Im November wandte sich der Seniorenbeirat besorgt an Stadtrat und Verwaltung. Viele interessierte ältere Leipziger nutzen gern auch die Gelegenheit, den Alten Johannisfriedhof hinter dem Grassi-Museum zu besuchen. Aber was sie dort sehen, hat sie aufs Höchste alarmiert. Der bis 1995 sanierte Friedhof scheint wieder ungebremst dem Verfall preisgegeben. Auch Vandalen verschonen ihn nicht. Die Stadt sollte also baldigst ein Sanierungskonzept auflegen.

„Der Alte Johannisfriedhof ist stadtgeschichtlich von höchster Bedeutung. Hier ruhen viele bekannte Persönlichkeiten der Leipziger Geschichte. Auch überregional findet der Friedhof Beachtung. Touristen aus dem In- und Ausland besuchen den Friedhof. Sowohl gärtnerisch als auch aus denkmalhistorischer Sicht ist der Friedhof in einem äußerst schlechten Zustand. Es findet ein ständiger Verfall statt. Um diesen abzuwenden, ist dringend eine Restaurierung erforderlich.

Zudem sind die Abteilungswände durchnässt, wodurch die wertvollen Epitaphien gefährdet sind. Es gibt des Öfteren Vandalismus und Zerstörung von historischen Grabplatten. Auch gibt es keine Tafeln in der näheren Umgebung, die auf den Friedhof hinweisen“, hatte der Seniorenbeirat geschrieben und beantragt: „Dieser Zustand soll beendet werden, damit dieser wertvolle Schatz Leipziger Geschichte erhalten bleibt. Eine erste Spende für diesen Zweck (fünfstellig) an die Stadt Leipzig erfolgte bereits.“

Genau so wie die älteren Spaziergänger sieht es auch das Umweltdezernat. Und noch bevor der Antrag aus dem Seniorenbeirat kam, hatte man sogar schon ein Sanierungskonzept entwickelt. Das schlummerte hübsch in der Schublade, denn man hatte kein Geld dafür in den Haushalt eingestellt.

Aber im Herzen ist man ganz bei den älteren Leipzigern, die sich um das historische Kleinod sorgen.

„Der Alte Johannisfriedhof spiegelt als älteste erhaltene kommunale Begräbnisstätte die Leipziger Stadtgeschichte auf besonders anschauliche Weise wider“, schreibt das Umweltdezernat in seiner zustimmenden Stellungnahme. Schon 2015 habe man ein „Projekt für die grundhafte Sanierung der Freiflächen“ erstellt. Das will man jetzt endlich in den Jahren 2019 bis 2020 beginnen umzusetzen.

„Das Kulturdenkmal wurde 1995 als museale Parkanlage nach über 10-jähriger Sanierung und nach Einsatz von finanziellen Mitteln in Höhe von rund 3,5 Mio. DM der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht“, betont das Umweltdezernat. Aber bekanntlich wurde dann zum Jahrtausendwechsel das Geld knapp.

„Seit dem Jahr 1999 stehen nur eingeschränkt finanzielle Mittel für die Erhaltung der Grabmale und der Grabanlagen auf dem Alten Johannisfriedhof zur Verfügung. Durch den Eigenbetrieb Stadtreinigung sind lediglich die Rasenmahd und die Laubberäumung abgesichert. Die Verkehrssicherheit des Baumbestandes wird gewährleistet.“

Wenn jetzt der Doppelhaushalt 2019/2020 vom Stadtrat abgenickt werden sollte, könnten die Sanierungsarbeiten auf dem Alten Johannisfriedhhof also noch in diesem Jahr beginnen.

„Nachdem in den letzten Jahren auf den zunächst aufwendiger gestalteten Grünflächen nur die oben beschriebene Standardpflege durchgeführt werden konnte, wurde im Auftrag des Amtes für Stadtgrün und Gewässer im Jahr 2015 ein Projekt zur Sanierung der Freiflächen der drei Friedhofsabteilungen erarbeitet.

Zielsetzung des Projektes ist die deutliche Verbesserung des Erscheinungsbildes des Parkfriedhofes unter dem Aspekt einer Reduzierung des Pflegeaufwandes. Im Ergebnis sieht das Projekt eine Erhöhung des Anteils der Rasenflächen vor sowie eine Akzentuierung der Grabmale von herausragender Bedeutung. Mit der Umsetzung des Projektes wird in den Jahren 2019 und 2020 begonnen“, teilt das Umweltdezernat mit.

Und es gibt noch mehr überfällige Reparaturen.

„Darüber hinaus ist der bauliche Zustand einiger Abteilungswände mit den daran befindlichen wertvollen Epitaphien und der Baumgärtnerschen Gruft, des letzten erhaltenen Grufthauses, als mangelhaft einzuschätzen. Sicherungsmaßnahmen werden dringend notwendig“, so das für die Grünanlagen zuständige Dezernat.

„Deshalb ist für Erhalt der Grabmale und Baulichkeiten ein Sanierungskonzept zu erarbeiten, auf dessen Grundlage in den Folgejahren die zu priorisierenden Maßnahmen realisiert werden. Besonders dringend ist dabei die Sanierung der Fugen der Mauerabdeckung der Abteilungswände. Seit mehreren Jahren dringt das Niederschlagswasser dort ein, was letztendlich zur Zerstörung der stadt- und kunstgeschichtlich wertvollen Grabplatten führt.“

Und um das alles zu finanzieren, will man Fördermittel in Anspruch nehmen.

„Das Amt für Stadtgrün und Gewässer wird zur Refinanzierung der Sanierungsmaßnahmen Fördermittel, insbesondere aus dem Bereich der Denkmalpflege, beantragen. Darüber hinaus wird die Verfügbarkeit geeigneter Förderprogramme zur Umsetzung der beschriebenen Maßnahme geprüft“, so das Dezernat.

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