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Statt endlich die Feuerbachschleife zu bauen, versucht Leipzigs Verwaltungsspitze, RB ein Filetstück zu verkaufen

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    Ihren ersten Antrag „Waldstraßenviertel: Kein Parkhaus auf der Fläche des ehemaligen Schwimmstadions!“ reichte die Grünen-Fraktion schon im August 2018 ein. Im März 2019 reagierte das Dezernat Stadtentwicklung und Bau endlich darauf mit einem Beschlussvorschlag, in dem unverhofft wieder die Verwaltungsvision einer Freilegung der Alten Elster auftauchte.

    Komprimiert lautete der Vorschlag: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, für den Bereich zwischen der Arena Leipzig, der Friedrich-Ebert-Straße, der Eitingonstraße, der Goyastraße sowie der Straße Am Sportforum, bis Ende des 1. Quartals 2020 ein Entwicklungskonzept zu erarbeiten, welches die Belange der Entwicklung des Stadions, des damit verbundenen Verkehrs, der Realisierung des Sportmuseums und der Absicherung der sozialen Infrastruktur (Grundschulen) unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes (mögliche Öffnung Alte Elster) zusammenführt.“

    Wenig später reagierte die CDU-Fraktion, die ebenfalls die Öffnung der Alten Elster befürwortet. Obwohl die Alte Elster für den Leipziger Hochwasserschutz überhaupt nicht gebraucht wird. Im Gegenteil. Sie würde nicht nur zweistellige Millionenbeträge verschlingen (Schätzkosten von 60 Millionen Euro aufwärts) und gleichzeitig wertvollen Grund in Anspruch nehmen, der am Sportforum für mehr gebraucht wird als nur ein neues Sportmuseum, eine neue RB-Zentrale oder ein Parkhaus.

    Eine Schule wird hier – westlich vom Waldstraßenviertel – dringend gebraucht, hatten die Grünen festgestellt. Und in ihrer jetzt vorgelegten Neufassung des Antrags betonen sie noch einen weiteren Aspekt an der seltsamen Schaukelpolitik der Verwaltung: „Ziel muss die dauerhafte Sicherung besagter Entwicklungsflächen in kommunalem Eigentum sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Stadt Leipzig künftige Entwicklungen unter Wahrung eigener Interessen steuern und beeinflussen kann.“

    Denn Leipzigs Verwaltung spielt auch hier das seltsame Spiel, das sie schon am Cottaweg gespielt hat: Sie lässt sich die Wünsche des Fußballclubs RB Leipzig quasi ins Hausaufgabenheft diktieren und ist auch nur zu bereit, die städtischen Flächen an der Friedrich-Ebert-Straße an RB Leipzig zu veräußern, damit der Club hier eine neue Zentrale bauen kann, vielleicht mit integriertem Sportmuseum.

    Wie ernsthaft die Stadtverwaltung schon daran arbeitet, das Grundstück an RB Leipzig zu veräußern, machte just die Antwort des Kulturdezernats auf eine Einwohneranfrage von Jörg Kühne deutlich. Dort liest man: „Gegenwärtig laufen zwischen der Stadtverwaltung und RB Leipzig intensive Gespräche zur Errichtung eines Gebäudes an der Nordtribüne des ehemaligen Schwimmstadions. Dieses Gebäude soll sowohl verschiedene Funktionen für RB Leipzig, wie auch das Sportmuseum aufnehmen. Die Flächen befinden sich gegenwärtig im Eigentum der Stadt Leipzig.“

    Das heißt im Klartext: Die Verwaltung macht alles Mögliche, nur nicht das, was der Stadtrat 2014 beschlossen hat.

    Und dazu gehört auch ein Punkt, den die Grünen in der Debatte um den neuen Nahverkehrsplan kritisierten. Denn 2014 hat der Stadtrat aus gutem Grund auch mit beschlossen, dass die sogenannte Feuerbachschleife für die Straßenbahn ausgebaut wird.

    Denn diese Straßenbahnschleife wird dringend gebraucht, um vor allem bei Fußballspielen möglichst viele Zuschauer mit der Straßenbahn direkt vors Stadion zu transportieren, nutzbar natürlich auch bei Konzerten im Sportforum oder Veranstaltungen in der Arena und das beste Mittel, möglichst viele auswärtige Besucher dazu zu bringen, mit dem Zug anzureisen und vom Hauptbahnhof (oder den diversen P+R-Plätzen) mit der Straßenbahn zum Sportforum zu fahren.

    Aber fünf Jahre haben augenscheinlich nicht einmal gereicht, diese neue Wendeschleife bis zur Planungsreife zu bringen. In den Vorlagen der Stadt kommt sie nicht mal vor. Logisch, dass sie auch von der CDU-Fraktion angemahnt wurde.

    Und vom verlangten Bebauungsplan ist auch noch nichts zu sehen, was die Ratsfraktionen besonders frustriert. Denn solange dieser B-Plan nicht vorliegt, können Leipzigs Dezernatsspitzen ihre Spielchen spielen, schon mal RB Leipzig ein Filetstück anbieten und damit nachhaltig verhindern, dass über eine andere Bebauung auf wertvollem Grund überhaupt noch nachgedacht werden kann.

    Neben einem dringend benötigten Schulbau hatten die Grünen auch neue Unterbringung für städtische Ämter vorgeschlagen, ein immer wieder propagiertes Parkhaus aber für überflüssig erklärt. Denn bei all den Verkehrsproblemen rund um Großveranstaltungen im Sportforum sei es schlicht kontraproduktiv, noch zusätzliche Parkplätze zu schaffen. Dann lernen nämlich auch die Besucher nicht, dass sie umdenken müssen und in Zukunft mit der Straßenbahn vorfahren können.

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    1 KOMMENTAR

    1. So ist es am einfachsten: wenn doch jede Fraktion andere Begehrlichkeiten hat, lieber gleich an RB die Filetstücken vergeben… Eine neue Runde „Wie die Verwaltung den Stadtrat am Ring durch die Manege führt“. Und alle sind still. Keiner fragt, wer das eigentlich ist „die Verwaltung“, wer da genau diese Räder dreht, diese Kontakte pflegt, hinter dem Rücken der Bürgerschaft die Stadt verscherbelt. Hatten wir doch alles auch schon mal… Frohe Weihnachten!

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