1.1 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Eine Studie von 2014 verrät, wie kleinkariert der Beschluss zum Verkehrskonzept Sportforum ausgefallen ist

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Immer wenn RB Leipzig im eigenen Stadion spielt, wird es eng rund ums Sportforum, sind die Straßenbahnen in der Jahnallee und der Waldstraße überfüllt und die Haltestellen in der Waldstraße und Am Sportforum sind so überlaufen, dass die Fußballfreunde unter die Straßenbahn zu geraten drohen. Am 3. März fragte L-IZ-Leser Ulf Walther nur zu berechtigt: Warum wird dann nicht endlich eine leistungsfähige Wendeschleife im Stadionumfeld gebaut? Jetzt fragt er sich: Ist das nicht eigentlich längst beschlossen?

    Auf den ersten Blick sieht das so aus. Wer die Website mit den Informationen der Stadt zum Verkehrskonzept am Sportforum aufruft, findet dort auch den Stadtratsbeschluss von 2014, der all jene Maßnahmen auflistet, die seit 2012 diskutiert worden waren. Der Stadtratsbeschluss betont auch, dass das nur der erste Beschluss mit schnell umsetzbaren Sofortmaßnahmen sein würde. Nur: Einen weiteren gab es nie.

    Dem Beschluss angehängt ist etwas, was damals kurzzeitig für Wirbel sorgte. Denn Leipzigs Baudezernat ging einmal nicht davon aus, dass Leipzig die Verkehrsorganisation rund um das Stadion eines Bundesligaclubs neu erfinden müsste.

    Man beauftragte ein renommiertes Ingenieurbüro, das schon bei der Entwicklung eines Verkehrskonzepts rund um das Weserstadion in Bremen gezeigt hatte, dass es der Komplexität der Aufgabe gewachsen war: SHP Ingenieure aus Hannover. Deren im Januar 2014 vorgelegtes Verkehrskonzept ist dem Stadtratsbeschluss angehängt.

    Und so taucht auch für Ulf Walther die Frage auf: „Wichtige Frage: Warum schaut keiner mehr in die Studie? Insbesondere die LVB? Und denkt auch nicht daran, die umzusetzen?“

    Eine nur zu berechtigte Frage. Denn die Studie listet alle Probleme auf, die heute bei RB-Spielen im Stadion zu beobachten sind. Und die sich alle noch verschärfen werden, wenn die Stadionkapazität auf 48.000 Zuschauer oder noch mehr erhöht wird.

    Unter anderem, wie auf Seite 57 der Studie zu lesen ist: „Da an der Haltestelle Sportforum die Kapazitätsgrenze erreicht ist, muss die bisher provisorisch betriebene Haltestelle Stadionvorplatz/Max-Planck-Straße ertüchtigt werden.“

    Am provisorischen Betrieb der „Haltestelle Stadionvorplatz/Max-Planck-Straße“, also der sogenannten Feuerbachschleife, hat sich bis heute nichts geändert. Sie wurde nicht einmal ertüchtigt und mit Fahrgastanzeiger ausgestattet, wie das mit diesem Stadtratsbeschluss eindeutig beschlossen worden war. Für die Ertüchtigung hatte der Beschluss 100.000 Euro vorgesehen.

    Erst jetzt – sechs ganze Jahre nach dem Beschluss – haben die LVB die Ertüchtigung der Schleife überhaupt erst in die Planung aufgenommen.

    Doch das wird die Probleme nicht lösen. Das betonte auch die SHP-Studie 2014 schon, wo man auf Seite 45 lesen kann:

    „Haltestelle Stadionvorplatz/Max-Planck-Straße

    Spätestens im Szenario IV mit 14-tägigen Veranstaltungen in der Größenordnung 35.000 bis 44.500 Besuchern ist die regelmäßige Nutzung der sog. ,Feuerbachschleife‘ (d. h. ein Linienverlauf über Waldstraße-Feuerbachstraße-Max-Planckstraße-Fregestraße-Waldstraße) eine wichtige Maßnahme, um die erforderliche ÖPNV-Kapazität bereitstellen und auch betreiben zu können. Die Leistungsfähigkeit der Haltestelle Sportforum an der Jahnallee und der darüber verkehrenden Straßenbahnlinien ist endlich, sodass zu empfehlen ist, ein zusätzliches, leistungsfähiges ,Ventil‘ zur Beförderung der Stadionbesucher zu schaffen.

    Die bisher eher als provisorische Lösung betriebene Nutzung der Feuerbachschleife mit der Haltestelle Max-Planck-Straße/Stadionvorplatz wäre dafür eine sehr gut geeignete Regellösung. Allerdings ist dann der Zustand dieser bisher provisorischen Haltestelle aufzuwerten und an den Haltestellenstandard der Leipziger Verkehrsbetriebe (Bahnsteig mit befestigter Wartefläche, dynamische Fahrgastinformation etc.) anzupassen. Außerdem sollte auch die Bereitstellung der Straßenbahnzüge verbessert und ggf. neu organisiert werden. Auch das Freihalten der Gleiszone muss beschilderungstechnisch und gestalterisch sichergestellt werden.

