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NuKLA hat Strafanzeige gegen Sachsenforst gestellt

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    Dass die Baumfällungen, die der staatliche Forstbetrieb Sachsenforst im Naturschutzgebiet Leipziger Auwald nahe Dölzig vorgenommen hat, weder abgestimmt waren noch genehmigt waren, darüber haben wir schon berichtet. Selbst in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Nordsachsen, die hier zuständig ist, war man entsetzt über die Fällungen der 300-jährigen Eichen. Jetzt hat Sachsenforst auch noch eine Anzeige am Hals.

    Die hat der NuKLA e.V. am Mittwoch, 6. Februar, eingereicht „wegen rechtswidriger und ungenehmigter Fällungen von Stark- und Biotopbäumen auf Naturschutzflächen sowie nach §330 Abs. 1 Nr. 3 (besonders schwerer Fall), da der Lebensraum mindestens einer streng geschützten Art (Eremit) nachweislich von den Fällungen betroffen ist.“

    Das betrifft natürlich auch indirekt alles, was im Leipziger Teil des Auenwaldes passiert oder passieren sollte. Doch dort gilt, seit der NuKLA e.V. eine Klage gegen den vom Leipziger Stadtrat beschlossenen Forstwirtschaftsplan eingereicht hat, erst einmal ein Fällmoratorium. Das Verwaltungsgericht muss klären, ob der Forstwirtschaftsplan überhaupt eine gesetzliche Grundlage hat oder massiv gegen geltende Naturschutzbestimmungen verstößt.

    Was ziemlich wahrscheinlich ist, was aber auch mit dem luschigen Umgang des Freistaats Sachsen mit den Naturschutzgesetzen zu tun hat. Augenscheinlich haben sich deutsche Umweltminister in den vergangenen Jahren immer wieder gegenseitig in der Haltung bestätigt, dass eine Unterschutzstellung deutscher Biotope nach europäischen FFH-Standards nicht zwingend bedeutet, dass man die darin lebenden Tiere und Pflanzen auch schützen muss.

    In Sachsen wurde sogar noch extra dekretiert, dass forstwirtschaftliche und Hochwasserschutzmaßnahmen die geltenden Schutzstandards sogar außer Kraft setzen können. Was nicht nur der NuKLA so interpretiert, dass hier wohl die Forstämter und die Landestalsperrenverwaltung am Gesetz mitgeschrieben haben.

    Und dabei einen Zustand erzeugt haben, der nicht nur aus Sicht der EU-Kommission nicht akzeptabel ist. Denn wenn forstwirtschaftliche Betriebspläne bestimmen, was in einem geschützten Natura-2000-Biotop passieren darf, kann von einem Schutz oder gar einer Stärkung des bedrohten Biotops keine Rede mehr sein.

    Dann passiert nämlich genau das, was jetzt bei Dölzig und auch bei Gundorf passiert ist: Der staatliche Forstbetrieb holt ohne Genehmigung einfach weiter wertvolle Bäume aus der Hartholzaue. 300-jährige Eichen, die natürlich auf einem von Fichten- und Kiefernholz überschwemmten Holzmarkt noch richtig Geld bringen.

    Profit steht über Naturschutz.

    Und nicht nur die Förster des Sachsenforst können nicht erklären, warum sie ausgerechnet die standortprägenden Hauptbäume der Hartholzaue (eben die Eichen) aus dem Wald herausschlagen. Ganz abgesehen davon, dass 200 und 300 Jahre alte Eichen noch immer Jungbäume sind für diese Baumgattung. Normalerweise werden sie 500, 600 Jahre alt. Die Förster haben also richtig viel Zeit, mit viel Rücksicht auf das bedrohte Biotop Eichenverjüngung zu betreiben.

    Bei Dölzig gefällt. Foto: NuKLA e.V.
    Bei Dölzig gefällt. Foto: NuKLA e.V.

    Aber sie haben das augenscheinlich in Sachsen nicht gelernt und legen den Kommunalparlamenten dann so etwas vor wie die in Leipzig aufgelegten Forstwirtschaftspläne, in denen der Stadtförster selbst betont, dass Grundlage seiner langfristigen Planungen eine „Konzeption zur forstlichen Pflege des Leipziger Auenwaldes“ ist, „(freiwillig erarbeitet von der Abteilung Stadtforsten in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen, Naturschutzverbänden und Verbänden).“

    Leipzigs Naturschutz steht also völlig auf dem Kopf: Da weder der Freistaat noch die Leipziger Umweltbehörde eine eigene Zielkonzeption zum Erhalt des Leipziger Auenwaldes erstellt haben, hat Leipzigs Stadtförster in Eigenregie (was er „freiwillig“ nennt) eine Konzeption erarbeitet und einige Wissenschaftler zur Zusammenarbeit mit ins Boot geholt. Das hat er zwar schon weit vor Inkraftsetzung des FFH-Gebietschutzes getan, aber bis heute ist sichtbar, was das bedeutet: rigiden Waldumbau mit dem Aushieb wertvoller Biotopbäume.

