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Leipzigs Verwaltung kann Pläne für künftige Verwaltungsstandorte erst im Juni 2017 vorlegen

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    So ganz daneben lag die SPD-Fraktion im März nicht, als sie ihren Antrag stellte, die Stadtverwaltung solle das Gelände am Wilhelm-Leuschner-Platz prüfen für einen möglichen neuen Standort eines neuen Technischen Rathauses. Nicht nur die Stadtbevölkerung wächst, auch die Verwaltungsaufgaben wachsen. Und ein Großteil der Verwaltung ist derzeit nur in diversen Objekten im Stadtgebiet verstreut eingemietet.

    Das Gelände am Rossmarkt (es handelt sich eindeutig nicht mehr um den Wilhelm-Leuschner-Platz) gehört der Stadt. Sie könnte hier also Nägel mit Köpfen machen. Wenn sie denn nur wollte. Denn so halb befürworten jetzt das Baudezernat und das Verwaltungsdezernat den Vorstoß der SPD-Fraktion. Aber vor allem, weil es kein direkter Bauantrag für die Brache am Rossplatz ist, sondern weil die SPD eigentlich dasselbe beantragt, was dann im April auch die CDU-Fraktion beantragt hat und was die Stadtverwaltung sowieso tun muss: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, eine Bestandsaufnahme der dezentralen Verwaltungsliegenschaften vorzunehmen und Optionen für ein modernes gemeinsames Verwaltungs- und Bürgerzentrum von Stadtverwaltung und kommunalen Unternehmen – Neues Stadthaus – auf dem Areal Wilhelm-Leuschner-Platz zu prüfen. Über das Prüfergebnis soll der Stadtrat bis zum 30.09.2016 informiert werden.“

    Mit dem 30. September werde es aber nichts werden, teilt die Verwaltung jetzt mit, frühestens Mitte 2017 könne man dem Stadtrat ein Prüfergebnis vorlegen. Denn die Sache sei – unglaublich kompliziert.

    Das Problem ist, dass für mehrere von der Stadt genutzte Immobilien die Mietverträge auslaufen. Aber nicht alle zur selben Zeit. Beim Amt für Jugend, Familie und Bildung läuft der Mietvertrag per 31.12.2019 aus. „Hier ist ein Ersatzobjekt erforderlich. Hier passt der zeitliche Rahmen nicht, da eine Fertigstellung des Wilhelm-Leuschner-Platzes bis 2020 unrealistisch ist.“

    Dasselbe gilt für das Sozialamt, von dem wesentliche Teile im einstigen Stasi-Bau an der Großen Fleischergasse untergebracht sind. Das ist übrigens das zweite große Filetstück, das die Stadt noch im Innenstadtbereich besitzt. Aber Anträge der Grünen, hier zum Beispiel eine Schule zu bauen, wurden einfach abgelehnt.

    Jetzt wird sichtbar, warum: Die Stadtverwaltung prüft tatsächlich, an Stelle des alten Stasi-Baus aus den 1980er Jahren für geschätzte 56 Millionen Euro einen Neubau hinzusetzen und den Standort dauerhaft als Verwaltungsstandort zu betreiben. Warum das ausgerechnet auf dem Matthäikirchhof sein muss, wo man die ganze Zeit von einem künftig attraktiveren Standort redet, erschließt sich nicht wirklich. Das alte Gebäude jedenfalls wird auch von den städtischen Planern als marode eingeschätzt.

    Einen Neubau am Rossmarkt kalkulieren die städtischen Planer in einem ersten Zwischenstand der Untersuchung schon mal mit 84 Millionen Euro, obwohl man dort – anders als im SPD-Vorschlag – nur mit 19.500 Quadratmetern Nutzfläche kalkuliert hat, was nicht mal die Hälfte der im Technischen Rathaus angemieteten 40.000 Quadratmeter wäre. Die SPD hatte eine deutliche Erhöhung der Geschosszahl vorgeschlagen, so, wie sie auch die LWB-Gebäude aus den 1950er Jahren auf der anderen Seite des Rossplatzes haben. Denn wenn man nicht wirklich einen großen Wurf hinlegt, der den Großteil der städtischen Büroprobleme löst, macht so das Projekt ja keinen Sinn.