    Die Feuerbachschleife in der Kurve in die Max-Planck-Straße. Foto: Ralf Julke

    Derzeit ist die Feuerbachstraße im Falle von dort wartenden Straßenbahnen nicht mehr für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge befahrbar, weil beidseitig am Fahrbahnrand geparkt wird und sich das Straßenbahngleis in Mittellage befindet. Daher wird im Gegenzug die parallel verlaufende Fregestraße freigehalten und kann deshalb nicht als Warteposition für Straßenbahnen genutzt werden.

    Es sollte in diesem Zusammenhang geprüft werden, ob eine Inanspruchnahme der Dreiecksfläche zwischen Max-Planck-Straße und Friedrich-Ebert-Straße ggf. mit einer Verlängerung des Straßenbahngleises zum Stadionvorplatz möglich ist und dadurch die Haltestellensituation eventuell nachhaltig verbessert werden kann. Insgesamt ist der anforderungsgerechte Ausbau der Feuerbachschleife als unverzichtbare Maßnahme zur Sicherstellung der ÖPNV-Leistungsfähigkeit in den Szenarien IV bis VI zu beurteilen und zu empfehlen.“

    Doch das hat der Stadtrat so 2014 nicht beschlossen.

    Mutmaßlich, weil man meinte, eine solche leistungsfähige Wendeschleife nicht finanzieren zu können. Denn von den beschlossenen 100.000 Euro lässt sich nichts aus dem Vorschlag finanzieren, weder Barrierefreiheit noch mehr Bereitstellungskapazität.

    Auf Seite 51 betont die Studie übrigens noch einmal, wie wichtig diese Wendeschleife zur Entlastung der Jahnallee wäre: „Die Problematik, bei großen Stadionveranstaltungen ausreichende Straßenbahnkapazitäten vorzuhalten und die Fahrzeuge in einer akzeptablen Reisezeit zwischen Hauptbahnhof und Stadion verkehren zu lassen, führt zu teilweise erheblichen Engpässen im Straßenzug Jahnallee/Ranstädter Steinweg.

    Besonders problematisch stellt sich die Situation im Abschnitt Waldplatz-Leibnizstraße durch das Zusammenführen der Jahnallee- und Waldstraßenlinien dar. Es sollte geprüft werden, die Sonderverkehre der Linie 4E vom Stadionvorplatz (Max-Planck-Straße) nach Norden abzuführen und unter Ausnutzung des Waldstraßengleises eine Art Ringlinie zur Kurt-Schumacher-Straße/Hauptbahnhof einzurichten. Eingedenk der Schwierigkeiten, einen derartigen Ringbetrieb neu zu installieren, sind folgende Vorteile des Vorschlages hervorzuheben: …“

    Skizze zu einer Ringbahn 4E. Grafik: Studie von SHP Ingenieure zum Verkehrskonzept Sportforum
    Skizze zu einer Ringbahn 4E. Grafik: Studie von SHP Ingenieure zum Verkehrskonzept Sportforum

    Die Vorteile kann man auf Seite 51 nachlesen.

    Aber wer in den Beschlusstext für den Stadtrat schaut, findet diese Ringlinie dort auch: Die LVB sollten prüfen, ob und wie so eine Ringlinie zu schaffen wäre.

    Passiert ist das bis heute nicht.

    Und noch etwas findet man im Beschlusstext: Eine kleine Passage, mit der das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport alle diese Lösungsvorschläge sofort zunichte gemacht hat. Denn dort kann man lesen: „Planung Öffnung Alte Elster, auch im Bereich Stadionvorplatz (Umsetzungszeitraum bis 2027, Gesamtbreite der Gewässeröffnung 30 m (20 m Gewässer + 2×5 m Uferrandstreifen, siehe RBIII-1563/2004 vom 18.02.2004).“

    Dieses völlig überflüssige Flussprojekt nimmt am Sportforum so viel Platz in Anspruch, dass an eine Lösung für die Verbesserung der ÖPNV-Anbindung, wie sie der Stadtrat eigentlich gefordert hatte, nicht zu denken ist. Und keine Fraktion hatte den Mut, diesen Unsinn aus dem Beschluss streichen zu lassen und den Weg zu eröffnen, das Fußballstadion endlich mit einem leistungsfähigen Zubringer der Straßenbahn zu erschließen.

    Stattdessen werkelt man auch sechs Jahre später noch im Kleinklein, ohne den Mut, an einem Bundesligastadion auch eine Straßenbahn wenden zu lassen, die den Namen Fußballlinie verdient hätte.

    Das Fußballstadion von RB braucht endlich eine leistungsfähige Wendeschleife

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache (Stand 24. Januar 2020): Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen. Doch eben das ist unser Ziel.

    Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen und ein Freikäufer-Abonnement abschließen (zur Abonnentenseite).

    Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Aufrechterhaltung und den Ausbau unserer Arbeit zu unterstützen.

    Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 350 Abonnenten.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige