Funkstörungen zwischen Ämtern

Was ist eigentlich bei der Regelung zum Bewohnerparken im Waldstraßenviertel schiefgelaufen?

Für alle LeserAm 29. Oktober zog Oberbürgermeister Burkhard Jung die Reißleine, nachdem zuvor in einer Veranstaltung im Waldstraßenviertel deutlich geworden war, dass nichts von alldem geklärt worden war, was die Stadt in Sachen Bewohnerparken eigentlich hätte klären sollen. „Die Regelungen zum Bewohnerparken im Waldstraßenviertel werden überarbeitet und zunächst nicht umgesetzt“, so entschied Burkhard Jung in seiner Dienstberatung am Dienstag, 29. Oktober.

Das Problem waren die völlig unzureichenden Regelungen für im Waldstraßenviertel tätige Unternehmen und Gäste von Bewohnern.

„Ziel bleibt es, dass Bewohner künftig besser einen Parkplatz im Viertel finden; zugleich sollen aber die gute wirtschaftliche Entwicklung des Quartiers und die Lebensqualität erhalten bleiben“, ließ sich Burkhard Jung zitieren, deutete aber nur ganz vorsichtig an, dass da augenscheinlich in seiner Verwaltung etwas gehörig schiefgelaufen war.

Oder noch genauer – so, wie es in der Anwohnerversammlung deutlich wurde –, gleich zwei Dezernate hatten völlig getrieft und das Verkehrsdezernat einfach allein vor sich hin werkeln lassen. Weder hatte sich das Wirtschaftsdezernat eingemischt und dafür gesorgt, dass belastbare Regelungen für die im Waldstraßenviertel ansässigen Unternehmen im Regelwerk Aufnahme fanden, noch fühlte sich das Ordnungsdezernat so recht bemüßigt, die Unsicherheiten von Gästen und Inhabern von Zweitwohnsitzen zu beseitigen.

Alles Dinge, die längst hätten geklärt werden müssen, bevor am 22. Juli die Meldung rausgegangen wäre: „Zum 30. Oktober ist das Parken im Waldstraßenviertel gebührenpflichtig. Bereits ab August können Bewohner daher gegen eine Gebühr beim Ordnungsamt einen Ausweis zum Bewohnerparken beantragen. Besucher hingegen müssen künftig einen Parkschein lösen beziehungsweise die Bereiche mit eingeschränktem Halteverbot beachten. Dadurch sollen die Verkehrsbelastung im Quartier und der anhaltend starke Parkdruck reduziert werden. Zudem erhöht sich durch freiere Sicht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer und der öffentliche Raum wird attraktiver.“

Das zentrale Problem, weshalb die Stadt nun seit bald zehn Jahren an einem Verkehrskonzept zum Sportforum werkelt, wurde überhaupt nicht gelöst – oder zumindest nur in Teilen: das wilde Parken im Umfeld von Großveranstaltungen im Sportforum. Ohne die wild abgestellten Pkw auch im Waldstraßenviertel wäre die Stadt in diesem Quartier nicht mal auf die Idee gekommen, ein Bewohnerparken einzuführen.

Denn in der normalen Tagesbelegung gibt es immer noch Ausweichmöglichkeiten, auch wenn die von vielen Autofahrern nicht genutzt werden, denn gerade westlich der Waldstraße gibt es tagsüber noch genug freie Stellplätze, die genutzt werden könnten. Und das gilt erst recht für die Stellplätze im Sportforum selbst, die tagsüber praktisch ungenutzt sind. Voll werden sie tatsächlich erst zu Veranstaltungen. Und die finden fast alle abends statt.

Eines der städtischen Ämter hätte also frühzeitig mit den Unternehmen im Quartier gemeinsam nach Lösungen suchen können und auch müssen. Und da geht es nicht so sehr um die Händler auf der Jahnallee, sondern um Rechtsanwälte, Versicherungsunternehmen, Apotheken, Schlüsseldienste, aber auch viele kleine Händler direkt im Quartier und an der Waldstraße.

Das soll ja jetzt noch in aller Eile nachgeholt werden.

„Die überarbeiteten Regelungen sollen verwaltungsintern bis Ende November formuliert werden, zum 1. Januar 2020 soll das Bewohnerparken dann starten. Die bereits ausgestellten Parkausweise verlängern sich entsprechend. Weiter kostenfrei möglich ist das Parken auf dem Parkplatz vor dem Stadion“, betonte die Verwaltung nach Burkhard Jungs Entscheidung.