    Der eh schon gestresste Wald wird nicht geschützt, sondern weiterhin als Wertholzlieferant gebraucht und in weiten Teilen künstlich zum Mittelwald umgebaut. Das hat mit Biotopschutz nichts zu tun und verstößt wahrscheinlich sogar grundlegend gegen das Ansinnen des europäischen Schutzstandards Natura 2000.

    Die gefällten Bäume sind auch nicht krank oder irgendwie überflüssig. Es sind lebendige Starkbäume, die vielen Tieren und Pflanzen Obdach geben und den Standort prägen. Jeder gefällte Starkbaum zerstört den Biotopzusammenhang – je mehr dieser Bäume gefällt werden, umso schwerwiegender ist der Eingriff. Zumindest in Nordsachsen war man bisher heilfroh, dass der zum Landkreis gehörende Teil der Elsteraue noch halbwegs intakt war. Umso gravierender waren die jetzt von Sachsenforst beauftragten Arbeiten.

    „Ob den durchgeführten Fällungen ein Forstwirtschaftsplan zugrunde liegt, entzieht sich unserer Kenntnis. Wenn ja, so hätte dieser naturschutzrechtlich genehmigt werden müssen, da es sich um massive Eingriffe in EU-geschützte Gebiete handelt“, betont NuKLA in seiner Anzeige.

    Was das Thema der Forstwirtschaftspläne nun auch auf Landesebene hebt. Denn wer setzt eigentlich der Arbeit von Sachsenforst einen Rahmen, wenn der Landtag sich damit nicht beschäftigt? Jedenfalls deutet kein Dokument darauf hin, dass es der Landtag täte. Auf kommunaler Ebene hat NuKLA ja mittlerweile die Klärung erzwungen, dass sich Kommunalparlamente wie der Leipziger Stadtrat zwingend mit Bewirtschaftungsmaßnahmen im Stadtwald beschäftigen müssen.

    Dass das im September sehr oberflächlich geschah, weil nun einmal auch die notwendige naturschutzfachliche Kompetenz nach Jahren des Mach-mal-einfach nicht existierte, ist ja nun Grundlage der NuKLA-Klage gegen den Leipziger Forstwirtschaftsplan.

    Im Fall der Fällungen bei Dölzig liegt eindeutig eine Untersagung durch die Umweltschutzbehörde des Landkreises vor. Und wahrscheinlich täte auch Leipzigs Umweltschutzamt gut daran, forstliche Eingriffe in den Auenwald so lange zu untersagen, bis die Erhaltungsziele im Sinne der europäischen Gesetzgebung klar definiert und beschlossen sind.

    Eine deutliche Mahnung der EU-Kommission auch für den Leipziger Auwald

     

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    7 KOMMENTARE

    1. Die Förster sagen sie müssten Eichen verjüngen (verjüngen durch abholzen), sie müssten Eichen anpflanzen, dafür hacken sie groß gewachsene starke Eichen ab. Die Eichen würden von alleine nicht hochwachsen.
      Klar, das versteht doch der Ahnungslose.
      Was er aber nicht versteht ist, wie das damals so war, seit 300 Jahren gibt es die „Forstwirtschaft“, also Förster. Eichen gab es schon Hunderte Jahre vor Christi, welcher Ururvorfahre der Urförster hat die angepflanzt und in Plasticschutzhüllen wachsen lassen“, lieber Framo, framo kommt von Klein(…)wagen, ehemalige Automarke, du wirst es mir erklären können.

    2. https://www.dstgb.de/dstgb/Homepage/Schwerpunkte/Kommunalwald%20in%20Deutschland/Aktuelles/Urteil%20des%20BGH%20zur%20Verkehrssicherungspflicht%20im%20Wald/
      Es geht nicht um die Meinung von Stoiber. Es geht um eine Klage der Grünen Liga, deren Mitglied Nukla ist. Hier halt um eine Strafanzeige.
      Klage und Strafanzeige wurden durch einen anerkannten Naturschutzverein erhoben, der damit satzungsgemäße Zwecke verfolgt. Nämlich dafür Sorge zu tragen, daß geltendes Recht eingehalten wird. Das wiederum lediglich ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessengrupen ist. „Reiner“ Naturschutz also schon verwässert ist.

    3. Lieber Framo, habe mir das mal angesehen alles dort. Wo diese Bäume standen, ist kein Weg. Wo keine offizielle Straße und kein offizieller Weg, keine Wegesicherung nötig. Ist eigentlich ganz einfach. Sie sehen die Bäume aber vom etliche Meter entfernten Weg. Viel Spaß beim Wandern.

