Vorplanung für den Ersatzneubau der Georg-Schwarz-Brücken

Linke beantragt eine echte Bürgerinformation zum riesigen Brückenprojekt

Für alle LeserLeipzigs Verwaltung möchte den Neubau der Georg-Schwarz-Brücken gern durchziehen – und zwar in der „Vorzugsvariante“, die in ihrem Zuschnitt an die Autobahndimensionen der 1990er Jahre erinnert. Möglichst ohne Bürgereinspruch, obwohl der Stadtbezirksbeirat Altwest schon eine richtige Bürgerbeteiligung gefordert hat. Dazu bekommt er jetzt Unterstützung durch die Linksfraktion.

Die hat jetzt einen eigenen Änderungsantrag zur Vorlage der Stadtverwaltung eingebracht, der, wenn er angenommen wird, tatsächlich das ermöglicht, was die Verwaltung in der Vorbereitung dieser Brückenplanung einfach unterlassen hat. Die vorgelegten Pläne erinnern in ihrer Dimensionierung an die Pläne zum Mittleren Ring West mit einem vierspurigen Straßenausbau von Wahren über die Gustav-Esche-Straße, die Straße am Ritterschlösschen und die Ludwig-Hupfeld-Straße aus den 1990er Jahren.

Nur für einen derart opulenten Straßenausbau macht die neue Dimension der Brücke Sinn, die wahrscheinlich keine neue ist, sondern eine aus der Schublade, geplant vor 20 Jahren, als Bürgerbeteiligung in der Leipziger Verkehrspolitik noch kein Thema war und man Straßenprojekte aus der Königsperspektive anging .

Dass das Projekt jetzt unverändert vorgelegt wurde und auch eine Neuvorlage drängt, die städtischen Pläne unbedingt unverändert zu beschließen, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Zeit drängt: Die Sperrung der Brücken, die bei der Überfahrt von Bussen und Lkw regelrecht beben, ist nur noch eine Frage weniger Jahre. Die Stadt muss handeln. Und sie hat es die vergangenen Jahre einfach nicht geschafft, die alten Planungen zu überarbeiten und den heutigen Bedingungen anzupassen. Man muss Fördergelder beantragen und möglichst bald nach Fertigstellung der Georg-Schwarz-Straße einen Bautermin finden.

Dumm nur, dass die Riesenbrücke auch richtig teuer wird: 50 Millionen Euro werden geschätzt. Das ist fast das komplette Straßenbaubudget für zwei Jahre.

Da sind nicht nur die Umweltvereine entsetzt. Denn wenn man das Projekt so beschließt, bekommt man nicht nur eine raumverschlingende Brücke, man gibt auch Geld dafür aus, das an anderer Stelle dringend gebraucht wird.

Und ohne Bürgerbeteiligung kann man so ein Projekt, das immerhin zwei wichtige Leipziger Ortsteile miteinander verbindet und eine wichtige Straßenbahnverbindung trägt, eigentlich nicht beschließen. Findet auch die Linksfraktion und beantragt als vierten Punkt im Beschluss:

„4. Es wird eine weitere Bürgerinformationsveranstaltung zum Bauvorhaben durchgeführt.“

Und in einem fünften Beschlusspunkt will man das verankern, was augenscheinlich in den bisherigen Planungen unter den Tisch fiel:

„5. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werden folgende Fragen mit abgewogen bzw. festgestellt:

– Ist der vierspurige Ausbau ausschließlich aufgrund der Verkehrssituation notwendig oder sind weniger Spuren möglich?

– Wie ist eine Optimierung der Umsteigebeziehungen des ÖPNV, Verkürzung der Wege und Zeiten von Straßenbahn zu Bus und Bahn und umgekehrt (z. B. durch die Einrichtung einer Überquerung am östlichen Ende der Straßenbahnhaltestelle) möglich?

– Der Planfeststellungsbeschluss muss einen späteren durchgehenden vierspurigen Ausbau der Gustav-Esche Straße ausschließen.