„Neue Regelungen sollen vor allem für die Gäste von Anwohnern gefunden werden (Gästevignette). Diese sollen die Möglichkeit bekommen, möglichst unbürokratisch bei Besuchen ihr Auto im Viertel zu parken. Auch für Gewerbetreibende sollen Parkmöglichkeiten geschaffen werden; über eventuelle Härtefallregelungen wird sich die Verwaltung abstimmen.“

Schild zum Bewohnerparken im Waldstraßenviertel. Foto: Ralf Julke

Schild zum Bewohnerparken im Waldstraßenviertel. Foto: Ralf Julke

Eine überfällige Entscheidung, die dann Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig, als Teilerfolg begrüßte: „Dass die Stadt Leipzig nunmehr eingelenkt hat und die Einführung des Anwohnerparkens im Waldstraßenviertel vorerst aussetzt, ist zunächst einmal ein wichtiger Erfolg der Gewerbetreibenden vor Ort, die in die Planungen der Stadt bisher – unerklärlicher Weise – nicht einbezogen wurden. Wie die Stadt allerdings bis zum 1. Januar eine für alle Betroffenen tragbare und rechtlich auch haltbare Lösung entwickeln will, und wie diese dann aussehen soll, bleibt fraglich.“

Das Problem, das er sieht, sind fehlende Parkkapazitäten: „Wir bleiben dabei: Die Einführung des Anwohnerparkens darf nur der zweite Schritt sein. Zuerst müssen im Waldstraßenviertel dringend weitere Parkkapazitäten in bedeutendem Umfang geschaffen werden. Ein leistungsfähiger Parkgaragenkomplex, wie es das ,Verkehrskonzept Sportforum‘ aus dem Jahr 2014 vorsieht, kann das Viertel nachhaltig entlasten. Im Interesse der vielen hundert Gewerbetreibenden – allein rund 1.250 IHK-Mitglieder gibt es in diesem Gebiet – appellieren wir an die Stadt, die Einführung des Anwohnerparkens im Waldstraßenviertel bis zur Inbetriebnahme eines wirksamen Parkgaragenkomplexes auszusetzen.“

Lösung für Großveranstaltungen fehlt immer noch

Die Krux dabei aber ist: So ein Parkhaus wird wahrscheinlich gar nicht angenommen. Nicht ohne Grund weist die Stadt auf die kostenlos nutzbaren Parkplätze im Sportforum hin. Und auch in der Beschlussvorlage von 2018 wurde das benannt: „Die Auswertung der Erhebungen zeigt, dass die zur Verfügung stehenden Stellplätze im Waldstraßenviertel an dem veranstaltungsfreien Werktag bereits tagsüber mit ca. 90 % ausgelastet sind. Zweifellos animiert der mit rd. 73 % hohe Anteil an unbewirtschafteten Stellplätzen im Gebiet vor allem Berufspendler und Besucher ihr Fahrzeug hier abzustellen.

Der tagsüber mit rd. 50 % erfasste Anteil an gebietsfremden Fahrzeugen liegt um 21:00 Uhr immerhin noch bei ca. 13 %. Obwohl zu dieser Zeit die höchste Belegung im Waldstraßenviertel vorliegt, werden die Stellplätze des Stadionvorplatzes nur vergleichsweise gering genutzt. Die an Tagen mit Veranstaltungen ermittelte Stellplatzbelegung verdeutlicht, dass sich der Parkdruck im Gebiet infolge des Veranstaltungsverkehrs zusätzlich verschärft. Belegungen von über 100 % äußern sich in einer Vielzahl illegaler Parkvorgänge, wie Parken in der zweiten Reihe und auf Gehwegen, sowie in 5 m-Bereichen von Kreuzungen und Einmündungen.“

Es ging also vor allem um das Ausschließen des Wildparkens bei Großveranstaltungen, was man übrigens bei RB-Spielen mittlerweile mit der Einrichtung eines Sperrkreises macht: Wer mit dem PKW versucht, zum RB-Spiel zu kommen, wird gleich an der Einfahrt in den Sperrkreis gehindert. Das Ergebnis: Die Anwohner haben mit RB-Spielen mittlerweile keine Probleme mehr.

