhms Empfehlung: „Gehen Sie noch mal hin und schauen sich das Loch an. Bald ist es nicht mehr da.“

    Zur Geschichte: Im März 1997 hatte der damalige Erbbaupachtnehmer für die Burgplatz-Tiefgarage auch die Baugenehmigung für das „Geschäftscenter Burgplatzpassage“ erhalten. Dieses Projekt kam allerdings über das Ausheben der Baugrube nie hinaus. Nur die Tiefgarage unter dem Burgplatz wurde fertiggestellt. Während der durch einen anderen Investor erfolgten Errichtung des Petersbogens 1998 bis 2001 diente die Baugrube als Baustelleneinrichtung, 2006 wurde sie im Zuge des City-Tunnel-Baus zur Bergung von Stahlankern unter der Petersstraße genutzt. Wiederholte spätere Initiativen des damaligen Eigentümers zur Bebauung führten leider nicht zum gewünschten Erfolg.

    Die Ausstellung der Architekturentwürfe ist im Stadtbüro bis zum 4. März zu sehen.

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    3 KOMMENTARE

    1. „Und so hat sich jetzt eine Schweizer Investorengruppe, die hinter der Petersbogen Burgplatz GmbH steht, entschlossen, das Projekt komplett in die Hand zu nehmen und endlich zu Ende zu bauen.“

      Dieser Satz ist es, der mich hoffen lässt und die dabei entstehende Enge passt ja in die allgemeine „Verdichtung der Stadt“ ;-(

    2. Grundsätzlich: Auf Bildern sehen die Gebäude immer größer aus, und die Menschen werden gerne etwas zu klein abgebildet.

      Das Bild (oder Fotomontage) ist trotzdem ein übler Fake:

      An den beiden Seiten werden es nie soviele Fenster werden können.

      Und noch was: So viel Platz vor der Mittelteil der Fassade wird auch nicht übrigbleiben. So Sachen wie Spiegelzelt oder kleinere Bühnenauftritte werden gar nicht mehr drin sein. Der freie Platz wird zu einer besseren Umfahrungskurve werden. Nicht nur das eigentlich Loch, sondern auch ein guter Teil der jetzt noch freien Fläche (innerhalb des Stonehenges^^) wird überbaut werden.

      Man lasse sich ja mal von den Architekten sagen, wieviele Meter zwischen diesem neuen Gebäude und dem Gebäude mit dem italienischen Café und dem Optiker noch bleiben werden. Weniger als 15 Meter: eng.

      Schade, dass die Markgrafenstraße auch zukünftig unterbrochen bleiben wird. :-/ Im Frühjahr 1997 konnte man sie noch komplett durchlaufen…

    3. Und noch ein Hotel …, ist sicherlich recht einfallslos – aber – alles scheint mir besser zu sein, als dieses Loch.

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