– Der Bau muss die Erhöhung der Frequenzen bei der Buslinie 80 und der S-Bahn ermöglichen.

– Die Anbindung des Busses 69 an den Umsteigepunkt auf der Brücke sollte ermöglicht werden.

– Es sollte eine Verbindung der Linien 67 in Leutzsch und 69 in Böhlitz-Ehrenberg im Bereich der Brücke ermöglicht werden.

– Zur Anbindung der S-Bahnanlage an das Wohngebiet Leutzsch, auch in stadteinwärtige Richtung, sollte eine Fußgängerbrücke errichtet werden.

– Ist ein separater Gleiskörper wirklich notwendig, um die Leistungsfähigkeit des Knotens zu gewährleisten?“

Vielleicht muss die Brücke dann trotzdem so groß gebaut werden. Kann sein. Aber nach all den Großprojekten der 1990er Jahre, als die Stadtplaner nicht mal auf den Gedanken kamen, sie den Anwohnern zu erklären, hat sich zumindest im Verständnis der Leipziger etwas geändert. Sie nehmen nicht mehr jede Großprojektidee einfach schweigend hin, sondern erwarten von den Leuten, die ihr Geld ausgeben und ihre direkte Umgebung verändern, dass sie erklären, was sie da tun und warum.

Und zwar zuallererst denen, die es direkt betrifft.

Da dürfte auch die Linksfraktion das Gefühl haben, dass man in Leipzig schon mal weiter war.

Stadtbezirksbeirat Alt-West fordert eine umfassende Bürgerbeteiligung zum Neubau der Georg-Schwarz-Brücken

BürgerbeteiligungGroßprojekteGeorg-Schwarz-Brücke
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
Ein Kommentar

Kommentar schreiben



Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Operette trifft Musical: Publikumserfolg für Kalmans „Herzogin von Chicago“
Die Herzogin von Chicago. Foto: Kirsten Nijhof

Foto: Kirsten Nijhof

Für alle LeserFällt der Name Emmerich Kálmán, ist meist von der „Csárdásfürstin“ die Rede. „Die Herzogin von Chigaco“ findet sich dagegen nur selten auf den Spielplänen der Operettenbühnen wieder. In Leipzig verpassten Regisseur Ulrich Wiggers und Kapellmeister Tobias Engeli dem angestaubten Werk eine Frischzellenkur und feierten mit ihrem erfrischenden Konzept einen Publikumserfolg.
Erst einmal 400.000 Euro für geförderte Wohnungen für Familien in Leipzig
Die Baukräne drehen sich auch in Leipzig bislang nur fürs teure Wohnsegment. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs war schon im Mai, als die Leipziger Linksfraktion ein kommunales Wohnungsbauprogramm für den Geschosswohnungsbau beantragte. Der Grund dahinter war die Tatsache, dass gerade Familien in Leipzig immer schwerer noch bezahlbare größere Wohnungen finden. Gebaut wird fast nur noch im Luxussegment. Die Stadt sieht durchaus ein, dass da jetzt was passieren muss – und legt einen Alternativvorschlag vor.