Auch wenn sich die Probleme dann verschieben. Denn die Autofahrer weichen dann aus in Straßen im Umfeld, parken zum Beispiel den Marienweg, den Cottaweg und diverse Waldwege zu. Und während es bei RB-Spielen den Sperrkreis gibt, gibt es bei Musikgroßveranstaltungen nach wie vor Chaos, weil die Gäste dieser Veranstaltungen meist nicht mal einen Hinweis darauf bekommen, dass sie mit ihrem Auto eigentlich auf einen der Park-and-Ride-Plätze am Stadtrand ausweichen sollen.

Es gibt also völlig verschiedene Phänomene, die nach Auftrag des Stadtrats eigentlich in einem übergreifenden Verkehrskonzept Sportforum gelöst werden sollten.

War also eine befriedigende Lösung gar nicht drin, wie Franziska Riekewald, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Rathaus, vermutet?

„Die angespannte Parksituation im Waldstraßenviertel und das Thema ,Bewohnerparken‘ sind über viele Jahre diskutiert worden, ohne dass eine für alle befriedigende Lösung gefunden werden konnte“, sagt sie. „Der Wunsch zur Einrichtung eines Anwohnerparkens im Waldstraßenviertel wurde von den Bewohner/-innen des Viertels an die Stadtratsfraktionen herangetragen. Seit Jahren haben wir als Fraktion diesen Prozess begleitet. Es gab viele öffentliche Einwohnerinformationsveranstaltungen, in welchen die Konsequenzen eines Anwohnerparkens dargelegt worden sind. Im August 2018 wurde endlich die entsprechende Vorlage im Stadtrat mit einer großen Mehrheit beschlossen. Auch die Fraktion Die Linke hat zugestimmt. Kritik hätte in den letzten 15 Monaten vorgebracht werden müssen, ebenso wie bei der konkreten Ausgestaltung der Maßnahmen viele Bedarfe hätten berücksichtigt werden müssen. Sicher haben die jetzt von der Verwaltung vorgeschlagenen Änderungen ihre Berechtigung. Dennoch entspricht es nicht unserem Demokratieverständnis, das Bewohnerparken jetzt, kurz vor der endgültigen Einführung, einfach auszusetzen.“

Mehrfache Nutzung für knappen Parkraum

Doch beschlossen wurde damals eben ein etwas umfassenderes Konzept, als es nun am 30. Oktober in Kraft treten sollte. Denn der entscheidende Passus las sich auch damals so: „Die im Waldstraßenviertel bestehenden Konkurrenzen um den knappen Parkraum können nur durch eine mehrfache Nutzung der beschränkt zur Verfügung stehenden öffentlichen Stellplätze sinnvoll abgebaut werden. Da nicht von einer maßgebenden Erweiterung privater Stellplätze im Viertel ausgegangen werden kann, ist hier ein entsprechendes Parkraummanagement unumgänglich. Das Instrumentarium der Straßenverkehrsordnung bietet eine Vielzahl von Regelungen zum Abbau der spezifischen Nutzungskonflikte um den Parkraum.

Ausgehend von den politischen Zielsetzungen werden im Ergebnis der Untersuchungen für die unterschiedlichen Situationen an Normaltagen und an Veranstaltungstagen zwei kombinierte übergeordnete Strategien empfohlen. So soll an Normaltagen die Einführung einer flächendeckenden Bewirtschaftung mit Bewohnerparken und zusätzlich an Veranstaltungstagen die Einrichtung einer temporären Bewohnerschutzzone mit Absperrung möglicher Zu- und Ausfahrten ins Gebiet erfolgen.“

Der zweite Teil dieses Beschlusspunktes wurde umgesetzt, erst nur unzureichend.

Auch wenn sich die Wirtschaft zusätzlichen Parkraum wünscht, wird es ihn wohl so nicht geben. Im Viertel selbst schon gar nicht, da hier schon jetzt der freie Platz dafür fehlt und auch die Bewohner des Waldstraßenviertels mittlerweile einen Pkw-Park besitzen, der über das täglich für die Arbeit benötigte Auto deutlich hinausgeht. Das zeigt die simple Parksituation: Wie in anderen innerstädtischen Vierteln ist auch hier der Straßenraum zur Arbeitszeit zugeparkt – und das sind (siehe oben) zu 50 % Fahrzeuge der Anwohner.

