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Rabensteinplatz lädt wieder ein, nur der Frosch ist noch nicht wieder da

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    Der Rabensteinplatz ist fertig. Der Froschbrunnen fehlt noch. Still und bescheiden steht er in der Ecke. Die Wiese ist gemäht, die Blumenrabatte neu gepflanzt. Auf jeden Fall hat der ein paar Jahre vernachlässigte Rabensteinplatz an der Dresdner Straße jetzt wieder Aufenthaltsqualität. Am Mittwoch, 12. Juli, wurde er offiziell wieder freigegeben. Dabei musste erst einmal wieder an ihn erinnert werden.

    „Mit rund 200.000 Euro aus dem Fonds ‚Städtebaulicher Denkmalschutz – Leipzig Innenstadt‘ konnte ein ganz besonderer, durch seine wechselvolle Geschichte geprägter Platz in der gärtnerischen Gestaltung der 1950er Jahre wiedererstehen“, erklärte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal zur Platzeröffnung. „Insgesamt belaufen sich die Planungs- und Baukosten für das Kulturdenkmal auf rund 250.000 Euro.“

    Und Rüdiger Dittmar, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer: „Im Hinblick auf eine verlängerte Blütezeit wurden einige sehr zeitig und spät blühende Sträucher eingebracht. Durch immergrüne Sträucher und Bodendecker sollen besonders die Sitzbereiche besser gegen den Verkehrsraum abgeschirmt und die Aufenthaltsqualität erhöht werden. Als typisches Gestaltungselement der 1950er Jahre wurde am Froschbrunnen wieder eine Staudenpflanzung mit robusten und langblühenden Arten angelegt. Der Blütenschmuck von Krokus und Blaustern im Rasen sowie von Winterling und Schneeglöckchen an den Gehölzrändern um die Sitzbereiche unterstreicht zukünftig den Frühjahrsaspekt.“

    2016 war die Sanierung des Rabensteinplatzes am Grassimuseum begonnen worden. Vorher hatte ein engagierter Leipziger immer wieder auf das vergessene Plätzchen aufmerksam gemacht: Dr. Manfred Wurlitzer. 2013 erst mit seinem Büchlein „Der Rabensteinplatz und seine Umgebung. Gegenwart und Geschichte“.

    2015 dann etwas hartnäckiger mit einer Stadtratsanfrage: „Ist in der Zielstellung vorgesehen, den Platz in der Weise aufzuwerten, dass der Besucher die kulturell/historische Bedeutung des Platzes erkennen kann und dass der Ort zugleich eine allgemein anerkannte Attraktivität wieder erhält, wie sie viele Jahre vor dem 2. Weltkrieg bestand?“

    Im Einzelnen ging er dann auch auf die Details des fast vergessenen Schmuckplatzes ein: „Der unweit der Innenstadt gelegene Rabensteinplatz ist ein Ort der die Geschichte der Stadt Leipzig widerspiegelt. Über Jahrhunderte war er Richtstätte und wurde im 19. Jahrhundert als einer der ersten Plätze von Leipzig zu einer Perle der gärtnerischen Gestaltung und Nutzung als Kinderspielplatz gestaltet. Besucher und Anwohner schätzten insbesondere den Froschbrunnen, der während des Krieges (1943) die bronzene Figurengruppe verlor, ein Werk des Leipziger Bildhauers Werner Stein. Der derzeitige Zustand ist der Bedeutung des Platzes und als Aufenthaltsort für Bürger (ausgewiesen als Hundewiese) nicht angemessen, denn in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen zurzeit neue Wohnstätten.“

    Für den Froschbrunnen gibt es noch keine Lösung.

    Dafür bietet der Platz jetzt zumindest wieder den Eindruck eines städtischen Schmuckplatzes.

    Noch eingehaust: der Froschbrunnen - ohne Frosch und spielende Kinder. Foto: Ralf Julke
    Noch eingehaust: der Froschbrunnen – ohne Frosch und spielende Kinder. Foto: Ralf Julke

    Umgesetzt wurde die Grundidee einer freundlichen hellen Bepflanzung, betont das maßgebliche Umweltdezernat. Dazu gehören 23 neue Bäume wie Robinien, Zieräpfel, Feld- und Feuerahorne, ein ehemals vorhandener Zürgelbaum sowie die für die Gestaltung der 1950er Jahre typischen mehrstämmigen Birken. Weiterhin wurden die Gehölzgruppen durch zahlreiche Sträucher verdichtet. Orientiert wurde sich vor allem an auf dem Platz bereits vorkommenden historischen Arten wie Flieder, Pfeifenstrauch, Heckenkirsche und Felsmispel.

    Eine Gestaltung, die an die Schmuckplatzgestaltung des 19. Jahrhunderts anknüpft.

    Da vergisst man beinah, dass der Platz mal eine Richtstätte war.

    Die Geschichte des Platzes reicht bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück. Im Jahre 1423 erwarb die Stadt Leipzig die selbständige Gerichtsbarkeit. Damit konnte das Stadtgericht auch Todesurteile fällen. Für das „Rädern“ und die Hinrichtung mit dem Schwert wurde damals an dieser Stelle ein erhöhtes Steinpodest geschaffen. Da sich dort infolge der Geschehnisse oft zahlreiche Raben aufhielten, sprach man vom Rabensteinplatz. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlor die Zurschaustellung der Todesstrafe an Bedeutung. 1822 wurde der Rabenstein abgebrochen und der Platz lag viele Jahre brach. Wegen der grausigen Erinnerung mieden die Bürger die unmittelbare Umgebung der einstigen Richtstätte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt der Rabensteinplatz jedoch als einer der ersten Plätze außerhalb der Leipziger Promenaden eine gartenkünstlerische Gestaltung.

    Der Zweite Weltkrieg verursachte in den städtischen Grünanlagen große Zerstörungen und Verluste von Ausstattungselementen, so auch auf dem Rabensteinplatz. Durch den Bau eines Luftschutzbunkers und einer unterirdischen Zisterne verlor die Platzanlage ihre Alleen, Strauchpflanzungen und das Wegesystem im Inneren. 1945, nach Sprengung der Bunkeranlage, lag der Platz wieder brach. Die Anwohner nutzten die frei gewordenen Flächen in dieser Notzeit zunächst als Grabeland für Gemüseanbau. Bereits 1953 wurde der Rabensteinplatz in der für die damalige Zeit typischen Formensprache gestaltet. In den letzten Jahrzehnten fast in Vergessenheit geraten, rückte er 2013 auch durch eine Publikation von Dr. Manfred Wurlitzer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

    Jetzt braucht es nur noch eine Wiederauferstehung für den Froschbrunnen.

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