Wie die Pläne zur Alten Elster jede vernünftige Lösung für eine Straßenbahnhaltestelle am Stadionvorplatz verhindern

Für alle Leser„Ihr Artikel zum Thema Feuerbachschleife ist möglicherweise nicht ganz aktuell“, schrieb uns L-IZ-Leser Ulf Walther und verwies uns auf eine Sitzung des Stadtbezirksbeirats Leipzig-Mitte im August. Da wurden tatsächlich erste Skizzen für die künftige Wendeschleife am Sportform vorgestellt. Was nichts an den Plänen der Stadt ändert, hier unbedingt auch noch die Alte Elster neu bauen zu wollen, womit genau der Platz verloren geht, den man für eine leistungsfähige Haltestelle in Stadionnähe eigentlich braucht.

„Es gibt Pläne zur Feuerbachschleife, die im August dem Stadtbezirksbeirat vorgestellt wurden. Demnach soll die Schleife, wohl mit Fördermitteln zur Verbesserung der Infrastruktur im Rahmen der Fußball-EM 2024, im Bestand! saniert werden“, schreibt uns Ulf Walther. Und bestätigt damit genau die Kritik der Grünen.

„Einzig ein behindertengerechter Ausbau sowie eine Unterstellmöglichkeit auf einem Grün-Fleck zwischen Max-Planck-Straße und Friedrich-Ebert-Straße soll mit gebaut werden. Weiterhin sollen offenbar mit diesen Fördermitteln weitere Nebenstraßen im Waldstraßenviertel saniert werden und die Waldstraße selbst, grundhaft, unter Erneuerung der Straßenbahntrasse und Aufweitung für 2,40 m breite Straßenbahnen, die, so der Traum der LVB, bis 2024 rollen sollen. Sprich: Mit diesem Geld soll offenbar überwiegend das gebaut werden, was die Stadt ohnehin bauen muss, egal, ob es eine EM in Leipzig gibt oder nicht.“

Und dann stellt er logischerweise fest: „Was mit diesen Mitteln nicht gebaut wird: Ausbau/Erneuerung der Haltestellen Waldplatz/Arena, Sportforum Süd und eine Kapazitätserweiterung der Schleife Feuerbachstraße. Auch nicht aufgrund der Tatsache, dass die Stadionkapazität von heute 42.200 auf 48.000 Plätze ausgebaut wird.“

Etwas, was in der Sitzung des Stadtbezirksbeirats am 22. August ebenfalls kritisiert wurde. Im Protokoll liest man dazu: „Für die Wendeschleife muss ein Teil der Grünfläche verwendet werden, um auch einen Unterstand für die Haltestelle zu errichten. Herr Demmig fragt, wie genau die Wendeschleife gestaltet werden soll. Frau Dorn sagt, dass die geplante Schleife zum Parkplatz nicht kommen wird und man aus diesem Grund eine Schleife über die Max-Planck-Straße plant, wo auch die Haltestelle eingerichtet werden soll.“

Und dort liest man auch: „Die Gleisschleife am Stadion soll im existierenden Straßenbestand geleistet werden, da andere Flächen für die Planung nicht zur Verfügung stehen.“

Das ist genau das von den Grünen benannte Problem: Mit dem Projekt Alte Elster blockiert die Stadt sämtliche Lösungen, eine leistungsfähige Straßenbahnendstelle direkt auf dem Stadionvorplatz zu bauen, dorthin, wo sie hingehört, wo nicht nur Straßenbahnen wenden können, sondern Straßenbahnen auch auf Überholgleisen stehen können, um sofort große Passagierzahlen aufzunehmen, wenn Veranstaltungen zu Ende sind.

All das, was am 22. August im Stadtbezirksbeirat vorgestellt wurde, erzählt davon, wie eine falsche „Hochwasserschutz“-Politik sämtliche sinnvollen Planungen westlich des Waldstraßenviertels verhindert.

„Für mich ist dies unfassbar und zeigt erneut, dass Stadt und LVB im Bezug zum Straßenbahnnetz/ÖPNV-Entwicklung nur das Nötigste tun“, kommentiert es Ulf Walther, der auch selbst gern zu RB-Spielen geht.

„Warum eine große Straßenbahnschleife nicht möglich ist, nicht gewollt ist, ist mir ein Rätsel. (Ganz abgesehen davon, dass seit dem Aufstieg in die 3. Liga regelmäßig diese Schleife befahren wird und bis heute nicht einmal die Handstell-Weiche durch eine elektronisch steuerbare Weiche ausgetauscht wurde, was bedeutet, dass im hochtaktigen An- und Abreiseverkehr die Fahrer zum Weichenstellen aussteigen müssen oder ein Mitarbeiter als Weichensteller eingesetzt wird).“

Die aktuelle Haltestellensituation in der Max-Planck-Straße. Foto: Ralf Julke

Die aktuelle Haltestellensituation in der Max-Planck-Straße. Foto: Ralf Julke

Und dann gibt es ja noch die vagen Vorstellungen, auf der Wendeschleife künftig auch eine Straßenbahnlinie enden zu lassen, hier also auch im Alltagsbetrieb Straßenbahnen fahren zu lassen, was mit einer voll ausgestatteten Wendeschleife eigentlich erst sinnvoll wird.

Ulf Walther: „Hinzu kommt, dass den Überlegungen der LVB zufolge die Feuerbachschleife perspektivisch regulärer Endpunkt einer Linie sein soll. Es gibt im LVB-Netz nicht eine reguläre Endstelle ohne Überholgleis. Mit dem in Asphalt gegossenen Plan der Schleife Feuerbachstraße hat diese Schleife das Ausbauniveau einer Umleitungsschleife Ellie-Voigt-Straße oder Märchenwiese. Dass dort nicht ein einziges Überholgleis geplant wird, finde ich – seltsam. Dass die Schleife Feuerbachstraße mehr leisten können muss, als diese Umleitungsendpunkte, ist eigentlich selbstredend.“

Aber augenscheinlich braucht es erst wieder einen Stadtratsbeschluss, um die Stadtverwaltung dazu zu bringen, das Selbstredende endlich auch in Pläne umzusetzen. So, wie das Vorhaben im August im Stadtbezirksbeirat präsentiert wurde, fungiert das Datum Fußball-EM 2024 wieder als eine terminliche Erpressung, um ein völlig undurchdachtes Projekt schnell mit Fördergeldern in Bestand zu setzen und damit für die nächsten Jahrzehnte festzumachen – dann zum dauerhaften Ärger von Fußballanhängern, Personal und Anwohnern.

„Aktueller Zustand also wird auch der künftige sein“, stellt Ulf Walther fatalistisch fest: „Speziell im Abreiseverkehr stellen sich mehrere Bahnen in der Feuerbachstraße auf und blockieren sie komplett für mehrere Minuten – bis zu 30?, auch für Rettungseinsätze. Angesichts dieses großen Stadions und zu denkender Großeinsätze im Katastrophenfall nicht auszudenken!“

Statt endlich die Feuerbachschleife zu bauen, versucht Leipzigs Verwaltungsspitze, RB ein Filetstück zu verkaufen

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