Eins ist sicher: Leipzig wird in den nächsten Jahren immer wieder Jahre mit viel zu wenig Niederschlag und hohen Temperaturen erleben. 2018 war nur ein Vorbote. Damals trocknete der Teich im Rosental komplett aus. Ein Teich, der vorher auch für Angler ein attraktives Gewässer war. Neun Fischarten waren hier zu Hause. Barsch, Brassen, Giebel, Hecht, Karausche, Karpfen, Rotauge, Rotfeder und Schleie.

Dutzende solcher Stillgewässer gibt es in Leipzig, die meisten davon alte Dorfteiche. Sie speisen sich allein aus Grund- und Regenwasser, besitzen keinen natürlichen Wasserzulauf. Jeder zehnte fiel im vergangenen Dürresommer trocken. Da könne man nichts machen, hieß es aus dem Amt für Stadtgrün und Gewässer. Man kann das auch so übersetzen: Die Stadt Leipzig redet zwar gern davon, dass sie für kommende Wetterextreme gewappnet sei.

Aber wenn es konkret wird, stellt sich heraus, dass sie für praktisch keinen dieser Fälle auch nur ansatzweise einen Handlungsrahmen besitzt. Über zehn Jahre wurde das beschlossene Straßenbaumprogramm mit viel zu wenig Budget angegangen, wurde nur ein winziger Teil der Straßenbäume gepflanzt, die die Verwaltung eigentlich im Luftreinhalteplan versprochen hatte. Jahre brauchte es, bis der Stadtrat die Verwaltung überhaupt dahin brachte, die Finanzierung für die geplanten Baumpflanzungen bereitzustellen. Zehn wertvolle Jahre wurden vertan.

Und 2018 zeigte sich, dass die Stadt auch kein Konzept hat, die Teiche im Stadtgebiet zu retten, wenn es zu wenig Niederschläge gibt. Vielleicht gibt es auch wirklich keine Lösung, wenn das knappe Wasser sogar dringend gebraucht wird, um die bedrohten Straßenbäume zu wässern.

Aber zumindest für den kleinen Teich im Rosental könnte es doch eine Lösung geben, findet L-IZ-Leser Claus Reinhardt.

„Mir geht es um den kleinen Teich am östlichen Eingang zum Rosental. Im letzten Jahr war er total trockengefallen und jetzt ist nur noch eine kleine Lache vorhanden“, schreibt er. „Ein jämmerlicher Anblick. Ich habe dem ASG einen Vorschlag gemacht, wie man wieder Wasser reinbringen könnte. Leider ohne jegliche Reaktion seitens des Amtes. Nun ist ja bald wieder Klassik Open Air und alles wird herausgeputzt. Da sollte sich die Stadt doch auch um den kleinen Teich kümmern. Das geht natürlich nicht kurzfristig, wäre aber ein willkommener Anlass sich Gedanken um den Fortbestand des Teiches zu machen. Nicht dass noch einer auf die Idee kommt das gute Stück zu verfüllen.“

Das Gebiet mit dem kleinen Teich spielte auch mal in einem anderen Konzept eine Rolle, nämlich dem Hochwasserschutzkonzept des Zoos. Denn wenn die Parthe Hochwasser führt (wie 2011), braucht sie eigentlich einen Ableiter, damit die Tiergehege nicht bedroht sind. Im ASG gab es zumindest die Skizze zu einem solchen Überleiter von der Parthe unter der Emil-Fuchs-Straße durch zum Elstermühlgraben, also gewissermaßen ein kleines Partheflutbett, so wie Weiße Elster und Pleiße auch schon solche Flutbetten haben.

Aber die Idee wurde gestoppt, als im ASG eine andere Flussträumerei priorisiert wurde: Die Öffnung der alten Flussverbindung vom Elstermühlgraben am Naturkundemuseum durch die noch heute sichtbare Schlippe zwischen den Häusern Richtung Parthe. Seit diese neue Kanalidee die Leitungsebenen beschäftigt, ist das „Partheflutbett“ vom Tisch. Und da der Zoo auf so einem Partheflutbett nicht bestehen konnte, als die Landestalsperrenverwaltung darauf drängte, die Parthe im Zoo hochwassersicher zu machen, musste der Zoo einwilligen, die Schutzmauern an der Parthe im Zoogebiet deutlich zu erhöhen.

Die Pläne, den Kanal vom Elstermühlgraben zur Parthe zu bauen, schweben noch immer im Raum.

Das Jahr 2019 hat nun für alle ersichtlich wieder mit viel zu wenig Niederschlägen begonnen. Und so ist der Teich im Rosental schon im Frühjahr fast ausgetrocknet. Eine winzige Pfütze Wasser steht noch darin. An Fische und Angeln ist hier nicht mehr zu denken.

Claus Reinhardt hat zumindest einen Vorschlag gemacht, wie der Teich wieder mit Wasser befüllt werden könnte.

Eine Horizontalbohrung (Flowtex) vom Teich in Richtung Zoo ist sein Vorschlag: „In das Schutzrohr der Bohrspülung könnte man ein Wasser-Druckrohr einziehen, welches an die Wasserversorgung der Zoo-Gewässer angeschlossen wird. Ich vermute, dass die Wassergräben und Wasserbecken des Zoos mit Parthe- oder Brunnenwasser versorgt werden. Das würde die Kosten gering halten. Den Zoo hatte ich auch schon angeschrieben, dort hat man mich an das ASG verwiesen, war aber nicht generell abweisend. Die Begleichung der Kosten könnte man ja vielleicht bei den Sponsoren des Klassik Open Air einwerben.“

So wäre auch der Wasserpegel einstellbar, das Ansetzen von Fischen wieder möglich. Vielleicht sogar der Bau eines neuen Entenhauses, das es nach Ansicht des Bürgervereins Waldstraßenviertel hier schon einmal gegeben hat. Und dazu käme natürlich die ganze Artengesellschaft, die sich für gewöhnlich an solchen Teichen ansiedelt, vom Uferschilf bis zu Fröschen und Libellen. All das verschwindet ja, wenn das Wasser verschwindet.

Im jetzigen Zustand erinnert die Hohlform eigentlich nur daran, dass Leipzig für seine Teiche keinerlei Ideen hat, wie sie auch in Zeiten mit Niederschlagsmangel und großer Hitze bewahrt werden können.

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