Gleichzeitig aber scheinen tagsüber genug freie Stellplätze da zu sein, um den Gewerbetreibenden genug Stellfläche zur Verfügung zu stellen. Die natürlich sauer sind, wenn sie jedes Mal einen Parkschein kaufen müssen, wenn sie trotzdem jeden Tag zur Arbeit ins Waldstraßenviertel müssen. Hier geht es also um eine Feinjustierung. Denn alle Konflikte lassen sich nicht auflösen. Konflikte übrigens, die sich die ganze Zeit um öffentlichen Straßenraum drehen. Und dabei geht es eben nicht nur um „Berufspendler“, wie die Informationsseite der Stadt suggeriert, sondern eben um Gewerbetreibende, ohne die vieles im Waldstraßenviertel einfach nicht funktionieren würde.

Ob die Jahresgebühr von 30,70 Euro diese Lenkungswirkung entfaltet, wird man sehen.

Genauso wie man sehen wird, ob die drei beteiligten Dezernate bis zum Monatsende tatsächlich belastbare Regelungen finden, die die Befindlichkeiten von Besuchern und Gewerbetreibenden auch aufnehmen. Denn dass die Betroffenen sich in den letzten 15 Monaten nicht zu Wort gemeldet hätten, trifft so auch nicht zu.

Selbst die Verwaltung gesteht ein, dass es mehr als genug Wortmeldungen gegeben hat, die auf die absehbaren Konfliktstellen hingewiesen hatten: „Im Vorfeld hatte es eine breit angelegte Bürgerbeteiligung gegeben. Auch nach dem entsprechenden Beschluss des Stadtrats im August 2018 hatten sich weiter Bewohner und Unternehmer in die Diskussion eingebracht und Vorschläge unterbreitet. Diese nimmt die Verwaltung jetzt auf.“

Der Stadtrat tagte: Schulwegsicherheit in Plaußig-Portitz und (kostenfreie) Parkplatznot im Waldstraßenviertel + Video

Hinweis der Redaktion in eigener Sache (Stand 1. Oktober 2019): Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen und ein Freikäufer-Abonnement abschließen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 450 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

 

WaldstraßenviertelBewohnerparken
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
11 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Sofortiger Bestandsschutz für die von Abbaggerung bedrohten sächsischen Dörfer
Protestcamp in Pödelwitz. Foto: Luca Kunze

Foto: Luca Kunze

Für alle LeserDas Kohlezeitalter geht zu Ende, muss zu Ende gehen. Das weiß auch die sächsische Staatsregierung. Doch sie weigert sich seit Jahren, auch nur einen verlässlichen Ausstiegskorridor aus der Braunkohle zu zeichnen. Stattdessen gibt man – völlig ohne Not – weitere Dörfer dem Hunger der Bergbaukonzerne preis. Mit einem Offenen Brief fordert das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ jetzt eine Bestandsgarantie für die bedrohten Dörfer.
Das Appetitmacherbuch zum Reisenden Theodor Fontane: Mehr als Weisheit aller Weisen galt mir Reisen, Reisen, Reisen
Theodor Fontane: Mehr als Weisheit aller Weisen galt mir Reisen, Reisen, Reisen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs gibt ja so einige berühmte 200-Jährige, deren Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Zu ihnen gehört auch Theodor Fontane, der am 30. Dezember seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte. Aber wie kann ein Geburtstagsbuch aussehen? Könnte man da nicht den wichtigsten Fontane-Kenner fragen, der die großen Fontane-Gesamtausgaben betreut hat? Der Mann heißt Gotthard Erler, ist aber auch schon 86 Jahre alt. Aber er sagte auch nicht „Nein“, als der Verlag anfragte.
Kleine Fische: Zollaktion auf der Eisenbahnstraße
Am 12. November 2019 ab 17 Uhr in der Eisenbahnstraße großes Polizeiaufgebot und Kreuzungssperren. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDas Spannendste an der groß angelegten Razzia am Abend des 12. November 2019 dürften am Ende wohl die eingesammelten Telefone, Computer und Speichermedien sein. Diese sollen nun ausgewertet werden, so das LKA Sachsen zum Abschluss der Aktion, welche seit 17 Uhr zeitgleich in Leipzig, Grimma und Thüringen stattfand. Der Rest der Erkenntnisse vor allem auf der Eisenbahnstraße blieb eher mager.
„Dorf der Jugend“ in Grimma gewinnt Sächsischen Förderpreis für Demokratie
Stadtrat Jürgen Kasek (B90/Die Grünen) und Tobias Burdukat vom „Dorf der Jugend“ am 9. August 2019 in Grimma (auf einer Gegendemo zum Auftritt Björn Höckes im Rathaus Grimma). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserBesonders in den Kleinstädten und auf dem Dorf, wo rechte Einstellungen teilweise in der Überzahl sind, ist Engagement für Humanismus und gegen Diskriminierung besonders wichtig. Gleichzeitig fehlt es vielen Projekten an Geld. Eines davon – das „Dorf der Jugend“ in Grimma – hat am Dienstag, den 12. November, den Hauptpreis des Sächsischen Förderpreises für Demokratie und damit 5.000 Euro gewonnen. Die „Kontaktstelle Wohnen“ aus Leipzig erhielt einen „Anerkennungspreis“.
Gohliser Kultur- und Informationsabend zu Flucht und Engagement
Klänge der Hoffnung. Foto: Roland Quester