    4. Ganz so eindeutig sind die Beweisfotos nicht.
      Der untere Stubben zeigt eine deutliche Stammkernfäule. Der Baum wird sicher demnächst von allein oder durch Wind umfallen und vielleicht auf einen Spaziergänger. Mit potentiell tödlichen Ausgang. Er wurde also zu Recht zur Gefahrenabwehr zu Boden gebracht. Der obere Stubben sieht nicht sehr professionell aus. Ein ausgebildeter Forstwirt hätte da bei seinem Lehrmeister „was zu hören“ bekommen. Die Vielzahl von Bruchästen in unmittelbarer Stubbennähe zeigt aber, daß hier eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben durch Kronenbruch drohte.
      Im übrigen ist das Engagement von Herrn Stoiber sicher lobenswert, doch sind 100 Interwiews mit Herrn Stoiber immer noch 100 Interviews mit EINEM Mann und nicht die Meinung von 100 Fachleuten. Auch wenn Herr Julke die Auffassung von Herrn Stoiber teilen sollte.

    5. Nach diesen Kommentaren werden so manche schlauen Wissenschaftler und sogenannte anerkannte Naturschützer ins Stottern kommen. Es rockt gerade in der Szene

    6. Also ich fand den Artikel in der LVZ heute (Donnerstag) doch recht erhellend und sogar sehr passend!: zum Schluss wurde noch mal (mit dem Gestus dessen, der sich – zu Unrecht – im Recht fühlt) betont, dass nicht nur „alle maßgeblichen“ (??) Wissenschaftler Leipzigs, sondern auch die (maßgeblichen) Naturschutzvereine der Stadt die forstwirtschaftlichen Maßnahmen unterstützen.
      Genau das kann sich nun jeder auf der Zunge zergehen lassen! Und seine Schlüsse ziehen.

      P.S. Womöglich vom Verfasser ter Veen ein Bärendienst für die Verbände und die klügeren unter den „maßgeblichen Wissenschaftlern“, von denen der eine oder die andere vielleicht inzwischen doch ein bisschen ins Grübeln gekommen ist und in Erwägung zieht, seine Hatlung zum Thema zu relativieren.

    7. Danke Ralf Julke für diesen und auch andere Artikel. Es ist tröstlich, dass kritischer und substantiierter Journalismus in der Stadt Leipzig zumindest noch ein Nischendasein fristet.

      In der LVZ ist heute hingegen wieder der semioffizielle Referent von Herrn Sickert und anscheinend auch von Sachsenforst zum Zuge gekommen. Prägende Altbäume aus den Beständen heraushacken, lebende Eichen ringeln und damit töten, und dann Naturschützern, die völlig zu Recht dagegen vorgehen, vorwerfen, dass sie den eigentlichen Naturschutz verhindern, nämlich das Pflanzen monotoner Forstware, für wie schwachsinnig hält Sachsenforst denn die Bürger? Aber typisch für die LVZ, solcher Unsinn wird unkritisch übernommen und den hoffentlich genügend verblödeten Lesern feilgeboten.

      Interessant in dem LVZ-Artikel immerhin die Aussage, dass anscheinend alle Naturschutzverbände – außer NuKla… – auch dem Bäumemassaker im Sachsenforst zugestimmt haben. Das mag man ja kaum glauben – immerhin LVZ-Aussage… – aber wo sind sie die kritischen Stimmen von BUND, Ökolöwe und NaBu?? Geht es doch um die absoluten Filetstücke der Leipziger Naturschutzflächen, die noch verblieben sind. Und das Streiten um solche Filetstücke ist immerhin satzungsgemäße Aufgabe jedes Naturschutzverbandes! Bzgl. des Forstwirtschaftsplans von Stadtforsten wurde man ja schon genug enttäuscht. Der Ökolöwe mauschelt etwas herum, versucht das als tolles Engagement zu verkaufen, und schweigt dann, wenn es ernst wird und die ersten Starkbäume gefallen sind… Der NaBu bietet den Stadräten eine Waldführung an, mit Rolf Engelmann als „Walderklärer“, bekannt als persönlicher Jünger von seines Stadtförsters Gnaden, und stimmt dann zwar nicht explizit, aber doch vollumfänglich zu … und schweigt natürlich auch jetzt…

      Im neuesten NaBu Heft „Aktiv für Sachsens Natur“ wird um Spendengelder gebettelt mit dem Spruch der Naturschutzvorkämpferin Lina Hähnle „Ich kann die rücksichtslose Ausbeutung der Natur einfach nicht mehr mit ansehen“. Land soll mit diesen Spendengeldern gekauft werden, vermutlich um es dann an Sachsenforst oder Stadtforsten zu verpachten…. Die arme Lina Hähnle, wenn sie diese NaBu-Landes- und Kreisgruppe erleben müsste, die mit ihr zu werben versucht, sie würde sich sofort einem anderen Naturschutzverband anschließen und den NaBu zum Teufel schicken. (Das kann übrigens jeder machen!)

      Schön übrigens, dass die untere Naturschutzbehörde im Landkreis Nordsachsen aktiv geworden ist!! Und die Stadt Leipzig, was wird im Amt für Umweltschutz unternommen werden? …. eine Geschichte die sicherlich fortgeschrieben werden wird….

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