Bis Jahresende kann die Stadt doch einen Vorschlag für einen separaten Radweg am Völkerschlachtdenkmal vorlegen
Geh-/Radweg am Völkerschlachtdenkmal. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVielleicht wird die Schnecke ja tatsächlich noch Leipzigs Wappentier. Das mit dem Löwen passt irgendwie ja nicht. Immer öfter bekommen Stadträte und Stadträtinnen von der Verwaltung auf ihre Anträge die Antwort, man wünsche sich doch lieber einen Prüfbeschluss, dann könne man in aller Ruhe prüfen, ob das Anliegen auch umsetzbar sei. Zum Beispiel an der Prager Straße eine ordentliche Radwegeführung hinzubekommen.
NuKLA-Antwort „zerpflückt“ die LVZ-Meldung zum „Offenen Brief“, der die NuKLA-Thesen „zerpflückt“
Pilzberg in zugewachsener Waldlichtung. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWar das wirklich ein Offener Brief, von dem die LVZ am Samstag, 20. Oktober, so vollmundig berichtete, elf Wissenschaftler von UFZ und Uni Leipzig würden darin die Argumente des NuKLA e.V. gegen den vom Leipziger Ordnungsdezernat vorgelegten Forstwirtschaftsplan auseinandernehmen? Den Brief hat die LVZ nicht veröffentlicht. Er ging wohl an die Ratsfraktionen. Und da wird es heikel. Da geben Wissenschaftler ihre Neutralität auf und werden Lobby.
Leipzigs Grüne wollen heute ein Moratorium für das umstrittene WTNK beschließen
Das - noch unverdichtete - Baufeld des Harthkanals. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur über den Forstwirtschaftsplan, den der Stadtrat am 24. Oktober beschließen soll, diskutieren die Grünen in ihrer Mitgliederversammlung am heutigen Montag, 22. Oktober. Auch ein zweites unausgegorenes Thema der Leipziger Politik steht zur Debatte. Der Arbeitskreis Umwelt der Grünen beantragt ein sofortiges Moratorium für das „Wassertouristische Nutzungskonzept“ (WTNK).
In „Nachtflug“ lassen Sofie Cramer und Kati Naumann über den Wolken zwei Welten aufeinanderprallen
Sofie Cramer, Kati Naumann: Nachtflug. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm morgigen 23. Oktober erscheint das Buch ganz offiziell: der mittlerweile fünfte Roman der Leipziger Autorin Kati Naumann und der erste, den sie in echtem Teamwork mit der niedersächsischen Autorin Sofie Cramer geschrieben hat. Und ohne ihre Agentin wären die beiden niemals zusammengekommen. Und hätten auch niemals diese verrückte Buchidee verwirklicht. Die eigentlich noch viel verrückter ist als die herrliche „Nachtflug“-Geschichte von Antoine de Saint-Exupéry.
Mutmaßungen über das Gespräch zweier Herren in Uniform
Zwei etwas schwergewichtige Männer in Uniform ... Grafik: L-IZ