Foto: Roland Quester

Laut der UNHCR (United Nations High Commissioner of Refugees) starben im Jahr 2018 täglich sechs Menschen im Mittelmeer auf der Flucht vor Krieg, Hunger und Verfolgung. Das Seenotrettungsschiff Lifeline versucht, möglichst viele vor dem Ertrinken zu retten. Diese humanistische Initiative unterstützen die Veranstalter des Gohliser Kultur- und Informationsabend zu Flucht und Engagement am 15. November im Budde-Haus – Soziokulturelles Zentrum Leipzig mit einem Kultur- und Informationsabend.
Razzien in der Eisenbahnstraße, Grimma und Thüringen
Razzia in der Eisenbahnstraße. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit etwa 17 Uhr ist großer „Polizei-Bahnhof“ an der Eisenbahnstraße. Laut Informationen des LKA Sachsen führen dieses gemeinsam mit dem Hauptzollamt Dresden, der Polizeidirektion Leipzig, der Steuerfahndung und der Bereitschaftspolizei Sachsen „umfangreiche Exekutivmaßnahmen“, kurz eine groß angelegte Razzia durch. Neben Leipzig ebenfalls in Grimma und Teilen Thüringens sollen so am heutigen 12. November „Straftaten und Ordnungswidrigkeiten wie z.B. Fälschungsdelikte, Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, Steuerstraftaten sowie Kontrollen nach § 2 ff. Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz“ verfolgt werden.
Stadtbezirksbeirat Altwest kämpft um den Erhalt der Liebesinsel in Leutzsch
Der Neubau des Pflegeheims mit der von Containern besetzten Grünfläche davor. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserLeipzig tut sich schwer mit seinen Grünflächen. Vor allem mit jenen kleinen grünen Inseln, die für die Bewohner eines Stadtgebiet als Ruheinseln so wichtig sind, die aber ziemlich schnell verschwinden, wenn Investoren groß bauen. So wie in Leutzsch an der Spitze Georg-Schwarz-Straße/Rückmarsdorfer Straße. Gegenüber steht das Leutzscher Rathaus. Und zumindest die nicht mehr ganz so jungen Leutzscher erinnern sich noch an die kleine grüne Oase.
Leipzigs Grüne fordern die Aussetzung des Forstwirtschaftsplans
Baumfällungen im Februar 2017 in der Hans-Driesch-Straße. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserAm Freitag, 8. November, stellten Rüdiger Dittmar, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, und Andreas Sickert, Leiter der Abteilung Stadtforsten, den neuen Forstwirtschaftsplan für den Leipziger Stadtwald vor. Über 10.000 Festmeter Holz sollen im Winter eingeschlagen werden, davon über 7.500 Festmeter im streng geschützten FFH-Gebiet „Leipziger Auensystem“. Das geht so nicht, finden die Grünen und fordern die sofortige Aussetzung des Plans.
Ein kleiner Fortschritt für Ostdeutschland, aber kein Ende der Altersarmut
Der Tweet von Michael Kretschmer zum Grundrenten-Kompromiss. Screenshot: L-IZ