    Die Stellungnahme der beiden Dezernate geht jetzt von etwas mehr Platz aus, der dort geschaffen werden könnte: „Der Wilhelm-Leuschner-Platz ist für eine Nutzung zur Verwaltungsunterbringung grundsätzlich geeignet. Dies wird bei der weiteren Bearbeitung des Bebauungsplanes berücksichtigt und weiter untersucht. Vorzugsweise eignet sich dafür das Baufeld im nordöstlichen Bereich des Wilhelm-Leuschner-Platzes. Nach derzeitigem Planungsstand kann eine Bürofläche von ca. 43.000 m² NGF auf dem Areal des Wilhelm-Leuschner-Platzes geschaffen werden, somit könnten ca. 1.400 Büroarbeitsplätze eingerichtet werden.“

    Der Mietvertrag im Technischen Rathaus in der Prager Straße läuft bis 2029. Da hätte man genug Zeit zum Planen und Bauen. Für Jugendamt und Sozialamt suchen die Leipziger Verwalter aber schon jetzt nach neuen Standorten. In den Fokus sind dabei auch wieder Liegenschaften auf der Alten Messe geraten. So kann man sich auf dem Areal der Messehalle 12 einen Bau für 48 Millionen Euro vorstellen und auf dem der Messehalle 7 einen für 132 Millionen Euro, der dann aber mit 50.000 Quadratmeter Fläche tatsächlich mal ein „großer Wurf“ wäre, der einen Großteil der Verwaltungsnot lindern würde. Einziger Nachteil: Der Standort ist genauso wenig zentral wie der des jetzigen Technischen Rathauses an der Prager Straße.

    Die Baukosten sind alle nur Schätzungen, zeigen aber die Dimension dessen, was jetzt investiert werden muss, um die Unterbringungsprobleme der Stadtverwaltung langfristig zu lösen.

    Ein Kurzüberblick über die aktuellen Prüfungen:

    „Alternativ zum Wilhelm-Leuschner-Platz wird im Rahmen des Konzeptes auch das Eigentumsobjekt Große Fleischergasse 12 einer eingehenden Prüfung unterzogen, welches sich bezüglich seiner Lage ebenfalls grundsätzlich als Standort für ein Neues Stadthaus eignen würde. Hinsichtlich des maroden Zustandes ist jedoch im Rahmen einer Standortanalyse/Wirtschaftlichkeitsbetrachtung die Entscheidung der Stadtverwaltung zum Verbleib der Immobilie im Bestand der Stadt Leipzig herbeizuführen.

    Als alternative Standortmöglichkeit für eine zukünftige konzentrierte Vewaltungsunterbringung bietet sich auch das Gelände der „Alten Messe“ an. Derzeit laufen erste Projektstudien zu der Unterbringung des AfJFB in der Messehalle 12. Weiteres Flächenpotential ist vorhanden.

    Im Rahmen eines nachhaltigen Nutzungskonzeptes werden auch die vorhandenen dezentralen Standorte, wie beispielsweise die ehemaligen Stadtteil-Rathäuser (Eigentumsobjekte) in die eingehende Prüfung bzw. Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einbezogen.“

    Geprüft wird sogar die alte Zentrale der LWB in der Prager Straße, aus der die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft ja bekanntlich ausgezogen ist, weil ein eigener Neubau auf Dauer preiswerter ist. Was ja dann die Stadtratsfraktionen erst dazu animierte, die Stadt zu beauftragen, eigene Verwaltungsneubauten zu prüfen.

    Auch vor dem Hintergrund, dass die Stadtverwaltung ebenfalls wachsen wird. Von 1,8 Prozent Personalzuwachs geht Leipzigs Verwaltungsdezernat aus – entsprechend der Bevölkerungsentwicklung.

    Aber wie der Personalplan aussehen wird und welche Flächen man wirklich benötigen wird, weiß man noch nicht.

    „Als Datengrundlage für gesicherte Annahmen zur Flächenprognose-/Flächenbedarf sind im Vorfeld Entscheidungen zum Stellenplan und zur Arbeitsorganisation und zu Arbeitsformen zu treffen“, betont die Verwaltung deshalb. „Parallel befindet sich der Bebauungsplan zum Wilhelm-Leuschner-Platz in der Bearbeitung. Das Konzept zur Verwaltungsunterbringung, mit Berücksichtigung des Standortes Wilhelm-Leuschner-Platz, kann daher frühestens ab 06/2017 vorgelegt werden.“

    Der CDU-Antrag zur Verwaltungsunterbringung.

    Der SPD-Antrag zum Verwaltungszentrum am Wilhelm-Leuschner-Platz.

    Der Verwaltungsstandpunkt zum SPD-Antrag.

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