Grafik: L-IZ

LeserclubUnd das war erst der Auftakt für die Verwicklungen, die das kleine Städtchen L. bald noch viel tiefer in Verwirrung stürzen sollten. Denn wie man mit Enthüllungen umgeht in der schmuck gewordenen westlichen Welt, das hatten alle, die auch nur ein bisschen Teil haben konnten an diesem hübschen Aufputschmittel Macht, längst gelernt.
SC DHfK Leipzig vs. Flensburg-Handewitt 20:21 – Der Sensation so nah
Meister und Tabellenführer Flensburg kann die kampfstarken Leipziger nur mit Mühe stoppen. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserMit einem begeisternden Auftritt gegen den amtierenden Deutschen Meister und aktuell verlustpunktfreien Tabellenführer aus Flensburg haben sich die Handballer des SC DHfK in die Herzen der Leipziger Handballfans (zurück-)gespielt. Punkte allerdings konnten die Grün-Weißen am Sonntagnachmittag wieder nicht verbuchen und verbleiben mit bisher drei Zählern auf dem drittletzten Tabellenrang.
FC Augsburg vs. RB Leipzig 0:0 – Viele Fouls, wenige Chancen
Ein umkämpftes Spiel endete 0:0. Foto: GEPA Pictures

Foto: GEPA Pictures

Für alle LeserDie Siegesserie der Rasenballer setzt sich nach der Länderspielpause vorerst nicht fort. Beim FC Augsburg, der zuletzt gegen Bayern und Dortmund für Aufsehen gesorgt hatte, reichte es lediglich zu einem 0:0. Mehr als 40 Fouls prägten die Partie – für Torchancen blieb da nur wenig Raum. In der Nachspielzeit hatte Orban dennoch die große Gelegenheit, das späte Siegtor zu erzielen, scheiterte jedoch knapp.
Pegida am 21.10.: Sie sind immer noch da + Videos & Bildergalerien
Rund 13.000 kamen am 21. 10. 2018 zum Gegenprotest unter dem Motto "Herz statt Hetze" und "Dresden. Respekt". Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserVideoPegida feiert Geburtstag. Bereits zum vierten Mal werden an diesem Sonntag, den 21. Oktober, voraussichtlich tausende Anhänger mit den bekannten Rufen gegen Migranten, Journalisten und Politiker hetzen. Mehrere bürgerliche und antifaschistische Bündnisse, auch aus Leipzig, wollen lautstark dagegen protestieren. Die L-IZ wird live aus Dresden berichten.
Auch die CDU-Fraktion wünscht sich bürgerfreundliche Lösungen für die Abfallentsorgung
Abfallsammelfahrzeug bei der Arbeit. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicole Bärwald-Wohlfarth aus der SPD-Fraktion bekommt Unterstützung: Auch die CDU-Fraktion bringt jetzt einen Antrag ein, der die Verschlechterung der Abfallentsorgung für Bewohner schmaler Straßen verhindern soll. Denn im Rahmen der beabsichtigten Änderung der Abfallwirtschaftssatzung soll sich ja die Nutzerfreundlichkeit der Abfallentsorgung in schmalen Straßen in Leipzig deutlich verschlechtern.
Kann man im Elsterbecken nicht einen richtigen Flusslauf mit Mäandern schaffen?
Bagger 2012 im Elsterbecken. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMit dem Vorstoß zu möglichen Bauflächen am Sportforum hat die Grünen-Fraktion auch das Thema Alte Elster wieder auf den Tisch gebracht. Das dann umgehend die CDU-Fraktion aufgriff: Wenn die Alte Elster wieder geöffnet wird, ist kein Platz mehr für große Bebauung. Und nun springt ihrerseits die Linksfraktion an auf das Thema: Wollte Leipzig nicht auch das Elsterbecken mal ganz anders gestalten? Der Antrag geht jetzt ins Verfahren.
Der Leipziger Forstwirtschaftsplan ist in dieser Form nicht beschlussfähig
Femelloch im Waldgebiet Nonne. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWährend irgendwelche Wissenschaftler von UFZ und Uni Leipzig an irgendwen irgendwelche Offenen Briefe schicken, haben sich andere tatsächlich mit dem vom Leipziger Ordnungsdezernat vorgelegten Forstwirtschaftsplan der Stadt Leipzig beschäftigt – und können detailliert auflisten, was daran alles nicht stimmt. Das wird jetzt zumindest auf der Mitgliederversammlung der Leipziger Grünen am Montag, 22. Oktober, Thema. „Der Forstwirtschaftsplan ist nicht beschlussfähig.“
Nachtaktion soll aufmerksam machen auf den Verschleiß des wichtigen Pflegepersonals in unseren Krankenhäusern
Herzzentrum Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn Deutschland läuft etwas gewaltig schief. Branche um Branche wurde in den vergangenen Jahrzehnten zusammengespart. Das Personal wurde ausgedünnt, die Gehälter wurden gedrosselt. Und das Ergebnis sehen nicht nur Polizisten, die ihre Arbeit nicht mehr schaffen, oder Lehrer, denen die Kollegen fehlen. Noch krasser ist es im Gesundheitswesen, wo das „Kostendämpfen“ sich in Berge von Überstunden beim Pflegepersonal verwandelt hat. Ein Thema, auf das ver.di in der Nacht vom 22. zum 23. Oktober aufmerksam macht.
Ein grünes Heft würdigt den Leipziger Dichter Peter Gosse zu seinem 80. Geburtstag
Poesiealbum neu: Peter Gosse zum Achtzigsten. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist die erste „besondere Edition“, die die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik hier als „Poesiealbum neu“ herausgebracht hat. Und auch die Normalausgabe ist limitiert. Also etwas für echte Liebhaber von Lyrik und Verehrer von Lyrikern, die für ganze Dichtergenerationen prägend wurden. Und so eine Rolle spielt der Leipziger Peter Gosse, der jüngst seinen 80. Geburtstag feiert.