Screenshot: L-IZ

Für alle LeserAm Wochenende rangen sich die Regierungsparteien in Berlin zu so etwas wie einem Kompromiss bei der Grundrente durch, nachdem vor allem der Wirtschaftsflügel der CDU mit allen Kräften verhindert hatte, dass die Grundrente tatsächlich für alle gilt. Und das hat Folgen. Natürlich auch da, wo die Transformationsprozesse seit 1990 besonders viele zerbrochene Berufskarrieren erzeugt haben: im Osten. Die Kommentare der sächsischen Parteien zum Kompromiss.
NuKLA appelliert mit einer Petition an den OBM, die Zerstörung des Leipziger Auenwaldes zu stoppen
Baumkronen im Leipziger Auenwald. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWas bleibt am Ende anderes als ein Appell an den Leipziger Oberbürgermeister, die Zerstörung des Auenwaldes zu stoppen? Denn was die Stadt jetzt mit dem neuen Forstwirtschaftsplan vorgelegt hat, bedeutet – genauso wie 2018 – einen massiven Eingriff in das Natura-2000-Gebiet Leipziger Auensystem. In einem kurzen Video bringt Deutschlands bekanntester Förster Peter Wohlleben die Schizophrenie des Leipziger Vorgehens auf den Punkt.
Am 17. und 18. Dezember im Täubchenthal: The Fuck Hornisschen Orchestra – Weihnachtsschmonzette
The Fuck Hornisschen Orchestra. Foto: Enrico Meyer

Foto: Enrico Meyer

Julius Fischer und Christian Meyer zelebrieren endlich wieder auf ihre unnachahmliche Art das Fest der Liebe und geleiten die Zuschauerschar professionell in die schönste Zeit des Jahres! Neben traditionellen Weihnachtsliedern, gesungen in herrlichsten Chorarrangements (zu zweit), erklingen Eigenkompositionen und aktuelle Charthits, die im weihnachtlichen Gewand glänzen.
Moderne in Leipzig: Das Buch über die kurze Blütezeit modernen Bauens im Leipzig der 1920er Jahre
Peter Leonhardt: Moderne in Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIrgendwie wird ja in diesem Jahr überall in Deutschland 100 Jahre Bauhaus gefeiert. Auch Leipzig feiert mit, obwohl Leipzig eher keine Heimatstadt der Bauhaus-Architektur war. Was auch Gründe hat. Sie ähneln den Gründen für das Ende des Bauhauses sowohl in Weimar als auch in Dessau: Die renitenten Ewiggestrigen machten mobil. In Leipzig sorgten sie mit dem Sturz von Stadtbaurat Hubert Ritter auch für ein Ende der hiesigen Moderne.
Systemsprenger – Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Thore Volquardsen
Quelle: Cinémathèque Leipzig e.V.

Quelle: Cinémathèque Leipzig e.V.

Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei ihrer Mutter wohnen. Doch diese Möglichkeit wird ihr verwehrt. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint, ist der Anti-Gewalttrainer Micha die letzte Hoffnung, um sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien.
Freibeuter beantragen ein besseres Nachtangebot für den Leipziger ÖPNV
Linie 14 auf der Fahrt nach Plagwitz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur die Linke hat das dumme Gefühl, dass die Angebote der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) nach 19:30 Uhr gewaltig ausdünnen und so gar nicht mehr zum Mobilitätsangebot einer modernen Großstadt passen. Und während die Linke das Problem im abendlichen Feierabendverkehr sieht, sieht die Freibeuterfraktion das Problem in einem völlig unzeitgemäßen Nachtverkehr.
Am 10. November 2020 in der Arena Leipzig: IN THE ä TONIGHT – Die Tour 2020 von und mit Die Ärzte
Quelle: Semmel Concerts

Quelle: Semmel Concerts

"Haben wir euch gefehlt?! Habt ihr uns vermisst?! Ist euch jetzt klar, dass mit uns die Welt schöner ist?!" Die Ärzte sind eine Band aus Berlin (auuus Berlin!). Als Trio 1982 (dem Jahr, als Punkrock in Deutschland mit dem Überleben rang) gegründet, waren sie sofort sehr erfolglos. Die Live-Auftritte dieser frühen Tage waren immerhin für das pure Chaos bekannt und berüchtigt, in dem sie normalerweise endeten. Entweder war die Band nicht fähig, ihre Songs zu beenden (Text, Musik oder Beides vergessen) oder sie wälzten sich wegen ihrer eigenen Witze auf dem Bühnenboden – vor dem manchmal amüsierten, oft eher ratlosen Publikum.